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Full text of "GAMMTLICHE KINDER UND TUGENDSCHRIFTEN."

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X 




^■KB 






^T^KJS^fe^ 






Don 



Soad^im «^cinri^ ßampe. 



ajlerte ©efammtau^gabe bcc U%un Jpanb. 



2C(^teg SBdnbc^en. 



^eelenlei^re f&r .Sünber. 



9{e(il fiebir^n Aupfertafffn. 



3n ber Steige bte elfte Original s2CufIage. 

JBtaunfd[^n)ei8/ 

Seclag ber @4)ulbu(i^i^anblund. 

1831. 



as r t e b e 



jur etjlen ^Cuflage. 



®me <Seelen(e^re fär Atnber ifi, fo \>ie( ic^ 
iDeif , no$ feine gen)5^n(icl^e 6rf4)einung unter und ; 
unb ed bfirfte ba^ec n)ol SJ^and^ec t)erlegen fein, mad 
er fibet ttn ©nfaU ; fte ju fd^retben; für ein Üct^eil 
2tt fdOen l^abe. gär folc^e ai\o, unb für aKe Sie^ 
ientgen, bie ftd^ btefed S3fic|)Utn$ juc Untecweifung 
il^rer ^inbec Uhitmn tooütn , toiH iä) IS)iet tixiüd) 
bie Zn\ifi)Un au^etnanbertegen ^ bie id^ babwd) ju 
ecteidl^en f)o^U. 

Diejenigen ; n)etd^e mic^, ober einige meinet @r« 
Sie^ungöfc&ciften fennen^ »erben miffen, ha^ njol 
deiner t)on ber ®dji\>ii(i)ttit einer frühreifen SSer? 
tlanbe6-3(u6bi(bung ber ^inber, befonberg bnti) S3äs 
c|}erunterrt(^t / inniger burc^brungen fein f ann , al9 
iä) e^ burc^ ©runbf^ge unb a\i9 @rfal^rung bin. 
S)iefe n>erben ftd^ ba^er t)ie((eici)t n^unbern , me ge« 
rabe x^ ed fein muffe, ber \iä) einfallen la^t, un 
neue^ SBerf^eug ju einer fotc^en 2(u^bi(bling me^r 



IV SSorrcbe 

in erftnnen ; unb , nad)htm e^ t)o(lenbet toat , ed ie« 
bem SDJetflec unb jebem ^fufd^^et; ju beliebigem ©e» 
brauche ober SRtgbtauc^e anzubieten. 23iefe SSer- 
wunberung niadi)t mir Qbvt, unb t)ecbient ballet 
meine aufmerffamfle (Srwieberung. 

^d) mu$ bemnac^ 5Ut)8rber|l t)etftcl&ecn; ba$ 
feine in meinen ®runbfa|en t)orgefaUene SSecdnbe- 
cung , fonbern r)iclme()c bie iftece (ebfjafte (Smpfins 
bung eine^ n^irflid^en S3ebfirfniffe§, n)e(cl()e$ ic^ n)a^cs 
{une^men glaubte ; mic^ t)ermod)t IS)at; biefe^ SBerfs 
d^en auljuacbeiten unb befannt ^u ma^en. ®o 
fe^r iö) tiimüö;) aud) tcun\d)U, ba^ man Un Qi^tnu 
lid)m sufammenf)angenben Untetcicbt in bet; 
{Religion unb in bec Su ge nb lettre bi^ bal^tn t)ers 
[Rieben mod[)te , voo bie ®eele be^ ^inbee^ ^um {u* 
fammenl()angenben S)enEen reif in tüttbm anfingt, 
fo menig 9Bal^rf((}etnlicl()feit ifi gleic^mol ha, ha^ htt 
grofece S^eil bec ajatet, bec ßcsiel^et: unb bec 2fufa 
fe()ec berfetben in bie ©cönbe biefeS ©unfdSie^ ein« 
ge^en unb bie Stic^tigfeit betfelben anerfennen merbe. 
^(3^ felbfi , bec x6) ha^ @lucE ^abe , unter allen Sr- 
iie()ei:n S>eutfci)lanb^ \>\tMd)t bec unab|)dngigfle 
{u fein, fe^e mi(^/ nad^ 3(bn)dgung be^ grigern, bei 
einigem 9{ad)geben gegen allgemeine äSocuctbeile 
mir erceicl()baten ftttlic^en 9{ugenö, genot^iget, t)on 
bec Strenge einigec meiner @runbfdge' in ber Tinß* 
ibung f)\t unb ba ein n)enig nac^^iulaffen, n)eil id) 
mit jebem anbern SSeltbeobad^ter bie Srfa^rung ge» 



Sur erflen Auflage ^ t 

mac^t 1)aU, bafi man gemeintglid^ aOfe^ @ute IS)tn« 
bert; »enn man aM ernannte ®ute aufeinma^I 
^arttiäcftg ju erringen flrebt. 

Sonadb gtaube id^ anntf)mm in bfirfen, ha^ 
aixd) ber fceiefle @r{te()er frember £inber vool nxi)t 
umlS)<n finnc; f(i)on ad)t« bi6 ;el()nij()rtgen Ainbetit 
eine Ttxt t)on ^ufammenl^angenbec Untertvei« 
fung in ber Siengton unb @ittenlef)re ju geben, un* 
gead&tet er ftc^ , wenn er weife x% x\aä) a»Jglic|>feit 
bem&IS)en wirb, hu gelehrten S)enfbanbe, bte er 
bem jungen ©eifle anlegen fott , fo fej&r er f ann, ju 
t)erjle(fen. ^un midjU ic^ aber wiffen, wie €6 
mi0d) fei, bei einem fold^en , fcf)on auf wtrfUd^e 
@runbe gebauten Unterrichte (er fei fibrigenl fo furj 
«nb fo felS)r IS)erabgetlimmt, aU er nur immer wolle!) 
ouf eine »ernönftige SBeife ju SDBerfe ju geJ^en, 
o()ne bei jebem neuen @cf)ritte eine gficfe anjutref* 
fen, fiber weld)e irgenb ixm SSorerfenntnip aud ber 
@eelenlef)re gur SSrfitf e bienen mup ? — tcu man, 
§. 85. einen wahren unb wfirbfgen Segriff \>on 
©Ott, Don feiner ©eifiigfeit, \>cn feinem unenblid^en 
SSerjlanbe, t)on feinem ^eiligen SSiden, t^on aßen 
barau6 abfitefenben untergeorbneten (Sigenfc^aften 
beffclben erwerfen f onne , obne erft bie notf)börftig* 
flen aSorbegriffe üon bem SBefen unb Un ©igen* 
fd{;aftett M menfd^ticben ©eifle« entwidelt §u bö* 
ben? — mz man ferner bi« in iebem Unterrid^tt 
über fittlic^e ©egenjldnbe unüermciblid&en SJSirter 



SBerflanb; SBernunft, Steigungen, SSegter* 
ben; ©innttc^fett; 9latuttrte6; geiben* 
f ^ a f t u. f. to. üernfinfttgerweife gcferoudS^en f jnne, 
ol^ne 23a^ientge, toa^ baburd^ au^gebrucft n^ecben 
foUf hm Ätnbern iDOt'^n erjl anfc^aulid^^ gemac^it su 
^aben ? 

@o getoip atfo 6et einem fiberlegten Untetrid^te 
hxt 9?atutgefdS)icl)te bet SlotutUl^re/ bie 
ßetgltebetung^funfi bet etgentltd^en «^ei(» 
fünft t^orau^gef^idft n)erben muß; e6en fo gemiß 
muß Quc^ ein Snbegrtff t?cn ajocfenntnif» 
fen an^ ber @eclenUI[)t:e bem eigentlid^en Sie* 
ligionöunterric^te unb bet ©ittenUl^re 
oorl^erge^en. Unb bieö ijl ber erjle ®runb, ber mid^ 
bejiimmte, hit fotgenben ©efprac^e, miii)t bie be* 
fagten not^bfirftigen SSorerfenntniffe enttrirfeln , erjl 
mit meinen eigenen 38gtingen anjufietten ; unb fte 
bann jum beliebigen ©ebrauc^e anberer @riiel()er 
brucfen ju laffen. 

»^ier ijl ein jmeiter. @iner t)on benjenigen ßr* 
8ie^ung0grunbfa|en, ttjeld^e ben wenigjten ßinfdE^räns 
fungen unb liußm^tmn unterworfen ftnb , unb bie 
id^ ba^er a\i6) in ber 3(u^fibung am i(nablif{!gf!en 
Dor 2(ugen ^aU, ijl ber: ha^ bie üollfcm^ 
menfle 6r5iel()ung biejenige x\t, »eldj^e 
alle forperlidj)e unb geizige 3(n lagen ber 
Äinber, in btm bejlen SSerlSialtniffe ju 
cinanber, gleid^mdßig au^jubilben fud&t. 



iur erflen TCuflage. yii 

Stefem @ttinbfa|e {ufotae bemale td^ nit<^/ fo felSir 
e^ immer mi%ii(b i^, bie Uebun^en Ut nnUt mei* 
nee ^Cufftd^t ju er}iel^enben StxnUt fo absumeflen 
unb auf etnanbec folgen ju laffen ; baf feine i^rer 
Acdfte t)oriugd»)eife enttoitfelt, feine ber anbern 
nad^gefelt; fonbern jebe gteicl[^md$id bearbeitet werbe. 
2)af ibrtgend bied nicIElt mit 3irfe( unb S^aßflab in 
ber <^anb gefc^el^en fdnne , unb \)a9 ber dufall ober 
ber Snbegrif atter berjenigen S)inge / ti^ti^t ni^^t 
in unferer ®en)aU flehen , hA^ t)on und abgegielte 
®(eid^gen)icl^t gar oft t>errfi(f en^ oerjle^t ftd^ , benfe 
ii!^, tooi r)on felbfl *). 9lun »irb aber jeber ?e^rer, 
ber Aber ^aß, toaß er Ulg^rt^ gelS)5rtg nad^benfen unb 
S3eobadE;tungen anfieUcn fann, %^^tf)m, bap bei mu 
Un ber betradj^tlic^jfe 2lS)ei( M gemo^nKd^en ®cl^uU 
unterridE^td nur ba€ @ebäc^tniß ber Sinber in 
98irffam!eit fege, unb aOe bie ftbrigen ©eeUn« 
fil[)ig feiten batb mcl)t, balb toeniger, in unge« 
flortem ®cl^Cummer ru^en laffe. 3(^ glaube ba^er, 
bei meiner eigenen 3(udfibung bted Uebergetoid^t ber 
Uebungen M ©ebdc^tniffed \>on S^it ftu 3^tt unter« 
brechen, unb Qttoaß unterfd^^ieben in möffen, baS 
unmxttzihat bie fibrigen ®ee(enfcäfte, ba0 @e« 



*) ®ö wie f« fld» ftttcf» Döit fertfl »erfleht, baf Ui juneft« 
tttenbfm $((ter bei SUnhti auf bte (unfttde ganie 99eflim' 
mttng beifel^en ^ttifldtt genommen, unb in ber 9(nweit' 
buttg bei otiaen Ortittbfafel banad» »erfahren werben 



rm SJorrcbe 

bAd^tntf hingegen nur mitte (6a rertvetfe Ufd^ifs 
ttgen mSge. S)a^ec entfielen benn befonbere Ue^ 
bungen ffit ben SSerflanb; befonbere für bte (SinhiU 
bung^Fraft; f&r \>tn 98ig; för ben ©df^arfjtnn unb 
{^r iebe anbere. \)txii^li6jt @iee(enfrafC; bte toxt, t^ 
ren 9Btrfungen nada , mit Stecht t)on einanber un« 
terfd^eiben , ungea(l()tet fte im @runbe nid()t6 nnber^, 
aW eben fo t>iete STrtungen (9Robiffcatlonen) einer 
unb eben berfetben 2)en(fraft ftnb. 

©ne Don feieren, jur S3efocberung M ®Uxä)Qt* 
ttii}t^ unter ben ^eeUnfr^ften ber ^tnber angejielTs 
tm tteiunqen be$ 93erf!anbed tvaren biefe QitfptM^t, 
bie ic^ am QnU einer jeben ge^rjlunbe mit alTen 
ben Srtlic^en Umfidnben auffcf)rteb; unter mitl^tn 
pe gei^aUen waren. 

Aber »oju biefe« ÖertlidSie in ©efprad^en, bie 
nun bejlimmt ftnb, 6ffent(id> aufgepelit 5U irerben? 
Um biefe S^age ju beantirorten, muß ic^ eine brttte 
Zb\id)t anzeigen, bie mxd) jur Sefanntmadj^ung ber^ 
felben bewogen f)at 

^d) graube namUd^, mir o^ne ©elbffgefdßigfeit 
betrugt fein ju burfen, ba^ id), nacf^ ^temltdS) lan« 
gen Uebungen im Unterrichte, unb md) thm fo lam 
gen SBeobad^tungen fiber bie Äinbecfeelen , in ber 
ÄunfJ, SSegriffe ju entwicfetn unb mitjut()ei(en; txai) 
unb nad^ einige S^ort^etCe bemerft ^ahm mag, 
mli)i nic^t iebem JTnfdnger in ber auöfibenben 6r^ 
{ie^ung^te^re befannt unb geläufig ftnb. Solche 



3ur etilen Kuflage. ix 

Bemecftc SSoct^ette ali OZegeln \>cr2utragen , l^at tot» 

nig klügelt; n)et( tiefe Siegeln nur für 2)ieientgen 

ganj etnteud^tenb ftnb, bie tv^^renb xf)xtv eigenen 

2Cud&bung fd)on t)on felbf} bacauf gefommen n)aren 

— alfo ffir fo(c()e, bie {te fcl[^on fannten, \^cn am 

getoanbt IS)atten; unb i^vn folglid^ am »enigflen bu 

bfttfen. Sfir ben übrigen gr&gern Raufen ijl smif^en 

Sieget ttnb ^(nnoenbung eine folc^e £luft befefltgt, 

baf bie meiflen bei ber erflen red ffir immer jle^^en 

bleiben mfijfen, o^ne ju ber anbern fortfdf^reiten gu 

ttnnen. 3lber eine treue 2)arflettung einer »irf« 

ix^ gefd)e^enen Tfnwenbung fol* er Siegeln 

gen>dl()rt ben ^oxtf)til, baß auct) hitti langfam« 

ften aSerftanbe ha9 588 ie? bie 2frt unb SBeife bie« 

fer 3(nn)enbung; t?or'^ 2(uge gerficft; unb ber i()m, 

»ie allen 9Renfd)en; eigene 9{ad)alS)ntung« trieb ju 

eigenen SSerfuc^en in fi^nlidben Sdden gereift tvirb. 

3* glaube baber biefe @ef|>räd)e, o^ne »erleßung 

ber aSefc^eiben^eit ; ber JTufmerffamfeit junger dt* 

jie^er; a(« einen «einen SSeitrag ju einer angewanb« 

ten 5W et () übe niedre empfehlen ju bürfen. 

ffioUen fol*e junge geute fid? bie SRu^e geben, 
t)on hm aSerfo^rung«artett , bie id^ in biefen ^®e« 
fprad&en angewanbt IS)abe;.ba« 2Cnge meine abju* 
jie^ien; fo »erben fte r)Ott felbjl auf folgenbe 8e^re 
fltofen. Um begriffe au« ber ®eelen * unb ^flic^* 
tenlel^re für Äinber auftuflären unb jte ibnen an^ 
f(<iauli* SU ma^en, giebt e6 \)erfcöiebene SWittel, wo^ 



X SBorrebe 

t)on aber frciUd^ ba^ eine beffer , aK bad anbece ijf. 
}(m ftc^etfieti erreicht man feinen 3tt)e(f, mxca man 
fte aKe/ ein« nac^ bem anbern, anmenbet, um bie 
yoxL^t ®ee(e ju t^etfc^iebenen ^aSs^XvXi t)on t^etfc^ie« 
benen Seiten l^er unb auf ofiai t)etf(biebenen 9Be« 
gen auf einen unD eben benfelben Sted su fä^ten^ 
ber ibc babutcb um fo t)te( befannter unb unt^ergef« 
XvijVt n^etben muf. £)iefe SRittet ftnb foCgenbe: 

1. SRan fann Woß n)5rt(ic^ etfljren: — bie 
fd^tecbtejie unb unwitffamfle Sebrart vMzt 
^^%n I t>ornebm(icb tvenn man bamit anfangt. 
S)er Sebrer t>on @inf!cbt n)enbet fte {uUgt^ 
ober nur al^bann an, menn ibm ganj unb 
gar (eine anbece ju Gebote {lebt. 

2. 9Ran (ann bergUicben SSegriffe in finnli» 
eben äSorfleUungen; ®emäblben; Tupfer« 
flicben ü. f. tv. barfleUen ; unb bie ^inber jte 
bat)on abrieben (äffen. 

3. SRanfann fteburcb toabre, ober erbicbtete 
S3eif))ie(e, t)on 2(nbern b^^d^nommen, 
unb ffir bie iunge ®ee(e an$iebenb gemacbt, 
bi6 %\x einem sen)iffen @rabe ber 3(nfcbau(icb' 
feit erbeben; nocb beffer aber burcb folcbe 
SSeifpieU; n)e(cbe ^yx^ bem eigenen 
fleinen ©rfabrungöfreife ber \yxxi^ 
gen £inberfee{e felbfl ^tt^tm^xamtvi 
ftnb. 

4. gnblicb (^XL\i bie« iji unflreitig bte befle öers 



jttir erftcn TCuftagc. xi 

fa^tung^att \>t>n aUen) (ann man bie junge 
<Seete ; butc^ aUerUi U\d)t i\x erftnbenbe 7ln» 
flauen , felbfl tn ben gatf fegen ; bafi fte £)a^ 
jentge t^nn ober empftnben mup, toaB man 
tl^r anfd^auCtc^ }u maöjm ;ur 2(6ftc^t l^at, fa 
baf bet Sekret fte a^dbann nur erinnern barf^ 
t^ren SSlicf in ftd^ felbfl gu fe^ren^ um Sa^je« 
nige 5U (efen, tüa$ man i^r (elften n)o0te. 
?SRm wirb finben/ bafI ic^ atte biefe SelJ^rarten, 
t)ornel^mlt(IE^ bie legte , fo oft angetvaubt ^aU , aI9 
e^ in ®i\pv!i(i)m, bte gebeult merben fottteu; o^ne 
gar ju große 58Bettlaufi9feften gefd^e^en fonnte. 
2)em Bn^ecfe ber ^firje mufiten aud^ bie metflen 
ffttljd&en JCntoenbungen aufgeopfert werben, in ber 
SSorau^fegung ; baß bte ®e(egen{)eiten baju ftd^ ei- 
nem aufmerffamen Se^rer, and) o\)m Sing^fj^tfl/ 
r>on felbfi barbieten tv&rben. 

6in paar @ebanfen ju äSorfieUungen auf ben 
Äupfertafetn ftnb t?on Un 85afebon)fcl[)en ßlementar* 
bUbern entfernt, tt^eit ic^ feine {tvecf mäßigere anju« 
geben wußte, ©tefe Äupfer m&\\^n nicbt in ba« 
SSudb eingebunbeU; fonbern au9 etnanber gefc^nitten 
werben; bamit man ben ^inbern jebe^ ÜRal^C nur 
ba^jentge SSIertel t^orjeigen l6nne, bejfen man ge* 
rabe bebarf. Um 6nbe M Unterrichte fSnnen ffe, 
auf 9>appe geflebt; in bem ge^riimmer neben ber 
Aber biefe ®efprä(f)e ju ma6:)mhm Sn^aUWafer, 
juc täglidSien erinnerung; aufgehängt werben. 



xn SBottebe 

gioc^ ein ©ort tjcn bem ©ebrauc^e f fic Äin« 
bet, ben ic& t)on btefem SBerfc^en gemacht gu feigen 
tt)önfd)e. 6« foU, meiner 2r6ftd)t nadf^, fein eigene 
(Id^e^ Sefebud^, oJber a\x(l)Mn fogenannte^ Xom- 
penbium ober izf)xhnd), fonbern ^ulmi1)t Qu 
toai fein ; ba6 stvifcKien betben bte ÜRitfe ^^(t. 3d^ 
mänfc^e ndmtic^, baf ber Se^rer, ber bie$ ^&if^mxu 
Ui gebrauchten voxU, t>or jeber ^u gebenben Unter« 
ric^tSjlunbe fid) felbfl mit bem Sn^alte eine« bie« 
fer ©efpric^e befannt machen, unb fi<l) bann bemfia 
^en mige, bie barin entn>ic!e(ten S3egrtffe ben Rxn» 
bem auf eine gteicK^e ober j^nlid)e SBeife ab$u(ocFen. 
2Cm ßnbe eine« ieben Unterricl()t« möge er i^ncn 
bann ba« benfetben b«treffenbe ©efproc^ jur ffiie« 
berl^ofung erfl fetbjl üorlefen, unb nac^l^er e« aud^ 
oon ibnen lefen laffen. ©o, i^offe id}, tvitb für hm 
9lu6en be« angclE)^nben 8e()rec« unb ben feiner @c^fi* 
ler jugleic^ geforgt fein. 

3c^ war anfanglid^ gefonncn, biefe ©efpräc^e 
nod[) um einige ju tjermebren, unb ba« ©anje in 
einen fogenannten crjlen m\b jweiten £el()rs 
gang abjut^eiten, fo baf bie erflen SSogcn eine^Tn« 
(ettung mtt)aiun foUten, ganj jungen ^inbern bie 
attererjien SSegriffe üon fic^ felbjl auf eine i^rem 
2f(ter unb i^ren gabigfeiten angemeffene SQBeife UU 
jubringen. 2fber id^ fanb , baf icb ba« 5ffiefentlicl&e 
baüOtt fd)on in ben jenigen fleinen Sleligion^ges 
fprdd^en mitget^eilt 1)atu, bie im erjlen Steile 



)ut erflen 2Cuftade. xm 

meiner StsieJ^uns^fd^riften, ®. 251, ttnb in 
ber 5U 3((tcna t)on mir erfc^ienenen neuen SRe« 
t^obe, bie £inber auf eine Uid)te unb 
angenehme 9ßeife (efen gu (c^ren, abges 
brutft n^crben fmb; ^i) gUubte ba^er, l>af e0 bef» 
fer toive, diejenigen, mi6)t f\(b biefer ((einen 
^ilf^mitUi bebienen moKen, auf bie ie|t genannten 
SSfidS^er su t^ecmeifen , ald ibnen Qmat t)oriu(egen, 
n>e(c^ed ibnen, bent «!^au))tinl[)aUe nad^, f(^on be» 
(annt fein (onnte. 
»Hamburg, im SlBintermonat 1770. 



§8 r r c b e 
jur britten bi6 fiebcnten Äuögabe- 



(Seitbem ic^ biefe6 SS&d^Iein fc^rieb, l^aben bie SSer» 
nunftmiffenfcl^aften uhitf)aupt, unb bie @eeUn{e|)re 
infonber^eit, befanntUc^ eine gins^ic^e Ummitsung 
erfal(ireiu SBir (eben in bem 3<ita(ter ber UmMu 
Sungen. 2>ie neue AantifdSie &ttUnUf)tt ffe^t ber 
SeibniQifc^en unb SSotfifc^en ttxtl^t t>ie( i^n» 
Ü^tt mt^t, al€ bie neue gransiftfc^e »erfafTung 



XIV SSorrcbe 

betjetitgen , mli)t bucd^ fte t^erbtingt motben iß. 
SSei betben ^at man bie ©tunMagen m^^mff^n, 
um anbere (ob f)alti>atwtl tüxtb bie Srfa^rung lel^» 
ten) cm il^re ®tette ^u legem 

^it€ ^itu mtd() nun abfcl^reden foKen, gegcm 
mirttge AUtnigfeit; bie ^u einet Seit entflanb , ba 
bie ^eibnigifdjie ^f)iie\opl)H , tou bie %van^hfi\d)m 
}(U[ein^etcrc|)et:, nod) tu^ig auf t^tem unangefochten 
nen Z1)tom fafi , U^t, ba ZUti anbete ift/ noc^ ein^ 
ma^i bmäm in (äffen. 2)a0 mäcbe audfi mo( ge« 
fd)tf)in feiU; »enn nid()t tl^ei(6 ba^ äSerlangen einer 
iiemlidi) betric^tlici;)en 2al)l \>on Sefern, meiere eine 
mm 2Cttflage fobetten , t^eilö bec el^rlpfe Äunjlfleifi 
bet ^a6)bvviäev, mi(i)z pd) auc^ biefed SBerfd^enö 
fc^on längfl bemächtiget l^aben, unb ficl& an meine 
Untetbr&dung be^felben nxdyt feieren tc&tbcn ; tl^ei{^ 
enblid^/ unb ^ttat t^orifiglicb, aud^ folgenbe SSetrac^« 
tungen, mid) inm @egentl^ei( bennod^ inUit be< 
flimmt l^itten. 

@tne ®eelen(e^re f&t ^inber ifi, mie ic^ 
»Ol nic^t erfi ju fagen nit\)XQ fyaU, tttoai gan} Tin^ 
bete^, ai€ eine @ee(enUl^re f&r ÜRinnet; unb 
tjott einet ©eetenU^re f&t aSernunftfoc« 
fdEier ober ^^ilofop^en i{i fte DoKenb^ ^im» 
melweit unterfd^lt^^^n. @ie maf t ftd^ , n^ie Sebec» 
mann fte^t, (eine^mege^ toeitet Htca^ an, alß nur, 
bieienigen S3egtiffe au$ ber @ee(en(e^re auf 
bem SBege bec ßrfal^tung ju tnttoiitln, 



iVLt htitten hU fiebenten ^Cudgabe. xt 

meiere bei bem Sifitinge, a(d SJorbegttf« 
fe, üocau^gefefit »<trben mfiffeit^ menn 
ec irgenb etned sufammen^ansenbcn unb 
<kuf 93ecnunftt9al^r][)eiten gegränbcteti 
UntetridE^td in ber SieHdion unb bitten» 
iz^t^ fH^ »erben foH. S)iere SSorbesriffe 
nun i^yaben bei ber Umn)i(sung unferer SSernunft* 
»iffenfd^aften; fo t)te( tcl(^ merfen fann, entmeber gar 
nxil)t, ober bod^ nur in fofern gelitten, bai ber 
®pra(l^gebr<kuc^ in 2(nfe^ung i^rer ^in unb n^ieber 
t>erinbert morben ifi; unb fonac^ ifi ber 2Snl^a(t bie» 
feö SSud^d ; bei b^m ed auf jene aSorbegriffe nur aU 
{ein angefe^en n)ar/ grSftent^eild jegt nod^ eben fo 
toaf)v nnb nod^ eben fo brauchbar/ al^ er ed t^or^er 
war. £)ad SBenige, mad idEi au^ ber el^ema^ligen 
@a||ttngds®eeUn(el^re ober ber fogenannten bogmati« 
fd^en, bama^(6, M x6) biefed SBerfdE^en entmarf, 
aufnehmen ju ntäffen glaubte, fonnte, ol^ne IBeforgs 
nif einer aSerfi&mmelung , ffigUc^ bat)on abgefc^nit« 
Un n)erben. ^ied ifl benn audf; gefc^el^em 

^ennodb n)firbe id^ ed nid^t gen)agt l^aben, bie^ 
fem Keinen Suc^e bte @^re, unter bie 3al^{ ber 
®d^u(bfidE)er aufgenommen gu »erben, ju tofinfc^en, 
wenn ed ntdEit tf)txU feit meieren 3a^ren an Dielen 
Srten toirftic^ fc^on in SSeftge berfelben getoefen 
n)dre, unb toenn ii) nic^t anbern S^eild t}on ber 
Unentbel^r(id(^feit etne^ fotd^en ober äl^nlic^en Dorbe* 
reitenben UnterridS)t«, ol^ne »eitlen in bem Keinen 



XYi fSotteU iur btttten bid ffebenten Ausgabe. 
@e6iube unferec erflen ®dS)u((enntnif|e immer eine 
gtof e unb fc^dbUd^e £fi(fe bleiben tDÖrbe ; bte \)OÜs 
Commenfle Ueber$eugung l)itu» 3)n mir nun fein 
anbere^, ^u biefem ^rc^äe gefd^riebene^ S3uc^ be^ 
fannt toat, unb ba bte @ntn}ic!e(ungdarten/ bte ic^ 
^ier angewanbt f)aU, \)on fac^oerfldnbigen SSeurt^ei^ 
lern mxt^ gefunben n)orben ftnb, angel^enben Xin- 
berlel^rern jur 9la(6al)mung empfohlen ju mtbtn, 
fo l^abe idf) mir erlaubt, in IE)offen, \>a^ man — M 
in ber 2^it, ba und Semanb einen nodE) iwtämi^U 
gern Seitfaben gu biefem Unterricf^te tiefern wirb — 
ntein S3fic^Uin in feiner nunmehrigen t^erbefferten 
®t\talt, and) ferner ne(S) , toie bi^it, mit ^ad}fid)t 
gegen feine üRdnget unb Unt)oUfommen^eiten, merbe 
btn&%zn tooHtn. 2)ie äSerbefferungen befle][)en t^ei(6 
in genauerer SSeflimmung einiger SSegriffe; t^eild in 
®pra(^beri4)tigungen, t^eil6 ba, wo e$ nSt^ig fc^ien, 
in ^inmeifungen auf bie Ee^rfdge unfern grofleu 
ajerbefferer« ber aSernunftwiffenfc^aften. 
99raunfcl(|toeig, 1807. 



i^'J 



®me ©efefffc^aft Weiner SWenfd^en , bie fd[>on t)Ot 
3a^c unb Sag @6enba0 t)on t^rec @eele gel^irt 
Ratten, mad Sctte; bie i&ngfle unter i^nett/ in ben 
®efpt5rf)en mit i^rer STOutter lernte *), war 
oft fe^r begierig , nod) mel()r bat)on ^u f)ivm. 2)er 
äSater ^atte ibnen aud) ^umeiUn Un ®efaKen ge« 
tban, i^nen balb ^iefed / baih 3ene$ bat)cn ^u er» 
llif)Un, fo n)ie bie ®elegenl^eit e$ gerabe mit ftd^ 
brachte. Tlitt bad n>ar i^nen immer notf^ }u n}e« 
nig. ®ie woUten gar ju gern tl^ire unb anberer 
f0lenfd)en @eeXen nod^ etmad genauer (ennen Urnen, 
unb be0 St^agen^ n>ar ba^er Uin QnU. 

iDa fagte enblid^ bet 9kter : 

9lun , iSinber , mit i^t benn fo \t1^t Dertangt, 
mit eurer SeeU/Ob^r; n^elc^e« einerlei x\t, mit eud^ 
felbjl befannt ju werben, fa fott e« mir auf :ein 
Sugenb l^albe <Stvinbm, bie toit ba^u n&t^ig f)abm 
n)erb^, eben n\d)t onfommen. 3(ber ba^ fage ii) 
eud} \>otm$, e6 tvirb t>iet, t)iet .3(ufm«rffam(eit et« 
fbbert merben, menn t^c 7Ült$ fo rec^t Derfie^en unb 
- greifen »oKt, 

Ätnber. 

JD! toir tvoOen auc^ fo fiiK fein, mie Me Wt&ia^ 
c^en ; Sater foU nur fe^en ! 






2 GeeUnU^re 

aSater, 
mo^ html — mm ^äa tttt« ab, jejt g(et(^ 
atiiufangen. Sagert eud^! 

(IDie Jtinbec festen ft(b/ unb ba begann awtfcben {^nen 
ttttb bem Satec folgenbeS ®eri>ri(b.) 



©tfle« ©efpra*. 



iSo Diel, Amber, babt tbt bodj^ 3(tte tt>o( fd|^an 
tilogfi g^tvuft, baf tttd^t biefer unfet Seib , fonbem 
un^rt ®€e(e e« tfl; bie ba UU \x(ä> Ttm t^ut, 
maö toxt t^ornei^men ; mdj^t? 

Soi^anne^. 

jD \a, — menn bte ®ee(e caxt bem Setbe i^fataud 
t((, fo (iegt er ja ba, tme m Jtbunpen Sleiffbf unb 
fann ffcb gat tttcbt bemegeti. 

SSatec. 

0an) te4)t9 aber mte merben nrir e^ benn nun 
mo( anfhttgeti, um bie @ee(e, bie in btefem &ibe 
»erborgen iji, fennen im (emen? -- SSte? )i>enn 
Siner Don eucl(^ fo gut fein moKte, ftd!^ ben Seib uem 
Jtopfe bi^ }u ben Säßen auffc^neiben 5U toffen , ba« 
mit xm Sfnbem binetnfeben unb bemerfen f&nnten, 
maö f&r ein Z)ing e6 bocb t»o( eigentttcb fein mSge, 
ba^ y» ie(ft tbn belebt bat? 

XUe. 

6i, grofen 2)anf ! 2>a« ^dbn^iben t^ut toeb- 



für J^tnb^r. 3 

3a, mb toai t9&r&e ed a\xi) Reifen ? Sie ®ee(e 
friesten mit ia bocl(^ ntc^^t {u feigen ! Dte f ann ia 
mdllt gefe^en »erben. 

SBo^ec milft b^ Jbetin ba« fo iu»ttAiffi^ ? 

® mb ntd^t oft fc^on Seute babei gemefen , wenn 
ßiner ftatb, ober totnn (&inm ber Aopf mitten ent» 
5»et9el^uen nmrbe? 9la; .ba gxn% bod^ bie ®^ele 
be^ SJtenfc^^en i[)iiiA«^ <tui$ bim ^5rper; aber IJiat 0^ 
too( iemal()(6 @inec ^efe^en ? 

93ater. 

<^afi Stecht, £)tetnc^! i^araud fd^eint wirflic^ 
SU folgen , baß man bie ®ee{e mit Tlvigtri nxi)t fe- 
^en fSnne. — 3C6er menn fte nun gteid^ nid^t ftd^t» 
bat ift, fo ifi ffe DteUeic^t ^irbar, mie ber 9Stnb, 
ober f&f)lbat, mie ba^ Seuer, ober fc^medbar, mte 
®a(i ober 3utfer, in SBaffer ouf^e^^Pt? 

^ «ifoU«. 

3(^ l^abe mein Sebtage feine ®eeU gel^irt, ober 
gef&^lt ; unb fiefdJHnedt l^abe ic^ aud^ (eine. 

IBater. 

^ fnn ttt bem n$m(id^en gaOfe; unb anbere 
3Xmfd}€^ fo t)ie( i^ metf , ffnb ed atju^. — @on* 
berbor! SMu t$ fui) htm etn:»a gar {9 mit x^t 
beeilten I tpvt mit bem ^ufte ^iner Slofe, ober et« 
mv 9}e((e,# ben man (^u^ nid^ fef^en , nid^t t^Sren, 
nidSft f&^tm unb md^t fd^(fen, aber bod) rteddien (ann ? 

^Dtttiefr. 

^^t aj^ater ben^ fc^on ei«# ®«e(e gerodS^en? 

9Mn! 

2* 



4 ©eelenle^i^e 

iDber ^aUn anbere SRenfd^en ffe detod|;cn ? 

Sater. 
®o t?te( ic() meif / a\xi) nid^t ! 

Serbinanb. 
^Itttt; fo mufi man fte ]a a(fo wot auc^ ntc^t 
cied^en (innen ; fonfi n>äcbe ja tool @met tDenigjiend 
fte hoö) mmai^l gerod[)en l^aben ! 

SBater. 
©a« bettle t<l& audS^. — 3mmer fonbertarer! 
2)ie ®eefe tfi a(fo ein SBefen; tveldS^ed man ntd^t 
fe^en, nic^t ^5ren, nic^^t ffi^Ten , ntd^t fc^meden unb 

nxi)t ried^en (ana 

3ol^anne« (^aftig). 

3; fo ijl fte gar nt*te ! 

aSater. 
9Bte meinft bu ba$ ? 

3oM«tt^*« 
Zdf tomn man gar ni6)t^ f^^en, 1)ivtn, md)m, 
fc^meden ober f&^(en (ann; fo ifi ja gar nic^t^ ba ! 

»ater. 

@o fc^ettttd ; aber ber &d)t\n betrügt un9 oft. 

9lt(o(a6/ ^o(e mir einma^( betne Sauberleudj^te l^er. 

(S)ec IBater ma^te urtterbef bie g^nflerlaben ju/ ha? 

mit ed fm Stmmer ftnfter würbe; fleUte ftd^ barauf 

mit ber 3auber(eu(^te hinter einen e^ivm, wovin 

ein ((eines 2o^ üon ber ®r5f e eines IS^alerd toar^ 

(lielt (aö ®tad ber Beud^te in einer Keinen QnU 

fernung; fo, bap eS oon aufen nicbt gefeiten xotts 

ben ifonnte, oor biefes Zoä^, unb lief einige TCtlbiU 

bungen auf bie entgegenfie^enbe SBonb faOen.) 

SBater. 
9lun, fagt mir bo4i; ftinber, tvaS tji bemi toei 



für J^tnber. 5 

bie Urfadf^e \)on ben fBilbem, bte i^c ba an ber 
®anb fe^et? 

Äüe. 
S>ie 3<^u6etUucl()te. 

aSater. 
9Ba^ t{i benn etgentüd) in bet itud}U, toa$ btefe 
SBitfungen ^ecborbringt? 

©ietridS^. 
(Sin Sid^t/ unb bann aud^ Umaf)ite ®Üfttf bie 
baDot gehalten metben. 

aSater. 
Äonnt il^c biefe« Kid^t unb bie bema^lten ©Ufer 
benn jefet wct fe^en ? 

3fae. 

9lein! 

aSater. 
Sbec !5nnt il^c fte ettoa ^ocen, tiedf^en, fd^^mes 
den ober fohlen? 

TiiU. 

9lein! 

SJater. 
giun, mölket »ißt i^r benn, bafi bie 8eud)te mit 
bem ii^U mb \>zn bemal^tten @(ir<?m ^iet im 3im' 
mer ijl? 

Sol^anne«. 
9Sei( mit ben ®ii)m bed Sid^t« unb bie Silber 
Ott ber SBanb fe()en. 

aSater. 
Äfo ba^er, weil ba« Sic^t unb bie bema^lten 
©Idfer ^ier dttoa^ mad^en, dtwai l^erüorbrin' 
gen, »ae fonfl nid^t ba fein »Ärbe?« 

3oi^anne«. 

3a\ 



6 ®eeUttte]^te 

Viattt. 
9}od^ etn^; xoa9 "^abz idf) ^ter? 

2fne. 
2(^! bm SRagnet! 

6r |te^t bie StabeC an ; al^ ! ba$ ifi ^bac^ nirrtfdi^. 

Catet. 
Mnnt i^r bie Jtraft; momit bet SRagnet ba6 
Sifen an ftd^ stellt, fe^n? 

3Cae. 
9lein! 

SBdter. 
jDbet ({tint i^r btefe Staft ^Sren , tted^ett; fd^me« 
den^ faxten? 

3(ae. 
92etn! 

ä^ater. 
9So^cr tt)ipt i^r benn abermal^M fo iHberliffis, 
baf bec SRasnet btefe Xraft ][)at ? bap f!e micfUd^ 
ba tfi? 

Sol^anne^. 
9BeU t9tr fe^en ; ba| btefe Ataft etma^ ma<l(|t. 

SBater. 
Tftfa, t9C etmaj set^an ober Derd(t)tet wirb, ba, 
metnfi hu , m&fT^ aud^ ein S)ins fein / ba^ biefe^ 
tl^ut ober t^erri(t)tet? 

Sfo^anned. 
3a , fo meine id^^. 

SBater. 
9Sol^(! SSenn bu nun a(fo mit ®etoifl^eit er« 
fftl^refl , baf unfere ©eele auc^^ etwa« tf)txt, ober et* 



füv Aittbet. 7 

nocii tecti^m, wucbeft bu bann »ol no(^ itoeifetti, 
baf fte bafei? baf fle tttrKtci^ et»a« ftt? 

fRfitt/ bann nid^t mel^r. 

Später. 

SBo^tan! fo ia^t vtni benn emma^f \>ttfud)m, 
ob tt)it fte xAi)t ttxca auf bec S()at ntof^^n (im 
nen, tnbem fte gerabe et»a< mad^t. (SRtt leifec 
ettnmie. ) ®etb ZSU goni fttK , bomit n)tr fte ntc^t 
ftiten. &(l;)\ &^] — 9lan tpetbe» mir gieid^ et« 
toa^ t)on i^ter 2(t6ett s« fe^n befommen. — (SDen 
«ßttiib rttfenb.) @pahilUl (Gr ntatme ten «^uab, 
ttttb fett i$n auf ben Stf« .> Z>a f(^t t|m ^lOe eitK 
ma^( red^t an ! Stun mod^ Xtte bte Htx^en fejt ju : 
fo! — ttttb nnn Derfttd^ etttma^t^ ob il^ tuäji &pa» 
bitten toüi ttteber t)otfieI(en Ünnt^ o^ baf {|r bie 
Xttsen att^adEit Siwut tl^t ba^ ? 

2tUe. 

£> ]a\ £)! e^ ifi orbentßd^, atö toenn wir i^n 
nod^ mit Tirx^m fdi^en. 

aSatet. 

3^r ({nnt ettd;^ a(fo, an^ mit t>etfcl()(offenen Zu^ 
Sen/ ein SBitb t?on etwo^ mac^^en^ eud^ et»a« t>or« 
fleUen; nic^t? 

3a , ba« (innen tvir. 

»ater. 
Unb met ftnb benn bte SBic'«, bte baö (innen? 
®tnb e< eure Settei:? 

9}i(oU6. 
2(^ ! ba^ tverben toolunfere Seelen fein, biebo« t^iui t 

SBater. 
Unb mt (innte e^ benn aud^ fonfl n>o( fibt? 



8 Geelenle^te 

£of ttnfet itib f&r ftd^ felbfl ntd^it^ ju il^mt b«i^ 
mag; ba^ mtffen mit ja ; 2Cl(e^ a(fO; n>a^ n» 1 1 tl^utt, 
ba6 muß ja not^tDenbig unfece ®ee(e t^un. Zl\o 
and) f xoznn mir un^ etma« »orfieUen , mer t^ut e^^ 
unfer Seib ober unfete ®eele ? 

ÄUe. 
- Unfetf @ee(e. 

SSater. 
9htn, Sfo^anned; fc^eint e6 bit nun nod^ immer 
\tf att menn unfere ®(e(e gar nfdS)t^ fei ? 

3a^anne«. 
^m, menn fte etmad t^^vin fann , fo muf fie ja 
fe(bfl aud[^ mo( etmad fein. 

aJater. 
9Senn nun aber Semanb miffen moOte, mad um 
fere ®ee(e benn eigentlich fei, ma6 (Snnten mir, nad^ 
iDem / ma0 mir jegt t^on i^r erfamtt J[)aben , il^m 
antmorten ? 

3o()anne«. 
2>ie @ee(e ifi ein S^ing, ba^ ftd^ etma^ wrfiet^ 
(en fann. 

aSater. 
@in fol^ed S)in3 pflegen mir eine 91 o r fl e ( :» 
(ung efraft ju nennen. 

3ol(»anned. 
!Kun, arfo tji unfere @ee(e eine SSor* 
jle»ung«fraft. 

ajater. 
2(6er ifi nidbt eben ba6 audE^ ber ©pieget/ ber 
an ber SBBanb ][)ängt ? SteKt ber nid^t auc^ etma$ 
»or, bo« aufer i^m tfl? 

SKatt^ia^. 
3«! 



fit Jtinbet. 9 

aSater. 

Spiegel unb @eete ftnb alfo nool eimriei ? iDie 
®ee(e ifi m Spiegel, unb bet @piede( tfi eine ®ee(e $ 
ntd^t? 

(VOe mad^tm grofe ^Cugen, unb wuften nid^t, wai fit 

ba^u fagen foUten.) 

3^c jiu^t? 9lun, ic^ toiü mi) auf bte ®pui: 
^etfen. — 9Benn eure @ee(e f!c^ etxoai t)orfieUt, 
»eif fte benn a\xä) tvoi , maö fte tf)\xt ? SSetf fte, 
baf fle fic^ ettoa^ t)ot(ieat? 

Öja! 

SSatec. 
9Benn i^r aber ))ot ben ©ptegel tretet/ unb bte« 
fer bann euer S3tCb barlleUt, (onnt t^r glauben; baf 
a\xä) er »iffe; »a^ er tl^ut? tca9 fär ein S3ilb 
ieW in i^m ju feigen' fei? ^a^t, ^iaubt xf)t 
ba«? 

• 3C»e. 
£) nein! ber Spiegel »ei^ fa nic^td babon! 

aSater. 
SBenigften^ giebt er burd^ nid^t^ ju erfennen, 
baf er ettva^ bat>on »ifTe; toxv ^aben alfo aud^ 
gan) unb gar feinen @runb, i^m ein fold^e^ SBiffen 
jujufc^reiben. — 2)a »dre alfo ein grofer Unter« 
fc^ieb ^wifdS^en ber Seele unb bem Spiegel: mv 
bon eud^ f)at biefen Unterfd^ieb gefaft? SBorin it» 
^f)t er nun ? 

3o^anne6. 
2)ie Seele iteif/ »a6 fle ftd^ borflettt; ber 
Spiegel aber nic^t. 

SSater. 
SDec Spiegel alfo flellt blof iti»a$ bo 



10 &ttlinU^tt 

bte ®ee(e hingegen fleUt ftd^ [tmai t)or; 
bal ^etflt \a mot mit andern 9Botten: bte ®eele 
tflfid^ bemuft; fomol i^rer fetbfi, ald aud^ ber 
iDinge , bte fte f[d(^ t^orfieUt ; aber bec Spiegel toetf 
nx(i)t€, tveber t^on ftc^ felbfl, tux^ 90tt be» ^tigett, 
bie er t>orfleO[t ; ttt^t fo ? 

XUe. 
3a, ia, fo mi 

Spater. 
9lun , fo tDtfTett fotr alfo fd^n {tveierfei t>oti utt« 
ferer ©eele •, pe ijl — 

Sol^anne^. 
Q, fotl xd)i fagett? — ®ie ift ein IDing 
ober ein SBefen, bai fxö^ ^ttoa^ t>orfieUt, 
ttnb ba^ fic^ feiner unb feiner S3orfle(' 
(ungen betouft tfl. 

äSater. 
Olic^ttg! 9lun tvoKen toir unfere ®ee(en ein- 
mab( tvteber 2)ie^ unb Dad t^un taffen, bamit toit 
erfahren , toai fte etn)a noc^ me^r tonnen mSgen. 
®ebt ^er , f)\tt tfl ein ^nd) 5 — inbem il^r eure 
Xugen barauf ri<l^tet/ »ad t^ut eure ®eete? 

Tiiit. 
®te fieKt ftc^ ba« SSud^ vor. 

ajater. 
«^ier tft eine Heine @(o<le ; l^ort^t, trit ffe flingt! 
Aling! fling! Snbem i^r barauf i)ivt, m^ t^ut 
eure @ee(e ? 

ZiU. 
@ie fteUt ftc^ ben Alang t)or. 

Später, 
«^ier ift eine «^ia^inte , bie td^ im Stmmer ge^o» 
en ^abe ; t^erfud^t einm<il^(/ n>ie \d)bn fte ried^t. — 



fftc Jeinbct. 11 

SBa« ihm je|t eure ®eele , inbem ber «^ta)ttttenge« 
rtt(^ in eure 9lafen fietgt ? 

Ätre. 
@ie fteUt ftd^ ben @eru(l^ ber JpiaibxU bor. 

Sater. 
•|)ier ftttb aö)t JRoffnen/ ffir Sebeti etee; ge« 
fd^totnb bamtt ^um S9{uttbe ! — 9Ba9 mad^t eure 
®eele U^t, htbem i^r bte dioftnen fojht? 

TiiU. 
®ie fteUt \id) ben ®ef(f)ma(f ber Stoftnen t)or. 

ajater. ^ 
9Ser ettva^ ^Cngenel^ime^ ))on einem 7(nbern em- 
fransen f)at, ber mufl ftd^ nic^t tt)eigem, aucl(^ ein» 
malS)( ettva^ Unansenel()me6 t)on i^m an;unel^men. 
2ßfo, l^er euren atfiien! gftr jebe JRofine Sebem ei- 
nen {(einen ,R(a))|>^. 

TtlU. 
3tu! 3Cu! 2Cu!2Cu! 

(TCdgemeined Sreubendefci^rei.) 

Sater. 
9Jun, wa« tl^at eure @ee(e jegt? 

TiiU. 
®ie flettte [xä) ba« SSSel^tl^un bor. 

Sater. 
9lun fagt mir, mnn i^r feine 3Cugen j^ättet, 
um bamit ju feigen , feine £)^ren , um bamit ju 1(^5$ 
ren, feine 9Iafe , um bamit ju ried^en , feinen ®au« 
meu/ um bamit $u fd^medeu/ unb feine 9lert)en 
burd^ ben ganzen £eib/ um bamit }u f&^(en, — 
furj, »enn il^r gar feine ©inne l^ättet, »firbe 
eure ®ee(e ffd^ bann n)ot ba$ Me9 a\x6) t)orgef!eat 
^aben, toa» fte \id) je^t borjieUte? 



12 €(eelenle(te 

^tittf getoif nxd)t] 

SJater. 

9Bad alfo bem Simmermanne feine 2(pt, bem 
®(^netber bie ^aUl, bem STIa^Ier ber ^tnfet ifi, 
ba^ ffttb ber®ee(e bie @inne — i^re SBetf^euge. 
2>iefe gebraud^t fte notl^toenbig , menn fte fiö) eitt 
Sitb t>on einer &ad)t madj^en, ober , me(d(^e6 einerlei 
ifl; n^enn fte ftd^ etmad t^orjieaen miU '*^. Zl\o fc^on 

*) SKad) tftt (Slrutibfa^ftt unb tem ©pradygej^randte ter 
iKuern ©rrUnte^rf tnugte r^ ^ter iti^^ti: »wenn fle 
ft tt f dl auen, b. {. S)tn0f, bie im S^aumr fTnb, obrv 
Srfdiftnttttgeit waOrnr^men wia. « 3d» fatib e£ a(er 
tint^ua'd), beit o^t^rn alt^n ®prad»0ebraud» ^ter banad» 
oIi)u&nbertt ; benn ba hattt id) mtd) sttgtetd) in ^orterun« 
0ett tiRb $rf (ärungett , nad) itanttfdten (^runbfä^en, ein« 
fofFen möffcn, bie au bcit Srä^tdfcttcn beJknt'den %lteti, 
füt weldici mein 93üd)(ein d^dirieben tfl, utttnödtid) l!)er* 
abgeflimtnt werben fönnen. 3d) ^atte }. SB. aetsen rnnf« 
fen, ba$ ber (Sinn nnr ben ©toff bcr tBotHeUun^ lio 
fevt, b. t. ICnfd)auttRd mo^li^ ma^t, ber IBerfla nb 
ober, ati ber jweite 93eflanbttiei( bed @rfenntni$»ermo« 
0en^, bie 9 o r m ber IBorOeKund bergirbt, ober b e n f t ; 
bat Alfo ein SBrinbgeborner nur eine (eere 93orfleaung ber 
£farbe, ein Xaubgeborner nur eint (eere SSorfleaung 
0om ®d}atte, a(fo im (Srnnbe gar feine ^SorOeUung ba« 
von bat, ober fidi niätti babei benU. — S)antt 
bätte idi ferner aniei^tn muffen, bafi wir nur 3)a< er* 
fennen, wad wir iugCeid) nnfdrauen unb benfen; unb 
bat ba, wo d^in^ oon OSeiben, bai 9(nfd)auen ober ba^ 
Senfen febU« feine eigentridie (Srfenntnig möglid) 
iili baf in biefem ^aUe entweber nur (eere Zone, 
wie 9arbe für ben SBCtnbgebornen, ober btofe Sbeen 
rJBernnnftbeariffe), wie ein ®eifl, 0^ott, u. f. w. ^tatt 
ftttben. ^a bÄtte idi mid} enbtid} gar auf bie @eban« 
fenformen ober Jtategorien, unb worauf nid)t fonfl nedt 
mebr einfaffen muffen, wai idi für Jtinber fowot begreif« 
rieb/ af^ and) nö^fid^ mad^en au fonnen »eriwetfette. 



für Jtinbet. 13 

»tebet zttüd^ bon unferet ®ee(e erfannt! 9Sa^ totf» 
fen «Ott nun f(^on JCtte^ Don tlE)r? 

S id^! td^! — Unfere ©eele tfl ein 55Jefett/ 
ba^ \id) feiner fetbfl beruft i^lf — unb 
ba« fid^ tttoa^ borflellt — burd[> 4>filfe bet 
©inne. 

SJatet. 
95rat)/ 5Wifölaö! — 9lun will ic^^ eud^ au6) ein 
S3i(b geigen , tcohtx ü)v t\x6) m bted 3C(le^ tt)tebet er« 
innem finnt. @e^t l^iec! *) 

3(1 (e. 
Tif}l at)\ ba« ijl nett! 

Sätet. 
2)a finb ffinf Änaben abgebilbet, beren ©eeten 
fid) tmai t)0i:|lellen. ^a^t mix, tt>ag pdj? Seber ber* 
felben tooi eigentttd^ bocfleKen mag? 

Sietrid!?. 
2)er ba fiettt ftdj^ ein JBilb bor, bae er in ber 
«^anb ^d(t. 

Unb ber ^noeite, ber mit ber Keinen ®lcit (iu« 
tet, flettt ftd^ ben Älang berfelben bor. 

£>l unb id^ »eif , wa« fidj? ber ba borjleat, ber 
bie 5?afe jubrfirft : — ben ®erud^ . bec geber , bie 
er in« £ic^t i^Ält. 

©ottlieb 

ghin x6) ! — J)er fieBt ftd) ben ©efc^macf be« 
Äpfel« bor , ben er ift 



♦) Safer. I. 1. 



14 &teienU^t€ 

Serblnanb. 
Unb ber ba, ber ftd^ mit bem SReffer in ben 
Singer gefc^nitten f)at, jleUt ffd^ ben ©c^merj \>otf 
ben ilg^m bad mad^t. 

aSater. 
Unb »oburd) flellt ffc^ bte ©eete btefer Änaben 
bat 3Ctte6 t>ot; ? 

3CUe. 
©utd^ bte Sinne! 

2)ietrid^ 
fWeinei: burd^« (Seftd^t 

3o^annel 
Steinet burd^a ®el(^5r. 

!»ifo(a«. 
SJteinec burc^ ben ®erucl^. 

®ottneb, 
fWeinet burcl(> ben ®efd{>marf. 

Serbinanb. 
Unb meiner burd^6 ®ef&^(. 

SSater. 
^d) fe^e nod^ ©nen , in weldS^em aud) Stwa« 
tjorgeflettt wirb. Sl^r aud^ ? 

ZIU. 
S>ia\ \>^n @<pieael, ber ha l^tnter bem einen 
Knaben j^ingt. 

»ater. 
3^r fe^t in il^m bat m» bf$ Xnabtn, ber Dor 
i^m fielet. 2(ber mei^ ber ©meget mo(, bafi bie^ 
Silb in i^m iji? 

9ieln ! — o nein ! 



9Betf benn abtt bie @eeU bec Xtiabm , toai fte 
ft(^ ie«t t>orfliat ? 

3a, menn'ie mitfUdi^e Snenfc^ett; tinb feine SBil« 
bec miren! 

aSater. 
(Run, wir bilben un« ein , baf e6 tt>irHid[> Üben» 
bige gRenfc^en ftnb. SDSorau« fd^lieflt i^r nun , baf 
i^te ©eelen wiffen, wa« fte ftd^ tjorfleUen? 

SBeil bec ba fic^ fceuet fibec ba« JBilb , bafi er 
anftel5)t. 

3olS)anne«. 
Unb bec ba and) aber ben Jtlang bec ®(ode. 

(»ifola«. 
Uttb biefec fibec ben Äpfel, bec ibm fo gut fd^merft. 

(Sotttieb, 
STOeiner , bec fid) ben f)ifüd)m ®ecucl& bec gebec 
»ocjleat, 1)litt \id) bie 5Rafe |u 5 ec mug \a alfo mor 
wtfTen , tt)a6 ec ciedS^t. 

Secbtnanb. 
Unb memec, bec ffc^ gefd^nitten f)at, and) ; er 
taad)t ia fo ein gcäm(id(^e« @e{I(^t. 

aSatec. 
®an) getvi^ n^iffen otte btefe Jlnaben , mocan ffe 
itit benf en , obec wca fte ftdj^ t)^cfle8f n ; obec ber 
Spiegel? 

Soi^annel 
iDec totif nx^t^ baoon. 

aSatec 
2)ec fceuet fid;^ aber nic^t«, unb betcftbt ficb 
Aber ntd)t$. jDa6 mad^t, ec weif mebec tmat i^on 



16 Geelenle^te 

ftc^ fetbjl , nod^ ettva« t^on 2)em / toai in il^m Dor» 
gejleKt tDttb. @t ifi alfo ein tobter^ unfere ®eeU 
aber ein (ebenbigec Spiegel •, et ein ©pieget o l[) n e 
SSernuf tfein , unfere @eele ein Spiegel mit SSe» 
wttfitfein t^ret felbfl. — SJ^orgen me()r ba\)on ! 



Swette« ©efprddE^. 



SS at er. 

S^un, !)abt ibr Sujl, fo plaubern tt>ir »ieber ein 
»enig t)Ott uttferer ®eeU. 

2Cae. 
£) ia, lieber 93ater ! 9ßir mSc^ten gern no6^ me^r 
bat>on ^iren. 

aSater. 
@e^t/ id^ ^abe eine n)eif e Safel mitgebracht^ um 
jebe6 Sfla^l mit n)enigen SBorten barauf ^u fd^rei« 
ben, ma^ wir 9leue^ ))on unferer Seele erfahren. 
Sann n)iU id^ bie Safel m bie 98anb Rängen ^unb 
neben il^r bie SSilber, bie und t)on Beit^n 3i^it mte« 
ber baran erinnern fSnnen. 

Soi^anne^. 
'X,i)\ fo n)te »ir e^ mit ber Srbbefc()reibung tmb 
mit ber ©efd^ic^te gemacht ^aben? 

»ater. 
©erabe fo ! 

5»ifola«. 
£) ^ai ifi prSd^tig! Sa tonnen tvft'« benn aud^ 
immer noieber anfe^en/ baf tvir ed red()t ie^alten. 



für Äinber. 17 

3C(fo juc @ad^e! — SCretet efatma^t ^te^ev, n>o 
il^r bte Sl^urrnfpi^e \)on ^anb^bed fe^en finnt. 
@e^t ü)t fte ? 

3Cru. 

O ia! bort! 

aSater. 
®el()t tl()r md)t and) oben auf becfeDben etmaö 
@d^tt>ar5e6 flimmern ? 

Alte. 
£) ia! £))a! 

^tetrid(^. 
Dad wirb tvot bte Saline fein. 

Sater. 
^i^üd)\ Tlhtt \>xtM(i)t ifi e^ auc^ feine 
Saline, fonbern ein «^a^n, ober ein @tern/ ober 
eine <5onne. £)ber fonnt i^r etma unterfd^eiben, 
n)a6 e^ eigentKc^ ifl? 

3tHe. 
giein! 

SJater. 
3c^ aud^ nid^t. ®e]^t, ba ^at alfo unfere ®eele 
eine ^orfiedung \>on einer ®ac^e / bie fte t)on an^ 
bem @ac^en $u unterfdf^eiben nic^t im @tanbe ift. 
SSift 'it)t, tote man ^im fold^e SSorflettung nennt? 
— fWan nennt fte eine bunf (e SorjleUung. — 
.^at eure ^e(e tool fc^on mt^t bergteid^en bunfte 
iBorfleaunden gel^abt? 

3olj)anne«.- 

fO ia! ba tcit in 3:rat>emfinbe bei ber jDfifee 

ttaren , ba fallen »ir weit weit f^itt ein ®<l)iff auf 

bem SWeere , \>ai mt nur al« ei« fleiner fdjtoarjer 

gUde •t)orfam. J)a6 fonnten wir ja aud^ nidf^t ton 



18 ©eelenle^re 

anbem S^ingen ttttterf(l()eiben ; tvic toufiten ntdj^t^ ob 
e6 eine Xt&^t, ober ein ®(^iff n)ac. 

Später. 
2Clfo aud^ ba\)on Ratten toh eine bunKe SSocftel» 
lung. — Aber inbem ba« ©d^tff nun etwa« nä^et 
tarn, fonnten toxt e6 ba nid^t \)on einet Ardl^e ttm 
terfd^eiben ? 

Siettid^. 
£) ja, boi) tt)Ol! 

SJater. 
2(bet fonnten wir fd[^on bie Spalten, ba« 3!au« 
wert, ba« ©teuertubet unb anbete einselhe Steile 
be« ©c^iffe« etfennen? 

ÄICe. 
giein! 

SJatet. 
9Benn un« alfo Semanb geftagt ^im, wetd^e« 
bie einjetnen Zf)txU be« fernen ©c^iffe« w^ten, an 
mid)m Seichen obet SRettma^len wit e« etfennten^ 
unb wobutd^ wit e« alfo t)on anbetn @ad;)en un« 
tet fd^teben: f)imn wit i^m auf biefegtagen ant* 
Worten fSnnen ? 

5Weitt ! 

SJatet. 
SDBa« mod^te benn alfo ba^ wol ffit ^xm SBot» 
flelTung fein, bie unfete @ee(e ftd[^ bamal^t« t>on bem 
©d^iffe mad^te? — ßine bunße wat'« bod^ nic^^t 
me^t; benn wit waren fd^on öberjeugt, ha^ e« 
nic^t« anber«, a(« ein ©c^iff war; wir fonnten e« 
alfo fd^on t)on anbem ©ad^en unterfd^eiben, unb 
bod) fonnten wir nod{> nidj^t fagen, woburc^ e« \>on 



-^ 



für Äinber. 19 

anbem ©adrett etgentRc^ unterfd^tebeit »erbe? — 
^bvtf Ätnber, eine fo(df)e SSorfleUung nennt man 
txm ^Yvav flattf aber aud^ ;ugleid^ t)etn)ortene 
SBocfteKung. 

©otttieb. 
D ! ba^ muß SSater nun auc^ anfdf^reiben an bte 
Safer ! 

SJater. 
®ag benn? 

©ottlteb. 
®afl ftd^ unfere @ee(e juweiten eine bunf (e, ju« 
»eilen um flare, aber t)ertt)orrene aUorjlettung 
mad)t 

aUater. 
5Rur nod^ einen JTugenbltcf ©ebulb ; bann foKt 
il^r mir üorfagen, toa€ idf) anfdf)reiben mu^. — 
^a^t mir erp , fef)t xf)t nidf)t etma aud^ l^ier «m 
eud) ]S)er (Stwaö/ »ot)on eure ©ee(e fid) eine, itt)ar 
Kare, aberbod^ jU9Uid^t)err»orrene aSorjptettung mac^t? 

5Ri!o(a«. 
O ja; t)on bem 83aume bort, ber jenfeit^ ber 
Sitte*) p\)tl 

aUater. 
933arum fagjl bu , ba^ \>n "oon biefem 85aume 
feine bunWe, fonbern tint ftare, aber boc^ tjertpor» 
rene SSorfiettung l^abejl? 

5Rtfota«. 
Sttf idf) fann tt)ot feben, ba^ e§ m S5aum ijl, 
aber i^ weif bod^ md)tf tt>a€ för einer; e§ mag 
»Ol ein Öbjlbaum fein, aber t)ietteid^t ijl eg auc^ 



3* 



20 ^eelcnlelj^te 

fein £)bflbaum, fonbem eine ßcc^e , ober eine Sinbe, 
eber et» anberec S3aum. 

ajatet. 
3C(fo beßmegen^ weit bu jtvar ben SSaum t>on 
anbetn 2)ingen unterfd)etben / aber bod^ nid(^t bie 
einjelnen Steile beffelben — bie Sldtter, bie 3»«3^ 
bie JRinbe — bir tjorpetten fannft-, nid^t? 

5»ifora«. 
3a, aSatet! 

Später. 
S)tt ^atteft alfo Stecht , ^n fagen, baß bn Don bte$ 
fem SSaume eini Kare, aber aud() $ug(eicl^ mmot» 
rene SJorflettung ^abejl. — 9lun" jtel&e aber einma^l 
ben SSimbaum an, bec ^kt bxöjt t)or un« fielet. 
©oUte beine @eeU n)ot t)on biefem nid^t noi) eine 
anbere SSorflelbing ^ben / a(^ i)on tenem entfernten 
SSaume ? 

5Wifota$. 
D ja! 

aSater. 
Uttb t9arum? 

5»ifota«. 
O, an biefem fann td) jo fo t)ie( unterfc^eiben ! 
^d) fe^e bie Slinbe, bie 3»eige^ bie Keinen Sldtter* 
d)tn, bie eben erfi l()er))orgefro4en ftnb. 

ajater. 
Sei biefem S5aume fannp bu alfo fagen, »o« 
burd^, ober htxxd) mid^e Aenn^eid^en er t)on aUm 
onbem SSdumen unterfd()ieben wirb ? 

5»ifoIa«. 
3a , ba« fann id^. 

ajater. 
2((fo ^aft bu \>on biefem ^Baumt feine t>ertt>ors 



för itinbcr. 21 

rene, fonbern — ^oti)t auf, xf)t 2Cnbetn! — eine 
beutdc^e SSotfleUung. ^nbzm man nun eine 
beutlic^e SSorflettuttd t)oii einem S)inge befommt, fo 
merft man leidet , ba^ bie Aenn^eid^en , n)obutd^ e6 
ftd^ t>on anbem unterfd^ibet/ nidf^t äffe t>on etnec(et 
3(rt ftnb. Einige bat)on fommen njmlid^ nur bie« 
fem Sinen S)inge aUein ^u, ober tperben mit an 
x^m alTein bemerft; anbete hingegen finbet man an 
tntf)un Singen/ bie eine 'ktf)nlxd)Uxt mit biefem 
^aben. 3Cn unfetm Sirnbaume j. 58. feigen toxv, 
ba$ er getabe nur fänf 3(e{ie l^at, baf et etmad 
fcbtef gen>ad!)fen ifi, bafi et in bet Wxm feinet 
Stammet ein £odf^ ^at u. f. n>. ; iarxUv Aenn^eid^en, 
tDotan mit i^n untet aUm anbem S3äumen etfem 
mn unb t>on aUen untetfd^eiben finnen. 2){e äbti« 
gen Xenn^eidf^en / 5. S3./ ba( et einen @tamm/ 
^efie, 3tt>eige unb Stattet ^at, bafi et butd^ feine 
5Butje(n mit bet 6rbe jufammenl^dngt, buxd) biefet» 
ben feine Slabtung au« bet Qtbe fangt u. f. m., 
jinb fold^e, bie et mit atten anbetn SSaumen gemein 
IS)at. 2)utd^ biefe fJnnen tt)it i^n ba^et nut t>on 
fotd^en ©ingen, bie feine SSiume ftnb, j. 85. t>on 
einem »l^aufe, »on einem »^unbe u. f. to,, ahn nxd}t 
t)on anbetn Säumen untetfdfteiben. ?8}it nennen j!e 
ba^et allgemeine Äennjetd^en, weit fie allen J)im 
gen, bie Don einerlei 3(tt ftnb , jugleic^ ^uf ommen. 
SBenn t^oit un« nun biefe allgemeinen Äennjeid^en, 
t»eld^e bie JHnge t)on einerlei Art mit einanber ge« 
wein baben , unb ttoburd^ fte ftd^ t)on JDingen an^ 
berer 3(rt unterfd^eiben , t)orjlellen ober beulen, fo 
nennen mir ba$ allgemeine Sotjiellungen 
obet fSegtiffe. 



22 ©eelenlel^te 

Sol^anne«. 
Zf) ! 9lun fennen mir fd^on t^teterUt ^ct^tUnn^ 
gen — bunfte, Hare, beutit^e mh aUgemeine! 

aSatec. 
®ut gemerft! — 9lun woUen wir unfet gefhis 
Se6 S3t(b ttoc^ etnmal)t anfeilen. 9Bec t)on eud^ 
fann mit fagen, toad für eine äSorfleUung ftc^ mo( 
eben jegt bie @ee(e biefe^ etjlen Knaben mad}t, bec ba6 
S3itb anfielet : eine beutlid)e/ Dertvorrene ober bunf U ? 

3ol)anne«. 
6ine beutltd^e. 

ajater. 

SBacum? 

3o^anne6. 

3, totil er ba^ S3i(b t>on atten anbern &ai)m 
unterfc(^eiben fann , unb meit er aud^ $u fagen meiß, 
tvoburc^ e^ \id) oon allen anbern ©ad^en unterfd^eibet 

ajater. 

SBenn er nun aber, inbem er biefe^ S3ilb an^ 
ftel()t/ ftd() b(of biejenigen £enn$eidben beffetben badete, 
n)oburd!) ntdE)t bie^ S3i(b tnabefonbere t>on anbern 
SBitbem , fonbem woburd^ ein S5i(b überhaupt fic^ 
t)on teber anbern @ad[)e , bie fein S3i(b i% unter- 
[(Reibet : n)a^ ffir eine äSorfleUung l^itte er bann ? 

3o^anne«. 

Sine aKgemeine, ober einen SSegriff. 

aSater. 

Ottc^ttg! 2(6er toa^ f&r eine SSorfleKung f)at 
benn n)ol bie @ee(e be6 anbern Knaben / ber auf 
ben Alang ber ®(ode t)otd)t ? ( 2Cae fd^meigen. ) £af t 
und t>erfud^en; ob tt)ir'd nic^t errat^en f innen. 
@(aubt i^r md)t, bafi er ben ©(ocfenftang t^on aU 
Un atth^m Sinen unterfc^eiben fSnne ? 



fftr Ainber. 23 

^a, ba6 ml 

3C6et wenn if)n nun Semanb fragte^ tt^obucd^ 
Unn btefer ©locfenKang t^on allen anbetn ^mn 
untetfc^ieben fei: glaubt il^t, baß ec bte Mmni^U 
d)m beffetben beflimmt anjugeben im ®tanbe 

giifola«. 
5Rem! 

SBatet. 
9Ba« l^at er a(fo wol jeW jftc eine SJorjlettung ? 

5»ifo(a«. 
£) id^ weiß, id^ »eif! än^ac eine ftore, abet 
bo^ noi) ))em)otrene SBorjleUung. 

SSater. 
©etroffen! — 2Cber wer t)Ott eud^ fann mir ©* 
nen geigen auf bte|em S3t(be, U\^m ®ee(e eine bunKe 
aSorfieKung l^at? 

©otttieb. 
S>er ba, ber ftd(^ bte 9lafe iu\)!At 

ajater. 
@o ! 2(tfo meinjl bu , ba^ bie @ee{e biefe^ ^na« 
ben ben ®eruc^ ber angebrannten S^ber t^on iebem 
anbern @erud^^ {. S3. t)on bem ®erud^ einer SRofe, 
nid^t unterfd^eiben fSnne? 

@ottneb. 
!Rein / ba$ meine id^ nic^t. 

äSater. 
Älfo ^at pe \a auc^ feine bunKe SBorjlettung 
me^r , fonbern eine Kare. 

Serbinanb. 
£) nun mif iä)\ 2)er ba, ber ben Äpfel fpeifet! 



24 ^eelenle^re 

SJattr. 

2>u metnfl atfo^ bec mtfTe ntd^t, 06 er in einen 
3(pfe(, ober in ein @t&(f 9l^a6ac6etmurjel beife? 

Serbinanb. 
9Uin, ba$ tarnt niijft ber Sali fein. 6r (ann ja n>o( 
f^Hlm, baß er einen Tipfü, unb nid[^t Sü^abatber tf t. 

aSater. 
3((fo unterfd^eibet er \a aud^ etmad ; er f)at alfo 
gteici)faU^ (eine bunHe^ fonbem fd^^on eine f(are^ 
nur freilid^ aud^ Dertvorrene SSorfiedung. 

Wtattf)xa^. 
D, nvn ifl ed gen^iß £er, bet ftd|^ in ben Stnger 
gefd^nitten ^at! 

Sol^anne^. 
2Ea; bn ^ajl e^ getroffen ! ^er mtrb ja aud^ tool 
ben ®d^nters, ben i^m ba^ mad^t^ t)on anbem 2>im 
gen unterfd^eiben {5nnen ! 

aSater. 
®id^er! @^ n>trb i^m gemiß nid()t fo babei su 
ÜRut^e fein , M mnn xf)n tma ßiner nur ein m^ 
nig figelte. 

5?tfota^. 
2Ea/ fo ifi .Keiner barunter, ber eine bunKe SSor» 
fleUung f)at 

ajater. 
Unb id) — nun »unbert tui) einmalfin — ge« 
traue mir ju fagen / baß bie ®ee(e eine^ Sieben t)on 
i^nen, teimn Sinnigen aufgenommen^ irgenb eine 
bunfte 93orfle(lung t)on 6tn>a^ ^abe. 

% n>ie (jnnen f!e bad ? 2)er (Sine ^at ja eine 
beuttid^^e, unb bie 'Xnbtm f)aUn ja 2(ae Kare SSor« 
#ellunten ! 



für Jtinber. 25 

»ater. 
Si)ui ni^l iDu muft taxt nnffen^ lieber 2^0» 
f)anm^, baf nnfere ®eete me^r atö eine Storfiet» 
(und in gleid^er dett l()abett fann. Snbem fte ft^ 
näinß^^ ettoa^ beuttid) ober f (ar DorfleUt , fann fte 
ftc^ 5U eben ber 3eit aucb nocb tötete anbere Sin^e 
bunfet t)Orjleffett. 3um SSetfpiel: meinfl bn nicl)*, 
baf jeber biefec Änaben ben Sd^all ber fWnen @Cotfe 
]S)8rt, bie J)er ba tautet? 

Sobanne«. 
O ja! 

aSater. 
Aber ba Seber Don ibnen feine ganje JCufmer^ 
famfeit auf tttva^ 2(nbere^ richtet , unb auf haß 
i&ntm alfo gar nicbt Tidjt f)at: fottte ibte @eete 
tüoi in biefem 3CugenbKcfe ben ©cbatt, ben fte l)ivt, 
»Ott jebcm anbem ©d^oUe unterfc^eiben? 

Sobanne«.' 
9?ein! 

ajater. 
Tiifo, tt)o« für eine aSorpettung f}at benn nun 
iüo( bie @ee(e biefer Änaben t)on bem ©cballe ber 
®U)(fe f benßinjigen aufgenommen, ber barauf adf^tet? 

Sobanneö. 
Sine bunfle. 

aSater. 
©iebfl bu? — Aber biefer Sinjige, ber ftcb gan§ 
allein mit ber Slode befcbaf^iget, fottte ber mol nxd)t 
aud) irgenb eine bun!(e SSorßettung nebenbei ^aben ? 

3obanne^. 
34^ to&^tt nx6)t , tvdd)t ! 

85ater. 
^ä) aber glaube bod^ eine foldf^e in ferner ©eele 



' 



26 ^eeltnU^te 

ttjal^rjutte^mett. — ®iel^e nur ©en ba, ber ftd^ ge^ 
\i)nitun "fyat , tred^t aufmerffam an: nid^t ma^r^ et 
fc^eitit 5U f6)mml ^te^ ©efd^^rei bringt o^ne 3tvet- 
'ei aud^ in bie £)^ren 2>effen, bet ba mit bet ®(o(fe 
'^ielt ©eine @eele fleUt ftd) a(fo mirflid^ bie^ @e^ 
d^tei feine« Sruber« obec greunbe« mit t)or; aber 
nur bunf e( , n>ei( fte mit etmad 3Cnbecem befd()iftt^ 
get ift. ®teKte fte ftd^ baffetbe f tat- \>ov , ba« ^eif t, 
unterfd()iebe fte tt^icHic^ ba« ®e\i)vn be« ©d^merje«, 
tt)e(d(^e« biefer anhebt ^ t)on iebem anbem ®eriufd(^e, 
fo tt)&rbe er ftd^^ \a nad) if)m umfe^en^ ob er i^m 
nidS^t etma Reifen fSnne. > !9}ein{i hu nxd)t and), 
So^anne« ? 

Solfianne«. 

Sa! 

ajater. 
. Su ftel^jt aifo, baß and) bie ®ee(e biefe« Sna^ 
ben in bem JCugenblide' eine bunf le SSorpeKung l^at. 

— Seöt fagt mir \>ov, »a« ic^ anfc()reiben fott. 

9?ifoU«. 
£); foa ic^« fagen ? 

ÄUe. 
9}etn! ic^Üc^! id)! 

ajater. 
!Run , Me gugleic^ f jnnt ibt« bod^ nid^t fagen ! 

— SSSir muffen (ofen. ©efdj^winb nenne 3eber, fo 
»ie bie fRex^e an ibn fommt, einen ber aiUn ^erfi* 
\i}m ^Snige^ unb gn^ar in ber £)rbnung, n>ie fte auf 
einanber gefolgt ftnb. Zet, auf tioetd^^en ber legte^ 
J)ariu« Äobo mannu«; trifft, b^be gewonnen. 

(@te nennen bie Könige, unb IDariu« Jtobomannu« 
fdttt auf Slifola«.) 
2((fo bu, 9}if o(a« , fag' an ! 



fßr Äinber. 27 

Unfece ®ee(e jledt \xd) einige JJinge 
buttfel t)or. 

SSater. 

•^att! — 9?utt mußt bu micaud^ ecfl fagc»/ 
t9a6 bad ^etft. 

S>a^ l^eift: fie fann bad ^tn^/ ba6 
fie fic^ öorjleltt, nid)t red^t t>ott anbern 
Singen unterfdS^eiben. 

aSater. 
®ut! — dlm weiter. 

giifoU«. 
Unfete ®eeU -jlent ft(& aud[> jutt>ei(en 
ettt>a6 flar t)or. 

©ater. 
J)a« ^eift? 

5Kifo(a«. 
Sa^ ^eipt: fie fann ^mat bad Sing^ 
ba« fie fi^ fo üocjlellt, Don onbern un* 
terfc^eiben, aber fie fann nidj^t bie Äenn« 
ltid)tn angeben, n^oburd) e^ t)on anbern 
Singen unterfd^ieben wirb. 

aSater. 
Unb mie n>irb txnt fotd^e ftare SSorfieKung bef« 
wegen aud^ genannt? 

5Rifota«. 
6ine verworrene. 

SSater. 
3d[> f)aVß'j nur weiter! 

0{ifo(a^. 
Uttfere ©eele peltt fic^ aud^ iuweilen 
etwad beuttic^ t)or. 



28 @eelenle^te 

Später. 

^a€ f)txftl 

2>a« f)z\^t: fie fann Sa«, n)a«:fie fic^ 
fo Dorfieüt, nid)t bloß üon anbecn Sitt = 
gen unterfd)eiben, fonbern fie fann auc^ 
bte ftenn^etc^en angeben, n>oburd() e« t)on 
anbecn ©ingen untetfdf^teben »leb. 

SJater. 
@Ut! 

5?i«ota«. 

^enn fie aber babei b(of an folc^e 
Xennjetd^en benft, meldte ba^ Sing mit 
aUen anbern Dingen, bte 5U einerlei 3(tt 
ge^icen, mit einanbec gemein f)at, fo 
^ei^t bie SSorfleUung bat)on eine allge^ 
meine, obet ein S5egriff. 

aSater. 

^unftttm! — 5?un, Äinber, e^e wir weiter ge« 
l^en, fagt mir bod^, fottte ba6 Ätte«, tt)a6 wir üon 
«nferer ©eele nun fd^on erfannt l^aben, audj^ tt)ol 
auf bte @ee(en ber Spiere paffen? — 6r|leng, »a« 
meint il^r, fottten biefe and) tt)o( fold^e SBefen fein, 
bie man nid^t fe()en, ^oren, f&l)Un, fc^mecfen, ober 
riedi^en, mit @inem SSorte, bk man burd^^ feinen 
unferer f&nf ©inne »al^rne^men fann ? 

Sol^anne«. 

Q d<^ns ^en)i@! 3i) menigflen« lE^abe fte auf 
biefe SSeife niema][)(« n^a^rgenommen. 

aSater. 

^d) and) nid)t, unb fo t)iet xd) mx^, Stiemanb. 



för^inber. 29 

— Httb follten btefe Sj^iecfeeUn ficfe »o( audf) tma^ 
DorficUen tinmn ? 

£) frcilid^! — SDBenn id) bem »^unbe ein 0tfi(l 
SSrot l^inmerfe , fo fd)nap:pt er hamd) ; et mnfi ftd^ 
ia alfo noot ba0 S3rot t)ordef}eUt l()aben. 

aSater. 

Xbet foKte bie «^unbefeeU and) tvol tDtffen ; bafi 
fte ftd^ etwa« Dorjiettt , unb foUte fte fid) olfo tl^tec 
SßorfieUungen benoupt fein? 

3, fonjl »firbe er ja nid)t banac^ fdS^nappen ! 

SSater. 
®teUt aber bie ©eete ber Spiere jic^ and) tt>ol 
bie Singe hmd) »g)ulfe ber Sinne Dor? 

©otttieb. 
£) ja-, unfer ©pabitte fann ja aud^i \^^^^f f)itmf 
mä)tn, fd)me*en unb f&l)Unf ^im fo, tt)ie t»ir. 

SSater. 
Slied^en fann er nod) beffer, ai^ »ir. 2)ie SE^iere 
^aben gemeiniglich) einen ober ben anbern @tnn t)ie( 
fi^ärfer , a(« bie SRenfdj^en. 85ei einigen ftnbet man 
tt>ettiger <Sinne ; aiß tcit f)aiftn ^ anbere mSgen t)ie(« 
Uxi)t mit ©innen begabt fem^ bie tvit gar nid^t 
fennen. — 5Rmt, alfo i^aben bie 2^iere auä) ©in* 
neäf raft. £a^t un^ weiter fragen: unfere ©eele 
fteSt pd) einige Singe bunf el t)or ; tcai meint i^r^ 
foUten ba6 bie S^ierfeelen ani) tcoi tl)un ? 

Serbinanb. 
^d) glaube, [a. 

aSater. 
Unb tvarum glaubfi bu , ia ? 



30 ^eelenleiE^ce 

Setbtnanb. 
3c^ »elf e6 nrxt nid)t fo ju fagen. 

aSater. 

©a« ^eift, bu \)a^ feftft ttoc^ feine beutKd^e 

aSocfleKung ba\)on 5 fonjl fSnntejl bu e« fagen. ?af 

feigen ! 9f id)t ma^r, menn wir träumen, fo jletten voit 

un9 bfe Singe, \>on meldten »ic träumen, bunfel t>or? 

Serbtnanb. 
Sa! 

aSater. 
dl\xn, ^ajl bu nie bemerft, bafi bie »i^unbe and) 
JU träumen pflegen? 

gerbtnanb* 
ÜÖ) \a , ^umeilen heUm fte orbentlid^ im ®d^(afe, 
unb mebeln mit bem ©d^wanje. 

aSater. 
Sweifeljl bu alfo nod^, ob il&re Seelen aud[> ju« 
tt>eilen bunHe aSorlteUungen l^aben? 

Serbinanb. 
9?ein! — 2(ber l^aben fie and) tt>ol Rare SJor» 
flellungen ? 

aSater. 

Sa« woUen wir gleid^ fe^en. — »^ier ijl ein 

©tein unb l)m m ©tfirf S5rot t>on gteid^er ®rife^ 

unb faft \>on gretd^er garbe ; bie motten wir ^pabiU 

len vorlegen, unb bann feben, ob er ftd^ wol üergrei« 

fen werbe , ober ob er ba« Srot t>on bem ©teine fo» 

gleid^ ju untetfc^eiben wiffe. Stufe tl^n ßiner l^er. 

SÄattbia« (ber auröcffommt). 

©pabitte war ntd^t ha, aber l()ier ijl Gerbern«. 

aSater. 
®(eic^ Diet. 9?un gebtJCd^t; ßerberu«! — »^al^a! 
fe^t i^r? 



för ^inber. 31 

£), bet toeif ba^ Sine t)on bem 2Cnbetn gut ge« 
nug, ju uttterfd^eiben ! 

®ater. 
9Ba^ 1)at er fegt atfo f&r eine Sorjledung gel^abt? 

®ott(ie6. 
Sine (täte. 

aSater. 
3(6er fottte or mol babei gebadet f)aUtt, tDoburd^ et« 
gentlid^ bte^ SSrotDon anberm S3roteunterfcI)tebenn>trb ? 

So^anne«. 
giein r 

SJater. 
£)ber foKte ec babei etwa an biejenigen Aenm 
^eid^^en be^ SScoted gebad()t ^aben, moburd^ e^ fid) 
t>om S(eif(l()e, t>on Sifci()en unb t)Ott anbern 2>ingen 
tttttecfc^eibet? 

So^anne«. 
Wein ! 

ajatec. 
SBir l^aben n)enig{ien^ feine Urfad^e , e^ su Der» 
mutben. ^euttid^^e äJorfteUungen unb aUgemeine 
SBegrtffe duf ecn bie 3!^iere niemabt^ ; man f)at ba^ 
l^er 9ted^t, ju fagen^ bafi fte ju fotd^en SSorfleUun« 
gen unfähig ffnb. ^a^ ijl a(fo bet etfle SSoqug^ 
ben bet (iebe ®ott unfern @ee(en Dot bzn @ee(en 
aUet Spiere gegeben ^at. Unb tooUt i^t tpiffen, 
»ie man biefen unfern aSot^ug ^u nennen pflegt? 
aSan nennt il^n — bm SSetjlanb. 5ESenn man 
alfo fagt, unfere Seele f)ahe aSerjlanb, wa« f)tx^t 
baß nun tt>ol mit anbern Sßorten? 

3o^anne^. 
@ie (ann fidb ^t^ai beutlidf) üorjlet» 



32 ' ^eeUnle^re 

itn unb \ii) allgemeine SSegrtffe maä)tn. 

93a ter. 

9ttcl^ti9 ! 7iu6) ba^ moKen wtt auf unferer Safel 
anmerfen. — @o ! Unb nun nod^ eine ^ta^e : 
menn ber äJerflanb in b^m Sietmi^tn befielt, ftd^ 
etn)a$ beut(td) Dor^ujleUen unb aUgenteine SSegriffe 
^u hiibtn, n>te merben n>ir e^ benn n>ol anzufangen 
i^aben, um biefen unfern äSerflanb ju t^ergrifern, 
iVL ettüettem^ }u t>en>oUfommnen ? 

So^anne^. 

SSir mfiffen fud^en, nni \>on allen S^ingen ted^^t 
beutlid^e S^orflellungen ju mad^^en, ober un$ bie 
Aennseid[}en lu merfen, moburd) fte \>on anbem Din- 
gen untetrfd^ieben n)ecben. 

aSater. 

9{t(l()tig! 2Cbec mie machen mir nun ba^? — 
SBec »eif ? 

©ottlieb. 

O id^ ! tdS) ! — SHJir möffen nur redj^t Zi)t ge* 
ben , mnn mir ttxoa^ \tf)m, ober Citren. 

»ater. 

®o ifl«. 3e me^r wir auf Da« , »ä« wir fe» 
^tn ober j^^SreU; ad^^ten unb baruber nad(^ben!eni 
be^o beutlid^er totrb unfere 93orfle0uttg bat>on, beflo 
beffer finnen mir e« unterfd()eiben unb Ul)aiUn. — 
@elS^ , x1)v jungen Si^eunbe ; ba IS^obt il^r alfo auf 
einmabl ein ftc^re« SRittel gelernt , red^t t>iel SSer» 
ftanb }u belomnten -, unb biefed SRittel ^eipt ? 

mit. 

Später. 
@enug fftr f)tnu. 



füc Jttnbei:. 33 



Sixittti ®efprad&. 



IDcr ^aUt erf^ien am folgenben Sage mit einem |tt>' 
rammengebregten @4nupftu(^e tn bei; «^anb, unb 
Qahf o^ne etwaö babei au ragen/ Sebem einen Floppi. 

3fUe. 

TivLl au m^l hil l!)!! an mf)l ^a! t^a! 

SBattr. 
^a^ tfl ? 

(Sittige. 
@« tl^ut n>e(). 

SBatet. 
2)a6 iß mir (teb. 

Einige. 
^GBacum benti ? 

Später. 
!Seil t^c babtttd^ noiebet eine fd^ine €i^f(^aft 
uttferec ®eete fenneit gelernt ^abt. 

So^annel 
SBa« benn fuc eine? 

SSater. 
^i6)t tüaf)t, x1)x f&i)iut ZUt ein wenig ©d^mer}? 

2Cüe. 
Sa! 

aSater. 
3l^r wif t bod) auc() 2Ctte , »of^er biefec ©dS^meri 
fam? 

2Cae. 
Sa! 



34 &^tUnU^xt 

SiaUv. 
Ser ^(umpfad nimüd) war bie Utfac^e tiefet 
@(i}mztit^, nnb ber @<^meri toat eine SSirfung 
be^ ^tumpfad^} nic^t? 

um. 

3a! 

SSatet. 
6me ®eete fann alfo t)on einigen ^trfungen 
bie Utfac^e , unb r>on einigen Utfadben bie SBirfung 
einfe^en ? 

9lifo(a^. 
9Sad iji benn ba^ eigentlid^ — Utfad^e unb 
SDBicfuttö? 

aSater. 
^a9, toai ttxoa^ ma^t, ^eift bie Vitfad)t, 
itnb ^aß, rca$ hixtd) Htoa^ gemad^^t tvicb, 
^etft bie 9Bicf ung. £)et ^CumpfadC, ober eigent» 
(tdj^er SU reben^ mein Htm, ber ben ^(umpfacf 
ffi^rte^ maä)U ben ® c^merj ; er mar a(fo bie Urfac^e 
befletben ; ber @ci)met^ tourbe burd^ biefen meinen 
3(rm mit bem ^(umpfade gemadjit; er mar alfo eine 
^irf ung ba\>on. 93erfie^t i^r ? 

2((le. 
0}a! 

ajater. 
9lun^ fann eure ®ee(e nxi)t Don einigen ^im 
gen bie Urfad^^e beuUid^ einfe()en , unb meiß jle ni(^t 
audf^ eben fo beutßd^ Don anbem fingen ^ ma^ f!e 
ffir eine SBirfung l^aben ? 

ZiU. 
Sa! 

aJater. 
SRod^ ein«! ©enn eudf> Semanb fagte: ©ie 



für Jtinber. 35 

2»5fi9feit etf)ilt un« gefunb^ a(fo mÄf» 
fett toxx tttd^is fein, n)ire eud) ba^ begteijlid)? 

ßintge. 

D ja! 

S5ater. 
Zin toentt ettt 3(nberer eud^ fagte: ^te 9R j* 
ßigfeit erl^dU un6 gefutib, atfo rttfiffett 
tDtr tttd^t mäftg fein, n)Sre eud^ ba^ auc^ be^ 
greifKcfe ? 

Einige. 
S nein ; bad n)Sre ja bumm ! 

SJater. 
S^t meint atfo, au^ bem ©cunbe, ba^ bie 
üßSfigCeit gefunb tt^lt, fliefe nut bie ^otge, 
baf man md^ig (eben m&ffe; abec e6 folge feinet« 
n)ege^ batau^, baf man unmSf ig (eben mfiffe^ 

3(((e. 
Sa! 

ajater. 
S^c timt a(fo aud^ einfetten, n)ie eine @aci)e in 
ber anbern gegr&nbet ifl, ober ob eine ®a<^e aud 
ber anbem folgt, ober nidS^t. ^un, fo l^Srt benn, 
ma^ id^ eud^ eigenttid;^ fagen n)o((te: mei( unfece 
€Seele ba^ 2C((e^ fann, tt)ei( jle bie UrfadJ^en unb 
SBirfungen, ®c&nbe unb So(gen etfennen 
unb begreifen fann, fo fagt man, fte l^abe 85 er» 
nunft. *i^at a(fo eure ®ee(e au^ »ol fdj^on SJer^ 
nunft? 

3C(le. 
£) ia! 

»ater. 
SSarum? 

4* 



36 ®eetenletire 

3; ba6 f)oben noir \a eben erfolgten: meU fte 
beutlt^ etnfe^en f ann ; baf ettvad gemadit tvitb, unb 
mobutdS^ e6 gemacbt n^trb; unb meit fte begreifen 
fann; ob eine ®ad^t in bec anbem gegr&nbet ifi; 
ober nid()f. 

aSater. 

«^abt ibr n>ol fc^on t)on meieren S^ingen bie ttr« 
facbe ober htn ®runb, unb n^ieberum t>on anbem 
bie SDBirf ung ober bie golge eingefe^en ? — 3um 
S3eifpie(: e6 regnet iegt; n)o^er fommt ber Sie« 

gen? 

©otttteb. 
Äud ben ©olfen. 

»ater. 
® a^ ftnb atfo bie SJoffen ? 

a^tatt^ia^. 
S)te Urrad^e M Siegend. 

©ater. 
Unb tt>a6 tjl ber Siegen? 

Sobanne«. 
Sine SBirfung ber SBotfen. 

S3(iter. 
gin anbere^ »eifpiel. ®ebt etnmöbt 2CdS)t , ob 
tbr t)on einem @age, ben icb eucb t)or(egen n)iU^ ben 
®runb ^ unb \>on einem anbem bie So(ge erCennen 
unb angeben thnnt 

ü)tan mu^; »oe^^etn^ad ju lernen giebt; 
aufmerffam fein-, warum? 

ßinige. 
% m'xi man fonji nicbt6 temt. 

93ater. 
S3er ein red^t gefdg^tdtet unb brau^ba- 



für Ätnbec. 37 

rer SWann »erben tüiil, ber »Anfeilt aud^ 
t>tel iu Urnen; toa9 folgt baraud? 

Einige. 

2)afl er auc^ immer aufmerffam fein »trb, me 
ed ettoa^ }u lernen giebt. 

aSater. 

Unb mie ^eif t nun bte Xtaft , mit mli)tt eure 
®eete bie^ ^(ie^ erfannte? 

5(Ue. 

äSemunfit. 

Später. 

5Bol^t ! — @e^t ^ier ein Sitb *) , ba« mi< an 
biefe ©genfdj^aft unferer @ecCe »ieber erinnern fonn. 
Tim «^immet ifl ein dlegenbogen t)orgefleUt; unb 
biefer Sungling i}m bemüht ftc^ , bie Urfa(^en beffel^ 
ben einjufe^en. 

5nifoU«. 

9Ba^ 1)at er benn in ber «i^anb ? 

aSater. 

Gin breieJtde^ gefd^Uffene^ ®tai, ^ri^rna 
ober %atitnff(iiut genannt. SBenn man ein fol* 
6)t^ ®(a^ gegen bie Sonnenjira^Cen ^Üt, fo \>a% 
fte habmd) fcf^iegen mfiffen, fo werben pe Peben 
9Ral()( gefpaUen , unb jeber SE^eil berfetben jeigt ftd^ 
unter einer bcfonbern garbe, — Deitd^enfarbig , pnt» 
pnv, bian, gelb, pomeranjengetb unb cot^. Gben 
biefe garben bemerft ber 3ingling aud} in bem Sle^ 
genbogen, ^a er nun beobad)tet f)atf bafi jur 3^tt 
eine^ Stegenbogen^ immer t>iete feuchte ^finfle ober 
9legentropfen in ber ?uft finb, fo fc^Keßt er, baf 



») Zafti I., 2. 



38 ®eelenle^re 

bie &etmtnftca^tn, tnbem fte iahntö) fdS^teßen , eben 
fo getbetU n>erben, al^ noenn man tl^nen ba^ ^ri^ma 
DorlS)5tt. Um beffen ttod) gctDilfec ju mv\>m, fejt 
er ein ®(a^ mit SBaffec an bie @onne; unb ha 
fielet er nun mit SSergnfigen , baf l^nnter bem ®(afe 
e6enbiefe(6en Sarben entfielen ; bk er btnter bem 
^tt^nia unb in Um dtegenbogen tüaf}vnaf)m. & 
ifi baber nun t>iUig äber^eugt , baf ber Stegenbogen 
eine ^irfung ber ®onnen{ira()(en unb ber mSf- 
ferigen Sftnfie ij!/ bie ftcb in ber iuft beftnben. 
(St ^at alfo bie Urfacbe bt^ 9legenbogend beutltd^ 
etfannt; — unb mit weldj^er Äraft feiner ©eele 
tbat er ba^ ? 

^ietricb. 
fWlt feiner SSernunft. 

aSater. 
SBai meint ibr nun : foUten bie ®eelen ber X^iere 
t9o( aucb 93emunfe f)cibm ? 

ÄHe. 
€lein! — man nennt fte ja un^ernfinftige 
X^iere. 

SSater. 
2Cber giebt man ibnen aucb biefen !Ramen mot 
mit Siecbt? binnen fte n^irfticb in feinem SaUe 
bie Urfa^e t)on tixoai erfenneu; unb wiffen fte n)ir{$ 
(idb in feinem %a% toa^ eine ©acbe fär SSirfungen 
^abe? 

So^anne«. 
Ja! — wenn man unferm Gerbern« bie 
g)eitfcbe geigt, fo Cduft er fort, weit er einige SWabfe 
@dE)t5ge bamit gefriegt 1)at, ate er in bem ©arten 
?Jcl^er fragte. 



für Jltttber. 39 

Spater. 
S)tt meinfi atfo, er tDt|Te/ bte ^ettfcl^e fei in Uc» 
fad^e t)on bem ©c^merje, ben t^m bte ©c^ldge Dei:« 
urf achten ? 

^o^anne^. 

SJater. 
3C6er foffte er ftdj^ Don bJefer ^eitfc^e, Den bem 
baburd^ Derurfadj^teti ©d&merje, «nb t)Ott bem 3uss 
fammen^ange, ber gwifc^en beiben Statt pnbet, 
tt>o( eine b e u t ( i d^ e äSorjleKung mad()en ? 

So^anne«. 
9tem; bte Sintere ^abett ]a nur bunfte unb t)ers 
morrene 93or|le(lunden. 

9}ater. 
Ober fodte ber ^unb; ober trgenb ein anbered 
S^ier, mol eben \o, tote t^r el fonntet; ben ®runb 
unb bie Solge Don htn ^a^tn etnfel()en fonnen , bie 
td(^ eud^ iegt eben Dortegte? 

jene. 

O nein ! 

»ater. 

Zifo ^at er aud^ feine S^emunfi! ^Clfo aber« 
ma^l^ ein grofer 93or§ug, ben ber ®d|)Sf)fer un9 
t)or aUen anbern lebenben ^efen bienteben t>ertiel^en 
"fyat ! — Unb tvetd^^er äSor^ug ! dt iji ed , ber un9 
in ben @tanb fegt, ®ott, unfern @df)ipfer, ju er« 
fennen^ S^ (ieben^ unb burd) bte ßrf&Uung feiner 
@efe6e einer ®(üt(f fettgfeit t^ett^aftig ^u tperben , be« 
ren fein t)emunft(ofed SBefen fd^tg ifl. 2a$t vmß 
i^m baf&r banf en ^ unb bmi) einen guten ©ebraucf» 
biefed @efc^enfe$ und beffen immer n>&rbiger ^u mo« 



f 



40 GeeUnle^te 

a^m fudf^en ! — 9htn, So^anne^, fage mir t^or, tvad 
idf attfd^tetben foO. 

Unfere @eeU f)at and) SSetnunft. 

SBater. 
Unb tt>a6 ^eift bad nun mit anbem SBocten? 

3o|)anned. 

®ie fann t)on t)ie(en £)tnden bie ttt« 

ad^e unb aud^ bie SBirfung beutHd^ ein» 

e^en/ unb fie fann begreifen, tvie Qinß 

in \>^m Tlnbtxn gegr&nbet ifl, ober mte 

Sind au6 bem ^nbern fc(get. . 

aSater. 
Unb mie mflffen n>ir e^ benn nun ml anfangen, 
um red^t t)ie( SBemunft in befommen ? 

So^anne«. 
Sa, »ir mÄfien un« nur immer bemfiben, bie 
ttrfacben unb HBirf ungen , ben ®runb unb bie Sotge 
ber Dinge einjufe^en, 

SSater. 
2)a6 l^eiflt \a tPo( mit attbem SBorten : tvir mftf« 
fen un6 gemS^nen, bei jeber 0ad^e/ bie un^ Dor» 
fommt, ju fragen: tvie entfianb fte? tvo^er r&l^rt 
{!e? wer l^at fTe gemad^t? woju nfi^t fle? toai 
bringt fit l^erDor? ober mo^u gebraud^^t man fte? 

So^anne^. 
3a! 

fßater. 
Unb mttn n^ir ettva« beulen , ^tren , ober Ufen, 
fo mftffen n>ir un^ oft bie Silagen \>orIegen : warum 
htt$l unb, waä fotgt barau6? 9H<l)tl 

ZIU. 
3a! 



fdr Jttnber. 41 

SBater. 
Se^t, Äittber, lafit un« fortfal(>ren, unferec SJeele 
au^upaften^ ob mir ntd)t DteüetdS^t nod;^ me^re ßt- 
Senf(l()aften in t^r entbetfen finnen. Um aber um 
terbef ntd)t muf ig in feitt; woüen mir mit einanber 
ptaubem. 

9l{folad. 
SBoräber? 

aSater. 
tteber bte grcfe ^5($erne 2!afe( ba. 3cl^ mifll 
ba^ ©efptic^ anfangen; fage id) etma^, morin t^ 
eud^ in irren fd^eine, fo f)aht it)t bie @r(aubnt$ / mir 
SU miberfpred^en , metd^ed fonft, mie i()r mo( mt^t, 
Txd) md)t fd^icft für Äinber. — ©ie SEafel ijl fd^nee^ 
meif. 

3Ctle (ladienb). 
Stein, btefe Safel tfl nid^t frf^neemeif ; fte ifl pedj^« 
fd^marj. 

aSater. 
X)a ftnb mir \a auf einmal^t gan$ toerfd;)tebener 
S^etnung. ^6) bejalg)«, baf bie Safel fd^neemeif 
fei, unb il)t 2Ct(e t>ernetnt e$. 9Bar e^ nic^t 

ÄUe. 
Sa mol^(! 

»ater. 
3&r gtoubt \>c6) and) mc( ÄUe eurer ®ad)t rec^t | 

gemiß 2u fein ? 

2(Ue. 
O ia ! fo gemtf ! 

5Bater. 
^art! X>a f)limn mir ja, e^e mir e« tjermutl^e* 
ten, mieber eine mm Äraft in unferer @eele ent« 



42 ^eelenlei^te 

bedt. — @te tann atfo aud) etttfe^en , ob emai 
m&fft bejaht ober t^ememt merben? 

3a, ba6 tann fte. 

Später. 
9tun, ba^ tjl mit (ieb: fo tvetf ii), bafi unfere 
@eele aucl(^ u et 1^ eilen tann. 

3o^anne^. 
Utt^tiUn ? 

aSater. 
Sa; benn ba^ nennt man ja utt^eiUn, n^enn 
3emanb einfielt, ob tmai m&ffe bejaht ober oer» 
neint toecben. Aann bad nun eure @ee(e nidi^t 
audl^? 

2((U. 
Oia! 

JBater, 
9Bit woUen bod;^ gteid^^ nod) einma^t fe^en / ob 
ed auc^ t0\ttii6) wal^r fei. 3c^ »itt ittoa^ an bie 
Xafet fd^^reiben, unb il^t follt mit: fagen, ob S>ad, 
toad id) angefd^tieben ^abe, bejaht, ober verneint mer» 
ben mfiffe. 

(@r Tc^reibt an bie Safel:) Unfere 6rbe ift 
t)ieredt9. 

^nn, fte^t eure @ee(e ein, ob biefer @a| beladet 
ober verneint »erben mfijfe? 

ÄHe. 
ID ia ; er muf toerneint »erben ! Unfere &rbe 
tfl ia runb ; »ie f ann fte benn toieretfig fein ? 

9$ater. 
^nn, id) fe^e tool, e^ ifl »irfticb »a^r; eure 
®ee(e l^at aucb \ä)on eine UrtlS)eit6frafit. — Äbet 
nidS^t ju voreilig^ ed finnte boc^ »o( nid^^t tval^t 



für itinbet. 43 

fein ! 6^ fragt fM) nimlid) : fte^t eure @ee(e aud^ 
ttoif unb iwat gan^ beutßci)^ ben ® runb ein, marum 
bec ®a|, ben idS^ an bie Xafel fd^^neb , ntc^t Uia1)tt, 
fonbern rjemeint werben mftffe ? 

S>, »tr »iffen ja n>ol t>lec ©rönbe fftr bitten, 
baf bte 6rbe runb fein mu^ ! 

aSater. 
?aß bod^ ^6ren! erjlen« — 

Sol^annel. 
@d ffnb \a Seute runb um bie 6rbe l^erumge- 
falzten. 

SSater. 
9Bie fonnten biefe aber n)iffen/ bafi fte runb um 
bie Srbe gefalzten »dren? 

Sol^anne«. 
3, weit fte immer gegen SQBejlen fd^ifften/ unb 
boi) t)on Sjlen l()er mieber jurucffamen an im Qtt, 
üon n)etdf)em fte au6gefa()ren n^aren. 

aSater. 
Stid^tig ; barau^ fonnten fte el aKerbing^ toiffen. 
Slun, ber jiDeite ©runb ? 

9iifota«. 
O ii), SSater! — SDäenn man auf^ SWeer 
fS^rt, nxib immer tt)eiter rjom 8anbe »eggetrieben 
wirb; fo fann man balb barauf ba^ fladj^e ßanb, 
toobei man abgefahren ifi/ gar n\6)t mel^r fe^en ; 
nac^ unb nadj^ t>erfc^tDinben aurf^ bie <!^dufer an^ 
unfern 2Cugen , bann bie 5£()firme , unb enblidf) bie 
^^jlen S3erge. 

aSater.^ 
^nn, »a« folgt barauf ? 



44 @ee(enle^re 

Sa, baf bie dtU runb fein mfiffe. 

aSater. 
3Bte fo ? 

9ltfo(a«. 
% n>enn fte nid)t runb to&tt, fo mä^te man ia 
bad !Rtebrige eben fo tange, aU ba^ ^o^e fe^en fim 
nen! 

aSater. 
©u ^afi Siecht, ?Wif ola« ! 

(Sottlieb. 
3a^ unb benn auc^, »enn — 

SSater. 
& i{l an hm (^efagten beiben ©rfinben f&r bied 
^af)i genug/ lieber ®ott(ieb ! S^r l^abt mir ben)ie< 
fen, büß il^r biefe beutlid) erfannt l^abt/ unb fo iji e^ 
alfo gewig, baf ibr mit Urt()eilöfraft t)erfel^ett 
feib. freuet eucb, Äinber, baö tfl »ieber ein SSorjug, 
ben ber liebe ®ott unö SRenfdj^en rjor allen anbern 
SBefen auf biefer @rbe rjerlie^en ^at ! 

Sobanne«. 
ÄJnnen benn bie Sbiere nid^t urtl^eiten? 

SSater. 
SReinjl bu tma, ha^ fte eö fonnen ? 

Sobanne^. 
3c^ weiß nicbt. 

aSater. 
£)u mbi)U^ e6 aber boc^ t)ermutf)li(f) gern 
»tffen? 

3ol)anne^. 
Sa! 

aSater. 
9?un gut ; mir fällt tin üWittel m , wie wir e^ 



för Jltnbcr. 45 

erfahren f5nnen, o^m baf toit nit^is l^aben, S^monb 
barum {U fragen. 

9Sad ifl bad für ein SRittel? 

ajater. 

3c& ^abe emmal^t ge^ort^ baf unfere @eeU eine 
befcnbere Sttaft baben foU, n)Obur<^ fte in ben @tanb 
gefeW wirb, ^af)9f)tiun , bie fte \>on Änbern m> 
mal)i^ d^f)htt f)atf fetbjl ju erftnben. SRan fagt ndtm 
li(^, wenn fte nur erfl jtvei Urtbeile b^be, fo fSnne 
fte au$ benfetben mit leichter üR&b^ d^"S ^<>n fetbfi 
ein btxtM Rieben / n>e(d)e$ ibr Aeiner iemabC^ defagt 
bat. Unb biefe ibre ® efi^icHicbfeit nennt man b a « 
SSermJgen, ju fcblief en, ober burc^ aJemunfts 
fcbtuffe tttoa^ ju erfabcen. 9?un wollen wir bodb 
gteidb einma()( )>erfucf^en, ob unfere @ee(en ebenbie- 
felbe Araft beftgen, unb wenn fte biefetbe beftgeU; ob 
wir woC bamtt erforfd^en fonnen, ob bie Siliere Ur? 
tbeitefraft b^ben, ober nicbt? 

3wei Urt^eile, fage xä), mfiffen ber @ee(e erfl ge« 
geben werben ; bann weiß fte an^ benfelben , obne 
aUe »&filfe, ein britte« b^fj^leiten. — ^ier ftnb gwei 
Urtbeile, hie id) an bie Xafel fcbreiben will ; gebt ein- 
ma^( Tldjt, ob ibr barau^ wo( t)on fetbfl ein britteö 
mad)en fSnnet. 

®rfle6: 9G3er fid) leine beutticbe SBorfleUungen 
macben, unb nicbt ben Sufammenbang jwifc^en 
@runb ttnb Sotge tmfef)tn tarn, fann aud^ 
nicbt urtbeiten. 

3 w e 1 1 e ^ : Sie Sintere f innen bie^ ni^t 

©rittet: Äfo — 

Sobanned. 

2Ctfo finnen bte Spiere audE^ nidg^t urtbeUen. 



46 ®eelenlei^te 

äSater. 
@tel^, fte^ ! £)a t{{ ja ba« britte Urt^eit, at$ tvenn 
e« 3emanb ^ecbeigerufen ^dtte! — SDBer "^at bic 
bai t)OC9efa9t, SolS)anne«? 

Soj^anned. 
Äetn 2»enfc^! 

aSater. 
9}un; fo >^up ed bod^ tvot toil)t Um, baf unfete 
©eele biefe fonberbare Äroft befigt! Aber ifl e« ntc^t 
ted^t iDunberbar ; baß mir auf biefe SSeife Wlan^t^ 
erfahren f innen , ma« n>ir mit aKen unfern ©innen 
ttid^^t n)a()r$unel^men toermSgen^ unb mad un6 fein 
SKenfdj^ gefagt ^at? — ia^t un9 ^itii) nod^ eine 
anbere ^robe mad)m. ®tf)t, l)m pnb brei üerfte^ 
gelte 9idd)m ; in iebem ijl eine gewiffe Tlnia^i t)on 
Sted^enpfennigen. 3^r foKt pe nic^t erbred^en ; i^c 
fottt fte nid^t einma^l anfaffen ; unb bodf) n>ette ic^, 
ha^ eure ©eele burrf^ @di)(fiffe tvfa\)xm fann, ob in 
bem einen ^d(fd[)en xmJ)t ^Rechenpfennige, aU in bem 
anbem, ftnb. 

9lifota«. 
iD, ba$ f5nnen mir bod^ mot nic^t ! 

9$ater. 
6ure Seele fann m^f^t, al^ i^x glaubt! 3^r 
fcUt gleid^ fe^en. ^d) muf eudj^ nur er{{ mieber 
gmet Urt^eile geben, fo ifl mir f&r ba^ britte gar 
ni^t bange. — Sd) miß fte euc^ aberma^l« an bie 
Safel fc^reiben : 

ecjle«: ^ bem erjlen ^äidS^en ftnb nid^t 
mel^r unb nic^t weniger Pfennige, aW in bem 
smeiten. 

3t9eiteö: 3n bem smeiten ^idc^en ftnb ntdj^t 



fdt; J^inbec. 47 

me^r unb nxi)t weniger ^fennige^ aW in Um, 
britteit. 
gitttt bae brttte Urt^eil: 2ftfo — 

X>xttxiä). 
Titfo ftnb in aUen breten gteid) toiel. 

ajater. 
2(tfo in feinem mt1)t ober n^eniger , atö in bem 
anbecn ? 

Alle. 
9tein, in feinem mel()r, a(d in bem anbem! 

aSater. 
(Run »oUen »ic bod^ fe^en, ob unfere Seele 
and) rec^t gefdj^loffen ^ot. (@i: erbricht bad 9)4(fd^cn.) 
3n biefem ftnb — fed)^, in bem jweiten — anä} 
fe<^^, unb in bem britten — 

So^anne^. 
Sa t»xxtüi) a\x6) \id}^ ! Sa^ ifl bocl(^ ndrrifd) ! 

Später. 
@rfiaunt aber bie munbetbaten S^bid^^iten / bte 
unferec ©eete »erliefen ftnb ! 

©ottCieb. 
2>en ®eelen ber Siliere b^tt ®ott biefe Araft n)o( 
auä) nicbt gegeben ? 

aSatet. 
3Da^ btaud^^e id^ eucl(^ miebec m6)t }U fagen^ iveit 
eure ®eete ed ebenfalls Don felbfl n^iffen fann. 

gerbinanb. 

Sad audb ? 

Später. 

Ätterbing«; gebt nur Z(i)t\ — Slid^t »a^r, t^r 
begreift mo(/ baf ßiner, ber n\i)t urtbeiten fann, 
au^ nid^t {u fd^liefen t>ermag? 



48 0ee(eti(e$ce 

fD ia\ — iDenn mnn man fd^Iiefen ti^xü, fo 
muf man \a ba^ brttte Uttfyül fetbji madigen. 

SBatet. 
9itd)ti3! — 9lttn (aft un^ ba^ etfi tptebec an 
bte Zaftl fd^ceiben. 

©rfle« Urt^eit: ®er ntd^^t uttJ^eilen fann, 
bec (ann aud) nx(i)t fd)Hefen. 
9}un fragt {td)$: f innen bte Sintere urt^eUen^ ober 
mi)tl 

So^anne«. 
3f nein! £)ad ^aben n)tr ja eben er{{ au^ftnbtg 
gemadS^t/ baß fte ha^ ntc^t finnen. 

ajater. 
@ut/ fo fei ba^ unfet iVotiM Utt^eit: 
3tpetten^: ^ie ®ee(en bec Stetere finnen 
ntc^t urtl^eiUn. 
5Wun \>a^ britte: 3ßfo — 

So^anned. 
üi^o finnen bte ®eeUn ber Zf)mt aud) nid^t 
fc^ßefen. 

SBater. 
. @e^t tl^t? iDa l^aben tt)tr ed ja! Unb l^at un« 
ba6 »ieber Semanb gefagt? 

ÄUe. 
!»etn! 

aSatec. 
2(tfo tji el DiUtg au^gemad^t , unfere ^ttirn ^a- 
ben »irWidS^ Äraft, ju [erliefen. — Äud) an biefe 
beiben gä^tgfeiten unferer <Seete , bie »tt: je^t er* 
fannt ^aben, an bte Uttl^etUfi;aft unb an bte 
Xtaft in fdg^tief en, finnt i^r euc^ erinnern, 
tnbem i^r unfer ^eutiged S3ttb anfe^et 6!agt mir, 



für Einher. 49 

toa^ benfet t90( ber Ana6e, ber l^ier t^otgefteUt ifl? 

?WtfoIo€. 
6t benft/ baf bte ©ontienjlra^leit unb bie feud^ 
tett D&njie in ber Suft bte Urfac^e bed Stegenbogend 
ftttb. 

aSater. 
6t {te{)t a(fo ein, bap bet @a6, ben bu mit 
ießt fagjl, bejal^et, unb ntc^t rjetneint werben muß? 

3a! 

aSater. 
SBa^ tl&ut et a(fo ? 

5Kifota«. 
6t itttl^eitt. 

aSater. 
9lidf)ti9. 3ftfo fonnen wir unö erjltic^ babei er* 
innetn? — 

giifoU«. 
£)aß unfete @ee(e Utt()ei($ftaft l^at. 

aSatet. 
3cl& t)etmut^e abet, baf in bet ©eele biefe^ aufs 
mctffamen Änabcn noc^ me\)t tjorgel^t. @oUte er 
m(l)t ^itMd)tf inbem er ben ^Regenbogen beobachtet, 
audS^ nodj^ bieg benfen : 2)er SJegenbogen f ommt üon 
Un @onnenjlral^(en unb tjon htn »dfferigen ©fin« 
Pen ober Siegentropfen l^er, bie jefet in bet 2uft 
ftnb; tt>enn abet t)iele mdffetige 2)finjie in bet 
?uft jinb , fo regnet eg entweber gteic^, ober bod^ ge- 
meiniglid^ ba(b : alfo ijl eg tt)al^rfcf)eitt(tcl^ , ba^ toit 
f^trxu obet motgen auc^ ^iet bei \xn^ Siegen l^aben 
wetben, eg m&^U benn fein, baß htt 3Binb bie SJe^» 
genwolfen Dertriebe. -^ Unb gefegt nun, t>a^ feine 
®eele bie« benft; wa« t]S)ut fie ba? 

C. ^cereiircörc. 5 



50 ^Seelenle^ce 

öatet. 
@ans red)t : fte fc{)Itef t. Senn n>tt ben @d^(uf , 
ben feine ®ee(e mac^t, an bie SSafet fd^reiben n>ol(» 
ten , fo n>ftrbe er ungefähr fo lauten : 

ecfie« ttrt^etl: SDSenn t>iele »djferige Dönfte 
in berr 2uft ftnb , fo ijl ju tjermut^en , baf e« 
balb regnen merbe. 
Stoeite^: 3e6t eben finb tjtele it)äffe«ge 

2)finfle in bec ?uft. 
iD rittet: 3C(fo ijl ju t)ecmut^en, bap el balb 
uo;atxi »erbe. 
2fn »eld^e ©eelenfraft fann un^ bie« Silb alfo 
g(eicl()fa(!!$ erinnern ? 

%n bfe Äraft, ju fc^ltefen. 

aSater. 
^ietric^, fage bu mir \z%t t)or, ma« ict) anfcl()rei« 
ben foU. 

©ietrid). 
Unfere @eeU fann auc^ urt^eiten. 

aSater, 
X)ad ^ei^t? 

©itertc^. 
®ie fann einfel^en, ob ttxoa^ mfiffe be* 
ia^et, ober t)erneint n?erben. 

aSater. 
Semer? 

©ietrid^. 
Unfere @ee(e fann andj^ fd^tiefen. 

SSater. 
Unb xoa^ ^eift bad? 



för Aittber. 51 

iDtetrtd^. 
@ie tann a\x^ s^ei Urtl^eiten Don felbfl 
ein britte^ {teilen; ol^ne baf e6 U)t Semanb 
fast. 

SJater. 
®ttt! — Unb fo weit für l^eute! 



S3 i e r t e $ ® e f p r £ d^. 



Km folgenben Sage , ba hie ©efeKfcbaft ft<b wteberum 
oecfornmelt ^atU , unb bec IBater eben xa SSegnjf 
flanb; ben ^<3!titXi beö gefingen ©efprdc^d n?iebec 
aufjunebmen/ b^elt ec pl5tlt(b ein, neigte \>exi 5tc|>f 
no^ ^i; @artenfeite bin, unb fcbien auf etnmab( 
gan) ti%t getoorben ju fein. 

Sobanne^. 

SBSa^ ijl? 

ajater. 

(VQe bonben unb 2(ae fcbretn/ n>te mit Einern !9{unbe: 
„2Cb! bte 9ta<bttgaa i '^ ^% war bie etfle, bte ffcb 
wiebec b^^en lief.) 

JBater (wtnfenb). 

©titt! jlitt! 

(inie beobacbten ein tiefen ^(bwetgen, bi« bte S^acbti» 

gaa relbft eine ^aufe mad^t) 

IBater. 

SBad IS^aben mit: \i\x get^an? 

5* 



52 ^eelenle^re 

9Btr ^aUn ber ^ai)tx^aa jusel^irt. 

aSater. 
^at tcoi @iner unter und ^ tnbe^ n)tc tl()t ^u^^Sr^ 
tttt^ an ettt)a6 2Cnbere$ gebac^t? 

2Clle. 
(Rem! 

aSatet. 
Unfere @eete ^at alfo ade anbere ©ebanfen un^ 
Utbv&dt, um nur aUein an ben tieb(tcf)en ©efang 
ber 9ladi}tt9a(t ju benfen; ntc^t? 

2(((e. 

Sa! 

aSater. 
ÄSnnt xf)t mir Sied/ »a« unfere Seele jegt tfyat, 
mit einem einzigen SBorte fagen? 

Sol^anned. 
£) ia! fte tt)ar aufmerf fam. 

ajater. 
8{id)tig ! 2((fo »ieber ein neue6 SSermSgen nn^ 
ferer ©eele : fie fann auf etwa« aufmerf fam fein ; 
ober mit anbern SBSorten , pe fann / menn fie »iU, 
ibre ©ebanfen ober aSorjleüunsen t)on atten anbern 
iDingen (ibiit1)m, um fte auf eine einjige @ac^e $u 
rtdS^ten. 

giifola«. 
2C6er bal fSnnen bodf) bie Zf)m^ gewiß aud)? 

aSater. 
SQSorau« frf^liegejl bu \>a^, SlifoM? 

5»ifotaö. 
3a , fpigen nid[)t ntand^mabl bie «^unbe unb bie 
yferbe bie O^ren , aU tcmn (te rec^t aufmerffam 
nacb etwa« btnborcl()ten ? 



für jtinbet. 53 

SSatec. 
2)ad t^un fte; unb tt>\tiii6) benft x1)tt @eeU 
bann aud^ an nid)t^ 2Cnbete^ , a(0 an ^a^ , n)ocauf 
fte ^$ren ober fe()en. 2(6er, fage mic f ^aft bu n>o( 
jemal()(« bemerft, baf bte Spiere auf Smai aufme* 
fam ftnb; ba^ nidjt einen ober b^n anbem tl^tet 
©inne rfi^rt ? Sunt SSeifpiel, auf 6ttt)a6 , ba« ab* 
»efenb ijl, wie etwa auf ben großen SWogul? 

9lifota« (iQC^enb). 
giein! 

»ater. 
jDbet auf Qttoa^ , ba^ butt() bte @inne gar nid^^t 
»a^rgenommen werben fann, wenn e^ un^ and) ge« 
genwärtig ijl, wie j. 58. auf bh Äc5fte unb gd« 
^igfetten tl^rer ober unferer @eelen ? 

mHolaß. 
Wein! 

JBater. 
Tibn tann unfere ®ee(e auf @twa6 CLÖ)Un, ba6 
abwefenb tfi? 

!»ifola«. 
£) ja! 

aSater. 
3* S3., ba wir in ber 6rb6efcl(^rei6ung {u bem 
9Uxd)t bed großen fOtogutö famen ^ war eure ®eete 
ba nid^^t aufmerffam auf ^a^ , wa^ t(l() t)on i^m 
ttttb feinem Sanbe eud^ tvi&l)iui 

9lifota«. 
Sa wol ! 

aSater. 
Unb feib f^r je^t nic^t eben fo aufmerffam auf 
Sa^, wad wir Don unferer ®ee(e entbecfen f innen, 
ungead^tet nic(^t^ bat)on weber ge^prt, nod^ gefe^en, 



54 ' @eelenle|)re 

noc^ bvLvi) trgenb einen anbern Sufern @inn tvat)ti 
genommen werben fann? 

5Wifo(a«. 

3a! 

85atec. 
ttttfere @ee(e fann alfo aufmerifam fem 1. auf 
(Stxoa^ , ba^ Vin^ nid^t gegenmScttg tfi ; 2. auf d^ 
toa^t ia^ butc^ feinen bet dugecn ®inne n^a^tge:" 
nommen n)erben tarnt/ n>enn e$ aud[) bict)t bei un^ 
n>dre! 

2C(U. 
3a! 

aJater. 
Unb auf fotd^e ©inge fJnnen bie ©eeten ber 
artete nid^t aufmecffam fein? 

aue. 
9lein ! 

aSater. 
@o tjl \CL imifd^en unferer Äufmerffomfeit unb 
ber 2Cufmerffamfett ber Sf)tere ein großer Unter» 
fdf)ieb! — 9?o(^ ein«! ©täubt tf)r tt)ol, bap bie 
SE^iere ftd() fo ganj Don freien ©tficfen tjome^men 
f innen, auf ^txc<xi aufmerffam ju fein? Ober, 
mit anbern SBorten, baf fte ftc^ biejenigen ^inge, 
auf »eldj^e fte aufmerffam fein woUeit , Don freien 
©tiefen tt>d^lett f innen ? 

2)ietridf^. 
9lein, bag glaube xi) nid^t. 

aSater. 

3dE) auc^ nidbt; benn nie l^abe ic^ bemerft, bap 

fte anfangen , auf tVcock^ aufmerffam ju fein , al6 

tpenn jte burd^ tvcoa^ ©innlid^eö baju gereijt tt>er» 

ben. — Aber unfere ©eele ? &mn Vit nx^t tjon 



f&r Jttnber. 55 

freien &t&dtn \id) 2)a6)enige to&^Un, to^tanf fit 
i^ce 2(ufmerf fatnfeit richten tmU ? 

TliU. 

O ja! 

fßattt. 

3^%t ftnb mir auf bie g^^is^iten ber @ee(e auf« 
merf fam ; aber fobatb mir moKen , benfen mir an 
etma6 2(nbere^. 2((fo f)an^t e^ '\a Don un^ felbfi 
ab, mo rauf mir acl()tfam fein moUen, unb mit 
lange mir e^ fein moUen. 2)ie 2Cufinerffamfeit 
alfo, beren mir filzig finb, ttttterfdf^eibet ftc^ f^im« 
ntelmeit t)on berjenigen, beren bie Spiere fi^ig jinb. 
— ^nn mitt id) eudS^ auc^ mieber ein 85i(b jeigen*). 

®e^t; ^ier ijl einer t)on ben großen 2(ffen t^or« 
gejieUt, bie man £)rang-Utang nennt, unb bie 
eud^ \d)on an^ ber 9laturgef4)ic^te befannt ftnb. 
93or ibm fiel^en jmei Anaben , bie ilj^n aufmerffam 
Uuad)Un, @emi$ benfen bie ®eelen ber Anaben 
te|t an nid^t^ anbere6, atö an biefen 2(ffen-, tcai 
ftnb fte alfo in biefem 2CugenMi(fe? 

3C(te. 

®ie ftnb au^erffant. 

äSater. 

®oIlte aber biefen Ainbem, inbef fte ben grofen 
3Cffen betrachten , nid^t einfallen , bafi er eine 3(e^m 
K<i^f eit mit irgenb einem anbern äBefen babe ? 

®ott(ieb. 

Ö ja, mit bem SRenfdS^en. 

SJater. 

£)ie Anaben l^atten atfo mol ba^ S9i(b be6 Hf^ 



*) Xafet. I. 3. 



56 @eelenIeQte 

fett mit tem S3ilbe etned ^n\d)m in ®ebanfen 5U> 
fammen ? 

Serbinanb. 

SSermut^Kdf^. 

aSater. 

Unb »ift i^r, toie man bai mnnt, wenn bie 
@ee(e etft (Sin 2)in9, bann ein 2Cnbere^ benft, bann 
iitb^ mit einanber in ®ebanf en jufammenlE^äU ? — 
2)a6 nennt man, ein S)in9 mit bem anbern Det« 
gUi^tn. — 9Bad t()un alfo biefe Knaben, ÜJtat» 
tl^ia« ? 

?0tattfiia9. 

&U t)erg(eidl)en ben 3(ffen mit einem !D{enf<^en. 

aSatet. 

Unb marum tf)Vin fte ba^? 

9Kattl^ia6. 

Sa; fte woOen toiffen^ ob ber 2(ffe eben fo au€^ 
ftebt, n)ie ber 9Senfcl(). 

SBatet:. 

^a^ ^eift mit anbern flBotten, fte u^oSen mif« 
fen, ob Äffe unb SlRenfclb einanber d^ntic^ ober 
und^nlid^. ftnb. — 2)er eine biefer Änaben 
fc^eint feine Äufmerffamfeit t)ornel^mlidS) auf bie 
•|)dnbe ober SJorberfufe be« Äffen ju f)tfun, ber am 
bere j^ingegen auf bie ^ä^e ober «^inter^inbe beffet> 
ben. Sener ftnbet, bag bie SBorberbdnbe be^ Äffen 
eine große Äel^nlid^feit mit menfcl^(id)en »Rauben ^a» 
ben; biefer jg^ingegen bemerft, baß bie «^interl^dnbe 
beffetten fi'cb t)on ben gfißen eines STOenfd^en merfc 
üc^ unterfc^eiben, mejt fte g(eid^faU$ loSUtg n>ie 
*^dnbe gejlaltet ftnb. Sener entbecft alfo eine Äel^n^» 
Ud)ttit, biefer Ig^ingegen eine Und^nlic^feit 
o^er 93erfd[^ieben|^eit {»ifdf^en Äffen unb ÜRem 



für Ainbey. 57 

fc^en. Unb nooUt t^r toxfftn, noelc^e XrSfte i!)rer 
@eete fte ba6ei antoenben? 

D ja! 

aJater. 

S){e @eeU be6 etflen &f)t t^ren 9S 1 6 ^ bte @eeU 
be« attbem If^ittgegen t^ren ©c^arffinn. J)ucc^ 
ben 9Bi| ndmltd!) flellen n>tt; und bie 3(e^nlt(^fettem 
butd} ben @<^acf|tnn bie SSerfd^teben^eit ber ^inge 
öor. — . ©otCte eure @ee(e ttjot aud^ fd^on etwa« 
SBtl unb ettt>a« ©c^arfftnn l^aben? — 2)oc^ ba« 
fJnnt i^c ja ntd^t el^ec »iffen, bid tl^r e« t)erfuc^t 
ffabt; laft un6 atfo btefen äSerfuc^ ^Uxd) je|t ein« 
maf)t anfielen. ;S(ber t)on eud^ t)erg(eid^e in @e« 
banlen ben Äffen , beffen 85itb toit f)Uv fe^en , mit 
fii) feCbfi; bann n^oUen n>ir ^Sren, n>et t)on euc^ 
eine Tie^nüd^Uit unb eine SSerfc^ieben^eit ^n^ifc^en 
Setben h)a^cgenommen f)at 3(^ gebe tnd) eine 
t>otte SBinute JBebenfjeit. — 9lttn, ©ottßeb, fage 
btt iuerfi; tca$ bu bemerft l^aft. 

©otttieb. 

2)tefer ^Tffe geljjt aufredet, unb bie 2Benfd(>en ge« 
^en auc^ aufred(^t. ^ 

SBater. 

J5attn jtnb jte alfo einanbet ä^n(idf) -, — unb m^ 
burdf> unterfdj^eiben fte \ii) t)on einanbec? 

©ottlieb. 

J>ec Äffe tjl ganj tan^ , bie SRenf(^en aber ftnb 
g(att. 

a$ater. 

®viti nun bu, 2nattf)iad! 

Wattf)xa€. 

2)er Äffe fann mit feinen ^dttben tma9 anfaf» 



.58 ^eeUnlel^te 

fett; cxt>mitd9 tvte ein SJlenf^ — batta ifi et uM 
lif)nüd) ; aber er f)at einett grS^em ÜT^uttb , aU toit, 
unb ein alMt runjelige« ©eftc^t — barin tjl er üon 
ün^ t)erfcl!)ieben. 

SJater. 
Zui) gut! — Seit, gerbinanb, tjl bie 9leil^e 
an bir. 

Serbtnanb. 
2)er Äffe a^mt gern nac^, fo t»te »ir — 

SBatet. 
^a$ tjl ahHmaf)l^ eine 2fe^n(tc{^f eit , bie er mit 
VLn$, befonber^ mit Ainbern , f)at 2)amtt tcit aber 
nic^t iu t>ie( ^tit verlieren , fo foU ber @ine t>on 
euc^ blo^ eine 2(el^n(ict)feit, ber ZnUvt eine SSer« 
fdl^ieben^eit angeben. Wo nun bu, dlxtoM ! 

Slifota«. 
2)er 2(ffe fann nid^t fprecf^en. 

äSater. 
9{{(^tig! 2(benna^l6 eine 93erfcl[^ieben^eit. S^ 
t)anm^, n>eiter ! 

So^anne^. 
Der Äffe ijl felj)r getel^rig , fajl t»ie ein STOenf*. 

aSater. 
iEBa^ fann benn fo ein großer Äffe n)ol ÄUe^ 
lernen ? 

Sobanne^. 

SBir Ij^aben in ber ^taturgefd^^ic^te ja gebort , \>ai 

er tanken / retten, «^o($ eintragen, \>xt @ct)ub(arre 

fc^ieben, bei 2!tfcl()e auftvarten, auf bem ®et(e tan» 

'Itn, n>te ein @o(bat SBaffen-Uebungen anfieUen, 

unb bie Srommel fcbtagen lernen fann. 

^ater. 
Da$ tpdre alfb tvieber eine Äebnlid[)feit, bie er 



für Jtinber. 59 

mit nn^ ^at-, unb nun/ X>xttt\i), noc^ eine 93er» 
[(^ieben^eit ! 

2)ietrid&. 

2)er Äffe ^at feine SJernunft 

SJater. 

SSSorau« fdf)Kefeft bu ba«?' 

2){etci(^. 

Sa; weil er Alle« fo blinbKng« na(i)xnad)t, o'^nt 
IVL totffen, n>arum er ed t^ut , unb ftd^^ babucdE^ oft 
unglficKid) mad^t. 

SBater. 

SBie fo? 

©tetridS^. 

«^aben n>ir nic^t %tf)itt, n>ie bumm ftc^ bie ^f« 
fen jutDetlen fangen laffen? 2)a fegt fic^ ßiner um 
ter bem SSaume, mxa\x\ 2(ffen ftgen, l|)tn, unb jiel^t 
itd^ bie @d[)ul^e ober S3einftetber an ; bann gel()t er 
^eg, unb id^t ein ^aar Keine ®c^u^e , obet Keine 
^ofen, bie mit ^cd) au«gefct)miert {tnb, an bem 
Scte jurfirf. ©teid^ ifl ein Äeffd^en ba, unb wiB« 
^em Slenfc^en nad^madE^en. 6r ikf)t bie &d^\x1)^ 
ober bie «^ofen an, unb ^at er ffe angezogen; fo 
lann er fte nid^t n>ieber au^jie^en, »eil fte fejl ans 
Keien. S)a fann er hmn au4) nid[)t laufen , unb 
wuf pd^ gefangen geben. — SSSflrbe er ttjol fo ein« 
Rttig fein, wenn er SJernunfit If^^tte ? 

aSater. 

Sreilic^, ba w&rbe er wol erjl benfen: n)a6 n&it 
«« bir, biefe« nad^jua^men? unb fann e« bie 
nic^t and) fc^dblic^ fein? — dlnn, Ätnber, ic^ fe^e 
tool, eure ©eeten i)aUn, wie alle anberen STOem 
fc^enfeelen, aud^ fdf)on eine gd^igfeit, bie 2(e^nlid&^ 
Wten unb äJerfd^iebenl^eiten ber 2)inge einjufe^en. 



60, @eelenle^re 

— ©agt mir bod^ je|t toieUt r>ct, »a« iä) auf uti^ 
fierer . SEafel anfdS^cetben fott. ©ietric^ madj^t hm 
Anfang ; bie Änbern iJfen tl^n ab , Seber in feiner 
jDrbnung. 5Wun ? 

2)tetrtd^. 
ttttfere Seele fann auf tttoaß aufs 
merffam fein; ba^ ^eißt — 

aSatet. 
^att! baf td& bie« erjl au«fc^reibe. — fRun 
metter ! 

J)ietri(^. 
J)a« lj)eift: fie fann alle anberen ®e* 
banfen unterbrfiden, um fic^ btof eine 
0ad[^e altein t)orsujleUen. 

3o^anneg. 
?flm xi)l — J)te Seele fann ani) J^tnge 
mit einanber Dergleichen, um ju fel[)ett/ 
ob fie lif)nixi) ober und^ntid^ finb. — 
SJBenn fie — 

^itoiaß. 
jD nein, mit (Srlaubnifl, junger ^err, nun 
tomtMxd)]— 5E8enn fie einfielt, ha^ bie 
J)inge einanber 5^nlic^ finb, fo t^ut fie 
bae bttrdE> i^ren 88i6; unb — 

©ottlieb, 
^att, \>a€ ijl ja ffir m\d)l — Unb to^nn 
fie einfiel[)t, ba^bie 2)inge einanber un« 
j|)nli(l(^, ober t)on einanber t)erf(^ieben 
finb, fo tl^ut fie ba$ bntd) il^renSc^arf« 
f i n n. — Aber, äSater, tt>aß bebeuten benn bie ^al)^ 
Un ba auf ben SSilbem ? 

aSater. 
®tel^fi bu, ©ottlieb, ^ier auf ber Xafel be)eid^ne 



füt; ^inber. 61 

td^ iebe^ mnt ®eetent)ennigen , bai tüit hmtn ge^ 
Unit l^aben , and) mit ^af)Un. 2)amit man nun 
feigen fonne, totl(i)t^ S3tlb ^u jebem berfeCben ge« 
i^ire , fo tinb biefe SSifter immer mit eben benfelben 
^af)Un begetc^net n>otben. 

©ottrieb. 

SSater. 

SDBetttt bu nun cinma^I Dergeffen ^ättefi; an 
wa« für eine gdl^igfeit unferec @ee(e bu \>x6) bei 
biefem ober jenem Silbe erinnern fottfi, fo braud)jl 
hvL nur blt 2af)if bie barauf jle^t, auf unferer Sa^ 
fei aufiufuc^en, fo n^eißt bn e6 gleich) n>ieber. 

Oottüeb. 

2)a^ ijl gut! — S>, tcoUtn toxt ttun noc^ mel^t 
t)on ber @ee(e lernen ? 

SSater. 

üBorgen; morgen, lieber ©ottKeb! gfir ^eute 
mag e^ genug fein. Unfere ©eete f)abm tt>ir för 
bie6 SD?a()t genug geßbt; je^t ia^t uns in btn @ar» 
ten ge^en, um unfern Körpern eine SSemegung ju 
macl()en! 

So^anneS. 

D, lieber SSater , nur nod() 6ine Srage ! — ^a« 
Un benn bie Siliere auc{) »ot 5Bi6 unb ©c^arf« 
ftnn? 

SSater. 

©effen Seele 5EBi§ unb <Srf)orffintt befi'^t , ber 
(ann nid^t blof bie Singe mit einanber t)ergleic^en, 
um ^tt urt^eilen , ob fte einanber d^nlic^ ober üer» 
fc^ieben ftnb, fonbern er fann aud) bie Äenngeic^en 
angeben , toaxan fie entmeber einanber Sl^nlic^ jtnb; 
ober »oburdS^ fie Don einanber unterfdS^ieben »erben. 



62 8eelfn(e^re 

Denn hcAutö) ftnb ja Zinqt einanber gleid^ obei; 
i^nltd^ , baf fte entmeber ade ober einige Aennjet« 
(^en mit einanber gemein f)abtn , unb baburcf) ftnb 
f!e ia eben t)erf(^teben / ba^ jebe^ feine eigenen be« 
fonberen Äennjetd^en i)at — ©taubjl bn nun , bof 
bie @ee(en ber Spiere 9Bi| unb ®c^arfl[tnn l(^aben ? 

3o^anne^. 
9?ein! 

3}ater. 
3Barum nid)t? 

So^anne^. 
3; »eil fie feinen IBerflanb ^aben! 

. SBater. 
Unb atfo aui) aber bie Jtenn^eidf^en ber Dinge 
nidf^t urt^eiCen f 6nnen. — ®enug ! 



guttfte« ®ef^> v&^. 



aJater. 

Suflig/ Jtinber ! «^eute n>erben mir mieber etma^ fe^r 
2Rerf»firbigc« tjon unferer ©eele (ennen lernen ! 

ÄIU. 
£) ! n)a6 benn ? 

aSater. 
SBir Serben erfalfiren, ha^ fte aucf^ auf 6tn>a^ 
aufmerffam fein fann. 

ZlU. 
% bai ^abm wir ja gejlern f(^on ge^6rt! 



fär ^inber. 63 

^aUn tptr? S)a^ tt>oUen tvtt bod^ gtetd^ fe« 
^en; mad ^et^ benn ba^: auf ettvaa aufmerffam 
fein? 

Da^ Ij^etft; ade anbete SBorflettunsen in feinet 
®ee(e untetbtfiden / um ftdf^ nut @tne &ad^t aUetn 
Dot^uflellen. 

aSatet. 

2>etne SSefd^teibung tjl ttc^tig; tdE^ muf a(fo 
glauben, \>a^ i^t^ »itfüc^ dejietn fdf^on ge^itt ^abt. 

D n>ttf(tc^! @an2 getvtf! 

SSatet. 
^m, ia^t e^ euci() ntc^t (etb fein, ba^ x6) ie|t 
wiebet bat)on angefangen l()abe; benn xd) ^aU ba^ 
butd^ etfa()ten, bafi mv^ @eete nod^ eine anbete §5* 
^igfeit l^at, bie- tooi eben fo »id^tig ill. 

3o^anne6. 
9Sa6 benn ffit eine? 

aSatet. 
Sute @eele tief je^t eine ajotpellung jutftrf, 
bie fie fd^on gefletn gehabt f)(im) nic^t? 

3f(U. 
3a! 

SJatet. 
Unb ffe etfannte auc^ babei, baf fte biefe 9}ot« 
fledung fd^on gejletn gehabt f)am ? 

Äire. 
3a! 

aSatet. 
£)a6 ifi mit lieb; benn nun mx^ xi^, ha% mte 
®ee(e au^ ©ebi^tnif ^at X>a€ ifi nimlid) 



64 ^ttltnlt^tt 

biejentge Sd^igfeit unferec @ee(e , b\xxi) mld}e fte 
fdj^on ^t^obtt SSorfieUungen noieber ^ert)orrufen tann, 
unb ftd!) babei betouft x\t, ba^ fte biefetben fcl(^on 
emma()t gehabt f)aU Z^at bad tttct)t jegt eure 
©eeU ? 

TiiU. 

3a! 

aJater. 
9lun , fö f)at fte audS) ©ebdd^tnig. — ® ir »ot^ 
len inbef; gu me^rer ©etoig^ett; nocl(^ eine jmeite 
^toht mit il^)^ anfietten. ^abt i^c fclE)on einen ?8s 
wen gefef)en? 

2(((e. 
O ia! O ia! 

SSater. 
©ie fa^ er an^'i 

©ottlieb. 
2C^ ! er f)(itt^ fo große birfe Äugen im Äopfe ! 

9{ifo(a^. 
£), unb einen ®cl()n)an$, ber tool fo (ang »ar, 
unb einen biden, bicfen ^if^zl hatanl 

Sol^anne«. 
^a, unb er l^atu and) t>om Aopfe bi^ mitten 
auf hm hib fo (ange bicf e ^aare , nnb bann toar 
er nadft hinten ju gan^ glatt. 

ajater. 
5Bann ^abt i^r biefen iimn gefe^en? 

mu. 

% tjorigen Sommer, ba »ir nocl& in @t. Sör« 
gen *) »o^nten. 



*) ^inc SBorflabt i)on i^am^urg. 



för hinter. 65 

aSatec. 
Uttb too fa^et tl^r t^n ? 

©ottlteb. 
Sn bet 85ube auf bem ^Wettmartte, tt)o nod^ 
mel^r frembe Sintere toattn. SJater ging ja felbp 
mit un^ ba^tn. 

aSater. 
Sdf) erinnere mic^. — 9lun, fel^t i^r, \>a f)at 
eure @ee(e a6ermaf)(3 eine SSorliellung erneuert, 
bic fte fd)on einmaf)t gehabt f^attt ; unb fte mußte 
babei red)t mol)l, baf tbr biefe ajorfictiung t>om 85« 
wen nidS)t neu fei, fonbern bof fie biefetbe fdS)on ein» 
niaf)l gehabt habt. SGBie nennt man nun bh ga» 
^igfeit, momit fte ba^ tf)(itl 

HiU. 
@ebac()tnif. 

aSater. 
S)a giebte alfo mieber ttxoa^ an^ufd^reiben ! SBet 
t)on tVL^ fagt^ mir t>or? 

2(rie. 
3*! tc()! tc()! ic^! 

aSater. 
Sa, wenn i^r 3Ctte jugleid^ mir t)orfagen woKte, 
ba »firbe xd) nid)t6 üerPe^en. 5Bir »erben alfo 
tt>o( »ieber lofen mfiffen. @efcbtt>inb lagt unö 7iU 
M tt>ieberf)o(en , »a$ »ir t)on unferer Seele nun 
fc^on erfannt b^ben; Seber, fo wie bie Steige an 
i^n fommt, nennt mir eine ®eelenfd()igfeit, unb 
^er, ben ba§ ®ebid[)tnif trifft, ^at gewonnen, 
unb fagt mir t)or. 

( jDie Äinber liefen gefd^minb bai SBorbergef)ente wkbn 

bwö), unb 9tt!oIad gewann.) 
9. ®ee(ettre9rf. 6 



66 ®cctenlet)re 

H^l hai tfi fc^Sn; tc^ ^abe getDonnen! 

SJater. 
9?utt, fo fage mir benn t)Oc, waS ic^ fc^reiben 
foU. 

Unfece ®eete ^at anö) ©ebdd^tnif^ 
fraft 

aSater. 

®e|e l()m{U; toa^ ba6 mit anbem SSorten fagen 
toiU. 

S)ag t)tx^t: fte fann eine 9$ot{leUung, 
bie fte fc^on einmal^l gehabt f)at, triebet 
|)ert)orrufett, \xnb fann babei »iffen, 
baf fte btefelbe fc^ott einma^( gehabt 

f)at. 

aSater. 
9{un; tooUtn toix nld}t toitUt unterfud)en , ob 
bie 2!l()terfeelett tt)o( auc^ @eb{d[)tnt^ ^aben ? 

2(ae. 

£)ta! 

So^atttte«. 
3<l^ glaube, baf fte e6 l()aben. 

SSater. 
@age unß bod^ aud^ beine Urfad^ett, waxnm bu 
ba6 g(aube{i. 

So^anneg 
^a, toenn man einem «^nnbe tttioa^ ju Seibe ge- 
t^an ^atf unb gel^t nad^^er einma^t n)ieber t>or 
feinem ^aufe t)orbei, fo Witt er ßinen gleid^ beifen. 

aSater. 
2)ie Srfa^rung tjl ridj^tigj aud) fd^eint barau« 



für Jttnber. 67 

mttflid} ju folgen, ba^ bte ^unbe ®t\>&d)tnt^ i^<if 
im. SU @eete berfeCben erneuert nimüd), aUem 
2Cnfef)en nac^ , bte äSorfleUung be^ elS)emalS)ltgen Un> 
nd)te, ba^ man tl[)nen tl^at, unb f?e fdl^einen ftd^ 
befwegen rdc^en gu n)(^en. 3Cber foKte bte «^unbe» 
feete arxi) n)Ol beutßc^ n>tffen, ba^ fte btefe SSorflel* 
(una ie|t ntc^t sunt erjlen ÜRalj^le jg^abe, fonbern haf 
e^ nur eine erneuerte SSorjleaung fei ? SBa^ meinjt 
bu, Sol^anne«? 

So^anne«. 
9lein, ba^ toitb fte k9o( ntc^t totffen. 

aSater. 
SBBarum ntc^t ? 

Solf^anne«. 
SBetl bie S^ierfeeten gar nid^te beutlic^ tDtffen ; 
fonfi müßten fte \a äJerflanb f)(ibm. 

ajater. 
SBenn ba^ iji, fo mn^ fa tool ber ®ee(e be6 
«&unbe6, inbem fte ftd^ tvegen einer e^ental^ligen SJe^ 
(eibigung rdd^en toxU, fo jtt ÜT^ut^e fein, ai^ toenn 
i^r bie ^eteibigung erfi eben jegt anget^an tt)firbe? 

Sc^ glaube / ja ! 

SSater. 
®o ifl benn and) st^ifd^en i()rer Srinne« 
rung^fraft unb unferm ®cb&d)trtx^ m mert 
lid^er Unterfc^ieb! Sie ^unbefeele fann nimlid^ 
e^ema^lige äSorfleHungen blo^ jur&dErufen, aber ffe 
fann fle nid)t toiebererfenneu/ ba6 ^eift, fte ifl ffd^ 
nid^t beutlidj) bmn^t, bafi fte btefe SJorfieHungen 
fc^on irgenb einntal^l gehabt ^at Jtinnen wir i()r 
alfo n)ot eigentliche^ ©ebdd^tnifi (ufct)reiben ? 



68 @eelenU^re 

ajatec. 
ffiemgjlen« lein fotdf^e«, at« wtt ()aben. — ölun 
muf td^ eud[) a\xd) tcoi mteber ein S3ttb jetgen. 

2ftU. 
£) ja ; bitte, bitte ! 

aSatet. 
»g)ier ijl6 *) ! ©e^t, ba wirb ein alter SWann t>oc= 
gefleUt; bec faum mebr geben fann. 

©otttieb. 
2)ec f)at \a m frumme^ S3ein ! 

ajater. 
Siefett ®d)aben ^at er einer UntjorfTcbtigfeit }tt 
Derbanfen, beren er \\d) in feiner Sugenb fc^ulbig 

ma6)U. 

Serbinanb. 

©a« für einer ? 

aSater. 

6r fletterte gern ; unb ba$ pflegte er and} mol 
bann ju t^un, mnn fein 6rn>adf)fener jugegen »ar, 
ber ba()in fab, tai er feinen <B6:)ahzn n5^me. ßinjl, 
ba er allein im dimmer n)ar , ^attt er ben SinfaK^ 
fid) oben auf ben £)fen fefeen ju motten , bamit feine 
S5rfiber, wenn fte b^^einfdmen, ibn nicbt gleid^ fin« 
ben finnten. Qv flieg binauf, ber £)fen wanfte, 
fiürjte, fiel ibm aufö SSein , unb baö SSein war jers 
f4)lagen. ^ad) Dielen fiberjlanbenen ©dbmerjen 
tourbe er $tt)ar enblid) gebeilt, aber ba^ S3ein blieb 
ffetf unb f rumm fein Sebelang ! 



*) tofci I. 4. 



für Äinbcr. 69 

^a^ UUutm benn bte SStlber, bte ba an ber 
SEBanb ]()dn9en? 

aSater. 
J)ie jletten if)tt fetbjl t)or, fo mie er ju Derfd^tes 
benen Seiten abgemal^It morben ifl; er|l al^ Äinb 
im ^ufarenfteibe — 

©otttieb. 
Sa f)at er btn ®(i)a\)in am SSeine nod> m(|)t 

gehabt — 

aSater. 

JTber halb barauf bekommen ; benn fe^t ba , tt)o 
er at6 Söttgting üorgejleKt wirb, jeigt fid) fd^on fein 
frumma« 58ein. ®a6 britte Silb jlettt il&n al« 
SKantt bar. — 9lutt , trag glaubt i()r tt)o( , ba« bte 
©eele be6 ®reifeö t\)VLt, inbem er bie SSitber anjte()t? 

3o()anne«. 

@ie erinnert fiep if)re6 t^erfloffenen ?eben«. 

SSater. 

85ei bem erfien S5i(be fallt ibm ber unglfitfUc^e 
gatt ein, mobei \\)m ba^ Sein jerfdf)mettert tt)urbe; 
htx bem imiUn, mefd^eö iF)n in 9leife!(eibem bar« 
flettt, erinnert er ftd) ©effen, tt)a6 er auf feinen 9leis 
Jen SBerfmörbigeö 9efef)en unb 9e()irt ()at. Snbem 
et baö britte anfief)t, gebenft er feiner , fd^on t^erflor? 
benen, ®attinn, bie er bama()(6 ()eiratl)ete. ©eine 
Seele ruft alfo (auter Sorftedungen jurfi*, bie fte 
fd^on einmal^t 9eF)abt i)at, unb fie tfl fid) babei bettt* 
Ixd) beruft, baß fte biefe SJorfteKungen tvxttiid) fd^on 
if)tmaf)l^ ^if)aht \)at. — 35ie6 85itb fann Und fol9« 
iii) ftf)t bequem erinnern — moran? 

3(tU. 

Zn unfer ®eba(i)tni^. 



70 ®eelenle]()i-c 

SSatet. 
2(6ec e^ fann und and) Znia^ 9e6en, nod) et> 
mad 9}eued in unferec ®eete ^u entbecfen. 

So^anned. 
5Kutt? 

IBater. 
SSeanftoortet mir erji ein ^aax ^a^^ti: ald 
bem Ainbe, n^elc^ed ^ier t)orge{ieUt n^irb, bad S9ein 
{erfc^mettert n>urbe; tt)ad fieUte ftd^ bie ®eele beffet» 
ben woi t>or? 

3p()anne«. 
®te jteUte ftd) bad ^etbrod^ene S3ein üot. 

aSatcr 
SBac i()t biefe SSorfieUung n)oI eben fo gleid^gfiltig, 
aH wenn jte fid) einen jerbcod^enen ®to(f DorjleKte ? 

^o^anned. 
9iein, gemif nid^t! 

aSater. 
ober füllte (te bei biefer SSorflelTung tt)o( gar ein 
gewiffed 5J3o()(gefatten , ein gewiffe« SSecgnögen? 

So^anne«. 
S nein ! @ie ffll^Ite t)ie(me()r grof e« SÄi^t^ergnfis 
gen babei. 

aSater. 
Unb ha er nad^l^er, auf feinen Steifen, ba(b burcl^ 
fd^5ne , ^errtid^e ®tQtnbtn fit^r ; ba(b neue prächtige 
®täbte unb ©dSitoffer, balb mm Äunjhüerfe, balb 
frembe merfmfirbige ^flanjen unb Siliere, balb am 
ber^geflaltete SKenfd^en mit anbem @prad^en, ^xU 
ten unb ©ebräudSien fa^, — wa« meint i^r, fottte feine 
®eeU ba^ 3(Ue6 tt)ot aud^ ehm fo g(eid[)gü(tig be- 
trad^tet ^aben, al^ tt)ir biejenigen S)inge ju betradj^- 
Un pflegen , bie n>ir aUe Slage feigen ? 



für Äittber. 71 

9ltfola«. 
£) ha m&fte feine @ee(e ja ced[)t f)oiitm getoe» 
fett fein. 

aSater. 
3(6er glaubt t^c , ba^ fte bei bet SBotfieUung aU 
(er btefec S)inge @benba^ defä^U ()abe , tt)a6 fte ba« 
mal^tö föl^tte , ba fte ftd^ ba^ {erbrochene S9etn uor> 
ÜeOte? 

5?tfolag. 
£> nein! S)amal^l6 f&^lte fte ja 9)tt$t)etgnfi« 
gen, unb ^ier mufte fte großem SSergnägen entpftn^: 
hm. 

aSater. 
3^r fe()t alfo; baf unfere ®eete bei getoiffen SSor* 
fteUungen ntcl[)t gUid^gfitttg bleibt. 

2m e. 
Sa! 

aSater. 
Unb ba^ fte t)ietmel()r bei einigen SSorfiedungen 
SJergnÄgen, bei anbixn hingegen SRißöergnö* 
gen f&^itl 

3a! 

aSater. 
SSoUt ibr nun miffen , mt man fotd^e äSorfiet^ 
lungen , bei meieren bk Seele entmeber SJergnfigen 
ober 5Wt5t)ergnfigen fublt/ ju nennen pflegt? — 
9Ban nennt fie ßmpfinbungen. 

Sobanne«. 
TU) ! tt)ieber etma6 ^eue^ ! X)a^ nimmt ia gar 
fein ©nbe! 

aSater. 
D Äittber; unfere ©eele ifl ein unerfcbSpfRc^er 



72 ©celenlc^rc 

£luett t)Ott tDunberbaren Äcäftcn unb gdljiigfetten! 
Sl^r werbet nad) unb nadj) nodS) t)te( mzl)t in x^^t 
entbecfen. — 3e|t ia^t un« nocl) eittmal[)( unfer 
85i(b anfeF)ett. 5EBarum mag benn mo( ber aiu 
Wtann, xnb^m er fein erfteg Silb anfielt, mit ber 
(infen *^anb nad) feinem SSeine greifen ? 

©ietrid). 
6r fd)eint baran ju frabbein. 

ajater. 
Unb tt)arum mag er ha^ tt)\xn ? ®oIlte ed i^n 
wot je^t nodS) fdf)mer5en? 

2)ietrid). 
£)/ ba^ glaube id) nid)t! 66 ijl ja fd^on lange ^er. 

aSater. 
S)a6 benfe id) a\xd)l unb bod^ fte^t er orbentlic^ 
fo an^, al6 tvtnn feine @ee(e nodS) je^t bie ßmpftm 
bung be6 ©djmerjeg l)ku. 

2)ietrid). 
@r erinnert \id) bloß baran. 

JBater. 
©eine Seele ruft alfo bit gmpfinbung be« e^e* 
mäkligen ©c^merje^ juröcf ? 

SietridE^. 
@o fdjieint eö. 

aJater. 
Unb ba ijl i^m Dielleid)t fo ju SKut^e, ate wenn 
er ben ®df)merj jefet wirflidf) tt)ieber füllte. 

©ietridj). 
3a! 

aSater. 
Rann benn ba^ audb mol unfre ©eele? Äamt 
fte wol angenehme ober unangenelfime ßmpfinbutts 
gen in \id) erneuem? 2)ag möffen tt)ir bod^ mit 



für ^inber. 73 

®ewif l^eit iu erfahren \ud)tn. ia^t feigen ! — ?!Bigt 
it)t nod) I tDte mir \>m^t^ ^(k%i bte @lbe ^inuntec« 
ful)i:en, nadj) 3ocff bei ©tabe? 

2Ctle. 
£) ja ! ja ! 2)a6 ging ()crr(ic^. 

Soljanneö. 
ÜBte n?ic (at7iretr ober freuten mußten/ unb ba^ 
@cl^itf h(^i^ auf ber einen, balb auf bec anbetn ®t\Xz 
tag! 

©ottlieb. 
Sa, unb tt)ie e^ tanjte auf ben SBetten! 6$ 
war ocbenttic^ , a(6 menn mir gewiegt »fttben ! 

9lifolaö. 
Unb wie ba^ au^faf), ba tt>it bei 9ieuenjldb» 
ten unb bei 85(anfenefe vorbei fu()ren! 

aSatec. 
®at'« nid)t gecabe fo, aleJ wenn bie S5Äume unb 
bie »g)dufet bei Utt6 t)ocbei liefen/ unb a(« wenn wir 
fiiU tagen ? 

aile.^ 
2fc^/ ja ! 2)a6 war eine prächtige SReife. 

ajater. 
92idf)t n?af)r/ ba^ 2(Ue^ mad)te eud) bamai;)tö me( 
8Sergnfigen ? 

aue. 
£)/ fel()r t)iel! 

aSater. 
Unb inbem i^r jegt baran \i({<k)Utt n>ac ed eud) 
nidjt redftt fo / M menn x^t eben mieber ba gerne« 
fen miret/ unb baffelbe 93ergnugen nocl[) einma^l ge^ 
fcftmetft hättet? 

Alle. 
3a , mirfli* ! 



74 (SeelenU^re 

ajater. 

giuc war bte« aSergnfigen nic^t üJffig fo gwf , 
unb bauette aucl) nicbt fo lange , atö bamaljitö? 

2(ae. 

gtein ! 

äSatec. 

9{unf tt)ad i^at benn eure @ee(e jegt get^an? 

S)tetctd^. 

£) tc^ meip! ®te Ijiat eine e^emal^ltge Sm- 
l>ftnbung lieber f)en)orgerufen. 

ajater. 

©ans ^^^^f unb bie Smpftnbung n)ar eine am 
9enef)me. Saft un^ bodb t^erfuc^en, ob n)ir aucl(^ 
n>o( eine unangene()me Gmpftnbung toithtt in nni 
erneuern fJnnen. — Sieber ©ietridf) , fage mir bodb, 
n>a^ empfanb beine ®ee(e üor ^mei ^af)ttn, ha bu 
9{ad^ri(^t friegtefl/ ba^ beine gute fröutter gefiorben 
fei ? — ( 2)ietri((i fdngt deftig an in »einen , unb KQe 
beoba^ten ein mitletbigeö @tiafd^metgen. 9lad^ eines 
^aufe. ) ©eine Zt)vimnf lieber ©ietridS), t)abm eine 
sU gerechte Urfac^e, al^ ba§ ic^ fte tabeln e&nnte-, 
aber t)ergif nid^t, ba$ e6 ein befferea SDJittet giebt, 
bad 2(nbenfen beiner lieben SDJutter ^u e^ren ; totnn 
bu bid^ nimüd) immer fo aufffi()rjl, tt)ie beine 2But* 
ter nodS) auf i^rem Sterbebette tt)finfclj)te, baß bu 
bid^ aufführen mid^tejl, um bereinjl in einem fe» 
ligen Aufenthalte mit bir, btn fie fo järtlidS) liebte^ 
auf immer »ieber tjereint ju werben. — 9lutt, 
Atnber, mad ()at bie ®eele unfern 3ikttiä)$ itit 
get()an ? 

3o()anne^. 

®ie ^at eine unangenel^me Smpftnbung }ur&(& 
gerufen. 



für itinbcr. 75 

ajater. 

Unfece @eele fann alfo Selbem, fie iann attQii 
mf)XM unb aud) unangenehme @mpftnbungen in 
ftc^ erneuern , unb e^ t|l i^r in bem 2(ugen6lic!e ju 
SRutl^e^ a(6 menn i^r @6enbaffel&e nod^ einma^l 
begegnete. 

So^anneg. 

2Rtt ml(i}ev Xtaft ti)ut fte benn ba«? 

aSater. 

STOttt^rer ginbitbung^fraft. 

So^anne«. 

2)ie ijt \a tt)ol einerlei mit bem ©ebäd^tniffe. 

aSater. 

2)efne grage 6emeifet, baf bu aufmerffam ge- 
n>efen b\% WxtHii} l)aUn beibe tma^ mit etnan- 
bet gemein; aber laß fe^en, ob unfer ©djiarflTnn 
tti«^t audS) irgenb einen UnterfdSiieb 5tt)ifc^en beiben 
bemerken fann? — SSeibe rufen ttxoa^ in unfere 
@eeU int&d'y aber mad benn? T)a^ @ebäd^tmf 
SJorflettungen Oberhaupt; bie 6inbi(bung«fraft IS)in« 
gegen nur foldjie SSorjlellungen , Ui tt)etd)en unfere 
@ee(e aSergnfigen ober 2Wif\)ergnfigen ffi^lt, ba^ 
l)ix^t: ßmpfinbungem Serner ; ba^ ®ebaö:)tni^ 
bemerft beutlid), ba^ unfere ©eeU biejenige SJorjie^ 
tung; bie fte erneuert, fc^on einma^t gef)abt l)ahti 
bie 6inbi(bung6fraft hingegen, befonberg mnn fte 
tti)t flarf ij}; mad^t, baß bie ®ee(e t)ergtft, ba^ fte 
bie in i^r erneuerte ©mppnbung fdjion e^emal^it^ ge* 
()abt l)aU, unb meif fTe $u öberreben, baf fte bie- 
fetbe jegt erji i)aU, ungead)tet ®a6jenige , »aö biefe 
ßmppnbung e^emal[)t6 in i^t ermecf te / il^r jeßt nid^t 
me^r gegentt)drttg ifl. @o gel^t e6 bem alten fSJanne 
auf unferm S3t(be. S)ie Sinbtlbung^fraft fptelt i^m 



76 ©eelenle^re 

ben hoffen , x^m n)et6 }u maijm , baf et ben el^es 
ma^üden SSembtud^ nod) ie|t f&(){e/ unsead^tet ba6 
SBcin f(?)on feit fünfzig 3a^ren wteber geljieitt tt>ar, 
S)a^ec febt tl^t, baß er mit bec «^anb banac^ Steift; 
tDie mir ^u t^un pflegten, menn un6 etmad fe^t toe^ 
t^ut. — @ie()(l bu nun ein, So^anne^, tt>ie ®e^ 
b^d^tnif unb Sinbitbung^fraft Don etnanbec unter» 
fd)ieben pnb? 

So^anne«. 
£) ja! 

SSater. 
9lun/ fo moUen mir e^ ^eute babei bemenben 
talfen. 

Sol[)anne«. 
2Cber motten mir nid^t erjl mieber anfd&reiben? 

ajater. 
Sa fo! ®aö f}ku id) halb t^ergeffen. 9iutt, 
fo fage mir, mag idf) fc^cciben foK. 

Sobanneg. 
Unfere @ee(e fann aud) ©mpfinbun» 
gen f)ahtn*, — foK xd) andt) fagen, ma« Srnpftn« 
bungen fmb ? 

2((rerbingg. 

Sobanne^. 
— ba€ finb fo(df)e SSorfleUungen, bte 
entmeber 93ergnägen ober üT^if t^ergn&gen 
mad^en. 

aSater. 
gerner ? 

3o()anne6. 
gerner ^at unfere @eeU aud^ ßinbtls 
bunggfraft; — ba^lj^eift, fiefann e()ema()ltgc 



aSater. 



für Ätnbcr. 77 

ßmpfinbungen mieber in fiö) erneuern. 

äJater. 
©0 1 — unb nun t)ina\x^ in btn ©arten *) ! 



©ed&jie§ ©efpradj). 



©otttieb. 

SSater, wa^ bebeutet benn baö ^ferb mit ben gtü- 
getn, l)a6 auf bem 85ilbe üorgejlellt ifl ? 

ajater. 
e« fott bloß eine Sierbe be« Ofen« fein, auf btn 
man e« gefegt ^at. 

• ©otttieb. 
®iebt e« benn tooi fotd)e geflügelte ^ferbe ? 

aSater. 
€?ein ! Ser Äftnjlter, ber eg mad)te, ()at ftd^ bloß 
eingebitbet, baß e« bergletd[)en gebe. 

©ottlieb. 
S), iann man [id) benn »ol fo tt>ag einbilben ? 

aSater. 
aSarum nid)t ? — 3c^ f ann mir ia einbilben, 



*) Um tiicftt iu weitlaiifi« Jtt »erbe«, fjaU tcfj »on ftier an 
Ottfaeöört bie mrnfdjddictt <BttUn mit t>tn Zf^icrietltn iu 
»rrgrcidjcttj «nb id) glauMe, tiefe« um fo me(>r t^un 
2U bürfen, ba biefe «ergCeidiung in Slnfeftung be« 2ro(» 
(lenben für ieben nnr ciniÄermafen «euaten «c^ret «ar 
(eine ®c4ioteri$fcit mel^v l^at. 



78 €5eclenlct)re 

baf id^ btc^ auf einem 2;rut()af)n tettenb btxt^ [bte 
Suft fltegen fe^e. 

©ottlieb, 
^o^taufenb, ba6 follte eittma()l fclS)6tt 9e()ett! — 
2Cbet bad ifi bcd) nxd)t tvaf)vl 

aSater. 
9letn ! Aber unfece @eete tann jtc^ and) 6ttt>a« 
i)orfletten , »a« »icf lidS) nid^t ijl. 3. 85. fannfl bu 
bic nid^t t)or{leUen , tt)ie ba6 au6fe^en märbe ; tventt 
td[) eine 5Wafe ^tee, bte t)on ()ier bi« an bie SSSanb 
reichte ? 

©ottlieb (tod^enb). 
Dia! 

aSater. 
Unb tt)tUfi bu tDtffen, n)ie man bieienige ^raft 
unferer @eete nennt , womit fte (id^ fold(je aSorfiel* 
(uttgen madS)t? 

©otttieb. • 

aSatet. 

2Ran nennt fte gantafie, auf 25eutfc^ ©ic^t^ 

fraft; unb bte munbetbaren SSorjleUungen , meiere 

fte fid) hahntd) mcid)t, bte nennt man ^antaften, 

auf S)eutfc^ £)id^tunden ober @tnbi(bunden. 

®ott(ieb. 
®oa idS^ auc^ etnmalS)( eine S^ic^tung mad(;en? 

aSatec. 
3mmerl^in ! 

©ottlieb. 
9?a, xd) bilbe mir ein , tt)ie ba^ audfe^en mürbe, 
menn ber ^uterljia^n eine ^erfidfe mit einem großen 
^aatUnUi tt&gt, unb toenn er btn «^ut unterm 
%i&Üti, unb einen Segen an ber ®ütt ^ittt. 



fürÄinber. 79 

aSatec. 
Sad m&fte Am fo nitrifd^ au^f^l^en, atö wmn 
feine Scau / bte Srutl^enne, mte eine 2)ame aufge« 
pu|t n>dce, unb ^attfer Saferen ttfige. 

©otttieb. 
@te() ! ba f)at SSatec ja aucb eine S)id^tund gemad)t. 

aSater. 
@an5 cecl[)t-, ii) i)aU, \o n?ie bU; mit (Süvad 
tootgejlettt, ba« wirKid) nic^t ifl. SBift i^t; »etdje 
?ettte i^te ^xi)tttaft am meijlen gebcaudjen? 

3flU. 
9ieirt ! 

aSater. 
^ 25ie 2)id^tec, bie 2»a§(er unb bie SSittJ^auer. — 
itonnt tl^c eud^ nic^t gtei^ an ein @ebid^t ecinnetn; 
worin eine ©idSitung tjorfommt ? 

So^anne«. 
£) ja ! in bem üon Staubtu« — toxe f)et^t e« 
boc^? — id^ glaube, ber gcfil^ting. 

aSater. 
9}un, tt>ad f&r eine S)icl[)tung ijl benn bacin en^ 
galten ? 

So^anne«. 
3/ ba fieUt er \i6) ja ben Srfi^Kng ai« einen 
SRann \>ot, ber fidji mit SSlumenfrJnjen bett>unben 
iat, unb bem bie 9{acl^tigaUen auf ben ®c^ultem 
P8en. 

SJater. 
Slic^tig ! 
)Denn er fommt mit feiner Sreubenfd^ar 
^^uU aus ber SDtorgenr&t^e «ßaQen ! 
@inen SSlumenfranj um SSruf^ unb «^aar; 
Unb auf feinen ©d^ultern Slad^ttgollen. 



80 ©eetenle^re 

^enn tott fönfttg in unferer Ainbetbibttot^ef 
Ufen, unb e^ {ommt bann hiebet einma^l eine ^id)^ 
tung t)or, fo fagt mit e^ bodb. 

®\xt j ba^ tooUm mir nidbt Dergeffen. 

©ottlieb. 
aSater , foU id) nun einmai)l t)ocfa9en ? 

SSater. 
£a$ fe^en; ob bu fannfi. 

©ottlieb. 
£) ja! id^ l()abe eö mir tt)of)t gemerft! — Un« 
fere ©eele ^at audf) gantafie, ober Sid)t- 
fraft. 

aSater. 
^un, mad ^eifit benn ba^ ? 

©ottUeb. 
3a, fie f ann fid& fo gtma« t>orjle(len; 
toa$ nxd)t ift. 

aSater. 
®ut! id^ l)am faum geglaubt, ba^ bu mir ba^ 
fo orbentlid) fagen fönntejl. Sa()re nur fort, fo auf^ 
merffam ju fein. 

©ottlieb. 
!Ra, ba^ YoiU xd) aud) gemifl tf)un ! 
(»Dei; SBater ^iebt fliafcbwetgenb eine ^anb t^oll frii^retfec 

Atrfcben aus ber Safcbe.) 
alle. 

aSater. 
© a« tfl ? 

TtiU. 
Z^ ! ^irfd^en ! 

(2(ae f^wetgen ooll ®martutig.) 



füi; ^tnber. 81 

SJater. 
SegtiDoUte id) tool errat^ett/ toa^ euce®ee(e mad^t. 

2tne. 
9hin, tt>a« benn? 

ajater. 
@te ftettt \xd) emad t)or , mad ffe ntd^t gern ^a« 
ben mod^^te. 

£) , gan^ unb gar ntc^t ! @te jteHt ftc^ etwae 
f ot, tva^ fte gern ^aben mSc^te ? 

äJater. 
9?utt, fo l()abe id^ mid^ geirrt. 
(®r gie^t ein fletneö S3ü(^€d)en ^ert>or , worin Asa foe- 
tida tf!, unb Wt ed @inem nac^ bem 2Cnbern unter 
bte 9lare.) 

2(ae. 
güfi! ft! 

aSater. 
9lutt/ ^at eure ©eele »ieber eine aSorjIettung 
t)on Qtxoa^, ba^ {te gern ^aben mSd^te? 

^attf)xa^. 
Q nein! t)on Stn^ad, bad fte gar nic^t gern ()a' 
ben m&d)te. 

äJater. 
©0? — 2)a ^aben mir a(fo unfere ®eele »ie« 
ber bei einer boppelten ^anbtung angetroffen, ©rffe 
lidf^ fleUte fte fiel) &ma^ t)or, ba« fte gern l^aben 
mbd}U — ftift il^r, wie man ba^ mit ßinem 
Sorte mnnfi 

2Ct(e. 
«ein! 

aSater. 
@ie b e g e ^ r t e etwa«. — Dann flettte fte ftc^ 

S. (Sef(en[ei»rf. 7 



82 ©eetcnte^ce 

gttt)a6 t)or, ba^ fie nidfjt getn (laben mJdSite; ober 
mit einem anbtm ÜBotte ? 

So]()anne6. 
@ie begehrte etma^ nid^t 

SSatec. 
SSeRet: fte t^etabfc^eute etmaö. @ie ^at 
atfo audb^ toie il^t fe^et/ ein S3erm5gen/ tttvat {u be- 
gel[)ren , unb ema^ ju Derabfdjeuen. — 6« ijl jwar 
tiidS^t immer gut / ba^ man i^r Dasjenige gtebt, tta^ 
fte begehrt, unb baf man Dasjenige megnimmt^ 
n>a6 fte t>erabfcl[)euet ; aber bie6ma^t tpoUen toit xf)t 
bei} ben ©efaUen tf)\xn. Sort mit bem ©tinfe« 
bödl^^d^en! »^er mit bm Äirfd^en! — 9le()mt; e« 
ftnb gerobe f&r leben brei. 

3Cae. 
2Cl[), banfe, banfe ! 

aSater. 
Unb n)a^ ^abe id^ ^m ? 

3CtU. 

2C^, ein aSilb!*) 

aSater. 
@elS)t l^ier einen Änaben, ber einen @(i)metter= 
ling fangen »itt. SBa« t^ut bie Seele beffelben? 

So^anne«. 
@ie jiellt fid) etlDaö t)or, baß fte gern l^aben 
m5cl[)te. 

SJater. 
@ie b e g e ]() r t alfo etma«. — ®tf)t ba einen 
anbem, ber Stumen fudSit, unb eine ÄrJte ftnbet; 
toa^ tt)}Xt er babei? 



*) Zaftl II. 1. 



föcÄinber. 83 

@eme ®ee(e fieUt ffd) Qma^ 9or, bad fte nicht 
9em f)obtn m&d^te.. 

SSater. 
@te ht^tf)tt alfo bie Ärite triebt, fonbeti\ jie «ec* 
abfi)tmt btefefbe. 9Qa6 mac^t benn n)oC bec brttte 
Änabe, ber ba nac^ ben teifen 2Ce|)feln f!e^t? 

(Sottlieb. 
@r begehrt bte 2(epfe(. 

aJater. 
Saturn mag et benn nic^t zugreifen ? 

25ietri(^. 
SSteUetc^t IJ^at et ^eute 2trienet eingenommen; 
unb ba benft er n)ot erfi nad^; ob ed if)m auc^ 
gut tl[)ttn wftrbe, Objl ju «ffen. -— ©a« macftt bmn 
ahn mol bec t>tette ba ? 

gitfola«. 
D, bec foK getoi^ etn^ad einnehmen ! 

aSater. 
2)a6 Dermutljie id^ au({|. ®el[)t, mte er bad ®e? 
f[(^t t)ei^errt ! @r fd^eint bie Zx^tmi §tt Derabfc^uen ; 
warum mag er fte hmn nid)t tt)egnHrfen? 

3oMnne^. 
6r benft auch f»ci erfi nad), ob e6 t^m gut 
fein to&tht, mnn er fte megmerfe. 

SBater. 
S)etne SBermut^ung fd^etnt ric!)tig ftu fein. — 
3((fo fann \a unfere @ee(e^ menn fte ettt>a^ begehrt 
ober Derabfcl[)euet, tool erfi iebed 9Ral^( überlegen , ob 
ba6 S3ege^rte ober S3erabfcl[)eute ti^r ni^ixd) ober 
fc^dblidf^ fei ? 

TilU. 
^a, ba^ fann fte ? 

7* 



84 ^ttlenlei)xt 

ajater. 
®te tann alfo and) tvot 6ttt>a6 tl^tln , »a^ i^r 
gutütbec tfl, unb 6tn)a6 untertaffett; ma6 il^c anQt^ 
ne^m »Sre? 

3a! 

ajater. 
9?un, ba« ijl frf)on! ®o Ifiat fie ja freien 
3Bitlcn! freuet eudf), Äinber, ba6 tjl lieber eine 
fd)im Sigenfdf^aft, bie ber ticbe ®ott unferer @ee(e 
anerfd)affen ^at! Sjl e« ben Seelen ber Spiere n>ot 
aud) fo gut geworben ? 

3o^anne«. 
Sa6 glaube id^ nid;t. 

aSater. 
SBenn tüW9 nod) ntdf^t mfiften, fo fonnten »ir 
e6 t>on bem SJogel ba auf unferm S5i(be lernen. 

©ottlieb. 
9Ba6 wM benn ber? 

aSater. 
@r f[e()t/ baß in bem Aiflc^en eine xl)m ange» 
ne^me ®peife liegt, bie feine @eele begehrt, ^ktt 
er nun freien 5DBiKen, fo »ie »ir) fo mörb« er erfl 
fiberlegen / ob e6 il^m aud^ toxttlid) nfiglic^, ober 
föj&hiiö) fei, bat)on ju freffen. @o aber folgt er 
blof feiner 93egierbe; er fliegt l)imin, ber Sedel 
fdttt iVL , unb — er pe^t fid) gefangen ! 

©ottlieb. 
Arme« SJogelc^en! 3d) »ottte, bu ^ittejl freien 
SBiUen, bamit bu nic^t ^ineinflogfl! 

aSater. 
aSenn nun ein SKenfc^ eben fo o^ne Ueberle« 
gung ^anbelte, al6 bie Stl^iere*, mnn er aud^ gleid^ 



^a€ tl)!LU, tDO^u er Sujl bei ftc^ t^ecfpfirt; unb aU 
U$ Sa6 gietc^ unterlief e; tvogegen er eine 3C6nei< 
dung ^at; o()ne erfl ^u A6ertegen , ob ed il^m nällid^ 
ober fd^äbUd^ fei : tvoju »ärbe ftd^ ein folc^er S^enf^ 
fetbfi machen? 

3o()anne6. 
3um Zf)'mt. 

ajater. 
JRic^tia ! — Unb e« »örbe ilS)m bann and) eben 
fo ge{)en/ wie e^ ben Spieren fo oft ju geben pflegt, 
er mürbe ficb fetbjl unglficflic^ machen. — STOerft 
euc^ bie6; meine Sieben, unb (aft t\xd) nie bmd) 
eure SSegierben leiten , fonbern jiebt bei jeber ©ac^e, 
bie i^r gern t)ahtn ober nidf^t ^ahm moUt, erfl eure 
SSemunft unb ba$ Urtbeit erfabmcr Seute ju 3tatbe. 
Unb bann &ht zud) alle Sage, ^tvoa^ 9{&6licbe^, ba^ 
eud) unangenebm ift, ju tbun, unb ttx^a^ ®c^db(t$ 
cbe6, ba^ euä) angenebm fein märbe, ju untertaffen: 
fo merbet ibr \>on Sage $u Sage DoUfommener, unb 
t)on Sage ju Sage glöcflicber »erben. — 3e6t tagt 
un^ mieber anmerken, ma^ mir b^ute gelernt b<^ben. 
©ietricb/ fage mir t)or. 

JDietricb. 
Unfere @ee(e \)at ein SSermigen, etma« 
5u begebcen. 

aSater. 
Unb »a^ t^ut fie, inbem |te tttt>a^ begebrt? 

Sietricb. 
©ie ftettt ficb (Stxt>a^ \>ov, ba« fie gern 
baben m6cbte. 

aSater. 
— ^abenmicbte! — 5DBeiter! 



86 ©eelenle^re 

Unfece ®eete l)at anä^ ein Sletmigen, 
etma6 5tt \)etah\d}t)xtn. 

SBatec 
Unb toai t^ut fte bann, menn fte ttxoa^ t)ei> 
ah\d)mttl 

SDietric^. 
®te jletU ftc^ Qttoa^ ^ot, ba6 fte ntci)t 
gern f^ahtn mic^te. 

S&atec. 
^ 3fl ba« 3Ctte«? 

©ietrid^. 
D nein! Unfere Seele l^at attd() freien 
SBiUen; ba6 l()etft: fie fann, el()e fie etwad 
t^un, ober nid^t t^un n)t((f erfi überlegen/ 
obe^ilE^r aud) nuglid)/ ober fci^iblid^ fein 
»firbe. 

ajater. 
SBoUen n>ir e6 l()temtt für ^tixtt gut fein (äffen? 

ZIU. 
D, e6 ifl ja noci) fo fru^ ! 

aSater. 
6tn paar SKmuten fann id^ attenfaK« nodf) zu- 
geben. — ?EBo\)on »otten tt>tr benn nun fprec^en ? 
— Sa fo ! ba fdllt mir gleid^ nod^ etma« ein. 5DBtr 
^aben ge^Srt, baf bie Spiere feinen freien SBitten 
l^aben. 5Benn fte alfo etwa« tf)\xn, fo tl)nn fie eö 
nid^t beßmegen, »eit fte erfannt ^aben, baf e^ i^nen 
gut fei, unb mnn fte tmat nicl)t t^un, fo untertaf- 
fen fte e« nid^t begwegen , weit |Te erfannt lf)aben, 
bag eö il)nen fd()dblid() fei; aber fo mid()te ic^ bod) 
in aller SBett n)iffen, n)arum f!e eigentli^ tttva^ 
tl)un f unb »arum fte et»aö uittertaffen? — 5Ba« 



für Äint'er. 87 

mag $. S3. ben 9}oge( antreiben ^ baf er in ben Ma- 
fien ^Äpfen, uttb t)on bem gutter freffen Witt? 

So^anne^. 

3a f »eil il^m ba« gutter gut fd^metft. 

aSater. 

SBo^ec weif er aber, baf e« i^m gut fd^metfen 
»erbe? 6r (lat ja üor^er gar ntd)t barüber nad)^ 
gebadE^t! 

So^anne«. 

S, er »trb »ol fc^on melE)rmalS)(g foldf^e Äirner 
gegeffen l()aben! @r n)etß atfo n^ol, baf fte gut 
fc^metfen. 

ajater. 

Aber er f^Cit ja fein ® ebddf^tnif , tt>ie tt>ir »iffen ; 
e« ifl alfo fo gut, a(6 wenn er je^t ^um erflen !!Wa^)(e 
baüon freffen follte. — Unb jubem, »er Uf)rt ben 
jungen aSJgeln , ben jungen Äöc^tein unb 6ntrf)en, 
wenn fie eben erjl au« bem @ie gefrodf^en (tnb, baf \i(k^ 
gutter, »etc^e« man i^nen vorwirft, gut fd^metfe? 
3)ie ^aben nod) nie berg(eid)en gefoflet; unb boc^ 
picfen fte gleid) barauf to6. 

So^anne«. 

3a, ba« »eif id^ ni(^t. 

ajater. 

9?un, fo »id i(^ e« euc^ fagen. ®ef)t, Äinber, 
ber liebe ®ott Ifiat bie Seelen ber Spiere fo einge« 
rid^tet, baf fte einige 2)inge begel()ren, anbere \)erab5 
fcl)euen mfiffen, o^ne bag fie »iffen, warum? Die« 
je« SSege^ren unb btefe« aSerabfdf)euen , bem fte fol* 
gen mfiffen, fte m5gen wollen ober nid^t, nennt man 
3nflinfte, auf ©eutfc^, 9laturtriebe. ©iefe 
l}^t @ott ben 2!^ierfeelen gegeben, um fte wegen be« 
SBangete an SSernunft \xxi\> freiem 8D8ttten einiger« 



88 ®eelenle^re 

magen fd)abto$ ^u (galten. 2(ud ^attxvttkh alfo 
fliegt ber 9$oge( in ben Mafien , um t>on bem bactn 
liegenben gutter ju fwffen ; avi^ 5Ratumieb mfirbe 
er toegfliegen, fobalb irgenb ein ©erdufd!) neben xt)m 
entjldnbe ; an^ Statuctrieb bauen ftc^ bie SJiget SSe* 
fler, befiten fie ober ben ©iern, unb ffittern il^jce 
Sungen, bi^ fie gcog geworben finb ; öu6 5Raturtrieb 
bauet bet SSibet «^iufer, \\x(i)t bie 93iene «^onig; unb 
t)ema^rt il^n in 3eUen, bie fte felbfl gemacht f)at. 
SRit Sinem SBörte, 3(ae6; n^a6 bie Spiere t^un, ba6 
tf)un fte au^ einem innem eintriebe \f)uv !Ratur, 
o()ne baß fte n^iffeu/ n)ie unb n)atum fte ed eigent« 
lic^ t()un. 3jl ba6 nid^t fonbecbac? 

3ol^anne^. 

3a; fe^r ! 

5WifoU«: 

»^aben benn bie SKenf^en feine 5Raturttiebe? 

aSater. 

Sat)on tooUtn toxt morgen reben^ 



Siebentel ©efpricfe. 



aSater. 

£)b tüiv SKenfdS^en bemt »ot 5Raturtriebe bat* 
teu; »otttefl bu geflern »iffen, 9lifo(a«; war e« 
ni<^t fo ? 

92ifo(a6. 
3a; aSater. 



fö( hinter. 89 

aSatec. 
Saturn toollen toir je(^t btefe^ S3t(b *) fräsen ; 
unb tdf) ^offe, e^ tvtrb und bie se^Sctge 2(ntmoit 
barauf .qeben. 

©otttieb. 
5Ra/ bu aSilb, fiaben »tr benn ^atnttti^U, fo 
fag an! — (lat^enb.) 3a, e« fc^weigt ja boö) iKtt! 

aSatec. 
23u t)tcflel(){i nur ni6)t, mt e6 btr jliUfc^tvetgenb 
barauf antmortet; aber ba(b foKjl bu eö t>erfle()en. 
— SaSad wirb l()ier üorgefleUt ? 

©ottHeb. 
6tn fletned 9Bicfe(!tnb, \>a^ an feiner ÜRutter 
Sruft fanget. 

aSater. 
25ie @ee(e biefe« Äinbeö frfjeint emai gern ^aben 
SU »ollen / ober ju begehren? 

©ottlieb. 
Sa, bie mid). 

aSater. 
Unb boc^, glaube xd) , meiß ' (Te felbfl nidS^t rec^t, 
n)a$ bae; eigentlid) fei , mad fie gern ^aben mii)tt. 
SA glaube aud), bap fie ftd) nirf)t bewußt ijl, »ai^ 
um fte hk fSJUid) fo gern ^aben will? Unb enblidf) 
fommt ed mir t)oc, ald wenn fte felbfl nid^t wA^te, 
wie i^r ÜRunb e$ eigentli^ mad)t/ um bie Sßildb 
aud ber STOutterbruft l)eraud5ufaugen. 

©ottlieb. 
2)a« glaube id) audf); bie Keinen Äinber pnb 
nocl[^ fo bumm! 



♦) Xafrt II. 2. 



90 ^eelcnle^ce 

aSater. 
^te ®eele tiefet^ ^tnbeö begehrt a(fo etma^, 
o\)m in tvtffcttf marum? Unb fte befciebtget tie- 
fet i()t 9}er(angen , of)ne felbfl $u toxf\m, n>te fte baö 
anfängt? nid)t? 

?»i!olag. 
2(d), ja! 9lutt fe^e tc^ n)0(, ba^ tfl a\x(i) ein 
9iaturtrieb, ben bag Äinb f)at 

ajater. 
StidjttgJ — @e6t nun aber einma^t ben gatt, 
bag bte SSruft biefer SKutter, flatt ber SKitd^; ntd^tg 
at« ©inte ober 9lf)abarbertranf entlS)ie(te; »a^ meint 
t^r, m&rbe ba6 £inb, fobalb e^ baüon gefoflet f)&m, 
bann wot noc^ fortfal^ren ju faugen ? 

aae. 

£) nein, gen^iß nid)t! 

aSater. 
Unb marum nirf)t? 

2RattlS)ia«. 
3a< weil ber SR^abarber fo bitter fcbmecf t ! 

SSater. 
2)ie Wxi6) f)inge9en fo föß! — Die @eete be« 
Äinbeö begel^rt alfo bie SKitd) , mit ber ®enuf ber» 
feften i^r eine angenehme ©mpftnbung mad)t, unb 
fte njfirbe t>tn 9il[)abarber \)erabfd)euen , »eil er i^r 
eine unangenehme ßmpftnbung marf)te; nid)t? 

mit. 

Sa! 

aSater. 
Unb »oburd) befommt benn bie @ee[e be6 Atn- 
M hxt ßmpftnbung t)on ber Wtiid) ? 

Sol^anne^. 
^nvä) ben ©efd^mac!. 



förÄinber. 91 

aSater. 
Älfo burdS) einen i^rer ©inne ? 

SolSianneg. 
3a! 

aSater. 
@ine fo(cl[)e Srnpfünbung, bie bte ®ee(e hntd^ 
«^ätfe i^rec ®mne erlangt , nennt man eine finn- 
(idj^e ßmpfinbung. — Die ®eele beg Äinbe« 
totrb alfo butd) bie 9{atur angetrieben, baf {te ei- 
nige ftnnlic^e Smpftnbungen, namlid) bie ange^ 
nehmen gent; anhtu IS)ingegen; nimtid^ bie un^ 
angenel()men/ nicl)t gern IJiaben Witt? Unb »ift 
i^r, wie man biefen 5?aturtrie6 ju nennen pflegt? 
— Sen bec @innlid)f eit. 

^aben benn bie großen imU biefen Slaturtrieb 
aud^ nod) ? 

aSater. 
5Bir motten fe^en. — 3^) ()abe biefen SKorgen 
bemerft, baf in unferm ©arten einige reife ©rbbee^ 
ren finb: Ijattet i^r n>ot 8u(t, nad) ber @tunbe mit 
mir l^in$ugef)en, um fte gu pfläcfen? 

2Ctte. 
£) ja , ja , lieber SSater ! 

ajater. 
®arum tt>ottt \t)t benn fo gern ßrbbeeren effen ? 

' ^ Alle. . 
3, »eil fte fo trefflidf? fd)metfen! 

aSater. 
2(lfo weil ber ®tn\x^ berfelben tnd) eine ange- 
ne^me finnlidje ©mpfinbung mad)t! — 2t6er ^ier 
^aU xä} ein t)ortreffli(^e6 gebermefCer, »eld^e« fo 



92 @eelenle^re 

fc^arf ifl, baf xi) eud) 9?ofett unb D^cen bamit ab*^ 
fd)neiben finnte. SBec t>on tnö) ^at in% hm SSer» 
fuc^ an fid) machen ju taffen? 

3c^ ttic^it! 3c^ ntd()t! 3d& mc^t! 

ajatec. 
SBarum benn nic^t? 

SBett ba6 ®€^netben tve^ t^ut! 

JBater. 
Tii\Of mit md^ t>a^ eine unangene^ime ftnnltd^e 
ßmpftnbung mad)en »ficbe! — Wun, tt>a6, meint 
\f)tf foUte in eurer ®eele »ot auc^ rtod^ bec Slatuc« 
trieb ber ©innlic^feit fein? 

^ietrid^. 
Dia. 

aSater. 
5D8arum ? 

©ietric^. 
SBeil unfere @ee(e bie angenef)men finnlic^en 
Smpftnbungen aud) gern l)ahm mag, unb bie unan« 
genehmen ftnn(i(l()en @mpftnbungen nidj^t gem. 

gtilola«. 
^a, n)ir ftnb aber and) nod) feine grope 
8eute ! 

ajater. 
%vi\i\d) nic^t; aber ic^ \)eritd)ere bir, ^itoia9, 
mir unb anbern ermad)fenen beuten gelö>t e6 nidS^t 
anberg. SQBir motten Ätte auc^ gern ©rbbeeren ef« 
fen, unb n)otten un6 2(tte ungern 9}afe unb £)l^ren 
abfc^neiben (äffen. 9Bir Srmad^fenen m&ffen alfo 
auc^ n)o( nod) ebenbenfe(ben 9}aturtrieb ber ®inn(t(^^ 
feit i^aben , ben if)t i^abt , unb ben bie Keinen 9Bif« 



für J^inbcr. 93 

felfiubec f)aUn. ^uti, ©ottKcb ; ^at un« ba« SBttt 
fctne Antwort auf unfcre grage gegeben ? 

©ottlieb. 
^a, baß glaube xd), fo eine 7lntxt>ott, toohti man 
gar nid^t fptid)t! 

SSater. 
9Bet fagt mir jegt t)or, ma^ un^ ba6 S3ilb ge« 
le^rt J)at? — Aber, ^alt! \>a$ tt>ecbet xf)v »ieber 
Ätte tf)un wollen: fagt mir alfo erjl etwa«, wa« il^r 
etwa ^eute auf Antrieb be« 5?atiirtriebcg ber Sinn* 
lid)!eit getban l)abt. 8D8er juerfl tma^ ju nennen 
weiß, ber foU mir üorfagen! 

Sol^anneö. 

aSater. 
9lun, wa^ benn? 

3o^anne«. 
^6) f)aU mid) gebabet 

aSater. 
S^atefl bu bmn ba^ aixi @innlicl^!ett? 

Sol^anne^. 
Sa wol; t^at \6) e^ nidf^t bef wegen, weil e« mir 
eine angenehme finnlid^e ßmpfinbung madS^t? 

aSater. 
•^ajl Siecht; tritt alfo f)tt unb fage mir t)or! 

3oi)anne^. 
Unfere @eelc f)at aud() '3nflinfte ober 
9laturtriebe. 

SSater. 
gfige bie 6r(lSrung ^inju! 

3o^anne«. 
©ae^eift: fie ffi()lt fxd) gezwungen, 
einige ^tnge $u begel^ren, unb anbere 



94 ©eelcnlel^tre 

©inge ju tjecabfd^eiren, of)ne baf fit rcd^t 
meiß, matum? 

aSater. 
Einen biefec 9?aturtriebe unferec ©eele l)ahm 
wir nun fd^on fennen gelernt; unb »eldS^er toat ba«? 

3olS)annetJ. 
25er ber @innnd()feit. 

aSater. 
Unb worin befleißt berfelbe ? 

3ol(>anneg. 
35er bejle^t batm, \>a$ mir atle ange* 
neunte finnlid^e ßmpfinbungen. gern, nnh 
alle unangenehme finnlidje ©mpfinbun- 
gen ungern l^aben mollen. • 

aSater. 
Sraü ! — 2fber id) fel)e , ba ijl ja no* mel)r 
t)orgeflellt auf unferm SBilbe. 9SBa« ijl benn ba« ba? 

SWatt^iag. 
S fi ! ©er SKann will ja ben armen Sungen 
mit bem 2»effer in ben Jpai^ fd^neiben ! 

Serbinanb. 
©er wirb mol m ®efdf)tt)fir am *&alfe Ijaben, 
t>aß i^m aufgefd^nitten werben muf. 

©ottlieb. 
Z\x m^ ! baß muß fdjmer jen ! 

aSater. 
5Barum mag benn wol ber Änabe jugeben , baf 
man xl)n fd^neibet, mnnß il&m fo mh tbut ? 

©ietrid^. 
3a, er wirb tool gel^irt ^abm, ba^ er jlerben 
mdßte, t\omn er ftdS) nicfyt fd)neiben liefe. 



für Äin Der. 95 

aSater. 
'3lun, märe e^ ll^m bettn ntd^t beffer, ju fterben, 
ai$ fotd)en ©d^merj ^\i (eibert? 

Sa — aber Seber »ttt bod() gern fo lange leben, 
atö er fann. 

aSater. 
5Barum mag benn Seber ba« fo gern motten? 

So^anneg. 
25q0 meif id) nxd)t 

aSater. 
Sollte ba6 nid^t etma miebec m Naturtrieb 
fein, bm ber liebe ®ott unferer Seele eingepflanzt f)at'^ 

Soljanne^. 
3cf) glaube mol. 

aSater. 
Itab bu f^aü and) SRedbt, eö ju glauben. I)tnn 
fiiibet ffd^ biefe iithe jum ?eben nid^t mirflid) bti 
allen «Kenfd^en? ÜBollen nid)t 3(lle i^c «eben fo 
lange tt'^aiun, aU fte ttnnen? 

3ol)anne6. 
3a! 

aSater. 
Unb menn man fcanf , ober in irgenb einer an- 
bern 8eben6gefal)r ijl, erbulbet man ba nid^t gern 
jeben @clE)merj, menn man nur fein iebm baburdf) 
retten fann? 

HiU. 
Ö ja! 

aSater. 
2flfo l)aben mir Alle eine angeborne SSegierbe, 
unfer ?eben ju ecl^alten , unb timn angebornen 2(b* 
fdbeu gegen 2(lleg, ma« unferm 2eben fd)aben fann. 



96 ©eelenle^re 

— 2)iefe SBegierbe uitb tiefen Äbfd^eu nennt man 

ben SErieb ber ®el6flerlS)a(tun3 *)• 

©ottüeb. 

Äf) ! ba« ijl alfo ber ^meite ! 

SSater. 

®anj redS^t; aber woju meint ilS)r tt)ol, bafi ber 

liebe @ott un§ biefen 5?aturtrieb gegeben If^abe ? 

So^anne^. 

J)amit n)ir bejlo (dngec Ubm modf^ten. 

ajater 

©Ott muß a(fo n)ot nic^t ^aben n)otten , baf n)it 

unfec 8eben fettjl üerfiirjen? 

2)ietric^. 

9?ein -, fonjl »ftcbe er \xn^ \a biefen 9?aturtrieb 

ntc^t ^^^tbcn f)aben. 

aJater. 

*6c muß atfo t)ietmel^t e^ gern fe^en, ba^ n)ir 

unfere ©efunb^eit erhalten, unb unfer itbtn, fo wi 

»ir fSnnen, ju verlängern fud)en? — Unb tt>ift i^c 

nod), n>a^ tt)ir neulid) lernten, n)eld)e« bic bejien 

STOittel j'ur Erhaltung unferer ©efunb^eit ftnb ? 



^) @m flfiner itnabe t)on ungewo^nd'djer ^eraj^aftt^fett 
tint @ntfcf|[offen4dt, für ben btefer Unterrtd^t, fetne^ 9(r« 
terd wrgen, nod) niciit gehörte, wat {ufantgerweife guge« 
0eit, ba t)oit bem 2:rir^e ber (SelbflerOaltutid bte Siebe 
ivar. Um tOtt ntcfit gons unbefcftafttgt gu (äffen, legte if)m 
ber JBater, H er ein aJei'fpieJ biefeö triebe« geben woWe, 
bie i^rage t)or: $ri$d)en, wenn ba brausen auf bem 
!XOege ein grimmiger Od}^ auf bicf» zuliefe, unb bid) mit 
feinen großen fpi^igen Römern flogen woüte, wai müv* 
befl bu ttjun ? — » 3d) würbe i^in wiebcr ftof en, « 
war feine unerwartete 9(ntwort, bei ber man t^m anfe» 
l^en fottnte, bafI erd wtrf(td) audt fo meinte. 



fäc J^iiiber. 97 

Tld) ia l tütnn man ^ic^fi mdftg iji im Sffen 
uttb Xrinfen. 

3>o^anne6. 
3^/ unb tvenn man ßetftg arbeitet. 

@ottneb. 
Unb menn man and) \>ox\id)üd iß/ baf tnan 
nii)t in @6)abtn fommt. 

SKatt^iag. 
Df id) mif nocl[^ etn6 ! SSenn man fid) nid)t 
zttitt^t, nnb nid^t txxnUt, tomn man marni ifl. 

9$ater. 
Sttc^ttg ! fDIifügf eit alfo, TCrbeitfamfeit unb S3oi> 
ftc^tigfett ftnb bem Heben ®otte angenehm. fDtetft 
euc^ bte^, Xinbtt, unb ttinrntt tnd) batan, fo cft i^c 
in 9itv\nd)nn^ geratl^et/ ba6 ®edentl(^et( in t^nxL S^^t 
Secbinanb, fage bu mir \>ct, toa^ id) anfc^reiben foff. 

Serbinanb. 
Der }n>eite 9{aturtrieb unferer ®ee(e 
tft ber SErieb ber ©elbfierlj^altung. 

SBater. 
Unb biefer treibt nni an — tt)0}tt/ Sers 
btnanb ? 

Serbinanb. 
2)a$ toit unfer £eben }uerl^a(ten fu« 
c^en, fo lange tt)ir (innen. 

Spater. 
®ut! (^ ging hierauf aum genfler, ftanb ptftCid^ 
fUH/ tt)fe @tner, ben etwai befrembet^ unb fagte): — 
SBie? — aSad ijl ba«? — ber gUp^ant — 

ZIU. 
(2Cttfrprittgenb unb laut %etenb) £) »o? wo? 8Bo 
ift et? 



98 ®ee(enle^re 

äSater. 
9Bet benn ? 

aue. 

3, ber eup^ant ! 

SBater. 
9Ba6 f&c ein &eipt)(ixttl 

TilU. 
% toxt meinteUf e6 tohu einet ba ju felj^en. 

Später. 
iDa ^abt il^r eud) geirrt, ^d) woUU nur fta- 
gen^ wo benn ba^ S3t(b bed @(e))IS)anten geblieben fei, 
me((l(^ed \d) l)m ind Senfler gelegt j^atte, um e^ euc^ 
|tt jeigen? 

»de. 
(ttoaufrieben unb f!(b »ieber fefcnb.) O, ba6 ifl 
&ä)aUl SBir bad)Un »itflic^, e^ mite einer ha, 

aSater. 
9htn; ed ifi mir rec^t (ieb ; bafi il^r ba6 gebucht 
l)aht\ benn ha f)ahm eure ®eeCen midber einen fd^^S* 
nen neuen SErieb ^ejeigt, bm toxt noö) ttt6)t fannten. 

So^anned. 
9Ba< benn f&r einen? 

aiater. 
SBarum moKt i^r benn btn etej^^anten fo gern 
feisten? 

3ol^anned. 
SBeil mir in unferm Seben noc^ feinen gefe^en 
l^oben. 

Später. 
Tli\o beftoegen, mit ed tttoa^ nod^ gan$ 9}eued 
für eud^ ijl? 

^ef)annt^, 
3a! 



für j^tnber. 99 

ajater. 
9Ba^ mag eure ®eeU alfo gern fe^en^ ober j^S« 
ren , ober mit ßinem SBorte — toa^ mag fte f!dS> 
gern \)Ocjlettett? 

SolS^anne^, 
ßtwaö 9?«ueö. 

93ater. 
9lun ; ba$ tfl e^ eben , toai ton ie|t t)on tbr ge« 
lernt ^aben. Unfere @eete mag gern ftc^ etwa^ 
92eue^ \)or{ieUen , ba^ l^ei^t mit anbem Störten : fte 
f)at exmn Srteb ber Ü^eugterbe. Unb tvoju 
mag un^ ®ott mcl ben gegeben ^aUnl 

giifola«. 
3)af n>ir red^t t>te( lernen foUen. 

aSater. 
©etroffen! 2(ber marum toiü benn ®ott, baf 
wir recl^t t)iet lernen foUen? 

giifoU^. 
9Sei( »ir baburd^) flfiger n>erben. 

aSater. 
3e nfiger n>ir aber n^erben^ befio UidE^ter tvtrb 
eg un^^ gut 5U n>erben^ befio gtficfUd^er toerben mir 
auc^. ®ott l^at un^ alfo ben SÜrieb ber Ü^eugierbe 
gegeben, bamit n>ir immer glfic!(ici;)er n>erben mSdE^ten. 
9Ser fann mir ^ier auf unferm S3ilbe 3^manb 
geigen ; ber tUn in SSegriff t{l/ feinen Srieb ber 
9leugierbe in befriebigen? 

2)tetrid). 
Q, Ser ba, ber ettoa^ b\xxä}$ IßergrSferung^« 
gta^ betrad^tet! 

Später. 
2>er tji« -, benn ^ittt tiefet iftnabe lein Serlan^ 
gen, ftdE) ttwa^ 9leue6 Dor^ufieKen; fo tt>&rbe er ft(^ 

8* 



100 ©eelente^te 

\a ntc^t bte SR&l^e ^zUn, ha9 Zi)md)m, mld^ti et 
Uttaö)Un toül, unter bad SSerdtSferung^gta^ gu 
bringen. — 9hin, SRattl^ia«, baöma^l foUjl bu bte 
Grlaubntf ^aben^ mir \)ovi\xfa^m. 

ä^att^ia«. 

7lf}\ ba^ ill gut, baf xd) enbUd^ bodE) auc^ ein« 
ma^l baran fomme. — ©et britte 2rieb un» 
ferer ®ce(e tfi berXrieb ber 9}ettdterbe. 

»atet. 

ttnb »ad mad}t btefer Srieb? 

6r mad)t, baf fic^ unfere 6eeU immer 
gern etn)ad 9leued DorfleUen tt>i(t. 

Spater. 
®enttg für ^eute! 



3Cc^teg ®ef)>rH. 



©ottHeb. 

SBSoUen mir unfer S3i(b t>on gefiem nidl^t auc^ bei 
ber Xafet anfingen ? 

aSater. 
Sad moUen n>ir ; aber »or^er (a^t un6 erfl e$ 
noc^ einma^I anfe^en. 

a^ ijt \a aber nid^^td mel^r barauf, mad toir 
nidt^t fdE)on gefeliien l^iaben ! ^d) backte , toit tooUUn 
l^eute mieber ettt>ad,9}eue6 t)on ber ®ee(e lernen. 



für Jttnber. 101 

aSater. 
Sein 2rie6 ber Ü^eugierbe tfl ja fe^r ^t\d)ift 
tig ! 2Cbec loM^^y mMd)t tfl auf btefem SSilbe 
boc^ noc^ Sfal^rung für ifyn. — SBamm j!«^t 
benn tt>o( bte Butter mit fo innigem SBol^tgefanen 
auf ben ®dug(ing l^inab ? 

giifora«. 
SSeil fte ba^ Ainb fe^r lieb ^at. 

aSater. 
«^aben benn anbere 2(e(tem il^re Jtinbet audf) fo lieb ? 

!Wifola«. 
£) \a\ 

a^ater. 
Ttbtt tver nun fel6f{ fein Ainb f)at, ber liebt 
mol Aeinen? 3um S9eifpiel bu^ ber hu nod;^ fein 
äSater bifl, bu l^afi mol Äeinen, Un bu liebefi? 

9ltfola^. 
JpaU xd) nxijt meine 2Celtern^ unb meine Q^tot^ 
Item unb meinen IBruber? 

ajater. 
Aber »enn bu nun biefe nid)t lf)ätteft? 

©ottlieb. 
% fo ^toe er ja bid^ no(l(^ , SSater ! 

ajater. 
•^abt il^r tnxd) benn mirfl!(l(^ aud) lieb? ()Dte 
^nber fprangen an if)m auf unb füf ten i^n.) 2(ber, 
wenn nun eure Äeltern , unb idS) , unb eure Pflege« 
mutter, unb Mt, bte il^r je|t liebte auf mmaf)i 
fifirben^ ba m&rbet i^r bo(l(^ funftig feinen SRenfd^en 
me^r ^aben, hm i^r lieben fSnntet? 

©ottlieb. 
£>, ba wixm ia bocf) nod) anbere ÜRenfd^en in 
ber 8Belt ! 



102 @eeUttl«tlte 

SSater. 
Tibtv mnn il^r nun fo, toxt nnfer Sreunb 91 o » 
binfon, auf einer »fiflen Snfel lebtet, wo gar 
fein SKenfc^ n>dre: tt>ie ba? 

!Wifola«. 
3a, ba woüu id) mir aucb eine Spinne gabm 
macben, toit Stobinfon tbat. 

®ott(ieb. 
Unb i(b tooUu fo txn Santa *) fangen , unb ba^ 
moUte icb recbt Ueb l^aben. 

Serbtnanb. 
Unb icb ^inen Papagei! 

SBater. 
Zifo Sinen menigfien^, meint ibr^ mufl man 
(um Sieben baben, mnn man aufrieben (eben fett? 

alle. 
3a! 

aSater. 
Unb foKten anbere ST^enfcben n>ol eben ber üRet« 
nung fein? 

3obanne6. 
3cb glaube, \a\ 

SBater. 
3cb ^^^t Sobannc^; benn fo \)iel icb iemabtö 
SRenfd^en gefeb^n babe, fo batten TlUe ein äSerlam 
gen/ irgenb S^manb ^u (ieben, unb t)on 2(nbem mie« 
ber geliebt ^u tt>erben. @ogar bie Sbiere fcbeinen 
nicbt leben ju tinmn, obne but^ Siebe mit anbem 
Silieren ibrer 2(rt t>erbunben ju fein. 



^) Stride 9to(»infon ^en Sünsern; oon 3. i^. (Sampe. 



fäi; ^tnbet. 103 

Zä^ \a, bie S^Sgel unb bie Sauben! 

Später. 
^xi)t biefe allein , fonbecn fogar bte tvilben unb 
cetfenben Zf)xtu, bte Simen unb bte Stger, fud^en 
f!c^ einen il^ret ©attung m^, mit \>mi ffe t^ettraut 
unb freunbfd)afitticl(^ um^tf^tn. -^ Sa^ mup fa benn 
and) tt>ol ein Sflatuttrif b fein./ bei; bie aWenfdS^en unb 
bie Siliere antreibt ^ fiö) unter einanber (ieb ju 
I[)a6en ? 

%iU. 
Sa! 

aSater, 
Unb »ie wollen tt>ir biefen (Naturtrieb nennen ? 

Sofyanne«. 
3)en 9}aturtrie6 ber Siebe. 

aSater. 
@ut! — Aber fagt mir bodS^, »ie ifi nn^ benn 
tüol gu Wtntf)t, inbem noir einen 2(nbern lieb l^aben ? 

Sol^anne^. 
3a , ha wollen wir immer gern bei il^m fein. 

aSater. 
älermutlg^licIE) / weit wir Si^eube ibt^ xfyx em« 
l>finben? 

3olE)<^nne^. 
Sa! 

Sater. . 
Zbn wenn nun ber ^Cnbere, ben wir lieben^ ff ine 
Sreube ober un^ empftnbet; feigen wir ba^ toolgm^ 

Sol^anne«. 
D nein! 

SSatet. 
Ätfo bejlel^t bie Siebe \a wol barin, baf wir 



104 ®eelenle|fte 

Steube Aber einen 2(nbern empftnben; unb »finfdf^en; 
hai anö) et Steube fibet m^ empftnben^ mige ? 

So^anne^. 
3a! 

SSater. 
SBit fuci;)en atfo aud^ tool, fo t>te( an un^ ifi^ 
2>em/ ben wir lieben , Sceube ju madf^en ? 

Sol^anne^. 
3a! 

Sater. 
3um 93etrpte( , eure 2(e(tetn^ unb mit; eure 9fl^ 
9e«2(eUern, t9a6 t^un toxi nid^t 2(ae^, um eudb Sreube 
}u mad^en! Unb ma^ tü&n\i}tn mir mol me^r, 
att baf aud^ ifyx und Sreube maijtn mSget burd^ 
eure ^frtigfeit! — %ii1)it i^r nun in eurem «^erjen 
eben fo etmad gegen un6 ? 

ZIU. 
)Dia, lieber aSater! 

aSater. 
9lun, fo ift ed \a imxf, ba^ toxt einanber lie- 
ben ! Unb bad tooKen »ir benn aud) ferner t^un ; 
benn H ift bod^ gar ju fd;)5n ^ n>enn man fid) unter 
einanber redj^t lieb l^at! ha lebt man nodS^ eind fo 
fril^lid^*, unb gemif l^at auc^ (Sott red^t grofied 
9Bol()lgefallen baran, meil er ben Srieb ber Siebe 
und unb feinen lebenbigen ®efd^ipfen fo tief einge» 
brudtt l^at. SBenn il^m bie Siebe nid^^t fo fel^r ge« 
fiele, fo mfirbe er txn^ mol einen Srieb bed «^affed 
anerir<^affen l^aben? 

@ottlieb. 
%x , ba« tt>ire l^SßlidE) ! 

SBater. 
® ottlob alfo , baf ba6 nxd)t gefc^ej^en tfi! — 



fär hinter. 105 

9htn/ So^anne^, fage mir, toa6 id) anfc^^reiben foU. 

S)et t)ierte 9laturtcie( unfetet ®€e(e 
tft ber ä^ttcb ber Siebe; ba^ ^eift — 

9iaut. 
3httt? 

Soj^anned. 
3a ^ id;^ fatttt nur nic^t bie tedS^ten SBocte fmben. 

aJatet. 
SBiafl bu niclE)t etn>a fasen: ba$ l^eiflt, wir 
baben Xl(e ein angeborne^ SSertangen, 
TCttbere ^u (ieben, unb Don 3(nbern geliebt 
iu »erben. 

3o]()anned. 

93ater. 
£)ber etma lieber fo: baß l^eißt, tt>ir ^aben 
3(Ue ein SSerUngen, menigfien^ einen 
Ober ben anbern S^enf(()en ^u finben, in 
beffen ©efellfdE^aft »ir greube empfin» 
ben, unb ber <nnd) tt>ieber an und feine 
Sreube ^aben m5ge. 

Sol^anneö. 
Sadiji ja tDol einerlei? 

aSater. 
SSiHig ! — ^\xn fagt mir bod!^, Jtinber , tt)arum 
i^r eure TttiUm fo t>orjäglic^ tteb ^abtl 

Alle. 
SBeil fte un$ fo fe^r t>iel ®vlM get^an Ij^aben^ 
unb m<fy tl^un. 

aSater. 
SBdre eö eu(l(^ benn tt>ol nidf^t mSglid^) , 2>enieni« 
gen ;u Raffen, ber tu^ ®\xM erzeiget? 



106 ©eetetilel^re 

C bttoai)tt\ 

9So(^ec ma^ ba^ nun n>o( tomnun, bof mir 
2)enjentsen lieben mfiffen , ber un6 Siebe unb ®öte 
erjeigt ? 

^a, mei( un^ ber tiebe ®ott fo eingeridf^tet ^at. 

Sater. 
®oxn red^t; @ott ^at unfere ®ee(e fo einderid^s 
tit, bdf ffe md)t um^in (ann , 2>ententgen $n lie:» 
bcn, ber nn^ (iebet unb ttn^ ®nM tf)\xt ^at iß 
atfo lieber ein neuer Srieb , ben mir in un6 maj^r» 
nel^men, zin Xrieb ber 2)anf barfeit; nidbtfo? 

Tliit. 
2a! 

aSater. 
3(ttdE) bat)on miU id;^ md) ein red^^t fö^hmß S3i(b 
geigem 

2(t(e. 

aSater. 
@el()t, ^ier*) tfl ba^ Silb eine« fiebreidfien S»an- 
neö^ nnb t)or il^nt ba^ S3i(b eineö bonf baren Anaben. 

SRatt^iag. 
9Ben fleUt benn ba6 t>or ? 

SSater. 
Sie 2(ettern biefe^ Anaben flarben betbe^ ba er 
faum erfi ein 3al^r alt mar, unb ^interlieflen nidf)td, 
mo\)on i^r Ainb ^im fonnen erl^atten unb erlogen 



•) jtafel II. 3. 



toecben. Sa fprad^en emtge Retnmfitl^tde ituu, bte 
nxd)t Ubad^Un, baf bet liebe @ott fit a((e fetne 
©efd^^ipfe forgt: ba6 arme Jltnb wirb getoif um« 
fommen / ba^ wirb gemif t)erl()ungem m&f[en ! 2)er 
rec^tfd^afene Wtann, ben il[)r ^ier abgebitbet fe^t, 
f)ivtt, toa^ bie £eute ^ptad)tn, unb tmsead^^tet er 
bie t)erflorbenen 2feltern M Äinbe« gar niijt gefaimt 
f)attt I fo ^ijxiit er bod^ 9(eid[) l^ttt , (te$ ba^ Ainb 
ju jtd) Idolen , unb fagte , e« fotte f önftig fein ®olf)tt 
fein, er woKe ed mit feinen eignen Xinbem ers 
l\z\^zxi unb e^ \)erforgen. @o mud)6 ber Jtnabe atfo 
\itoxi. 3e6t »ar er fd^on im ftebten Saläre; ba 
I^Srte er , ba$ feinet lieben $f{egei>ater^ ®eburt6tag 
fei. @leiA lief er l^in in feine iSammer, \xnl be« 
UU ba i\xm lieben ®ott red^^t inbränfüg, baf er 
bod^ feinen guten Pflegevater nod^ lange mige le« 
ben laffen. S^ann fegte er ftdf^ \^xn unb fd^rieb bie« 
fem einen fd^onen SSrief, worin er il^m fo gan^ t>on 
fersen banfte / fär 2([le6 , tca^ er an Vs^m getl^an 
l()atte. £)iefen S3rief bringt er il^m nun eben iegt ; 
fe^t, wie banfbar er feinem SBo^ltl^iter bie «^anb 
Ih^tf unb wie gerälS^rt er babei au6fte^t! 

©ottlieb. 

£), \>a% ifl ein lieber Sunge ! 

3o]^anne^. 

SDer ()anbelt au^ bem 9}aturtriebe ber Ibanh 
barfeit. 

ajater. 

®ogar bie Siliere fd^einen t)on biefem 2!riebe et« 
tödt %\x l)aben. ®e^t \>0i , bad freunblid^e «^finb« 
c^en, wie banfbar e^ feinem «^erm liebfofet. 

Serbinanb. 

Zd) ja , wie ed fid) an feine Ante anfdS^mieget ! 



106 ®ee(enle$re 

fRtd)t aiß mnn e6 fagen moUte : id) 1)aU hid) 
ttd)t ixtb , hvL guter üRann, tvett bu mir fo t>tel ®u< 
M Qttf)an ^aji! — Ser mftfte \a alfo mol f(()(tms 
mer al6 ba^ SBtelg^ fem^ ber fem SBol^tt^dter nic^t 
tieben tocUte, ober tvot gar Raffen fSnnte! 

St , ba^ mfißte ein garfliger 3)tenfd(^ fein ! 

aSater. 
Sin fe^ir garftiger ! SBir tt>o(ten aber l^offen, baf 
e^ fo((l(^e Unmenfd^en nidf^t giebt. 

©otttieb. 
iD^ ba6 glaube id^ and) nid)tl 

ajater. 
!Wun, wer fagt mir hxt$maf)i tjor? — @« foU 
Ser t^un , ber mir juerjl ein fdüfpiti t>on £)an& 
barfeit er5dlg)(t; toa9 er irgenb einma^t ge^irt ober 
getefen f)at 

giiforaö. 
3(1^! ber 9Sanber6mattn^ ber ben Keinen S^Q 
au^ bem SBaffer 50g. 

aSater. 
SBie mar benn ba^? 

5Ki!ola«. 
% ber fo burjlig unb fo ermfibet war ! 2)a ^af) 
er ben Keinen gril tjor ber ®artentlS)fir ftßen, unb 
ber l^atte einen ganje.n Äorb \>cU £>i% ha fagte 
er 5U i^m: ütUß Stxnb, t)erfaufe mir bei) ein paar 
93imen ; id^. bin gar su burflig. Unb ^rii antwor^ 
Utti ba, Wtannl nimm bir, fo \)xü bu wiUfi^ nnb 
btf)aiu nur bein ®e(b. 2(m folgenben 2!age wa» 
delte Srig mit einem anbern Jtnaben im Jlal^ne 
bei ber SSräcfe. - Da fam SBaffer in ba« ®^x^, unb 



füt ^inbet. 109 

bie Jttttbet fdE^nen : rettet ! rettet ! unb gingen fdj^on 
unter. 2)a tarn gerabe ber S03anber6mann Aber 
bie SSrAde, nnb fprang sllnd) ^imb in^ SESaffer, 
unb fafte bie Ainber Ui ben «paaren. TlUt ha 
1)littt er felbfi mit Derftnf en m&ffen , mnn er nidS^t 
Sinen (06 lief, ^a, mn foUte er nun (odtaffen? 
6r badete bei ffcb fetbfl : Sri^ b^t bir ge^em ®ute« 
get^an , ben muf t bu alfo e^er retten , atB ben Tin^ 
bem. Da tief er ben }(ttbem fal^ren, unb Stiften 
6radf)te er g(&dlic^ an$ Sanb. 

aSater. 
2>a$ tt>ar aUerbing^ 2)attf6ar{eit. — Shtn, bu 
fagfl mir alfo \>tt, dlitolai. 

9lifo(a«. 
ttnfere @ee(e f)at anö), f&nften^, einen 
Srteb $ur £)anfbar!eit. 

SBater. 
Da« l^eift? 

mtcla^. 
Da^lS^eifit: fie fann nid(^t umbin^ Den« 
ienigen ^u (ieben, ber ibr ®utt^ tbut 

SSater. 
3d) b^^e t>ergeffen f eucb eine traurige ©efcbidbte 
gu erjdl^ten, bie ftcb gellem in ber ®tabt jugetra« 
gen b<^t. 

Alle. 
Qf tüai fär eine ? 

93ater. 
6in (ieben^m&rbiger iftnabe t>on fe(l||6 labten 
batte ftc^ im britten ©todmerfe $um S^nfler bin» 
aufgebogen, um ein ®per(ing6ne{l ju feben, ba« 
unter bem Dacbe tt>ar. Zuf einmabi betommt fein 
Stopf ba« UebergetDicbt, er i&tit ^mif unb fittt 



HO @leelenle|)re 

Mt)t 6ei feinet SRutt^ tdzbtt, bte e&en t)or ber Jg^auö» 
tf)&x fielet. @teKt eu(() ben Sufiottb biefer atmen 
S^uttet Dot! ®te t^ut einen ®cl^rei/ ttnb fallt 
UiM neben il()tem unglficfltd^en ^inbe ntebet. Qhm, 
ba bted gefdj^el^en tont , tarn xö;) bei bem «i^aufe an» 
S« maten fd)on t}tele ÜRenfdE^en sufammengelaufen ; 
iö) brdngte mi6) hntd) , um $u fe^en , ob id) nxö)t 
etn»a Reifen fonnte. &ctt ! n)a6 belam idf) ba p 
fe^en! 9}oc{) läuft mit ein @d^aubet burd) aUe 
meine ©lieber, inbem xd) miebet baran benfe. ^te 
•^ttnfcl^ale be^ Knaben tcav itvpiait, S3lut unb 
®el)tm maten an bte bleibet feinet Ttixtttv ^t^pti^t, 
bie leblos neben ilS)m lag. Sieben bet SSuttet lag 
auf feinen Anien bet unglfidlid^e 93atet be^ Sna» 
ben, unb neben biefem feine ftebenji^tige ©d^mejiet. 
SSeibe fud&ten bie Sobten bucd^ il^t Ängflgefcbtei 
»ieber in^ i^Uxt jut&cf^utufen ; abet fdtib^ fa^en 
elbji einem SHobten d^nlidj^et, al^ einem Sebenben. 
D, id) mtbt ba€ fd^tecflid^e S9ilb auö meinet dxn^ 
bilbungSftaft nie miebet lo^ mtb^nl (2)ie Atnbet 
feufiett/ ttnb (^iai^en ttit eitte S^t^ne tnd 2(uge. — 
9taä^ einet «einen ?)aufc:) Äennt i^t ett»a biefe un* 
gl&dttd^e Samilie? 

Alle. 

Olein ! 

aSatet. 

Unb bocl^ ge^t e6 eud^ \)etmutl^li(l^; »ie mit, unb 
allen ^zmn , bie biefe ttautige ®cfd)xd)U ^5ten — 
i()t feib bettfibt batfibet ? — Slun, i^ »ill euc^ et* 
ma^ 2Cttbeted et^i^len , »a6 eud;^ triebet S^tnb^ ma» 
d^en foU. 

3Ctö idf^ auö bet ®tabt tt>iebet ^inau^gel^en tvoüte, 
unb haib bei be|p Steintj^^ote mat, ging tin i^otnel^» 



für ^ittbcr. 111 

mer ^nt, mit einem groflett @teme auf ber ^SScujl^ 
oor mit f)in, mh hinter tl^m ging ein fcf^ingenetbes 
tet S3ebtenter. ^a toit an bie SBrude famen, faf 
ba ein fleine^ armeö Ainb , beffen Setb nnt mit et« 
nigen Sumpen bebecEt mar. @ein @eftcl^t mar fo 
blafi; unb fein ganzer £ei6 fo mager, baf man mol 
fa^, eä muf te t)iel «junger gelitten l^aben. @d jiredfte 
feine Keinen Zvmt nad) nn^ au6, unb rief mit 
fc^wad^er Stimme : üd) ! liebe «|)erren , geben ®ie 
mir bod) etmad f&r meinen armen franfen 93ater; 
ber mn^ fonfi gemifl umf ommen ! Tld) , geben ®ie 
mir bocl() mad um ®otte6 millen ! £)er t>ome^me 
^err jianb fiilT ; xii aud). 3)er 2(nblic! bed Ainbed, 
ba6 fo unfcl!)ulbig unb fo fromm, mie ein @nge(, au^« 
fal(^ , rfil^rte un6 SSeibe gleid^ ftar!. SSSer tji benn 
bein 93ater, (iebeö ^nb? fragte ber t)omel^me 
»^err. %iii antwortete ber Keine Änabe, mein 
^ater ifl ein guter ÜSann, o ein fo guter! SBenn 
pe x\^n nur feigen foKten! — Aber, fragte Sener 
meiter, toarum muft benn bu ffir il^n betteln? 
Äann er benn nid^t arbeiten? — Ädb! antwortete 
ber Jlnabe, unb bie l^ellen SÜbt^^nen liefen il^m Aber 
bie ^adtn, er mhi^u ja gern arbeiten, aber er 
fann ia nur nidbtf weit er einma^l in bad S8ein ge« 
fdS)offen ifl, red^t Aber bem Anie, unb bae if{ immer 
ttod^ nicl^t l^eil; ha fann er nun gar nid^t gel()en. — 
3fi er benn im Jlriege gewefen? fragte ber «^err. 
3a mol, antwortete ba^ Ainb; er mar Sieute^ 
nant unter Um ^reiforpö, unb ba mürbe er abge« 
banft, unb er mrx^U feigen, mo er nun bliebe. — f^o 
moKtc er benn \t%t mit bir ^in? fragte ber «^err. 
Hi^f ermteberte ber 9mUf er moUte meit mit mir 
^in, nac^ Jtopenl^agen , mo er einen 93ruber ^ot^ 



112 ^eeUttlei^ce 

ber zin t>ontel^met , ttid)tt üRann fein foU ; aber ba 
ifi ec nun fcanf gemorben, ttnb nun mthm wit 
tocl S3etbe \)0t «junger jlerben mäffen. «|)ier fal^ 
td^ / baf ber t>ome^nte ^ttt auf etnmal()t gan$ blaf 
mürbe, unb ba$ i]S)m bte Ante gitterten, ^e l^eift 
er benn? rief er auf einmal()( au^, unb fafte ba^ 
Äinb bei ber ^anb. — 5Sil^e(m t)on 2J» 
mentbat, antmortete ber Anabe. — ©erecbtet 
®ott! rief ber «i^err au^, nnb fcblug bte «^dnbe ju- 
fammen: mein Sruber! — Unb bamit brfitfte er 
ba6 arme ^inb, ba^ t>or ®cbrecfen fein 9&ort fpre» 
eben tonnte ; an feine S3rujl, unb benegte ed mit 
feinen SH^rdnen. — ®efcl()tt)inb, fagte er, gefcbwinb 
fAl^re mid) l)xn |u if)m\ Unb ha ber XnaU \>ov 
SJ^attigfeit faum ge^en fonnte, tief er i^n t)on bem 
SBebienten tragen, unb vannu bat)on. 3cb tvifc^te 
mir eine SSl^^rine au6 ben 3(ugen^ unb banfte @ott, 
ba^ er bei? 92otl^ biefe^ armen Sixnb^$ unb feinet 
unglfidUcben 93ater$ ein 6nbe ^tmaijt l^atte. {töit 
Jtinber aUe tcactn febr gerührt. — 9ta4 einer ^aufe:) 
^abt ibr biefen Anaben gefebn? 

«Rein! 

93ater. 
Unb bod^ freut i()r eu(l(^ gemip tUn fo fe^r, atö 
tdll, barfiber, baf er fo unt^ermutlS^et feinen D1)txm 
fanb. 

3(Ue. 

£) ia! 

!)tieo(a«. 
6^ ifi mir fo (ieb , alß menn mir einer (^unbert 
Sb^Ier gegeben ^itte! 



fät Äitiber, 113 

®ottIte6. 

ttnb mir, al» mtm müm Xouben Sunge ge« 
fciegt l^dtten ! 

9iattt. 

9hm fel^t bod), »a« eure ©eele ba »iebet ge» 
mad&t ^at! Anfange Jbetröbte fte pdf), baf e« bem 
etflen Änaben unb feiner gamUte fo fd^timm ging; 
uttb nun freuet fte f!c^ »leber, baf ber anbere Änabe 
unb fein JBater auf mma\)l glftcf (ic^ »urben ! 2»erft 
t^r nun wol, ba^ ba^ »ieber tjon @ott fommt, 
ber unfere ©eeten fo eingerichtet ^at, baß fie 
fid^ freuen nififfen, mm9 anbttn aRenfd^en mf)i 
ge^t , unb baf jte ftd^ betrfiben mfiffen, »emi üj^nen 
etwa« @dS)timme« »iberfä^rt? 

2(ae. 

3a; bae ifi ma^r! 

aSater. 

®tf)t, Äinber, baß nennt man ben Srieb be« 
a»?tgefft^t«, ober ber allgemeinen fKen» 
f(()en liebe. 25en l^at ber liebe ®ott unfer Aller 
©eelen beßwegen eint)erleibt, »eil er »ottte, baf wir 
Ätte al« JBrfiber, al« Äinber ©ne« SSater«, mit ein« 
anber leben, einanber lieben unb einanber Reifen 
follten, »0 unb wie wir finnten. ©el^t i^r e« nun 
ttidf^t ttodf) einma^l fo beutlidS) ein, ba^ biefer gute 
©Ott ein ©Ott ber 8iebe fein m\x% »eil er unß 
felbfl aur Siebe gefd^affen ßat ? 

3flle. 

3fc^ia! 

aSater. 
Unb begreift i^r nun nid)t auiS), ba^ man bie« 
fem guten ©otte unmoglid^ Wohlgefallen fann, 
totnn man nid^t gegen aUe SRenfd^en liebreid^ unb 



114 ^ttunut^tt 

g&ttg ijl ? — 9Bad i^r ieftt an^ md) felbfl gelernt 
^abt f bo« t)iintt i^c aud^ t>on unferm Silbe Urnen 
finnen. 

3o^anned. 
£>i »0 benn? 

äSater. 
Z>a^ t>on bem S9i(be bed guten SRanne^^ ber ben 
armen Anaben 5U ffd^ genommen unb SSaterfleSe bei 
tbm t>ertreten t^at 

3o^annel 
3a^ bad ^at er aud!^ aud SRitleib get^an. 

SSater. 
ttnfkeitig ! (Sr betrftbte ftd^ , ba er ^5rte , baf 
bie6 arme fttnb feine Tltlutn verloren unb nid^td ju 
leben ^abe. De^megen na^m er ed ^u ftd^. 3ett 
ffe^t er, baf ber Jtnabe beretnji ein guter ^ alfo aui) 
ein gläcf lieber Sfttnfd) fein merbe; unb barfiber 
freuet er f!c^. Sr b^^t alfo , tt>ie i^r fe^t , ebenben- 
felben Zrieb be« Sßitgef&^tö, ben mir 2((le baben. 

®ottlieb. 
]D SBater, foK id!^ biedmal()l Dorfagen ? 

SBater. 
3a, wenn bu mir gefcbminb ein SSeifpiel au« 
ber Qit\^ii)U anf&^ren fannfl, mo 6iner au^ fBtiU 
gefft^l etttae t^at. 

®ottlieb. 
jD \a, ba6 f ann \(fy -, e« ifl mir fc^on lange ein« 
gefallen, — Älepanber ber ®roße, ba er ben 
tobten Ketb feine« Seinbe«, be« ftinig« Darin«, 
fal^ / ba weinte er t>or SRitleib , baf e« ibm fo er^ 
gangen mire. 

SSater. 
S3rat> I — 9htn, fofage an, n>a« id) fcbreiben fotl! 



f&c Jttnber. 115 

®ott(teb. 
Unfete ®eeU ^at ani) fecl|^jiett6 einen 
Stieb be« aRttgef&^l«; ba« l^eift^ fte 
freuet fic^, »enn fte anbete 2Renfc^en 
fteubig fie^t, unb ijl traurig, menn fie 
fielet, ba$ anbete SRenfc^en traurig finb. 

SSatet. 
9te(bt gut gefagt! — %&t ie^t genug; bei Zu 
fi)^ foUt i^r fe^en, baf unfete ®ee(e Mä) einen an^ 
bem 9laturtrie6 l^at. 

3o^anne6. 
3a! ben be6 ßffen^ unb Xrinfend! Ttbtt bet 
iß ja n)0( einetkt mit bem Xtiebe bet Cünnttd^r 
feit! 

SSatet. 
Seine SSemerfung iji DoUfommen tid^tig; audl^ 
iß e6 ein ganj anberer Xrieb, ben id^ meine. 9la(()' 
bet me^t bat>on! 

92{folad. 
2)ad toat einma^I triebet eine pti^üqt ®tunbe ! 



9leunted ©efpt^d^. 



(IBet «Sifcbe oot Sebetmonn fe^t begierig, iu »iffen, 
toat bo4 baS mol fAt ein Stieb fein mSge^ ben 
bec SSatet nocb erKdten molle; abet steinet fonnte 
ed ettatben. (Snblid^ gab man ed auf, unb tebete 
oott anbeten ^Dingen, ^a nabm ber Ootev fein 

9* 



116 @eelen(e^(e 

®M, bene^te ben ^inqn mit äßaffet/ fii^v bomit 
auf bem dUtnU bed ®lafe^ ^etvan, unb (odte auf 
biefe Iffieife munbecf^&ne 2:dne ^rauö. 

®ein ndcgflei; 9la4bai; |atte bteö faum bemerft, 
fp t^t er ein €^Iei4eö; btefem a^te ber Solgenbe 
na^, unb bem toieber bec Solgenbe, btö in menigev 
a(ö ein Vaox Zimten bte ganae S^tf^gefeafd^aft, 
®cof unb Jtlein, auf ben ®Üfttn fpielte. IDa Ids 
d^lte bet SBater, gab bad geto^^nlidiie Seiden }ttt 
©tide, unb fagte:) 

SSatec. 

SGSte t^etfadt t^c benn 2(((e auf emma()t batauf, 
auf ben ®(dfem ^u fpiefon ? 

3o]()anne«. 
3(^ l()abe e6 nic^t juerfi angefangen. 

Secbinanb. 
Sd^ tW^, meit £)et e6 t^at. 

X)tettt4 
Unb i(^ , met(« ©ottUeb tf)at 

@ott(ieb. 
3a, unb tc^, meU Spater ed felbf! tf)at 

ajater. 
3l^r ^abt atfo Mt 6tma6 getrau, ba6 tl()t einen 
3Cnbem t1)\xn fa^ttl 

2C((e. 

3a! 

Später. 
Unb e^ btfaf)lmti) bocl() deiner, e^ fo ju maÖ)ml 

mit. 

9}ein ! 

aSatet. 
?lhLn, macum tl^atet i^t: e6 benn? 



für Äinbcr. 117 

3of)anncd. 
3a , ba« ijl nimfd^ , wenn Semanb Stnem et^ 
mad r>otmaÖ)t, gleich muß man e^ nac^mac^en ! 

ajater. 
^ajl bu ba« gcffi^It? — unb fott xö) btr nun 
erfi no^ fagen , toa^ ha^ ffit ein Xrieb fei , ben ic^ 
euc^ l()eute nod^^ ^u i^x^m t^etfprad!^ ? 

Sol^anne«. 
3(1^ , nun n)eiß ic^ ! S6 ijl ber Xrieb be« 9Iac()« 
mad^en^. 

ajater. 
®ade (ie6et, e§ fei ber S£rieb bet dla(i)af)i 
mung. Tind) biefen ^aben eure @ee(en mit aUen 
anbern SKenfdS^enfeeten gemein. 

9lifola«. 
£), audS^ mit ben 2(ffenfeelen! ^ie mad^en ia 

audb '^^^^ ^<^^t w<^^ fte feigen. 

aSater. 
®ani red^t. S3ei Ainbern unb 3C{fen jetgt ftdE) 
biefer Srieb am meijien ; xl)v fe^t alfo , mit toüdjtn 
Jßttvtn ibr eine 2Cebn(td[^feit f)aht 

SRattbia«. 
3a, mit ben Ferren Äffen. 

©ottlieb. 
£) pfui ! id;^ moKte, ba^ \cxv ben Srieb nic^t b^t» 
ttnl 

SSater. 
^a^ fage t<t nic^t in @mjl! 2>enn menn tbt 
t^n nid[)t bittet, fo mörbet ibr in eurem ganzen it» 
ben tooi nxd)t t)ie( Käger unb nid()t t)te( beffer; aU 
ein ^CeffcbeU; tverben. 

£)ietrid[^. 
® ie fo ? 



118 ^eetenle^re 

»ater. 
SBoburc^ tDerbet tl^r benn n>ol t>on Xage ju 
Xage fläger unb beffer? 9}td&t n>a^r, Dome^mlic^ 
baburd^ ^ baf i^c 2>a9 tl^ut , tt>a6 t^c ecfal^tne unb 
tretfMnbige ituu t^un fe^t? 

Z>tetttd^. 
3a! 

SSatet. 
^(fo bttr(l[) ben Xrteb bec !Rac^al^mund ? 

£)tetrtd^. 
3a; ab«c toacum tverben benn bie 2(ffen nid^t 
nfiger babutc^ ? 

aSater. 

SBeil i^te €!eele nur auf ete ^inge , @e6erben 

unb «^anbtungen , aber nic^t innere unb unftd[)tbare 

®ebanfen unb ®eftnnungen nad)a!)men fann; unb 

bad f innen fte nic^t, n)eU fte feine Sl^ernunft l^aben. 

©ottlieb. 
S3(eiben n>tr benn nun nid^t immer fol^^e 
Äffen? 

äSatet. 

£)a^ Serlangen, 3(nbem nad^^ua^men , bleibt 
gmar immer , and) »enn man fc^on ermac^fen ifi ; 
aber bann befriebigt man ed nic^t me^r fogtetc^/ 
al9 man ed tool ^u t^un pflegt, fo lange man iung 
ift. Da bebenft man t)ielmef)r immer erfl, ob e^ 
aud^ mol n&llid^ fei, 2(nberen in biefer ober iener 
Sac^e nac^jual^men ? Unb menn man feinen Stu- 
ten bat»on fielet, fo läft man e^ bleiben. 

Serbtnanb. 

93ater, foll icb bie S£afel f)tmnut i^oUn, um haß 
andj ansufd^reiben ? 



f6tr J(inbet. 119 

SSatec. 
ltf)ut ed; aber btitige aud^ unfer ISieutige^ 99tlb 
mit. 

3o^anne6. 
3{l bav>on auc^ ettoa^ barauf ^u fe^en? 

SSatet. 
Da^ mottte ic^ felbji gern totfTen ; be^megen fagte 
i((^^ baf er ed mitbringen fotle. 

Serbinanb. 
^ierj »ater, tjl »eibe«. — SBa« fotten wir 
benn bei ben Ainbem bi1)alun, bie ba @o(baten 
fpieCen ? 

SSater. 
Diefe Jtinber t^un Qma^, tüai fit t>on ben 
@o(baten gefe^en 1)ahtn. 

Softanne«. 
Jpaf)a ! ®ie a^men ben ®o(baten nac^ ! 

SSater. 
Unb geigen atfo/ b<if i^re @ee(en and) einen 
Xrieb }ur 9la(^ali^mung ^aben. Z^aran foU uni 
biefe SSorjlellung erinnern. 

Serbinanb. 
^it^maf)l fage ic^ boc^ t)or, mei( ic^ bieXafet 
unb ba^ S3ilb ^tf)olt f)aUl 

»ater. 
S)a^ giebt bir nun tvoC noc^ (ein SSorrec^t; aber 
wenn bu mir aUt bie ffeben ttaturtrtebe, bie mir 
nun fd^^on (ennen gelernt ^aben, red^t orbentlid^ an* 
zugeben bermagti^ fo mag ed barum fein. 

Serbinanb. 
9hitt ia! 

aSater. 
©tt; So^anne«, jieae bi* hinter i()n, um fein 



120 &ttUnle^tt 

Slot^l^elfer ju fein, faW er fle&n bleiben fottte. 

Serbinanb. 
£>, \>a^ mttb nicbt nitbt'd f^in! 
(Q^c faet 2(aed ocbent{t(b unb beutltd^ ^er.) 

JBater. 

!Run, bad n)ac ced[)t gut! @o fage mit benn 
t>or. 

Serbinanb. 
2)er fiebente SEtieb unfecer Seele ifl 
bec Stieb bet ülad)a^mun^. 

93atet. 
Unb n)0}tt tteibt und biefet an ? 

getbinanb. 
©et tteibt und an, ©aeientge nadb» 
itxma^tn, toa^ toit anbete ittxtt tf)}xn 
feigen. 

So^anned. 
fD, fotten ttjit nun nid^t gletdS) nodS) mebt letnen? 

aSatet. 
Slein, 3o]^anneö, ffit bie«mabl tji e« genug. 

Sobanned. 
£> , bad ifl Scbabe ! 

Sätet. 
5Beil tt>tt föt beute fcbon genug geletnt baben, 
fo wollen »it ben fdS)inen 9?acbntittag ju einet «ei» 
nen JJufheife anwenben. 

2Clle. 
3u einet «ujlteife? Ö »obin? SQSobin? 

SSatet. 
9?acb SSlanfenefe, um Don einem bet botti» 
gen »etge bet berrß^en 2(u«ftd[)t fibet bie etbe bi« 
}tt genießen. 



föi; j^tnber. 121 

Zilt ((öpfenb unb »atf^nb). 

Tlf) ! md) SSlanf enefe ! p ^ettn S <^ b e t ! D, 
\>aß iti l()etrltc^ ! ba§ iti prächtig ! 

aSater. 

6^ ifi mir (ieb, ba$ mein 93orfcl()lag eud^ Sreubc 
mad)t. Aber — ma6)t mi) gefaf t ! — fetten pflegt 
im menfc^Uc^en Seben eine Sreube o^ne ade SSeglei^ 
tung 5U fommen. @emeiniglic^ ^inft i^r trgenb 
ein ÜRif üergnfigen na6) , mld)t^ nid)t \>on i^r ge^ 
trennt merben fonn. 

(2Cae ftu^en.) 

@o f innen »ir f)znu 5. 85. nur G inen ©tu^t* 
»agen *) ^abm, unb auf bem f innen unfer nur 
i)hd)pn9 ^it)m ftgen. 3e&ne t)on un^ merben ft(^ 
alfo entfd^lie^en mfiffen, ^u ^aufe ^u bleiben. 

(^CUgemeine IBe^üriung.) 

Unb mx foU haß nun fein ? 

(2Ca0emetned ©tidf^weigen.) 

3(1^ meig feine beffere 2(u^!unft, a(6 ba$ wir 
lofen. — Sinen SEopf lS)er! ^ier pnb fo t)ieU 3et^ 
te((^en , a(d Aipfe ba finb. Seber v>on un^ sieget 
einen bat)on au6 bem bebecften Sopfe ^ert)or ; mer 
ein gen)innenbe6 Sod gie^t^ fä^rt mit; mm ein 
oerßerenbe^ 5U X^eil toirb, ber bleibt f)m. €!eib 
i^r e6 fo jufrieben ? 

mit 

3a! 

ajater. 
!Run median ! Der Aleinjie stellt suerjl , unb fo 
hii ium ®rif ten l^inauf. ®o ! — fo ! 



*') 9in im i^o(fletiifcf)fit ff^r dcwo^nltche«, offne« dv^V' 
wttt, worauf eine ganie ^efeRftiiaft 9ia9 9at. 



122 ®eeUnIe$te 

(Seber ^e^t; (SM^t et^beti ein frobloctenbed 3au4)}eii; 
2(iibere, »el4e 9(ieten geiogen ^be», mocbrn ein 
M^lid^i ®e1!4t.) 

9lun tti« entfd^ieben. — 2Cbec »a« tll ba6? 
SBie , 3o^anned , eine Zf)tlim ? — ;Da« tfl fein 
mJnnßc^e^ SSetcagen. Ungl&AfiUe, bie man ftd^ 
tiid^t felbfl sufieiogen l^at, mu^ man mit &tanb> 
f^afUgfeit erbtttben. 

3o()anned. 
3c^ toxU atxti) — (mifd^t fld^ ^t S^rdne ob, tmb 
zwingt M an Idd^eln. ) 

93a ter. 
®ut! 2(bec i()r 3Cnbem, mie ifi eu(|^ babei ^u 
SRtttl^e? 93itb euer äl^ergnägen ^tuu mol red|^t 
Dottlommen fein, ba 6inige eurer S^eunbe feinen 
Vntlj^eit baran m^rnzn f innen? 

TliU 
?Wetn! 

aSater. 
8Bie wäre e6 alfo, menn »ir bie Steife nai^ 
Stanfenefe bi6 auf einen anbern S£ag auffic^is 
hin, unb bafär ^eute nad) SBanb^becf gin« 
gen? 

Alle. 
£) ia! ta! 9lac^ SSanb^bed! 9tacl^ SBanb«« 
becf! 

Später. 
®o mad)t eud) fertig. — 2(ber l^^alt! 2)a ^at 
ed ia n)ol »ieber tttoai 9}eued in unferer ®eele ge« 
geben? SBartet bod), baf n>ir erft einen ^tugen» 
blicf barfiber nac()ben!en. — SBa6 t^at benn tt>ot 
eure ®eele , ba iii fagte , baf wir nac^ SSlanf enefe 
fahren moUten? 



fftv Attibet. 123 

!Rifo(a6. 
Sie fttuu ftd)! 

93ater. 
Unb tva^ t\)at bte eunge , i^r 2(nbent ; ba eud^ 
ba^ io^ traf, $u ^aufe ju bleiben? 

Solf^anne«. 
®ie betr&bte ftc^. 

SSater. 
Unb bad tvat n^ot noc^ ba$u eine red)t grofe 
Sreube unb eine gro^e SSeträbni^? 

2flte. 
3a, eine red)t große ! 

aSater. 
%&l)iut xl)t nxii)t 2CUe, baß euer IBlut anftng, 
üiel fc^netter ju taufen ; baß euer ^erj t)tel flärf er 
f Copfte ? 

3CIU. 
3a, bad ifi tt)irf (id) tt)al!)r! 

aSater. 
Unb backtet xf)t in bem 2(ugenblicf e , t>a xf)v eud) 
fo fe^r freutet, unb, i\)v Änbem, in bem Äugem 
Mitfe, ba il()r euc^ fo fe^r betr&btet, t>a(i)Ut i^r ba 
tooi an irgenb ettt>ad 2Cnbere^ ? 

aue. 
g?ein! 

»ater. 
9Bar ed ntc^t, al^ menn i^r gegen aUed 2(nbere 
in ber SBett taub unb blinb mdret? 

aue. 

3a! 

aSater. 
Unb wollt x\)t wiffen, n>ie man einen folc^en 
äujianb unferer ©eete nennt, ba fie \id) fo ftt)t 



124 0eelenle^ve 

freuet; ober fo fe^r |Tc^ betrübt, fo ^eftfg tttcai be^ 
ge^rt/ ober fo b^fttg ^txoa^ t^erabfdS^euet , baf fte an 
nxi)t^ Xnbere« benft, ttid)t« Änbereö ^Jrt unb f!e()t, 
iinb ba$ ba^ 93lut in unfern 2(bern einen fc^neUem 
2auf gewinnt? — 2ttan nennt xf)n 2Cffe!t, auf 
^tnt\d), 2eibenfc^aft. Sure ®ee(en waren alfo 
fegt in Seibenfc^aft; bte eurigen, i^r, bte t^r ein gu* 
M Sod gebogen \)amt, in ber £eibenfcl^aft ber 
Sreube/ unb bte eurtgen, i^r, bte i^r ^u «i^aufe 
bleiben fotttet, in ber 2eibenfc^aft ber SErau« 
tigfeit. 

©ottlieb. 

O, lieber aSater, »ollen totr ba« nid^t erji auf^» 
fcl^retben , el^e noir weggeben ? SBir mSc^ten ed fonfl 
Dergeffen ! 

aSater. 

ftommt, inbem wir bte ^&te ^olen, wid id) euc^ 
aud;^ f)ier&ber ein S9ilb jeigen; bann wollen wir e6 
auffd[)reiben. 



®e^t; Ifiier *) wirb ein »^afen t)orgeflellt, in 
welchen eben ein ®d)tff einlauft, bad au^ Dflin^. 
bien surficKommt. 2)ie Scanner ber beiben grauen, 
bie i^r auf bem ?anbe febt, waren t>or jwei Sauren 
mit biefem ®c^iffe au^gefabren. ^f)vt grauen eil* 
un nun, fobalb |te üon ber 3(n!uttft be§ ®c^iffe« 
I^Srten , nad^ bem «Isafen, um $u feben , ob i^re lie^ 
ben ®atten gefunb $ur&dge!ommen wären. 

SBie grofi ifl bie greube ber @inen , ba fte i1)ttn 



*) jcttfrt n. 4. 



für Ainber. 125 

Wtann auf bem SSorbett^eUc be6 Schiffe« ttiiiitl 
®it)t f mie fte bte 2Crme naöi) i^m au^jlrecft, u>te {!e 
Dor Steube faum meifi, mo fte if{, unb in bem Xau^ 
me( i^ce^ 6nQ&cfen$ ftc^ xnß SBaffet ftfirjen tofirbei 
n>enn ber Sceunb, bet babei fte^t, fte ntd^t hielte! 
S^t SRann ifi eben fo l[)od) erfreut, feine geliebte 
©attinn n)ieber5ufe^n ; mit ausgebreiteten 2Crmen 
(duft er bis auf ben dufierflen Slanb beS @cl^ife^ 
i()r entgegen, unb eS fe^lt nic^t \>wl, ba$ er ffd^ 
^tnabti&rjt. S3eibe {tnb alfo in ]^Sd)fler Seiben« 
fc^aft ber Sreube. 

2Cber nun richtet eure 2(ugen auf bie ^tveite 
grau , bie in einer ganj anbern ?etbenfc^afit ^u fein 
fd^eint 2)a6 arme ffieib! Uni) (le l^offte, i^ren 
lieben 2Rann, md) einer fo langen ^(btvefen^eit, 
gefunb tDieber in if)re 2(rme $u fc^lie^en. ^bec 
tt>eld^ ein Sonnerfc^lag f&r fte, ba ein S3ootSfned)t 
t>om ©Griffe ^erab ilj^r ^uruft, baf er in einem 
@turme \)om SSerbecfe f)inab ind $D?eer gen)orfen 
unb ertrunf en fei ! SBie fte bie ^inbe ringt ! SBie 
ingfilid;^ fte i^re \)er5n)eifIungS)>ollen S3lide gen 
.^immel rid^tet, unb ®ott um Srofl unb @tir{e 
jur Srtragung t^reS unaudf))red)lic^en £ummer9 ^u 
bitten fd^eint! Tlni) fte ^btt, fie^t unb benft ni^t«, 
alß l^ren SSerlufi , ber greunb , ber fte ju beruhigen 
fucK)t; mag i^r nod) fo tjiel SrJfilidjeö Dorfagen. 
®te tfi in ^Jc^fier geibenfc^aft ber Sraurigfeit. 

©ottlieb. 
D, tooKen tcix bas 93ilb aud^^ an^in^m ? 

ajater. 
Sa 5 aber erfi mfiffen »ir auf ber Safel anmer^ 
fen, mas barauf v>orgefieUt ifl. 3o()anne«, fage mir, 
ivad id!^ anfc^reiben foU. 



126 (S^eelenle^re 

3ol^anne6. 

Unfere ®ee(e freuet txnti betrfibt ftd^ 
jumeUen fo fel^^c, ober fie begehrt unb 
oerabfc^euet gutvetten etma^ fo befttg, 
ba^ fie ntc^td 2(nbece9 f)itt unb fiebt, 
unb ba6 S9(ut in unfern 2(bern t>te( ge- 
fd^minber ^erumtiuft^ a(d fonji; ba« 
nennt man bann einen ^ffeft ober eine 
?eibenfcl)aft. 

Sater. 

Unb wie oiete 2(rten folc^er £eibenf(|^afeen f)abm 
wir iett f ennen gelernt ? 

3o^anne6. 

3mei: bie 2eibenfcl()aft ber ^reube, wenn 
man fi^ unmd^ig freuet, unb bie Eeibenfd^aft 
ber Xraurigfelt, wenn man fid) unmdgig be« 
trftbt 

(Siebt e^ benn wo( noc^ mel^r Seibenfc^aften ? 

aSater. 
2)a6 woKen wir morgen fe^en ; jjelt @to(f unb 
^ut ^er, unb bann fort, nad^ SBanb^becf! 



ä elf n t e i ©efpradi^. 



93 a t e r ( ber einen SBrief liefet ). 

2>a tfl eine Stad^rid^t, bie bic^ angelet, Ütifola« 

9{ifo(a6. 
ÜRid^? 



fatitinber. 127 

3a , e6 tüivb mir gefc^cieben , baf in mx SBo« 
c^en bein IBtuber So^anned un6 t)teUfet4^t befu^ 
d)tn »erbe. 

9lifo(a^. 

93ater. 
9Ba6 Tagfl bu ba^u ? 

?Rifota« (freubiö). 
2Ccl() , xöi) freue micb fe^r barfiber ! 

äl^ater. 
@r tjl ja aber nod> nic^t lf)ier; erjl in öier SBo» 
d^en — 

giifota«. 
£), bad t()ut nicl()tö ! 

ajater. 
2)u fannji bi(l() alfo fiber etwa« ©ute« freuen, 
ba^ nod^ suf&nftid tfl? 

9}ifo(a«. 
3a mo(! 

aSater. 
2Cber e« tfl nod^ nid^t ^ani gemif , baf er f om^ 
men mirb; man fc^retbt nur: üieUeic^t. £)u 
freuefl btc^ a(fo ütber ettt>a« ®}xM , ba« noc^ f änf- 
ti^ ifl, unb wot)on bu nic^t mit @en)t$^eit mift, 
fonbem nur nac^ 9Ba^rfc^etn(ic^feit Dermut^efi, baf 
e« fommen merbe \ n\d)t, 9ltf ola« ? 

5RifoU«. 
3a! 

SSater. 
9}un, fo mitt ic^ bir fagen, mie man ba« su 
nennen pflegt. @tne folc^e greube ober angenehme 
Gmpfinbung Aber etwa« ®ute6, bad no4^ m((^t ba« 



128 ®ee(enle^i;e 

{{!, hat man fid) a6et alt wa^cfc^emlic^ \)Ot^tUt, 
nennt man «Hoffnung, unb menn biefe Sreube 
nö^t grof iji, mie je^t bte betntge, fo nennt man 
fte bie 2eibenfd&aft ber Hoffnung. 

SRatt^ia^. 
Z^\ nun fennen mit fc^on btei Seibenfd[)aften ! 
bie Eetbenrd)aft ber Si^eube, bec SSetriübntf unb bec 
^Öffnung. 

SBatec (bec foirtf&^rt, ben SBrief au lefen). 

®letc^ tvetbet i^t noc^ eine \)ierte fennen (ecnen. 

36) Httt bit, mein (iebet Nifelat, biefe «f^off- 

ttung nid)t machen foKen; benn nac^ ^em/ n)aö 

id^ auf ber anbern ®eite be6 SSriefe^ (efe, b&rfte fre 

mi fc^Merlic^ in 6rf&Uung gelten. 

9lifo(a6. 
®te fo? 

äl^ater. 
Wtan fd[)reibt mir, ba$ beine^ SSruberd ©efunb« 
deit nod^ immer nid)t rec^t fefi fei , unb baf er nur 
unter ber SBebingung fommen merbe, n>enn er bi$ 
ba^in ui)t gefunb unb ftarf geworben fei. 

9litoiat (traurig). 
iD! 

aSater. 
Sa6 mar bir n>o( nid|^t lieb ^u ^iren ? 

mitoiat. 
S?ein , gar nidj)t ! 

äl^ater. 
Seine t)orige Sreube tfl a(fo fd^on mieber ba^in? 

5KifoU6. 
Sa, bie tji badin! 

ajater. 
Unb bu t^uji ie|t gerabe ba^ ©egent^eil toon 



für Äinbcv. 129 

Dem; toai hu t)otl^t 0ate{i? 6rfi freütefi tu ^d^; 
ttttb Uit 6ettft6efi \>u hid) ! 

9ttfoU«. 
3a; id^ muf moU 

»atet. 
3(bet toatum baßl @6 ifi ja boc^ no^ mhili^, 
ba% bein SStubct fontme! 

9ltfo(a^. 
3a; e6 ifl aUv aud^ mSglic^; bag et nkd)t 
f omme ! 

SSater. 
2)u betr&btefl bic^ alfo fc^on ^um t)otau6 fiber 
ein Uebet; ba^ nod) nii)t ba ifi; ba^ blof raSgltcl^; 
aber nicbt gemip ifl? 

9lifo(a6. 
Sa! 

SSatet. 
®a^u i^ e^ nidS^t ; ba$ t^t gteid^ lieber eine 
getbenfd^aft ju feiert befommen »firbet? Da ifl fte! 

3o^anne6. 
3^ »elc^e benn? 

Siattt. 
ttnfer 9lifota6 f)itmt ffd^ Aber ein Uebel; bai 
Md) nxd)t ba ifl; bat itoat tcmmtn, aber aud^ au^$ 
bleiben fann; et ifl alfo in bet £eibenf(|^aft 
bet Stttd^t. 

S^att^ia«. 
£); in bu bin id^ aud^ r<^on oft gewefen; ba i^ 
nod[^ Itx «i^aufe mat ! 

SSatet. 
®ie fo? 

3»att|)ia6. 
3a; ba ^attm pe mit immet fo t)iel Dotgc- 

6. eetltnltfite. 10 



fdS^magt t)om fc^toatsen SRanne unb t)on — o , i0 
tveiflfel^fl md)t me()r n)ot)on! Unb menn ic^ bann 
be^ 2(6enbd im ginffem too^in det)en foUte^ ba 
graute mir immer, \>a^ ii) gitterte unb bebte. 

ajater. 
Unb ba bvL ju und famfi? 

Ttattf)xaß. 
Sa , ba n)ofl[te i^ ni^t allein ;u S3ette ge^en, 
mei( mir bad bumme Beug nod^ im Aopfe flecfte ; 
aber ba fagte mir \a SSater, baf bad (auter ^ta^m 
feien, unb ba gingen wir M 2Cbenb« im ginflern 
im ©arten ^erum, unb ba würbe ii) breijler. 

aSater. 
^nn fit^U^ bu bxd) ai\o bod} nid()t mef)r? 

!0{att()iad. 
3^ tDOüer benn? ^un mei^ ic^ ja, ba^ ba^ 
7itti9 bie alten 9Beiber erbadS^t ^aben, um bie Hei» 
nen £tnb^r fiid ^u mad^ien. ha mfifte id) mol 
ein großer dlatt fein , mnn id) mxd) nun nodE) ba? 
Dor fordeten moUte! 

SSater. 
^afl Siecht , ftBattl^iad ; ii) l^offe auc^ , ba$ bu 
jegt t)ie( }u )9ern&nftig bifl , al^ ba^ bn bidb nod^ 
9or @tma6 färdS^ten foUtefl; ba€ gar nidj^t ifl, a(fo 
auc^ gar nicbt fcf)aben fann. 3(6er nun metfit bu 
bo4), n)ad ba^ für eine £eibenfd()aft ifl, bie n)ir 
Surdl^t nennen. 

a^att^ia^. 
£> iaj ba6 ifl eine redSit garfiige! S)abei ifl 
Sinem gar ni4)t t90l()( ju ÜRut^e ! 

©ottlieb. 
£) f \^ bin audl^ fd()on einma(^l batin getvefen; 



föu Äinbct 131 

ba mxd) het J^unb betf eti mottte , ben tcl(^ üorl^er ge:: 
nedt f)atUl 

aSater. 
SBte mar ba6? 

@ottne6. 
3 / tt>tr gingen nac^(fec etnma(f( hiebet üor bem 
^aufe Dorbci , unb ba tcat gar fein ^unb ju fe^en. 
2Cuf einma^l aber fprang er t)mut ber Sj^fir ^etüoc; 
unb woUte mid^ ind SSein beifen. 

ajater. 
©/ ei ! — giun; wie lief« Unn ab ? 

®ottütb. 
3a, ic^ ftng etfc^rerflidS^ an ju fdS^reien; ba fa= 
men mir bie imU ju »^filfe, unb jagten bm ^unb 
fort. 

ajater. 
2)a« war ml nod^ etwa« me^r, al€ gurc^t, 
wa« bu bama^r« ffi()(te{l. 

©ottrieb. 
9Ba6 war e« benn? 

aSater. 
25u »arjl in ber Seibenfc^aft be« @c^re- 
den«. 

Sol^anne«. 
Sjl benn ba« noc^ tttoa$ Änbere«, al« gurc^^t? 

aJater. 
6« ifl eine red^t große gurc^^t, unb jwar cor eU 
nem Uebel, ba« ^atti unerwartet fommt. 2)er 
jQtxnb fprang plSgUdE) l^ert)or, o^ne baß @ott(ieb e« 
t>ermut^ete. — 2>arau« ^<ltte noc^ eine ärgere Sei^ 
benfc^aft werben finnen ! 

So^anne«. 
StodS^ eine jrgere? 

10* 



132 ©eelenlei^ce 

SSatet. 

padt unb gebtffen ^itte , bann n>ätbe bec SdE^tedeti 
ftdE) in S9etdttbung üermanbeU IS)a6en. 

Sol^anne«. 
9Bte tfi ßtnem benn babei ^u fDlut^e? 

SBatet. 
®o ; ba$ man gac attd^t n)etp ; wie Sinem ge^ 
fc^te^t. SRan ijl m bem ^Cugenblitfe ber ^H&n^ 
bung 9an$ ftnnlo^ , gan$ o()ne beutlic^ed SSemuf t» 
fein feiner felbjl. 

©ottUeb. 
7(^ ! baß i)ait xi) auc^ fc^on einma^C erfalgiren, 
ba idb noc^ ni^t geternt ()atte, auf^ ^ott ge^or« 
fam ju fein^ unb in ben Oraben ffel ! 

aSater. 
@Cini vz^t ; ba n)atfl bu in bent 3ufianbe bet 
S3edubung, weil bu glaubtejl, bet ®taUn fei fo 
tief bafi bu barin ertrinfen mäffefl. — 9Bie mar 
bir bamal^(6? 

©ottlieb. 
3c^ wußte gar nid^it, wie mir gefd^al^; x^ 
fonnte aud^ nidf)t einmal[)( fc^reien. 

ajater. 
@te]^{l bu! — ^txn, id) wfinfdSie, ba^ bu in 
biefe fdf)limme SeibenfdEiaft nie wieber gerat^en m5« 
ge{l. Smar fann man aud^ wo( üon ^reube be» 
täubt werben — 

3o^anne6. 
2Curf) Don greube? 

aSater. 
S ia , wenn f!e fel^r grofi unb fel^r plSgi^icf^ ifi- 



für Äittber. 13:'> 

Wian hat fogat SSetfptete, bafi Seute t)on einer \oU 
^tn Sreube gejlorben ftnb. 

3o^anne^. 

aSat^r. 

@tne unerivartete , fe^r grof e St^^ube tcxttt eben 
fo gewattfam auf unfern Rivpn, al9 ein unermar^ 
teter , f^^r grofler @c^redPen. Da fliegt aUe^ S3lut 
auf einma^t nad(^ bem »^er^en , man wirb bla$ , oft 
o^nmic^tig, oft gar t)om @dS)(age ^n&^tt. 

3o^antte«. 

Sa Witt ic^ midE) benn wol ^fiten, baf i^ micb 
jemal^lö Su fel^r freue. 

aSater. 

Sebe geibenfc^aft ijl \d)Md), fobalb fie ju jlarf 
totrb ; mer atfo red^t gtficf (tcf) in Uhtn tü&n\i)t , ber 
mup {tc^ frfi^seitig gewinnen, feine SeibenfdSiaften 
jtt mäfigen , bantit fte ntc^t gar in mächtig werben. 

9lun , fe^t i)m »ieber ein SBilb ♦) , auf bem 
aOe bie @emät^6ben>egungen, t)on metd^en wir ^eute 
gefprod^ien ^aben^ audgebrfidPt {tnb. — £)er SSater 
biefer ^ier abgebitbeten S^milie liegt an einer fc^we« 
ren Aran(lS)eit banieber; er empftnbet heftige ®d(^mer? 
{en, unb föblt, baf fein SKob l^eranna^e. Unb bod^ 
fc^eint er t)ergnfigt in fein, fijzint fogar su lid)tln, 
toie Siner, Um etma^ 2(ngenel()me6 wiberfilgirt. 98ie 
mag ba^ f ommen ? 

Sietric^. 

6^ ifl gewig ein frommer ^ann gewefen ; ber 
wei$ nun wo(; ba^ er nad(^ bem Sobe no(f^ t)ie( 



*) Xaff l III. 1 . 



134 @eelenle]()(e 

Qi&diii^tt werben toitb, al^ ec fc^ion ^ter gemefen 
ifi; unb bacftbet freuet er ftd^. 

aSater. 
Unb barfiber Dergtf t er aller fetner ^i^mttitn, 
t>erg{f[t fogar; bai er feine ®atttnn unb feine Xin* 
ber t^erlaffen muf ^ unb benft nur an bie Sreuben, 
bie im «^immet ffir xf)n bereitet ftnb ! Unb bodf) ifi 
^a^, worftber er ftd(^ freuet, noc^ nid^t ba, ed tfi 
nur.jutänftig. 

Sol)annt^. 
6r tfl alfo in b^m 3uflanbe ber «Hoffnung. 

SBater. 
9ltc^tid! — aScr bem S3ette ft$t feine be(&m* 
merte ®attinn , bie gan^ etmad 2(nbere^ 5U empftn^ 
ben fcl()etnt. 

Serbinanb. 
S)ie ifl betr&bt. 

aSater. 
Unb n>orfi6er? 

Serbinanb. 
)Daf i(^r !D7ann DieUeid^t flerben wirb. 

aSater. 
2C6er er (ebt ja noc^ , unb nod^ ifl e6 mSglicl^; 
baß etf ffd^ plS^lid^ mit il^m beffere , unb er wieber 
gefunb werbe. @ie l)litmt ftc^ alfo &ber ein Uebe(, 
ba6 noc^ nx(i)t ba x% ba^ x1)t b(o$ bet)or{le^t. 

3ol()anne«. 
2)ie ifi a(fo in ber SeibenfdS^aft ber ^urc^t. 

aSater. 
®atn redflt! — 2(ber nun felfjt auc^, wa« e« 
auf ber anbern ©eite, beim Äamine, giebt. 

aRatt^ia^. 
Zu we^! ba^ ((eine STtdbdS^en brennt ja lic^terlo^! 



fftr ^inbet* 135 

{Batet. 
Zu^ Uttt)orftd;)ttd(eit ift ffe bem ^tmt gu m1)t 
gefommen; bte Stamme l^aü^t SUxb ergriffen, unb 
fte wirb nun, aUer 9Ba^rfd^etn(td)(ett na^ , (ebenbtg 
verbrannt n)erben. — ®uüt eud^ ben Sc^retfen 
i^re^ armen fletnen 93ruber6 t)or, inbem er ftdf^ 
nadE) il()r umffe^t, unb fte in btefem äuflanbe er« 
Hxitl 

2)ietric(). 
2)er ffi^rt alfo ©Freden. 

aSater. 
Unb ba« arme Meine STOdbc^en felbjl — in mU 
<4er Seibenfc^aft mag ba6 wo( fein ? 

®ott(ie6. 
£), ba6 »eif id^ ! 3n ber ber 93etfiubung. 

ajater. 
SRidS^tig! &tf)t, »ie ftnn(o6 fte ba fle^t, mit 
offenem !S^unbe, btaf , tvie ber Sob, nnb unfj^ig, 
tttoaß 5u i^rer 9{ettung üorjunelfjmen. — 2frme6 
WtihÖDtnl Du bauerfi mi4^; nod) mtf)x a6er jam« 
mern mic^ beine armen 2(eltern, bte btd^ Dor t^ren 
Xugen nun werben m&ffen Derbrennen fe^en , mit 
e^ jtt fpät ifl, bid) gu retten. — 9lun, tooUtn mv 
nid^t tvieber anfc^reiben, toa^ wir je^t 9{eue6 ge« 
lernt ^aben ? 

ÜRatt^ia«. 
jD; SSater, bte6mal^( mid^te xd) gern borfagen! 

SSater. 
9Bo^(! fo fage benn! 

aSattl^iad. 
9Btr ^aben gel^iirt, wae bte .^Öffnung fei! 

SSater. 
ttnb toa9 ifi ffe bmnl 



136 @eelenle]S)(e 

^tnn man fidS^ etn>a« @ute6 t)otfteUt, 
bad nodS^ i&nftxQ, and) nur mal^cfdS^etttltd^ 
\^, utib barfibeir in eine angenehme Sm» 
pfinbung gerit^. 

Später. 
®ut ! — Sernec l^aben »it gemecf t ? 

üßatti^iael. 
S)ie Seibenfd^aft ber SucdS^t. 

$Bater. 
Unb bte entfielt? 

a^att^iae. 
^enn man fic^ tttva^ S3Sf^^ \>ot^tilt, 
ba€ nod!) f&nftig, unb dl(eidS)faU6 nur 
toal^tfcl^^innc^ ifl, unb fx6) bar&bec ^drmt 
unb angfiiget. 

aSatet. 
3C(fo gerabe ba6 ®egent()ei( t)on ber «Hoffnung. 
-— Segnet; ? 

2Rattf)ia6. 
2)te SeibenfdS^aft be6 ^dS^ceden«. 

»atec. 
Unb »ad ifi benn bte? 

^attl)xa9. 
Sine cec^t große SutdE^t üoc einem Ue« 
bei; ba'd ganj un^erfe^en^ f ommt. 

aSater. 
9li*tig ! -- Unb enbK* ? 

STOatt^ia«. 
2)ieSeibenf(l^aft berSSetdubung; »enn 
man t)or Sd^recEen gan^ finntod wirb; fo 
bafi man gar nic^t n>ei$; »ie 6inem ge« 
fd^iel^t. 



förÄinbcr. 137 

aSater. 
^txn, baß toat 'XM tec^t f^nt gefast; morgen 
werben toit mol nocl[) me^r Setbenfc^aften fennen 
lernen. 

3ol[)atttte«. 
O, n)arum n{d[)t ^eute? 

aSater. 
5B3eiI unfere 2Crbeit«flunbe ba ijl 



elfte« ® e^pt i d). 



©ottlieb. 

(Sollen wir ^eute ni^t wieber etwa« lernen t)on 
unferer ®eele? 

aSater. 

SBenn« md) no^ immer SSergnägen madj^t , fo 
bin i(^ wol bereit; eud^ nod^ me^r baijon ju leieren. 

aile. 

£) ia ! ia, lieber Später ! 

äSater. 

3c^ i^^be euc^ neulich bte t)err4iebenen Statur» 
triebe erfldrt, bie ber liebe ®ott unfern ®eelen an- 
erfdE^affen l^at; barunter war nnn einer ; ber barin 
befiel()t; ta^ wir 2(lle ein gewiffed SSerlangen in un$ 
fpäreui irgenb einen SRenfc^eU; ober wenigfien^ ir« 
genb ein anbere6 lebenbe6 SBefen ju ^abtn, in bef« 
fett @efellfc^aft wir greube empftnben , unb weld^er 



138 &ttUnU^tt 

ober mli)t€ and) toitbtt an un^ feine Steube ^a^ 
ben mSge; erinnert i^r eud^ noc^ baran? 

mit. 

O \a\ ba^ ifl ber Srieb ber £tebe! 

Sater. 
SBenn toir nun Semanb (ieben, fel[)en mir e^ 
bann tool gern^ baf er t)on un6 entfernt if}? 

3o^anne6. 
fRein, mir fel()en e^ gern, ba^ er bei un^ x^. 

93 a t e r. 
SBir mfinfcf)en a(fo mo(, immer nil^er bei i^m, 
ober immer ni^er mit ii;)m vereiniget )u fein ? 

Alte. 
3a! 

9^ a t e r. 
dum SBeifpiel; menn id^i l^ier mit euc^ fprec^e, 
fo wxü 3^ber t)on eud) immer gern bid)t neben mir 
flehen ober ft^en« unb @iner fud)t ftd^ bem 2(nbern 
immer üorsubringen ; mo^er mag ba6 mo( fom« 
men ? — SiidSit ma^r, meil i^r mic^ Jieb l&abt? 

ZiU. 
3a! 

SSater. 
Unb mnn 6iner t)on euren S3r&berni ober \>on 
euren S^^eunben, euc^ befu^^t, madf)t if^r^ ba nidbt 
wieber eben fo? ®itt ba nic^^t ber ©ne immer 
nodE) ni^er, ai^ ber 2(nbere, um i^n fein? nnb 
fudi)t nidS^t immer @iner ffc^ bem 2(nbern üor^u« 
bringen , um bie J^anb be^ St^eunbed }u ergreifen, 
nm an feiner ®ette ju ge^en ober ju {igen, um 
mit if)m ju reben, ober il^n )u umarmen ? 

Ziit. 
3a! 



für ^inber. 139 

aSater. 
JgaU xö) alfo tvol niijt 9tecl()t; wenn id) fa^t, 
ba^ S>er]entge , ber einen }(nbern (tebt , etn ^erlam 
gen empftnbet^ immer ni^er mit t^m t)eretniget ober 
Derbunben ju fein? 

Alle. ' 

3a! 

aSater. 

Unb foUte bie^ SSerlangen wol aun)eilen fo jlarf 
in un^ »erben , ba$ e^ eine £eibenfd()aft genannt iu 
werben Derbiente ? 

®enn , i. f8,, jegt gleich 3emanb l^ereinträte, 
unb fagte , eure lieben 2(eUern mdren ha , nnb xi^ 
tooUU bann bod) nodS) fortfa()ren , mit euc^ ^u re» 
ben ; mfirbet il^r tool ncd) eben fo aulmerffam , M 
Uit, auf Da^, n>a^ ic^ fagte, \)htm ? 

Stetricf^. 
5Wein; gewiß ni^tl 

aSater. 
Unb tvarum nidS^t? 

X^xzUxd), 
Wxt mürben 2(0e gern hinunter laufen, unb (ei 
unfern 2(eltern fein moUen. 

aSater. 
3&r würbet alfo in «eibenfcl^aft gerat^enj unb 
in welcf^e? 

So^anne«. 
3n bie ber Siebe. 

aSater. 
SBenn un6 nun 3^nianb fragte , tt>a^ ba€ fei^ 
bie Seibenfd^aft ber Siebe? tt)a6 wollten wir t()m 
antworten ? 



140 ^eelenlei^re 

SBtr tDoltten anttoorten, e6 fei ein l[)eftise^ 
ajerlangett , immer nif)tt ndt ^^manb Dereiniget ju 
»erben. 

9Sater. 
®ut öefagt! — 2C6er nod[> ein«! ®enn tt>ir 
3emanb (ieben, ifi e« m^ hann »ol dUic^met, ob 
e« i()m gut ober fc^limm gel^t, ob er gefunb ober 
ttant, t)ergnfist ober mi$t>ergnägt ijr? 

9lifota«. 
9}ein, ba« ifl und ntdf)t d(etd()t)iel. 

aSater. 
9Ba6 n>finf(l(ien »ir benn? 

WtfoU«. 
Baf e« il^ redS^t »ol^l ge()e. 

ajater. 
Älfo ifl ja bie iitie noc^ mel^r, at« m SJertan* 
gen , mit Semanb ni^er t)ereintget ju »erben > unb 
»a« ijl fte nod^ me^r ? 

3o^anne«. 
Sie ifl au* ein aSerCangen, baf e« Demjenigen, 
ben »ir lieben, redj^t »o^l ge()en mJge. 

aSater. 
SBenn wir nun Semanb fo red&t ^erjHc^ IkUn, 
unb gern immer um if)n fein machten, unb er mu^ 
bann Don uns »eg, ober »ir Don i^m : wie ifl un« 
ha iu fOlut^t'i 

gerbinanb. 
^x^t gut ! 

aSater. 
Da i^r , j. 85. , jum erflen SWal^re eure lieben 
Äettern unb eure ®efdS)»ifler Derlaffen mußtet , um 
f)ie^er ju fommen, »ie »ar eudS^ ba? 



für Äinber. 141 

®0UlHb. 
S)a maren toit fe^t Utt&bt 

SGSoröber benn? 

®ottlt^6. 
3^ barfibet, ha^ unfere 2(e(tern unb unfere ©e- 
fc()n)tfler ntc^t me^t bei un6 f^in fodten. 

ajater, 
Jflfo fiber ilS)rc 2(btt)cfcnl[)eit? 

©ottttcb. 
Sa! 

aSater. 
Unb biefe SSettfibni^ mar bod^ auc^ wol jiatf 
genug, um eine Seibenfc^aft genannt 2U toerben ? 

?Äifola«. 
£) gemifl! ^^ meinte fa ben ganzen Hhmb, 

aSater. 
Unb fte n>at mit einem großen SSertangen nac^ 
euren 3(e(tern unb nad) eurem ©efc^mifler t^erbun- 
ben ; ntc^t ? 

9lifoU^. 
3a »Ol! 

SSater. 
^\xn wxü id) mi) \a^m , mie man biefe Seiben^: 
fdbaft, bie im ©runbe aud^ Siebe ifl, i\x nennen 
p^egt; man nennt fte bie Seiben fd^aft ber 
@el[)ttfudS^t. 

Sol^anne«. 
S)ie befielet alfo barin , baf man aber bie 2(bs 
wefenbeit eine^ 3(nbern Utxi(bt ifl; unb ein ffarfe^ 
93er(angen nad^ i^m ^^at^i 

SSater. 
9lidt)ttg! — ®el^t, l^ier l^abe xi^ aberma^l^ txn 



142 (S^eelenle^re 

aSIlb *) , wobei t()r eucb ber betben geibenfdjaftcn, 
t)on noeld^en mir jegt gefprodS^en l^abett; wtebec ertn* 
netn fSnnt. — Siefe grau, l^ter jur Steckten, ifl 
bie 9)Iutter etned Sängltngd, ber neulich» auf ber 
Steire nadS) Snglanb @(btpcud) litt. 2)ie 9lacl^« 
ttdS^t t)on btefem UngIfidPe ()at ftcb bi^ ^iet^ec t)ers 
breitet; aber ob ber junge SRenfc^ ertrunfen ober 
gerettet fei? bat)on ^at man nicbt^ @emiffe^ erfa(^« 
ren fSnnen. 3n metcbem 3utianbe nun bie arme 
fD{utter tj}, f&nnt i^r benEen. »£), mein ®ol[)n, 
mein ® o^n ! « ruft fte einma^l ober \iOi^ anbere au^, 
warum mupte x^ bic^ bo(^ aud meinen 2(rmett 
laffen? JtSnnte id; bo^ nur einma()(, nur etnma^l 
bic^ an mein »f)era brftcfen!« ®o ruft fte oljine Un^ 
ter(a$ aud, weint, ringt bie «^dnbe, unb xoWi ftc^ 
gar nidS^t trSflen (äffen. 

®ott(ieb. 

jDb ber ®o^n benn wirflidE» mag ertrunfen 
fein? 

SSater. 

©ie^e ^ier \>xz 2Cntwort auf unferm 85i(be! — 
S)ie ®d^wefler be6 jungen SRenfcl()en, bie aud) fc^on 
t)iele Sage ^inburc^ ober i^n geweint unb gejam« 
mert i)<kXU, woUte jegt eben in Un @arten ge^en, 
t)ermut^(i(b/ um m irgenb einem einfamen £)rte ftdl^ 
rec^t au^iuwetnen unb }u izuttf M fte plSg(ic(^ 
beim Eintritt in \izn ©arten — wen meint i^r? — 
ilgiren geliebten S3ruber felbfi erblttft. @e^t, wie 
f!e {td^ etnanber in bie 2(rme flftrjen ! §GBie fte f!d(^ 
umHammern ^ al6 woKten fte mit Stebtofungen eim 



•) scdfrt ni. 2. 



fftr Äfnber. 143 

anber erfütf en ! ^x^t n>a^r ; ba^ tfl ein v&f^xmM 
@(^aufpte(? ^d) moKtC; toit mären 2(Ue babet ge- 
toefen. 

5Wifola«. 

9Bo mar er benn auf etnmal^t ^ergef ommen ? 

aSater. 

@etn ®(?)tff war , »te gefagt , gefcf^eitert , unb 
swar unweit ber ^oUänbif4)en ^ftfte. @r felbfl 
^atte fii) an eine ^lanfe gefCammert , unb war 
glflcElicb an^ Sanb aetrteben worben. @r Dermu* 
t^ete, baf ha^ ®erud)t t)on biefem UnfaUe balb iix 
fetner ÜRutter unb ju feiner ®d)Wefler fommen 
werbe , nnb eiUe ba^er , fo fe()r er nur immer f onn« 
te, 5U i^nen ^ur&cf ^ um fte ju öberjeugen, ha^ er 
noc^ (ebe. Se^t eben war er ()tnter bem ©arten 
abgefliegeu; um ftc^ bie Sreube ju macf^en, feine 
IMe SJ^utter unb ®(()Wefler burd^ feine pligtic^e 
^rfd^ieinung ju ä6ecrafc^en. Otun fagt mir boc^ 
in welcher Seibenfc^aft mSgen biefe 6eiben^ SSruber 
unb ©d^wejler^ jegt wol fein ? 

2)tetric^. 

3n ber ber Siebe unb ber ^reubel 

aSater. 

9Bir Wolfen un^ t)orne()m(i^ ber erflen babet er« 
inneru; weit wir f&r bie jweite f(bon ein anbere6 
Sttb aufgeljiängt ^aben. — 2fber in weldS^er 8et* 
benfd^aft ifl "fym wot bie SRutter üorgejleKt worben, 
bte Don ber 2Cnfunft t^re^ ®o^ne6 nod^ ntdE^t^ $u 
wtffen fd^eint? 

mtola^. 

3tt ber ber ©el^nfuc^t. — 2C6er wa6 bebeuten 
benn bie anbnn beiben Sigu^^^t^/ bie ba auf Um 
Silbe no(^ ^u fe^en ftnb? 



144 @eelenle|)te 

Skatet. 
2>a^ toiü ii) btr fageti, 9lifo(a^. £)iefe ba, jur 
0le(()ten, tfl eine Si^eunbinn bec betcfibten SRutter. 
® ie ifl ge!ommen , fte 5U tr6flen ; aber inbem fte 
btefelbe fo iS^eftig (eiben ftel[)t , tvicb fte gteidj^faUö fo 
fe^c betrfibt, baß fte n?ol felbfl SStrofl t)on 2Cnbertt 
beb&trfte. 

9tifo(a6. 
SBot&bet benn? 

äJatec. 
Uebet baö Ungl&d t^rec S^^uttbttttt , bet fte ju 
^elfett k9finf(^t, unb bet fte bod^ ttidE^t "^üUn 
tann. 

3ol^annel 
2)ie ifl alfo mol auc^ in einet it\bmfi)aft ? 

äSatet. 
SCUetbingö! unb $n)at in einet felS^t ebten. 

3ol^anne6. 
9Bie l^eißt benn bie ? 

SBatet. 
SDtitletb! iDiefe^ beflei;)t barin, baß man &bet 
baö ttnglficf eined 3(nbetn bettöbt ift. 

2fo]^annel 
S^ , ba6 ifi alfo f^on bie neunte 2(tt t>on Sei- 
beufdE^aften , bie n^it fennen geletnt ^aben! 2Cber 
toa^ bebenttt bet ^ann ba im ®avtm ? 

äJatet. 
£)aö ifl bet S^ttnet, bet ^lt\d)faü9 in einet 
Ztt Don geibenfd^aft ifi, aber tDtebetum in einet 
ganj anbttn , al^ bie äbtigen. S)tefet l^atte aud^ 
gelS^itt; baß b^ ®of)n be^ «^aufe^ t)etunglädt fei, 
unb et Qlanitt ba^et nid^t, baß et i^n jlemal^lö totes 
bet feigen n)etbe. 2(uf einmal^! etblicfte et nun ba 



fftr Atnber. 145 

in feinem ®axUn, unh ifi büt&bet 9(in} aufec fT<^ 
Dor SSerwunberung. 

2)letrt((). 
SSte ^eift benn bie Seibenrd^aft , morin Mefec 
tfl? 

3o^anned. 
3, ba^ f ann man ia »ol t)on fe(6ft fe^en ! SB e « 
wuttbetung; md}t toaf)t, Später? 

aSater. 
betroffen, 3o^annel; unh \)ttmnt1)lifi brauche 
ic^ bic nun anö) tDot ntcl()t erfl (u fagen, maö bQ6 
f&r eine fei. 

3ol^anne6. 
£), bad ifi (eicl[|t ju begreifen! 9Benn man ffd^ 
t)ecti)unbert ober Qttoa^, ba^ man gar nic^t ermac« 
tet l^at. 

SBatet. 
2Clfo Sreube aber etn>a$ 9leue^, ttnern)artete0; 
Seltene^, ober 2(uf ecotbentlid^ed ^ nid^t ? 

3ol^anneö. 
Sa! — 2»e]^r ijl hoi) ml auf biefem SUbe 
nic^t ju (ernenn fod iö) nun Dorfagen? 

9lifo(ai$. 
sD, ic^ l^abe fo lange nic^t^ gefagt! 

SSater. 
9Set Don euc^ \id) auf ein paffenbe^ SSeifpiet 
aus bec ©efd^id^te erinnert^ bec foU mir biejenige 
Seibenfc^aft t)orfagen, n)ot)on er baS S3eifpie( eri^l» 
(en tvirb. 

Sol^anneS. 
D, \>a€ ifi fc^&n! Sd^ ^a6e fd^on ein«. 

SSater. 
83on »elc^er 2eibenf4iaft ? 

C. ®rr(rR((|rr. li 



146 ®t?etenlet)re 

aSon bet ?lebc. 

ajater. 

3obanne^. 
3n ©prafuö regierte etnma^l ein 5D8fitl^nc^^, 
mit 5Ramen ©ionpfiu«. 3u eben ber Seit Übten 
bafelbfl 5tt)ei greunbe, »otjon ber eine 2)amon, 
ber onbere ^i^tf)%a^ l)ief. 9?utt »ottte einmabl 
ber 3S&ti)t\d) ben Samon umbringen laffen , unb 
t)atu x^n fc^on in« ©ef^ngnif gefegt, aber 2)amon 
hat ibn, er mige il[)m bocl) erjl erlauben, nad) fei« 
nem SSaterlanbe ju reifen^ um' t>on feinen greunben 
unb aSerwanbten 2(bfc^ieb jn nebmen. Sa , fagte 
ber Sirann, ba^ mü id) tvoi tl^un-, aber e§ mufl 
ffc^ Semanb ftnben, ber fo lange für bicbim @es 
fangniffe bleiben, unb ffir bicb fferben »ill, wenn 
bu 5u ber bejlimmten 3«t nid)t tt)ieber jurutf» 
fommf?. 25a tt>ar nun $Uii) fein greunb ^ptbiaö 
bei ber ^anb, lief fid) freubig für ibn einfper^ 
ren, unb 2)amon reifete ah, J)er Sag, an 
n)elci)em er lieber jurödfommen unb f)\nQm^M 
»erben foUte, bracb an^ nod) mar fein 25amon ^u 
fef)en unb ju IS)oren. £)a befallt ber SÜirann, ba^ 
man ben ^pt()ia6 jum SRicbtplage führen fotte. SSie^ 
fer freuete ftcb, för feinen lieben Samon ju fter^ 
ben, unb ging ru()ig i)\n, 2fuf eimna^i f)ivU man 
gewaltig fd&reien, unb falj) einen SWann fid) mitten 
burd^ ba« SSolf nad) bem SRid^tpIage burdbarbetten. 
Siefer war ©amon felbfl. gr ftet feinem ^J^tf)xae 
um ben ^aU , unb entfc^ulbigte ffcb , bap e« il^m 
unmiglid^ gewefen fei, el^er wleber jurfldfjufom» 
men; aber ^pt()ta6 würbe baröber traurig, weil er 



für Äinbcr. 147 

tD^nfc^te, baß er ^itu mSgen ausgeblieben fein. 
S>a betounberte ber 9Bätl^ric^ bie eble Si^unbfd[^aft 
biefer Wtlinmr, fc^enfte SSetben ba6 Seben, unb bat 
ffcf) nur btefeS t)on tf)nen ant , baß fte i^n in i^r 
Sreunbfd^aftSbSnbnif mit etnf^liefen nt6cl^ten. 

aSater. 
2)a6 ift ja ein boppelteS S9eif|)ie(! erfien^ t)on 
ber Seibenfdl^aft ber Siebe, unb bann t)on ber — 

?»ifola«. 
S)er S3en)unberung. 

aSater. 
Süchtig ! iS^mn in bem Sujianbe ber S3en)un> 
berung n^ar ber ^fitlE)ric(^, unb t7ermut()Ucf) Seber, 
ber iugegen mar. 

X>k 3uf4)auer n>aren n)oI audS^ bor^er, el^e ^a- 
mon $ur&(f fam , in ber Seibenfd[^aft bee SBitUtbS 
getvefen, tvegen bed armen ^pt^iaS; ber unfd)ulbtger 
SaSetfe jJerben fottte? 

35 a t er. 
Unflreitig waren fte baS ; a(fo brauchen toit aixd) 
babon (ein anbereS 83eifpie( an5ufä()ren. 

5»i«ola«. 
£), foO id^ nun erfi ein SSeifpiet bon @e^nfu4)t 
erii^Ien? 

SSater. 
9lur gu, mir motten IE)&ren. 

giifoia«. 
2((S ber 2(rtemefia; bie eine Ainiginn in 
Jt arten mar, t^r fD?ann SAaufblu^ geflorben 
mar, ba mar fte gan} untr5fi{icl[l Aber feinen Sob. 
®ie baute t^m ein priüc^tigeS £)en(ma(i(, metcbeS 
^auf oleum genannt mürbe; unb ba f!e bin 

11 * 



148 @eelenle]()re 

2et6 xf)tt9 SRannel f)atu t)etbtennen (äffen, fo fc^fit^ 
UU fte alte Sage ein mentg t>on bec 3(f4)e beffelben 
in i|S)c ©etdnf, unb tränt e^ l(^tnuntec. 

aSater. 

@ut ! Sie war alfo gemiß in bec £eibenfc^aft 
bec ©e^nfud^t. — 9lun, So^anneö fagt mic alfo 
bie Seibenfc^aft bec Siebe unb bec SSemunbecung, 
S)tetct(^ bie be6 mtUM, unb bu, 92i!o(a^, bie bec 
®e^nfu(l!)t \>oc; abec jebec in bec jDcbnung; n>ie n?ic 
fte l^eute ^aben fennen gelernt. 

Sol^anne^. 

3i) faw ^^\^ ^"- 2)ie geibenf df^aft bec 
Siebe bellelS^t in einem 93ec(angen, immer 
nil^ec mit Semanb t)ereiniget ju wec« 
ben, unb sugUic^ in einem SSecUngen, 
ba$ e^ Dem, ben man (iebt, immec xt^t 
tool^fgel^en m&ge. 

9lieo(ad. 

9lun f omme ic^! Sie Seibenfc^aft bec 
®e^nfu(f)t befielet in einec SScaucigfeit 
&bec bie 3Cbmefen^eit eined 3(nbecn, nnb 
in einem lE^eftigen SBecUngen naö) i^m. 

Sietcic^. 

9lun id)\ Sie Seibenfd^aft be^ ^iu 
(eibö tfl SEcaucigfeit älbec ba^ ttngl&cC 
eined 3Cnbecn. 

Sol^anne^. 

Unb nun \ä) n^iebecl Sie Seibenf(l(|aft 
bec SBen)unbecung ifi Sceube fibec etmad 
9leuel, Unecwacteteö, @e(tened obec 2Cu» 
fecocbentlid^eö. 

aSater. 

Sa0 ging ja rafc^ ! ^^ ^abe f aum fo fle> 



für Jtin^er. 149 

\d)tomh fd&rejbctt fonnen. — 3e6t folgt mir in 
ben ©arten. 



3tt) 6 If t e 6 ® cfpx&ö). 



^erbtnanb. 

Spater fte^t ja l^eute fo traurig avL9. 

ajatcr. 
2(u(^ bin id) cd n)ir!(ic^. 

gerbinanb. 
SBarum benn? 

aSater, 
SSeil tc^ t\xä) ^eute etiva^ Xraurige^ )U fagen 
l^abe. 

TiiU. 
Qttoa9 Sraurigc«? 

aSater. 
^a, zttoaß ft^v SSräurige^. 

gerbinanb. 
3i tt)a8 benn ? 

SSater. 
Äann man uml^in; traurig ju fein^ wenn man 
Don feinen SSrübern etn^a^ S3dre^ fagen muß? 

SRatt^ia^. 
^at SSater benn nod!) 93riüber? 

aSatet. 
3i) ^abe t^rer n?ie @anb am !9{<ere. 

TliU. 



150 ©eelenleif^re 

Stammen ntd^t aUt 9Renf(l(^en Don 6tnem SSa« 
ter 1)ttl ^abm md)t 2Ctte einen unb benfelben 
®ott 5um ®ci;^6pfer unb Srl^attec? @inb alfo nxd)t 
aOe S^enfd^en n^irfltd!) (etbltd^e fSt&bev, unb mfiffen 
n)u* alfo mi)t traurig fein, n^enn n)tr einige Don i^^ 
nett aufSrrwegen fel[)en, bie jum aSerberben führen? 

So^anne«. 
8Sa^ xft benn DorgefaUen ? 

ajater. 

@tn)al 9leue0 nun tccl eben nicl[|t; aber befto 

|icl[)ltmmer , ha$ ba€ Unglfid, n)ot)on xd^ f)mu gu 

eu(^ reben muf, fc^on fo aU ifi, al^ bie SBeU, unb 

baß man i^m nod^ immer nid^t gan^ abgel()o(fen f)at. 

So^anne«. 
9lun, »a« ijl e6 benn? 

aSater. 
SSereitet tnd), etma^ fe^r S3eiammetn6n)firbiged 
5U ^ Jren. — ßinige unferer SSrfiber , liebe Äinber^ 
finb franf, fel^r f ranf. — 

2)ietticl[l. 
£), ba^ ifi ja ein fo großem ttngt&d cUn md)tl 
®ie n^erben vooi n)ieber beffer tverben^ ober (lerben, 

aJater. 
aSon ber Jtranf^eit; bie tc^ meine, genefet man 
nii^t fo (eicIE^t; felb^ ber Sob fann fte nid^t enbi- 
gen. 3jl man nic^t fd^on t)or feinem S^obe bat)on 
genefen , fo — litUtt, Äinber ! — fo nimmt man 
ffe mit xn^ ewige i^b^n ! 

9{ifolal 
Ca« muf ia eine fc^recf lic^e Aranf()eit fein ! 

aSater. 
2)a6 ifl fle 5 unb um euc^ nid^t länger in Un« 



für Äinbec. 15^ 

getDtf^eit iit (äffen; fo nnffet, ^inbet; baf td^ nic^t 
t)on Sranf^ctten M itiU$, fonbecn txon tttüa9 mt 
©dj^limmem , t>on Äranfl^etten unferer nn^ 
fierblid^ett <Sec(e rebe. 

@ottlie6. 
Aarni benn bte ®eelc audj) mot hant tou^m ? 

SJater. 
Setbec tdnn fte bad, unb Utber ifl ni<incl()e @^ele 

t)ecfuc^en; ob td^ euc^ ba^ t)ec{}anbltd) niad)en fann. 
®agt mir juerfl , tvann ifl n>ol unfec £et6 cec^t ge« 
fiutb? 

Sietrid^. 
SBenn unö ntcl()tl tDcl^ t^ut, unb toenn mic aüt 
unfere ®efdl)dfte gut t)ernd)ten fonnen. 

SBatec. 
Unb mann fagen mt , ba^ unfec Seib franC 
fei? 

Sietcid^. 
9Benn mt ©c^mecjen fn^Un, unb unfere @e* 
fc^dfte nic^t gut üerric^ten tonnen. 

aSater. 
SSenn e^ nun ber ®eele eined SRenfc^en tim 
fo ge^t, wenn fie ©c^merj ober 9Äif Vergnügen em= 
pftnbet; unb mnn fte in btefem 3uflanbe gat: nxd}t 
im ®tanbe ifi, zttoa^ ®ute6 ju beulen unb ju t^un : 
toa^ muf fte bann tcoi fein, gefunb ober franf? 

mit. 

Aranf ! 

aSater. 

9lnn, \oid)^t ®ee(en(ranf^eiten toxft i^ tuä) 
^eute einige befc^reiben, bamtt i^r euc^ bat>oc in 
7l6)t nehmen m6get. — ßrflenö giebt eö eine, unb 



i62 @{eeUnle$«e 

itoat eine fe^t 6if(td[^e, bie man ben «^af, ober 
bie ie\Unfd)aft M «^affed nennt. 

Sol^anned. 

St! 

aSater. 
3a »Ol, ft! JDenn ®(^anbe fAr bte SRenfc^^ett, 
baf e^ iema^H menfdS^ltdE^e ®eelen ^ab, bie mit bie« 
fer ^iflic^en ftcanfl^eit behaftet »aren ! 9Btf t i^r, 
morin f!e 6e{!e^t ? 

Wein! 

SBater. 
®ebe @ott| baf il^r fte au9 eurer eigenen Sc 
fa^rung nie miget fennen fernen! ®teUt tui) \>et, 
fte bef^e^t bar in, baf man £)emienigen; ben man 
Raffet, a((e6 SBife gSnnt; unb ftd^ freuet, n^enn i^m 
tttoa^ SSfe0 wiberfd^rt ! 

2(ne. 
Si! ia^ ijl t^ abfdf^eufic^. 

aSater. 
SBie i6) tn^ bor^erfagte. SSad meint i^r nun 
tücl, tann eine ^eele, bie fo gegen irgenb einen 
ÜAenrd^en gefinnt ift, tooi mit ftc^ felbfi jufrieben fein? 

Sol^anne«. 
9lein, gen)if ni(^t! 

Sater. 
Sber fann ffe ftc^ tool einbitben, ba^ ®ott, ber 
gfitige, liebeboSe 93ater, mit il^r jufrieben fei? 

3o^anne6. 
^m, gen)if nic^t ! 

SJater. 
jtann olfo eine fo{cl[ie 0ee(e tocl einer n^al^ren 
unb bauer^aften ®(fi(ffe({gfeit genießen? 



für ^tnber. 153 

?Rcm! 

9Ber glficEltd^ ifi, bec muß \a not^tvenbig mit 
ftc^ felbfl jufciebett fein , unb er mup »i jfen , bof 
bet liebe ®ott aud^ mit \\)m jufrieben ifl. 

aSater. 

JRid&tifl ! 2Clfo fann 3Der, ber einen JTnbern ^af* 
fet, unmöglid^ Qi&ilid) fein. Unjufrieben aber ^en, 
ben er f}a^tt, unjufrteben mit ftci) felbfl; brfitet 
feine ®ee{e nur (auter fä)toatie, ah\i)iuii(i)^ ©eban» 
fen a\x^, bie i^n felbfi am meifien qu2(en, unb il^n 
(inbern; tttcai ®uM gu benfen, {u reben ober lu 
t^un. SSerbient eine fol(i)z ®ee(e nun wo! nic^t, 
baf wir ffe Iran! nennen? 

Alle. 

3a, gemiß ! 

SBater. 

®o wie nun aber S^erienige, beffen 8etb fran! 
ijl, gemeiniglid^ me^r a(6 @ine Ttxt t)on Aran!^eit 
5U öleid^er 3«it empfinbet — j. S. Äopfae^, 8eibs 
fc(^merjen^ @tic^e in ber fövuft, Stximpfe im 9Ra« 
gen u. f. ». — fo pflegt auc^ biefe ®eetenfranf|^eit 
feiten aMn gu fommen, fonbern t)ie(me^r anbere, 
eben fo abfc^eulic^e Sranf^eiten mit ftd^ gu fuhren. 
Sine bat)on — beren bJfen ^amm ii) of)m 2Cbfc^eu 
nic^t au0fprec()en fann — wirb ber 9tetb/ ober 
bie SeibenfdS^aft be^ 9}etbed genannt. 

©ottlieb. 

2C^! baß ifl bie Jtranf^eit; bie SofepM ^^A' 
ber ^atunl 

aSater. 

®aii§ redE^t; fte waren mif&ergnAgt ober trau* 



l.H ©eelenU^ce 

ctg bar&bet/ ha^ e6 t^rem SSrubec tvo^l ging; baf 
bec äJater ^ a f o b t^n fo \)ovii^i\^ liebte unb ilE)m 
einen bunten 9to(E mac^^en lief. Unb bacin befielet 
ebm bec 9{eib. ®ie maren aber aud^ {ugleic^ in 
bec Seibenfd)aft be6 «^af[e6 ; benn fte ginnten i^cem 
acmen, nnfd!)u(bigen ^cubec aUt^ Ungtfid/ unb n^fic« 
ben ftd) gefceuet l^aben, n^enn^ i()nt ced)t fcf^Umm 
gegangen mice. 

3o^anne^. 

«Ratten bie benn nod) nid^t$ Don ®ott gebiet ? 

SBatec. 
2)u ^a{i mol 9tecl[|t, fo su fcagen; benn mttlxd) 
ifi e6 ia unbegceiflic^, mie X^ecjenige, bec ben lieben 
@ott aixd) nuc ein menig ^at fennen gelecnt, 
fo ai\(i)mii(b geftnnt fein fonne! Unb boc|) wav 
baö bi^r bec gall; benn Satob; bec felbfl ein fcom? 
mec üOtann mac, n)icb üecmutblici) nic^t unterlaffen 
^aim, feine Ainbec fc&^$eitig mit bem lieben ®otte 
befannt in machen; abec ebne 3n)eifel f)atUn fte 
auf biefen Untetcicibt nic^t ced}t gcad)tet, i)atun 
nxd^t oft genug bac&bec nac^gebac^t , ^aiun if)n in 
ben SBinb gefc^lagen. 6tn n)acnenbe^ üBeifpiel, 
wa^ avL^ ^inbecn n)ecben finne, n)enn fte etfl ans 
fangen, ftc^ bem Sfeicbtftnne ju ergeben, unb bei bem 
Unteccicbte unb ben @cmabnungen ibcec 2(eltem 
obec ?ebcec flattec]()aft ju fein ! S , prÄget biefed 
fcbrecflidS^e S3eifpiel tief in eure ®eelen ein, unb ^it^ 
tert t)oc bec ^abcbeit, baß aud^ gutec, frommer 
2Ce(tern £inber gottlob werben fonncn, menn fte ge« 
gen bk Ermahnungen t>er|lanbiger Seute nidbt in 
allen ®tücfen folgfam finb! 

5»ifola«. 

@iebt e^ benn nocl(^ me^c folc^e ^^f lic^e£can!^e1t«n 1 



för Äittbcr. 155 

aSater. 
Setbet! — @d giebt noc^ eine anbete, unb ixoat 
a\x^ eine rec^t fSrd&tetlic^e, bte man ben 3orn 
nennt 

9li!o(aö (fd^aubernb). 

aSatev. 
£)t^ fd^aubert? SRic^) attc^. S)en{t nur, »a« 
bad totebev f&r eine a6fcl()eultcl^e SetbenfcJE^aft t{i! 
@ie 6ejle()t in einer heftigen SSegierbe, timm Hn^ 
bern / bon bem man glaubt; ha^ er unö beleibiget 
l^abe, etn)ad Seibe^ su^uffigen. 

3o^anne6. 
D, bon ber ^ranf^eit ^aben mt aud) [((^on ge> 
|)5rt in ber ©efc^id^te ! 

93ater. 
IBei meld^er ®e(egen(eit? 

3o^anne«. 
£)a 3CUpanber auf feinen ^t^eunb Jtlituö 
sorntg n^urbe, unb t^n tobt {lac^. 

©ottlieb. 
Sa, unb auc^ fc^on t)or^er, ba Jtain feinen 
Sruber Tlbti tobt fc^lug. 

aSater. 
®ut, baß ilE)r mü) baran erinnert ; nun bta\xi)t 
x(i) euc^ nid^t erf} ju fagen, ma^ bad ffir eine xo&? 
t()enbe ^ranf^eit ifi, unb $u n>el(()en fdjirecElidS^en 
S3ingen fte bie SSenfd^en verleiten fann. (Sin got« 
ttiger ijl ein SRafenber, ijl fid) feiner nid^t rec^t be^ 
n>uft, unb ^anbelt haf)ttf mt ein toUed S^ier. 
ÜRan fottte il^n thtn fo, »ie bie SDBal)nftnmgen, cin^ 
fperren , um gu ber^öten , baf er feinen @d&aben 
anrichte. 



156 &eeUnUf)Xi 

®ottlxeb. 

(Stf^it^t Unn ba6 n\d)t ? 

aSater. 

SumeiUn tvoi ; aUv t)a bec 3orn eine pl5(f(t(^ 
auffietgenbe SSut^ tfi, bte man ntc6t Dor^crfe^en 
fann, fo tfl ber ©c^abe gemeiniglich) frf)ön gefc^^el^en/ 
e^e bie £)6tig!ett etR)a^ bat)on erf j()ct ; unb bann 
bleibt il^r nic^t^ me^r iitx^, ai€ hm Socnigen, jum 
abfd&rerfenben SSeifpiete föc Änbere, ju jlrafen. 

gecbinanb. 

HUt bie avmm 2mu fonnen ia tDot nic^t ha* 
ffit, baf xi)tt @eeU fo franf tfl? 

aSatcr. 

9Benn ba^ tü&tt, fo mäcbe e$ ungerecht f^in, 
fte {U befirafen ; ahev Ceiber ! fSnnen fte nur ju febr 
baf&r. ®oU icb euc^ eviif}Uxi, mt ftc^ biefe Stanh 
^eit anfingt? 

Einige. 

O ja! bamit tck un6 bat)or ^Aten f innen! 

SBater. 

©emeinigticb n>irb ber ®runb ba^n fcbon in bec 
frfil^ejlen Ainb()eit gelegt, ^a giebt ed einfi^Itige 
Beute, bie ben fleinen ^inbecn immer i^ren SBiUen 
(äffen. SSotten fte tttüa^ f)(ibm , gleicb geben ffe e^ 
i^nen ; tooUtn fte tttoa^ nid)t gern baben, ober nicbt 
gern t^un, gUicb unterbleibt e^. £)aburc^ t)ern)ibnt, 
fangen benn bie Ainber ^uerfl an, etgenfinnig 
SU n?erben; ba^ b^^f t, fte t»er(angen, ba^ immer ^a0 
gefcbebe, toa^ fte mfinfcben, unb bap Sadtenige 
ttidE^t gef(bebe, tt>a^ t^nen juwiber tfl. 97un ftnb 
|Te fcbon unerträglicbe tlum ®efcb8pfe. Salb ifl 
i^nen ^M, baib ^ened nicbt redbt; balb ^at i^nin 
Z)er, baCb 3ener ettoal nid|^t nac^ i^rem ^opfe ge« 



für Äintcr, 157 

mad^t S>a gtebt e^ benn ein etotge^ Sanfen, ein 

ewigeil @(^reien unb SBeinen. Wivb nun ber StnaU 

obec ba6 SRäbd^en etn^aö grSfec, unb f&i)Un fte 

fd[^on einige Sttafte, fo fangen fte nacb unb na^ 

an, alle anbere Xinber burc^ ®en)alt jwingen ju 

»oUen, S^a^jenige $u t^un, n>a^ if)mn gefällt, unb 

Sa^ienige su untertaffen , toa€ i^nen ntci)t gefiUt. 

S>ann gelten |te n^ol gar fo mit, S^iejenigen, auf 

bie |te bofe werben, su fc^impfen, in fiofen, }tt 

fd^lagen^ ober nadS^ ilj^nen ju werfen. 3^r f8nnt 

ben!en, ba^ ba^ ein abfd^eulic^e^ ®(^aufptel ffic at» 

(e t>etnitnftige ^tn\d}m fein muß, bie babei iu> 

gegen ftnb; unb baß biefenidSit unterCaffen werben, 

einem folc^en w&t^enben .Kinbe Srmal^nungen {u 

geben. SBoIIte e6 nun biefen @cmal;nungen folgen, 

wollte e^ nur ftc^ ein wenig ©^tüdlt ant^un , unb 

babei oft ®ott um feinen al())erm5genben SSeiffanb 

Sur S3efferung red^t htviliö) bitten, fo w&rbe e^ i^m 

bann nod^ (eic^t fein, fid^ t)on biefem ^dßlidlien S^^' 

(er iu beffern. £)enn, wad i^r fcbon wißt, fo lange 

bie ®eele nocl() jung i|i , f ann fte iebe Sugenb an» 

nel^men, unb jebe^ Safler ftd^ wieber abgewinnen, 

^ber we^e £)em, ber bamit jaubert! 2)enn je il^ 

ter wir loerben , befio fc^werer fddt eö unö , SDaöje* 

nige wieber abzulegen, wa6 un6 fcbon ^ur ®ewol^n< 

^eit geworben ifi. ®o gel)t ed nun einigen folc^er 

^inber. ®ie t)erfäumen bie rechte 3eit 5ur S3effe« 

rung , unb beffern fi(^> baf)er nie. 2^v äorn wirb 

immer fiäcfer unb unwiberflel^lic^er , bid fte enbtic^ 

gar fo weit fommen, al^ £ain unb ^(Upanber, 

bie greunb unb SSruber tihUn fonnten. — jD 

Xinber! Xinber! ®ott ber 3((ImS(l^tige bewal^re bod^ 

\a eure jungen @ee(en, baf fte fTc^ nie bem 3orne 



158 ^eeUnle^ce 

Aber einen \f)xtt SStfibei: Jffnen ! — @e()t ^m ein 
paar abfc^^redenbe Setfpiete fo^d^ec Vin0äixä)tn in 
tiefem SSilbe *) , mid)t9 tvit ju unfeter tiglid&en 
SSarnung auffingen n^oOen. 

J^m ijl erflen6 üorgcfiettt ein fleißiger, artiger 
unb tieben6mörbtger ^nabe, ber fein grSfte^ äJer- 
gnägen barin ftnbet, aUt SÜage flöger, ))erfldnbiger 
ttnb beffer ju werben. @c ifi aufmerffam in bm 
Se^rjlunben , freunbltdS) unb gefällig gegen feine ©e« 
fpielen , ]S)ilt auf £)rbnung unb 9{etnlicl)feit in allen 
@a(l()en, ttnb ifl ge()orfam feinen 2Celtern unb Se^- 
rem in allen fingen. 9Ba6 SBunber, baf er üon 
3(llen geliebt mirb? £)er zweite, ber neben i^m 
^t^t, ifl gerabe hau ©egentbeil t)on x^m, trdge, um 
ad^tfam, unfrennblicb , unorbentlidl) unb unfolgfant; 
n)ad SBunber, baf xt)n deiner leiben mag? ©leidb^ 
n)ol mi(bu er eS gern eben fo gut l^aben, ald jener ; 
unb mit ibm ba« nun nic^t gelingt, fo fängt er an, 
biefen feinen lieben6n)firbigen SWitfdf^filer gu Raffen, 
al§ tvenn er bie ttrfadf^e feine6 Ungl&dF^ tDJre. 
Aber er l^iaffet if)n nid).t ollein , fonbern i|l and) net« 
bift() aber ibn, ba$ l^eif t , er bttt&bt ffc^ Aber jebe6 
®ute, tt)elc^)e6 jener an fid^ i)at, ober tl^ut. ^tf)t, 
ft)ie 4>af unb 5Reib i()m auf bem @eft(ite gu lefen 
ftnb, inbem ee bafle^t, unb ftc^ ärgert, baf ber gute 
Anabe tvieber fo fleifig ifl, unb baf er befmegen 
tt)ieber Siebfofungen Don bem Sebrer nf)aiun mirb. 
9fui, ein bäflicbe6 S3ilb! 9Sir wollen unfere Zu' 
gen nur gefd^n)inb bauon abfelE)ren. 



*) Jafel III. 8. 



tör Äinbcr. 159 

©ottHeb. 

£>, ba^ {{} aud) vool md)t toaf)x, baß ed einen 
abfc6euli(i()en Änaben giebt; \>a^ f)at ber Äupfer* 
h^n n)ol nur etbac^t. 

SBater. 

2!cb mSc^te e$ f^lbj} glauben, ® ottlieb; mentg* 
jlen« ^offe ic^, baß e6 ro(d)e Ungeheuer nur feiten 
gegeben i)at. •— 9lun iOi^t un^ boc^) audf) bie jmeite 
^alfte unfere« 85i(be« anfeben. 

@ottlteb. 

gi l H iji ja »ieber eben fo »a« ®arj!ige6 ju fe^en ! 

ajater. 

5D3oUte ber *^immel, auc{) bie6 wäre nur eine 
ßrbicbtung ! — @e^t ba einen wfit^enben Änaben, 
Un ber 3orn n)a()nftnntg gemacK^t l^at ! 6r glaubt 
t7on bem anbern Knaben / idb n)e<ß nx^t, n?oburcf)? 
beleibigt ju fein. 2)efin?egen brennt er t)or S3es 
gierbe, ibm Seibe^ ^u^ufitgen; er ergreift einen 
^Xzxni unb o^ne ju bcbenfen, \>(i^ er ben 2(nbern 
bamit tSbten, ober n^enigflen^ um bie ®efunbl!)eit 
bringen fJnne, wirft er bamit nadb i^m. — Un* 
glurflic^er junger STOenfcb , »ie wirb e« bir ge^en, 
xottixt b\x nid)t hcMt anfangfl, bie gefährliche Aranf« 
beit beiner ®eele fennen ju lernen, unb i^r abiu« 
Reifen ! 2)u wirji ein SQSfit^ric^ »erben, ben ireber 
©Ott nocb SWenfc^ien leiben fJnnen , ben ®ott unb 
2Benfcben ftrafen mfiffen, um i^n burcb fc&merjs 
l()afte ?eiben jur ©rfenntniß feiner bJfen ®emfit^«5 
art \xn\> jur SSefferung ju bewegen. — 5Beg ötit 
bem fd^euilic^en 3(nbiide! 

3o^annel 

SBoKen wir biefe l^dßlic^en Seibenfddaften (k\x^ 
auffc^reiben ? 



160 ^eelenle^re 

UiaUt. 
3a, So^anned! n>tr tooUen fte auffcf^ceiben , um 
un^ tiQlld) mit 3CbfclE)eu ^u erinnern^ ba^ e^ folc^e 
gefä^r(ic^e @ee(enfranf^etten giebt, t?oi: welchen tvfr 
un0 1)&un m&f|en. ©age mir t)or! 

3ol^anned. 
Sie fieibenfcliaft beö *^affe« befielt bar« 
in/ bafi man einem 2(nbern SSSfe^ gönnt, 
unb fi^ freuet, »enn i^m Sofe« »iber« 
fd^rt. 

Später. 
3c^ ^ab'^. 

Sol^annel 
Die Seibenf(^aft be« 9leibe6 be{}e()t bar« 
in, bap man fid^ betrfibt aber ba^ ®ute, 
n)e(cf)ed einem 3(nbern toibtxfi^tt 

Später. 
Unb enblid^ ? 

3ol&anne«. 
£)ie Seibenfdi^aft be^ Sornd, n>eldbe 
eine S3egierbe ifl, einem 3Cnbern, t>on \>cm 
man beteibigt $ü f^in gUubt, tttoa^ ju 
£eibe ^u tt)nn. 

Sater. 
Unb nun fein SBort mebr baüon. — Äommt^ 
wir wollen au^det)en, um in ©efeUfd^aft guter Seute 
SU t?erge{|en, bafi eö jcmabl^ SJ^enf^en gab^ mid)t 
burd^ fd^marje Seibenfc^aften ftc^ biefe^ fdi)5nen 9ta< 
men^ unwert^ mad^ten! 



für Jtinbet. 161 



S)vet}el)nte§ ©efprddj). 



Secbinanb. 

SSSerben tt>it ^mU nc6) mtf^t t)on ben ()äf(td)en 
©eetenfcanfl^etten ^5ren? 

Setbec ffnb fie e^ nod!^ ntdS^t alle/ bie x^t gejietn 
fennen geUmt ]E)a6t! 

Sol^anned. 
3cl!^ moUte, bafi baö SapxUl erfl vorbei todre ! 

aSater. 
3d) aud) , 3olE)antte« ! — @ott icfc bie anbem 
ettoa fibetdel^en? 

3ol^anne^. 
£) nein! Wxt möffen fte ja bodS^ (ennen, um 
und bat)oi: in 2(c^t ^u ne]()men. 

aSater, 
£H\xn n)oi;)(! Sd;^ n>iU ed fo (uc^, als miglicl) (u 
raad^en fud^en. — »^iec ^abe x6) »ieber ein Silb '•^ ; 
fe^t ed an , unb bann mögt t^t fetbfi erratl[)en , an 
»etc^er £eibenfd[)afit bie ®ee(e bed 2)?anne6, bet ^ier 
Dorgeflettt ifi; fwnf lieget. 

sBlatt^xa$. 
Set grdbt ia ein ioö) in bie @rbe ! 

©otttieb. 
S>a ()at er )a aud^ einen Mafien neben ff^ fle« 
^en; iDad mag er benn bartn IS^aben? 



*) Safer III. n, 

C. <S>f((en(e6re. 12 



162 3eelenle^re 

SSater. 
3n bem Äaften f)at er ®elb, unb \>a^ will et 
J)ter in bie @rbe graben. 

©ottneb. 
3n bie 6cbe? 3, warum benn ba«? 

aSater. 
SBeit er feine Suf{ f)at, e6 ^u ettoad @uten an- 
jumenben , unb weil er of)ne Urfadj^e beforgt ifl , ba^ 
ed i^m mocl()te genommen werben. 

3ol^anne6. 
Älj) ! ba« »eip xö) fd^on , wa6 ber ffir eine gei* 
benfd^aft l^at. 

«ater. 
Unb waö benn ffir eine? 

Sol^anne«. 
Sie 8eibenfclE)aft be6 ©ei^e«. 

©ottCieb. 
Si! ein ©ei^^a»! 

aSater. 
3a,Äinber, e« ifl ein ©eisiger; ben il^r \>a fel^t. 
— Aber woran erfanntefl bu il^n Um, So^anneg? 

So^anne«. 
3, \>atan, H^ er ba« ©elb fo lieb l^at! 

SSater. 
@r f)at alfo eine S3egierbe; 9{et(^tl^flmer ju er« 
werben. — 3fl benn ba^ n\d)t ni)t, wenn man 
etwa« ju erwerben; unb ©a«; wä« man -erworben 
"^at, f){Af6) ju 9Jat^e ju Ifialten fuc^t? 3* meine, 
ba« tl^iten bie ©parfamen aud^; unb bie @par* 
famfeit ifl bod^ gewig nid^t« fßhftß. 

Sol^anne«. 
3a; aber — man muß bod^ nic^t gar ^u gierig 
nai) bem ©elbe fein. 



fär Jttnber. 163 

99ater. 
2>u ntemft alfo; ber Untecfc^teb ^tDifc^en bem 
©ei^igm unb bem ©pacfamen befiele 6(of barm, 
bafi jener eim gar ^u grof e, biefer eine mdf ige 
S3egterbe j^abe, |tcl!^ ettvad $u ertoerben? 

3ol()*anneö. 
3a! 

aSater. 
S>u f)a^ m(i)t Unte^t-j aber id) glaube bod), e^ 
giebt no6) mtn anbem Unterfct^ieb ^tfd)en SSet« 
ben , ber fid^tbarer ifi , at« biefer. — ® oju »finfdj^t 
|tc^ benn mot ber ®etjtge ba^ @elb? &ttoa ba^n, 
um ed SU feinem unb anberer SRenfc^en SSejien 
ansun)enben ? 

Sol^anne«. 
©er ba gewtf nidj^t ! 6r grdbf^ ja in bie 6rbe. 

aSater. 
3((fo btofi ba$U/ um e^ ^u baben, um ed s^ 
t>^ttoaf)ttn, o|ne irgenb einen guten @ebraucl^ 
baDon 8u madj^en. — ffioju bemfil^t fidj^ aber bn 
@parfame/ etn)a^ ju em^erben? 

^ietrid^. 
Um e^ $u gebraud^en. 

JBater. 
Unb moju? 

©ietrid(). 
3u feinem unb Änberer SSeflen. 

aSater. 
SRic^tig! @e^t ba, ein SSeifpiel an ber grau 
be^ ©einigen! Diefe i^ aud^ bemalt, burc^ 2Crbett 
unb ©parfamfeit Hwai ju erwerben. 2(ber tt>oju? 
Qttoa, um e« audj) ju »ergraben? 5ftetn! ®e^t 
auf unferm äSitbe ben ®ebraud!^, Un fte Don ibrem 

12* 



164 @eeUnUif|Ke 

UeberPuffe su machen fucj^t: jte l)xlft bamit ben 

](cmen. 

©ottlieb. 

2)a^ ijl nod) eine gute Srau ! 

Sol^annel 
®dtfo\>^t baf {te fo ein^n ®et$^a(6 $um Spanne 

bat! 

aSatei:. 
Äonnt i^t mit nun fagen, tt>aö bec ®eij eigent^ 
lidf) ijl? 3ci> tüill e« gleich auffdf^ceiben ; Sol^anne«! 

SolE)anne6. 
2>ei: ®et{ ifl eine S3egietbe nad!^ 9iei4)« 
t^fimecn, ni^t um fie gut ansuwenben, 
fonbern blofi, um fie ju t)er»alf>cen. 

aSater. 
@ut! — »^iec ijl ein anbete« Si(b*); fe]f)t 
^er, tt>a6 barauf üocgejieüt »icb ! 

gerbinanb. 
7lf)\ ein gepu^ter JQttv, ber einem SCrmen etmaö 

giebt! 

!D{att^ia«. 
SBamm fle^t er benn fo jleif, unb fie^t ftd) fo um ? 

©ottlieb. 
Unb tt>acum mag er »ol bie *^anb fo t)o6^ 

^)cilten? 

aSatec. 
2Ctte« au« einer einzigen Urfac(^e, bie if)r »ol 
\i)mtiii) errat^en »erbet? 

@ Ott lieb.. 
3a! »er fann ba« wiffen? 



♦) ttafrt IV. I, 



für Äinber. 165 

9}un t xd} toxU fagen : bte ®ee(e btefe^ SRanne« 
tfl 9(ei*faW franf; Hebe Ätnbec! 

3o^anne^. 
®oran benn? 

aJater. 
Tiud) an einer fc^limmen Seibenfc^^afc, bte ben 
Wtm\6)m f ber bamit bel^aftet ifi ; fe^r elenb mtK^^t 
^oxi nennt fte ben Sl^rgei^ unb bte Stu^m- 
fud)t. 

Sol^anne«. 
S^<i[}Ci\ nun n)etf tcl(^ fd^on/ marum er bte «f^anb 
fo \)hx, unb n)arum er ffd!^ fo umftel^t! 

aJater. 
9lun? 

So^anne«. 
@r wtU/ bafi bte Seute fel()en foll^n, wie t)tel 
®e(b er bem armen !0}anne gte6t; unb beßwegen 
fte^t er jtd> um, ob aud^ 3emanb ba tfl, ber ed be» 
merft. 

aSater. 
©etroffen ! @ef)t tbr nun mol, tvortn bte Äranfc 
bett biefed 3Ranne^ bejlebt? @r t\^\xt 3(Ue6/ wa« 
er Dornimmt; ntc^t etn)a beftvegen, n)ei( e6 gut, 
metl ed ^fltd^t iji, mxl ed ®ott gefjat, fonbern 
b(of unb aUein befmegen, um baffir getobt ^u 
toerben. 

©otttteb. 
£)a^ t{} ja bumm! 98a^ Ib^t er bemt bat)on, 
menn tl^n bte Seute (oben? 

aSater. 
S^a^fÜti^ti ©ottlteb; bad Sob unb ber Säbel 
ber SRenfdben mad!)en un^ mdbt ein S^aat breit bef* 



r-' 



166 <S^ee(enle^re 

fec ober f^ttmmet; ai^ wxt t)otl^et tDarett; aifo 
fodte man barum etgent(i(l[) gar nx<fyt^ t^un. 2)ucd^ 
9tec{)tt^un unb burc|) @er(l(^td(tcl^fetten {t(l(^ bie Siebe 
fetner 9le6enmenfcl^en i^u ertoerbett; ia, baö ijl eine 
anbere Sac^e, bad fann nn^ wtrftid^ gtöÄßdS^er 
machen; benn mnn nni t)iete 9)tenfd)en tieben^ 
fo fuc^en auc^ t>tete SRenfdj^en nxt^ %vtubt $u ma- 
digen unb unfere SBo^tfa^rt auf alle SBeife ju be« 
f^rbem. 2)a ^aben voxt e^ alfo tcittixd) gut. Sber 
bag bloße Sob unb ber "XabH t^erfltegen in bie iixft, 
wie bie SBorte/ n>oburd[^ fte au^g^^^^^^ n)urben. 3fl 
e« a(fo nid[^t tlE)irtcl()t, nm fo einer ®eifenb(afe n)iU 
Un enva^ $u t^un? 

©ottlieb. 

3q; ba« ifl tt>a^r! 

ajater. 

Ueberba^ ^5rt ja auc^ ba^ ®\xu auf, tttoai ©u- 
te^ SU fein, mnn man e^ blof befivegen tl^ut; um 
ftd^ grof bamit ^u machen t)or ben iixxun, nm \xd) 
baför loben ju taffen. Dber fann man wol fos 
gen , ber üRann ba auf unferm Silbe ^abe ben Ar* 
tmn an^ ÜRitleib ober um ®otte^ toxüm ttxoai ge» 
geben ? 

3obanned. 

9}ein; er tf)nft ja bloß, um ftc^ feigen ^u 
laffen! 

aSater. 

2Clfo ifl S>a6, wa^ er tiSiut, feine tugenb^afte 
4)anblung SU nennen? 

3olj)anne«. 

Wein! 

SSater. 
4)tesu fommt noc^ bie^^ ta^ ber Sorget} bie ar» 



fui- itinbei:. 167 

mm ieuu, bte bamit ansejledt ftnb, unau^fpcec^« 
lid) elenb mac^t. S)entt ba fte il^re gan^e ®(&dfe« 
ligfett batin fegen / t)on 2(nbem getobt $u tDerben, 
fo tt)iberfdlg)rt i^nen alle ^fugenbßcte ettoa^/ worfibet 
fte mift)er9nögt werben. S9a(b ^aben bie £eute gar 
ttid^t bemerft, baf fte ettva^ Soben^wfirbtge^ tl^aten, 
unb fd^metgen a(fo gan^ fliU bat>on, balb geben {te 
t^nen nic^t £ob genug , unb halb ftnben ftcf) gat 6t' 
nige; bie t^r SSetragen tabeln. Sa iji benn ein 
fol6)it el^rgei^iger SStenfc^ immer unjufdeben mit 
btn ÜRenfc^en, mit feinem ®d)i(!fate unb mit 
ffc^ felbfi, unb mnn er Sbrigen^ and) nod) fo Diele 
Urfad)e l^dtte, u6)t Dergn&gt unb glöd(idE) ^u fein. 
— ®inb bad atfo nic^t and) recl[^t beftagendtDfirbige 
£eute/ bie \i(S) Dom S^rgei^e teiten laffen? 

2£(te. 

So/ gewif ! 

aSater. 

3d) IS^abe eudj^ »erfprod^en , mid) bei biefen See» 
Un(ran!(^eiten nid)t lange auf$u][)alten ; alfo toeg 
auö) mit bem SSilbe! ^Ut iji nod^ ein britte« *)! 

!Rifola^. 

H^l wa^ ifi benn baö? Der fd^^ldgt \id) ia tool 
felbjl t)or bm Äopf ? 

ajater. 

3c^ n)ill eud^ bie @efd)idf)te biefe6 jungen SRem 
fc^en er^d^len; bann miget il)r abermal^l6 felbfl 
errat^en, toai feiner ®eele tDol eigentlid) fel^len mag. 

©ottlieb. 

D\al 



*) ««W IV. 2. 



168 ©eelenleH« 

ajater. 

2)a btefec !3&ng(mg noc^ ein Stnaht, unb in fei« 
mm t)dter(id^en J^an^t tcav, faxten ii)m fein SBa« 
ter unb feine iet)vtt oft, baf er ftdE) ja bemühen 
mige/ ted^^t t^iet ^u lernen/ toeil man (finftig ein- 
ma^t/ menn ec erji unter frembe £eute fime; t)te( 
Don i]E)m fobem to&rbe. 2(ber — id^ meif nid^, 
tote ed fam — er ^attt gar feine £ufl^ ettoad §u 
Urnen. 

9}ifota«. 

Äeine ?ujl? «^m! 

Später. 

3n ben £el^rf{unben (ernte er ba()er nur wenig, 
unb auf er benfeCben bra(j^te er feine meijie 3eit mit 
«l^erumtaufen unb mit @pielen ^u. 

So^anne«. 

Hai ifl tfoai ®d)imi ! 

aSater. 

6r tooUU ein Kaufmann »erben ; unb bie 3eit 
n»ar ba , H)n in bie £el^re ^u t^un. ^er Aau^ann, 
}U bem er gefdl^idt n)urbe, meinte ed rec^t gut mit 
i^m; er n)oUte i^n gtei^^ auf feine ®d)rei6jhtbe 
nehmen, bamit er in fo(c^en fingen ftd^ iiU, 
bie IM einem gefc^idten Aaufmanne erfobert toerben. 
iDabei fegte er aber nun fceitic^ t)orau^, ba^ jener im 
JRedS^nen unb ©einreiben, in ber gran^Jfifd^en unb 
Qn^i\f6)m ®prac^e; ftd[^ bie einem jungen Äau^anne 
nit^igen ®efc^id(i^feiten fdS^on i\x ^aufe erworben 
|)abe. Sr befaßt i^m atfo ; jur ^robe einen gram 
sSftfd)en SSrief an einen ^au^ann in SRarfeiUe 
}u fd^reibeu; unb eine ated^nung ffir benfetben au^* 
SUjiel^en, unb tief i^n aUein. £)a faf nun ber arme 
®(i}ttm, unb bif fTc^ bie 9}($ge( ab, .weil er ntäjt 



fut: Jlinber. 169 

ron^tt, mie er ba§ anfangen foUte. (&^ toat i^m 
unmh^üd), \otool ba€ @ine^ al$ and) bad 3(nbece 
%VL @tanbe {u bringen, unb er geriet)^ ba^er in 
bte inf erfle SBerlegen^eit. Sa badjtt er nun ^urfid 
an feine Derfd^menbeten 3ugenb)al()re, unb feuf}te 
laut: „Z<i)f voa9 bin xi) \>od) f&r ein unt)er{idnbiger 
ÜRenfc^ gemefen , ba^ x(i) bie @elegen^eit , etn>a^ ju 
lernen, nic^t beffer gen&ftt I[)a6e! ^a^ fott nun 
au« mir werben?" Snbem er biefe« fagte, fdj^lug 
er ftd^ mit ber •f)anb Dor bie Stirn , al« wenn er 
ftd> bafur bejirafen moKte, bafi er nid^t fleifiiger ge» 
»efen wäre. Unb in biefer Stellung ifl er ^ier ah^ 
gebilbet werben, dimx fagt mir, in weldS^er Seibem 
fc^oft mag ie^t »ol feine ©eele fein ? 

5»ifola6. 
3n ber ?eibenfcl^aft ber Sraurigfeit. 

aSater. 
Unb wor&ber empftnbet er benn eigentlich biefe 
Sraurigfeit ? 

5»ifola«. 
3, barfiber, baf er fo faul gewefen itl! 

aSater. 
2(lfo baräber , baf er ^ttoa^ nxöi)t rec^t gemad[)t 
l^at? 

giifola«. 
3a! 

SJater. 
!Run, wollt i^r wiffen, wie man eine folc^e Srau« 
rigfeit Aber 6twa«, bad man ni(l(^t gut gemad^t f)at, 
lu nennen pflegt? — STOan nennt fie — JReue. 

Sietrid). 
£), bie Seibenfc^aft ifl bod^ nic^t fo Wi^f ^^^ 
bie t)origen! 



170 ^etienU^ii 

Sater. 
66 ifi eine fe^t j^^etlfame ®emät^d6ett)edung f&t 
£en , ber nun einmal^^l unredj^t ^e^anUlt f)at ; unO 
bod^ toitt fe^v ^tt »önfc^en , baf otte ÜRenfdj^en auf 
immer frei bat)on blieben. 

3ol()anne8. 
3a, weil man erfi etma^ SS&fed getrau l()aben 
muf , e^e man Steue empftnben fann ! 

aSater. 
fRit^txi ! Sroiget i^r atfo and} btefe 8etbenfdf)aft 
nie anber«, att auf unferm Silbe fennen lernen ! 

@ottlie6. 
D, wxv n)oUen ixn^ {d)cn in Zi}t nehmen ! 

9Sie ifi ed benn bem jungen SRenfc()en nad)(^er 
gegangen ? 

aSater. 

£)a fein «f)ecr ^ur&cffam; fanb er, baf berfelbe 
nicl[^t6 t)on Sem gemacht l^^atte, wa^ er if)m aufgege- 
ben , unb l^^orte ju feiner SSerwunberung , baS 
er baDon no^ nic^t^ t)erjidnbe. !Eßad feilte er nun 
mit i^m ma(j^en? Znf ber @cbreibfiu6e (onnte er 
t^n unmiglic^ gebrauchen , unb anbere ®^\d}liftt 
f^Mt er nid)t ffir i^n. 2)a fagte er alfo ju i^m : 
er mige fo gut fein / unb lieber l^inge^en ; n>o er 
^ergefommen fei, um erft etn)ad ^ix lernen/ tf)t er 
ein Kaufmann merben n)o(le. ®0 mufite er alfo 
fein S3&nbel \(i)n&tm, unb mieber nac^ «^aufe 
reifen. 

So^anned. 

2>a« wirb ein fc^iner Änblitf f&r feine Äeltem 
gewefen fein, \>a er fo n)ieber anfam ! 



fdt Stxnhev. 171 

2)ad f&nnt il)r benfen! — Unb toa^ fottten 
fte nun mit i^m mad|)en? ®ie muften t()n wieber 
in bie ®(i)u(e fc^^icfen; unb ^wat, mxi er noc^ {o 
Uf)t unuoiftenb mar, in bie @c^ute ber aUerfUinfien 
Äinber. ©e^t ba! auf biefem Silbe*) ifl er üor« 
gefieUt/ n)ie er nun $um erjien 2Ra^U wieber $ur 
@(^u(e delE)t. 

gerbinanb. 

Siad maö)m benn bie anbern beiben «ftnaben 

aSater. 
2)ie wunbern ftc^, btn iungen Kaufmann auf 
einmai)l wieber in einen @c{)uCfnaben' oermanbett 
i\x fe^en. i/®ielE)! {te^!" fagt ber 6ine gum 2(ns 
bem f tnbem er mit bem Singer auf i^n jeigt , „ ift 
bad nic^t ber grofe .ftilian — fo f)xt^ ber junge 
ÜRenfd) — ber t>or t)ier$elS)n Slagen nad^ «^am« 
bürg reifete ^ unb ein Aau^ann werben wollte ? " 
— //3ä# JÄf" antwortet ber Jfnbere, „ba« iji er! 
Ser muf ftd) wol fd)in aufgef&^rt baben, ha^ er 
fo balb wieber ^ur&cffommt!'' ^er junge SDienfc^ 
birte biefed t)eräd^tlid)e Urt()ei( &ber fid), unb e« 
war x\)m babei 5U SDtut^e/ al« wenn i^m Semanb 
einen @ticl^ in6 «^erj gdbe. ®e^t/ wie er bie Tlu^ 
gen nieberfc^ldgt ! ^ie er fein ©eftc^t wegwenbet/ 
aii wenn er einen £)rt fud|)e/ wo er {td^ t)or ben 
3(ugen ber 2Renfcl[^en t)erbergen f&nne. 3n weld|)er 
Seibenfd^aft, glaubt i^r nun, ba§ je^t feine @eeU 
fei? 



♦) «afel IV. 3. 



172 eieclcnlc^re 

(St fd^dmt P(^. 

SJater. 

(Sttat^m ! @r f&f)it bte geibenfdf^aft bw @ ^ a m. 
®a« lE^eif t baö nun »ol mit anbern SSBorten ? 

Sol^anne«. 

@r tji betc&bt batuber^ bafi er au^gelac^t 
mtrb. 

SJater. 

Obec^ baß er fid) t)era(i)tet fte^t. — Äud^ bie« 
tji, n)ie H)t benfen fonnt/ feine fuge Smpftnbung. 
3a, »enn il^m fein »^erj fagte, baß er ni^t »er« 
btene, r)on Änbern t)erad)tet ju werben, bann mid(^ 
ten bte imu fprec^en, tvai fte wollten/ bad würbe 
il^n ntd)t f&mmern. Zizt ju f&IE)(en, baf man bte 
Sßerad^tung ber ü){enfc{)en t)erbient f)atf ba^ 
fdS^merjt! ba« greift an6 *^erj! — 2ßfo au6) 
baDor l^fitet eud), baß xf)v nie @twa^ tf)ut/ baö tndi) 
mit Sted^t t)erädf)t(icl() machen fann. ^aht t^r euc^ 
bat)or immer forgfäUig in Ädf^t genommen , unb 
fiUt e^ bennodl^ einmaf)( @inem ein, eud^ etwa^ 
JBJfe^ nad^jufagen: feib unbeforgt! Äein bratjer 
SDtenfd^ wirb bie SSerleumbung glauben, unb in 
fur$er 3^it wirb ben SSerleumber felbji alle bte 
@cl^anbe treffen , bie er eud^ unt^erbienter SBeife ju 
bereiten fuc^te. — 

5Wun, bie6mal)l foUt i()r mir ber Steige nad^ t>or» 
fagen. ©ictrid) mad)t ben 2(nfang. 

Sietrid^. 

SBir IS)aben i)mu juerjl fennen gelernt bie itp 
benfd^aft be« ®eije«. 

aSater. 

Unb worin bejianb biefe? 



fär ^tnber. 173 

^atin, baf man eine SSegiecbe na6) 
Sftixä)t'^&m^tn f)at, m6)t, um fte auf eine 
üern&nftige SSeife $u sebtaud^en, fon» 
becn 6(ofi^ um fie $u ^aben. 

Später. 
®ut ! — 9lun, Soj^anne«, weiter ! 

So^anne^. 
6d folgt bie Seibenfcl^afit bed 6f)cgei$e^; bte 
in einer SSegierbe nai^ Sobe be1tef)t. 

aSater. 
Äud) gut! — 9lifotag! 

!Run f ommt bie £elbenfcl^aft b e r 9i e u e. 

SSater. 
Unb toa^ ifi benn bie? 

9iifola«. 
Sine SSetrfibnif bar&ber, baS man et« 
wa^ fd^led^t gemad^^t ^at. 

©otttieb. 
9hin x(j)\ 9licl^t Xüaf)t, aSater? 

aSater. 
3a! 9lursu! 

®ott(ieb. 
2>ie Seibenfc^aft ber ®ä)am i{l aud^ eine 
SSeträbniß/ unb ^mar baruber, baf man 
Don anbern Seuten \)tta6)ttt mirb. 

SSater, 
SBo()n -^ Sreuet ^ni), Ainber, nun {tnb wir 
f&rö er({e mit ben ^dfilic^en ®eeUn(ran!^eiten fer» 
tig. SRorgen finnen wir wieber t)on etwa« Tin^f 
ne^mern reben. 



174 ®eelenle|^te 

SSier jct)n te§ ® efprdd). 



^eute \itf)t \a Später cinma^t toteber red)t t)erdnfigt 
au«! 

ajatcr. 
9Bte tSnntc td) anber«, ba td^ eben an etwa« 
2(n9ene()me« gebac^t b^be. 

STOatt^ta«. 
9Boran benn ? 

aSater. 
3(^ badS^te fo ^htn an meinen unb an euren 
Sob, ber t>ieUetd^t balb erfolgen tann, 

3of)anne«. 
Salb? 

SJater. 
^a, mv mx^l ^d) badete namltd^: ba betne 
ÜRubme, bte (ur} t)orl^er nod) fo frtfd!) unb gefunb 
au«fab/ neultd) fo plSgltd!) geflorben tfl, fo f&nnte 
un^ ba« ja auc^ tüol hzQt^ntn- 3d) fledte mir alfo 
red^t Uhf)aft t)or, ba^ Dielleid^t in einigen äBoc^en, 
ober in einigen Sagen ^ audj^ mein tobter Seib im 
®arge liegen, bann in bie 6rbe gegraben unb üon 
SB&rmem n)erbe gefreffen n)erben. 

©ietrid^. 
Ba« t{t ja aber nicht« 2Cngene^me« ! 

SJater. 
Bie« nun fteilid) nic^t; e« ift im (Srunbe raeber 
etwa« 2(ngenebme«, noc^ zttioa^ Unangenel)me«, 
weil ber tobte Seib gar nid^t« t)on bem meif , gar 



för ^inber. 175 

nid}t^ t)on bem f&1)ltf tvad mit i^m t)otgenommen 
wirb. 2Cber wa« barauf folgt, »a^ un« fetbjl — 
id) meine ^ unferer <SeeU babei tviberfd^ct, ba^ t{t 
etma^ TCngene^me^, unb baran f)atte id) eben je|t 
gebac^t. 

©ottlieb. 
®a« »iberfä^rt benn unferer ®eele? 

aSater. 
9Sa^ xbt n>iberfd6rt? X>a^, tüa^ ber Staupe 
tüxbttfat)tt , mnn fte bie unf5rmlid)e ^iille abjbeift, 
unb atö ein fc^iner Sd^metterling babon fliegt! 
®laubt xf)t nid)t, bag ber Schmetterling {td^ bar» 
aber freue , mnn er auf einma^l \id) fo leicht fu()lt, 
auf einma^l ftd^ in ein biel f)uh\(i}ttt9, t)iet beffere^ 
SBefen Dermanbelt fte^t, unb nun fiber taufenb fdjh 
nen SSlumen umherflattern, unb aud xt)ttn Ael(i)en 
fußen «^onig trinfen (ann, ba er Dor()er träge unb 
tangfam auf einem einzigen S3(atte trod^ , um ed ^u 
benagen? Unb glaubt x^t nic^t, bag bie Siaupei 
n)enn fte biefe 3$ern>anblung bor]^erfeI)en (5nnte, andfy 
fd^on ium borau^ pi} barfiber freuen to&rbe? 

3o()anneö. 
O K gans gewifl ! 

aSater. 
9lun, unb id^, ber idj^ n^eiß, baf mir bei bem 
3;obe meine« £eibe« eine noc^ biel gr5flere , btel ^err? 
lidj^ere 93em)anblung beborf}eI)t, follte an bie ®tum 
it, in toelcf^er biefe S[}ern>anblung mit mir Dorge^en 
wirb, nid^t mit greube benfen? follte mid() nidftt 
barfiber freuen, baf id^ an einen Ort fommen 
»erbe, ber ttod(^ Diel ftiS^iner, al« biefe fc^)8ne ßrbe, 
ifl, unb n>o id^ alle meine berfiorbenen Sieben mie« 



176 ©eelenle^te 

betftnben »erbe, um emig — emig gtfitfüc^ mit if)- 
nen )u fein? 

3o^anne6. 
3a, aber wol[)er weif man benn ba« fo geraifl, 
baf bte @eele nic^t flirbt, fonbem emig lebt? 

aSater. 
^ober man bad n>eiß? — @rinner{l bu bid;^ 
nt4>t me^r, t)on n)em n>ir/ bte tvxv Arifien l^eifen, 
btefe trofheic^e 5Wad)ri(^t erhalten ()a6en ? 

3ol)anne0. 
D ia ! 2(ber td^ n)oUte nur fagen , n>te nun bte 
Seute , bie feine Äriflen ftnb , e« »iffen f Jnnen , baff 
ibre Seelen unflerblic^ ftnb ? 

aSater. 
3(^ w'xil bir ba^ S3t(b eine^ ^anm^ geigen, 
bec lange üoc Ärijli ©eburt gelebt f)at ©acauf 
wirjl bu t)on felbfl feigen , wie bie weifen unb guten 
9)?enfcl!^en be$ 3((tertl^um^ e« gemacht ^aben, nm 
von biefet wid^tigen SBa^r^eit äbetjeugt $u werben. 
®ielS)e ba *) ! 

3ol&anne6. 
X^! ba« ifl gemif ®ofrate6! 

ajater. 
SBol^er weift bu ba«? 

3otianne6. 
SBeil er eben fo au^fte^t , ald ber Aopf, ben 93a« 
ter ^at, unb weil er im ®efjngni(fe ft^t, wie ®^ 
träte« auc^ ti)at 

aSater. 
^afl Siecht, Sol&anne«! Qt ijl«. — 5nun, m^ 
fö)mt bir ®of rate« l^iec }u tlS^un ? 



*) Xafrt IV. q. 



för ittnber. 177 

@c benft toot&izt nad). 

aSater. 
Unb moc&ber meinfl bu mot ? 

3o()anne0. 
£)/ td) n>etfl ea n>ol nod) au6 bec ©efc^id^te! @r 
benft aber bte Unjlerblid)fett ber <Seele nach. 

aSater. 
9iic{)tig! 2Clfo bucc^ b(ofle$ Stac^benten er- 
fülle @ofrated/ bafi feine @eeU un{ier6lt4> fei. Unb 
toa^ meinfl bu nun tooi, bafi er bacfiber gebac^t 
l^abe? 

3of)anne«, 
3a/ tx>er fann ba^ n^iffen! 

aSater. 
©Ificflic^er SSeife IS)at einer feiner ©dj^filer Xtte« 
aufgefd^rieben , n>a6 er in ben iegten 2!agen feinet 
Sebend get^an unb gefprodf^en t)atf unb barau^ fSm 
nen n)ir \z^m, tok er ed mad^^te, um \ii) t)on ber 
Unfierblic^feit feiner @ee(e ^u uberjeugen. 

3o^anne0. 
9Iun/ tDie mad^te er'^ benn? 

aSater, 
3^r wifit/ koa^ i^m n)iberfa^ren toat-y \\)t tc'xit 
an^, tvie gut unb gemeinn&^ig er immer gelebt 
iS^atte. 3^|t faf er nun ba im ©efdngniffe, um 
f&r bad ®ute, \ca^ er get^an ^atte, ben 2!ob ju 
leiben. Da bac^^te er ungefähr fo: ,/®ott ijl 
gen)if i^oc^fi g&tig unb ^hdjil gereci)t; er belohnt 
a(fo auc^ gen)ifl aUed ®ute, unb beflraft a(Ie6 S3ofe. 
fSKiö) tooUen bie unt)ernunftigen fSienfc^en baffir 
t&bten , bag idf) fo r)iel @ute« get^an \)ait , a(d id^ 
fonnte. 25a« fann bem lieben ®otte boc^ unm!g= 

(5. ®ttimttixe. 13 



178 ©eelenle^re 

Itc^ n)o^(gefatten, mett er ^md)t tfl; unb tottl er 
fo d&ttg tfi, fo wirb er e6 mir gen>if barum voof)U 
9el[)en laffen, bafi ic^ unr)erbtenter SBeife gelitten 
^abe. 9Benn nun aber meine @ee(e mit fl&rbe, 
tnbem mein Seib flerben w\v\>, fo (Snnte @ott e^ 
mir ja nidj^t tmf)t »o^lge^en laffen, »eil ic^ bann 
gar nidf)t mel^r »äre. fKeine ®ee(e wirb alfo ge» 
n)i$ nic^t mit fierben , jte n>irb gemifl (eben hUiUxtf 
wenn mein Seib ben ®iftbedber getrunfen t)at'j ®ou 
M ®Äte ifl mir Sfirge baffir." 

3o^anne6. 

Sa, \>a$ ifi arxd) tüa\)V'j mnn feine @eele mit 
geflorben wäre, fo ^dtte ®ott if)n ja nic^t mel^r be- 
lohnen f innen! — 2fber f^am benn ©ofrate« 
fonjl feine ©rfinbe, worau« er wiffen tonnte, baf 
feine ®eele unflerblid) fei? 

aSater. 

er ^am beren me^re. Aber, anftatt, baß td> 
f!e z\x6:i tt^a\)U , wollen wir \xnt lieber einma^l an 
feine ©teile fefeen , unb t)erfucf)en, ob unfer aSerjlanb 
nldflt avi^ irgenb einen ®runb für bie Unjterblic^* 
feit unferer ©eele felbfl erbenfen fJnne. SBilbet 
eudS^ einmal)l ein, 3eber Don un« wäre ein f leiner 
®ofrate6; wir wfinfd^ten jwar, baß unfere (Seele 
unjterblic^ fein mid^te, aber, ob fie e« wirf lief) fei/ 
ba6 ISidtte bi^^er fein ÜRenfc^ un^ mit @ewtß^ett 
fogen Sinnen; wir wollten alfo tjerfudjen, ob wir 
ntc^t etwa im @tanbe wdren, un6 felbfl bat)on i\x 
fiberjeugen. — SBie warben wir bad nun wol an* 
fangen? — SQBo^lan! ic^ will euc^ erjl auf bie 
®pur Reifen , bann wirb eure ©eele wol r)on felbfl 
ftinjufinben wiffen. Sagt mir erjl, xoai gefc^^te^t 
benn wol mit unferm £eibe, xoznn er jlirbt? 



für Jtinber. 179 

@r tann ftd^ ntc^t me^r rfi^ren, unb bann 
fängt et an 5U faulen. 

aSater. 

Sttd^ttg! Sr fann ftc^ nii^t me^r r&l|^ren — 

ba^ (^etflt bodf) n)o( eben fo biet, a(^: er liegt gott) 

iittt, er fann ftd^ gar nic^t me^r betoegen, unh 

m feinem Innern ift auc^ feine SSemegung me^r? 

3olS)anne0. 

3a! 

Später. 
Unb bann fingt er an / iu faulen ober ju ut^ 
tiefen ; unb to'u ge()t^ bann bamtt 5U ? 

3ol(^anne0. 
3/ er fünft, unb bann fallt er luUit gan} a\a 
einanber. 

Später 
SBenn er jHnfti fo mfiffen ja mo( Heine Zueile 
t)on i^m ftd^ abfonbem, unb un^ in bie 9}afe fite» 
gen; nic^t? 

3ol()anned. 
3a! 

SSater. 
Unb menn er, toit bu fag{{, au^einanber fdflit, 
fo m&Wm ja auc^ mol bie 2!^ei(e, bie Dorl^ier )ufam» 
men^ingeu; ftc^ t>on einanber trennen? 

3ol()anne6. 
3a! 

SSater. 

UM, toa$ bem Jtirper tt)iberf(J^rt, inbem er 

fiirbt/ befldnbe atfo mo( barin, bafi erjien^ atte 

SSemegung in i^m auftritt, unb bann jn^eiten«, 

baß feine Sf)ei(e aufgelJpt, ober t)on 

13* 



180 @eelen(ef)te 

einander getrennt metben. ^ii)t toaf)tl 

3o^anne^. 

3a! 

5Bater. 

9hin n^tffen tüxt al\o, mad fterbcn etdentltd^ 
^etft; unb nun Ünnen tüit unterfuc^en, ob bte 
Seele tt>ol aud) jlecben ttnne. — ©er ?etb tfl 
tobt, fobatb er fii) nxdjt mtf)v ben^egen fann, unb 
fobaib bte SSemegung feinet «^er^en^z feiner Sungen 
unb feinet S3tut^ aufl)&rt; benn biefe S3en>egung ifl 
eine Sigenfc^aft, bie er not^wenbig I)aben mui, 
wenn man tbn einen (ebenbigen Seib nennen foU. 
2(ber foUte biefe S3en>egung tvoi ihen fo notlS)n>enbtg 
jum iihm ber ®ee(e ge()8ren, fo bafi arxd^ fte auf- 
^8rte/ SU (eben, fobatb ffe (einer 83emegung mel)r fd^ 
^tg mdre? 

©letric^. 

@ie fSnnte ja nodf) benfen, toenn fte auc^ 
gteidS^ immer auf einer ®teUe bliebe. 

aSater. 

9iid$)tig! @o (atige fte benfen, ober ftdS^ etma^ 
oorfletten (ann, tfl fte noc^ immer eine (ebenbe 
®ee(e, unb jum 25en!en gebort, fo wi »ir »iffen, 
bie S3ett>egung ntc^t. 2C(fo barin wäre fte ^uerfi \>on 
bem ^5rper unterfdS^teben , baf fte (ebenbig bliebe, 
toenn aud^ gar (eine 83en>egung in i^r ober mit i^r 
t)orginge. 

9lun (afit un^ ba^ 3n>eite betrad^ten, tca^ bei 
bem Sobe be^ Seibe^ mit i^m gef(^iei)t: bie tin^zU 
nen Z'^txU, a\x^ Mld)zn er befte()t, werben r)on eim 
anber getrennt, ober l5fen ftc^ auf; (ann benn ba^ 
mit ben einzelnen Zf)üUn ber ®ee(e nic^t auc^ ge« 
fc^ie^en ? 



fär Jtinber. 18t 

Sol^anned. 
% bte f)at \a gar feine Steile! 

Später. 
5IBentgjlen« ^abett wir feinen ®runb, fie föc Qu 
toa€, hat aixi Steilen ^urammengefegt xft, {u t)aU 
un. — »tfo? 

3oI)anne^. 
Irinnen bie S^eiU a\xd) mdjt \>on einanber ge- 
trennt koerben^ wtxi fte feine ^at! 

aSater. 
3(tfo fann fte and) nic^t auf biefe ^eife flerben. 
2Clfo mufl fte emig leben. — 3Cbec l^^alt! baf iDtr 
und ntc^t übereilen ! SBer ^at benn unfece ®ee(e ge« 
fd^affen? 

'KlU. 
@ott! 

aSater. 
(Sollte benn ^et; ber Seelen ^etDorbringen 
fonnte, fte nid^t aud), n)enn er n>oUte; n>ieber ^ets 
nickten fonnen? Unb tvenn er, nad) feiner TiU^ 
mad}t, baef unfireitig fann, mad ^ilft e6 un6, $u 
tt)iffen/ bafi bte ®eele nid^t Don felbji jlirbt? 
®o fann \a bod^ bie 3(Umad^t ®otte6 fte n^ieber 
Semidf)ten ! 

So^anned. 
^a, hat toith aber ® ott gen^i^ ntd()t tf)un ! 

aSater. 
SBarum nxd)tl 

3o^anned. 
5Beil er fo götig ifl! 

aSater. 
X>at meine id^ audf)! Ueberbad glaube id) nodf) 
^inen anbem guten ®runb ju \tf)m , ber mir S3ärg 



182 ©eclenlc^re 

baffir t{t, ha^ ®ott ba^ gen>l{i ntdS^t t^un werbe. 

So^änne^. 
®a^ ffir einen ? 

SSater. 
®age mir bod^, gefdUt btr ba^ n)o( an einem 
Sßenfc^en^ wenn er ^eute etwad fe()t; it&nj!li(^e9 
mad^t/ wa^ lange bauern fonnte, unb morgen t$ 
o^ne tlloti) felbfi wieber ent}Weifci)(dgt? 

Solf)anneg. 
giein! 

aSater. 
9Bie nennt man wol einen fotc^en SRenfdden/ 
ber ba« t^ut? 

3o()anne6. 
ßinen ndrrifd^en 3Benfd)en. 

ajater. 
SBenigfiend einen wan!etmfit()igen, ber fe(6f{ 
nidj^t red)t weif , wa« er cigentUdf) will. — 5Wutt^ 
foUte benn wol ®ott, ber bad DoUfommenfle aUer 
SSBefen ijl, eine6 folc^en 9Ban!e(mut^e6 fd()ig fein^ 
baf er erjt Stwag f)err)orbrdd)te, ba^ feiner Statur 
nacJ) ewig wdre, unb eö bann o^ne alle Urfarf)e wie^ 
ber vernichtete? ©oUte er, ber 2(üeö aug ben wei* 
fejlen Urradj)en tf)ut, ftc^ wot gereuen taffen fJnnen/ 
@twad gemacht ju l()aben/ ober, wie bU fleinen 
Ainber, einer @a(^e wieber fiberbrufftg werben 
f Snnen ? 

3o^anne^. 
9ßer ba6 Don it)m glauben fonnte^ ber m&fite 
t^n fc^led^t f ennen ! 

aSater. 
2)a6 benfe id) and). — 9lun alfo, ba unfere 
®eele weber Don felbft gerben, nod) t>on htm, ber fte 



fdr ittnber. 183 

gefd^affen f)at, tDtebec serntd^tet tverben tann, waa 
folgt? 

3of)anne«. 

2)a9 fte etDtg Üben mfifTe. 

aSater. 

ffio()( un«, baf wir biefeö »iffen! ©oUten tt>ir 
nun n>ot Dor unferm bet)orfle^enben Sobe un6 
nod^ ffird^ten mfijTen? Un« furchten, bog wir an^ 
einer Staupe jum ©c^metterlinge, ant einem SRen« 
fc^en {um 6ngel n^erben umgefdf^affen n>erben? 

3o()anne^. 

?Wetn! 

ajater. 

Ober füllten tt>ir etwa bat>or erfd^retfen^ baß »ir 
an einen £)rt merben Derfegt merben, ber noc^ r)ie( 
^errtic^er ifl, al« biefe @rbe, auf ber »ir fc^on fo 
unau«fpred()Kcl^ t?iel ®uteg geniefen? - Ober ba* 
\>ot, baf wir, in ©efellfd^aft guter unb feiiger ÜBit* 
gefc^Spfe, einer en>igen/ ununter6rod)enen ©l&cffelig» 
feit genießen »erben? — Ober enbtic^ ba\)or, baf 
wir ben großen, liebet)ollen @eijl, ber unfer ©d^Sp« 
fer unb SSater ijl, noc^ ml beffer werben fenneU/ 
nod^ t>tel inniger R)erben lieben lernen? 

Sietridj^. 

3, wer fJnnte ftc^ benn batjor färd^ten, baß et 
nod^ t)iel glfi(!lid[^er werben \oU, al^ er fd$)on jegt ifl? 

aSater. 

Stent eud) alfo, lieben Ainbet; unb banfet 
®ott baf&t, baf er euc^ biefe erfreuliche @rfenntnif 
fd^on fo firä^seittg ISiat ert^eilen laffen! — S>ie 
3ett na^et l|^eran — unb Kper weif , wie balb fte ba 
fein wirb? — baf ber Sob un« \>on einanbet 
trennt, tiefer Sßunb, ber eud^ {egt belehrt, wirb 



184 @eeUnU^te für Gintec. 

bann auf immer gefc^toffen^ biefe ^anb, bie eucl(^ 
jegt $um guten un\> gtucEltc^en Seben ^u (eiten fud^t, 
wirb bann \>on 5QBfirmern gefreffen »erben unb t)er» 
mobern. 34) felbfl merbe nxd)t tmf)v bei znd) fem. 
Aber wir werben un6 »ieber felö'^n, il^r Sieben! wer* 
ben »ieber tjereiniget, auf ewig mit einanber oereis 
ntget werben, mnn wir 2C(Ie auf einem unb ^hm- 
bemfetben SBege ber Sugenb bleiben, ber ^ur ewigen 

®(ficffelig!eit ffi^rt. Unb ba6 wollt i^r bod)? 
(X)ie ^tnber beia]S)eten biefe Silage burd^ einen S3ttc! 

t)oU ^i^rdnen.) 

Äommt l^er, in meine 2Crme! ©iefer Äufl fei 
t)or ben 2Cugen be6 aUfel^enben ®otted ba^ @iege( 
unfere^ SBerfpred^en^/ baf wir fo $u leben und be- 
fireben wollen, bafi wir einfi 3(l(e an einem unb 
ebenbemfelben glfirffeligen Drte wieber fonnen t)er= 
einiget werben; unb biefed SSilb bed weifeflen unb 
befien ^anm^ aud bem 2(ltertf)ume biene m6 {ur 
tdglid^en ßrinnerung an biefe« SBerfpred[)en. 



i--' 



I 



1^ 



Ji 



1 



1 



Bimmtii(!^e 



Äittbets uttb ^ttgenbfd^riftett 



von 



Soad[)im ^tiniid) (Saxa\it. 



SBierte ©efammtau^gabe ber (egten «^anb. 



9leunted SBdnbd^en. 



©ittenbfid[>Iein ffit: Äinbet 



3n ber Steige bte elfte Cnginals Auflage. 

SBerlag ber ®4)UlbttdS)|}attblund. 

1831. 



-I 



^dmmtn^e 



Äittbets uttb ^ttgenbfd^tiften 



)>Ott 



Soad[)tm «^einrid^ 6am))e. 



SBterte ©efammtau^dabe ber (egten «^anb. 



9lettttted IBdnbd^en. 



<BxtUnhii6)Uxn fär .ftinbet 



3n ber Steige bte elfte CnginalsTCuflage. 

SBerlag ber @4)ttlbttdS)|}attblund. 

1831. 



3 n ^ a l t. 



(Stitt 

I. SSon bea ^fltc^ten gegen und felbfl, unb jwat 

1. 3n 2Cnfef)ttng unfecd ^öcperö unb beffen ©e? 
funbficit 6 

SDtefe tt)icb erhalten: 

a. but4 SSorltd^ttgfeit 7 

b. but:d^ Wltii$iQhit 10 

G. buc4 TCh^ättun^ unb eine einfache Sebend^ 

art 12 

d. htxc^lCtbtit^QmUit 14 

«. bttcdft erlaubte SBergnägungen^ 17 

f. bur* aeittlid^eit....* 20 

g« bu(4 ^ei^utfomCeit in 2Cttr<]^ng folget 
^etU unferd Jl^rpeci , bie fd^r Iet(bt unb 
ottf «ine gefi^d^e SBclfe 9«rle6t werben 

l&nnen. ^* » 21 

2. 3tt Vnfe^nng unfern ^SnU^ 25 

toM fBoi^lfein bef&rbert »irb : 
a. bur^^ GhwetbttRg guter itenntniffe« 26 



Gelte 

1. bucd^ SBüc^erfTetf. 26 

2. b\xxä) 2Cufmer!ramfeit duf ^COfed , toaZ 

im gemeinen 8eben t^orfommt 29 

b. turdg) SBermeibung aUzt Safter 31 

3. 3n ^Cnfe^ung unrerd duferlid^en 3u|lanbe&... 37 

^patfamfeit unb ®rwerbfam!eit 38 

a. im ©egenfa^ t)on SSerfci^menbung unb Slad^s 
IdntßWt 39 

b. im ©egenfat oon ®eta 46 

3tt>etted 3(6enbgefptdcl^. 

IL fßon ben ^flic^ten gegen 2(nbeve 51 

1. Einleitung ; t)on bem UrFprunge bec bdrgerlis 

djen ©efettfd^aften 52 

— bec Äönige; göcften u. f. w 55 

— ber ©efeje 57 

— bec £)bcigfeiten vatb ©eric^te 59 

— bec ©olbaten. 62 

— bec 3Cbgaben 63 

2. §>flid^ten gegen £)6ece. 64 

3. S'fli^ten gegen alle SJ^enf^en 67 

a. ®ece(^tigfeit dbecl^aupt Ebenbaf. 

b. Sßecmeibung j|ebec2(ctt}on ®ett)altt{|dtig!eit 69 

c. S^ecmeibtmg M ^iebfiaf^l^.... 72 



cL SSermetbund bet SBeträgerel 75 

e. IBermetbttnd bet Salfi^ett unb ber Hqtn 78 

f. IBermeibung bei t)erdeblic6en unb bed fal» 
fd^en @4)m6cend. 83 

g. C^rfe^und bed unocrfe^enen ©(^abend 84 

Sritted 3(6enbgerpracl^. 

ni. IBon ben ?)frt<bten bec ©efeUigfeit 89 

1. SSon ber {Dienftfertigfeit unb bem gefdUtgen 
©efen 92 

2. »om SfJeibe 97 

3. SBom @toIse unb «^od^mut^e 100 

4. )Bon ber Serleumbung, ®p6tterei unb ZaUU 
fuc4t 103 

5. Son ber SreunbH(!^!ett, im ®egenfa(e M ver« 
briefltd^en SSefend 106 

6. »om Sotne 107 

7. »Ott ber Untjerp^nlid^Wt 109 

8. »on ber ©«waftHt^flWt 113 

9. SSott ber Unbanfbarfeit 117 

IV. »Ott ben 9)fli(l^ten bed (duöli^en Bebend. 

a. gegen 2(eltem ^ 122 

b. gegen 8e(rer. 123 

c. gegen ®efd(ioi|ler unb ®c(u(freuttbe 124 



VI 3n{)alt. 

(Seite 
d. gegen bad QütflnU 125, 

V. §Bon ben 9)flt(^ten gegen bte Tütmen 126 | 

VI» fBon ben |)füd^ten gegen bte Zf^xnt 136 



SStected 3(bettbgefprä(l(^. 

vn. S3om (Semiffen.... 141 

VIII. $Bon ber8?e«9ton 149 



itr 

25; 

26 , 
56 ■ 



SSor nt*t gat langet Seit, meine lieben Äinbet, 
lebte ein te*t »etjianbiflet SKann, bet ^ief ®ott. 

I lieb g^tentet^. 

) Z\lt, bie i^tt gefonnt ^oben, fSnnen no* im 

nm o^ne Kfi^rung »on iN teben, benn et mt 
«in gar guter unb tedjtf*offnet «Kann, ber fein gtJf* 
te« äJergnSgen barin fanb, anbern «Wenft^ett rnffU 
jut^utt. et ^atte, öon feinet Äinb^eit an, e« ji«^ 
jum ©efele gemalt, feinen Zag »oibeige^en ju taf. 
fen, o^ne etwa« ®ute« ju t^un, »oifibet et ji« b«« 
3tbenb« fteuen fSnnte. Sem ©nen, bet in 9lot^ 
getat^en »at, unb ntd>t »ufte, mü et tl)un fottte, 
gab et guten JRatf), »eil et »iele ©n|td)tett unb St» 
fa^tung l)atte; einem «nbein, ben bet SÄangel 
bifi« te, ^alf et m<i)t attein butdd milbe ®aben, fom 
betn au* »otne^mlid(> babuttl) au8, ba§ et i^m ®f 
Ugenbeit »etf^affte, feinen Untet^oU |t*^f&nftig 
felbfl s« »«tbienen. 3Bo et einen Unglftdlic^en 
fanb, e« mod)te ein G^tifl, ein Sube, obet ein SÄtfe 
ftitt, ba na^m et jt4> feinet na* »ermSgen, wb 



2 @fitten6ft4tein 

ixoat immer vtd)t f)tviüd) an , fud^te t^n }u ttSfien 
unb t^m 5U (reifen, fo gut er fonnte. @r ifl ein 
aRenfd^, fagte er, unb xd) bin aud) ein 
SRenfc^; bad ifl genug! SBurbe in feiner (Se« 
genwart t)on einem 2C6n)efenben ^ttoa^ S3Sr^6 gere« 
bei , fo t>ert(ieibiste er i^n , al6 totnM fein S3ruber 
gewefen wAre. 6r fonnte nic^t (eiben, baf Gittern 
ttnred^t gefd^alj). Rauben ftd^ hingegen einmafil 
bSfe Seute, weldSie i^m felbjl Unrecht tl)aun, fo 
fu<|^te er nie S36fe6 mit S3ofem su t)erge(ten , l^af te 
audb feine SBeleibiger nii^t, fonbern bebauerte nur 
t(^rett Unt)erfianb. ®ie toiffen nid^t, fagte er^ 
loa 6 fie tf)uni unb bamit lief er'd gut fein. 
Sine feiner liebflen Sef^iiftigungen n^ar; baf er 
feine eignen unb feiner 9}ad(^baren ^nber um ffc^ 
^er t>erfammelte, unb i^nen (e^rte, n>ie fte gute unb 
g(ft<l(i4ie !02enfd^en werben (innten. Wtan f)at an^ 
nad^^^er gefe()en , bafi e6 allen benjenigen Xinbem, 
we(4ie feinen Unterrtd^t annahmen unb feinem tj^ 
terlidl^en Statut folgten , immer ui)t \tl)t wo^l ge« 
gangen ifi. 

üxnma^l^, ha er fd^on ftebjig 3a^r alt war, fa{i 
er an einem fltUen ®ommera6enb unter einer fd^^at» 
eigen 2inbe, unb badete feinem t)ergangenen Seben 
nac^. €!eine 2(ugett/ bie er oft banfbar gen S^m^ 



met tx(i)Mt, fttnfelten t>ot gtetibe, intern er ben th^^ 
lid^en ©ebanfen badj^te, baf er bodj^ nt(|^t t)ersebettd 
auf bec 9Be(t gelebt l^abe; unb bei ber ßcmneruttg 
an mand)e gute S^at, bie et in feinen Derfloffenen 
SEagen su t)erri(l^ten bacl ®(A(f gehabt Ig^atte, trat 
i(im eine fflfe Sreubent|)räne in bie 3Cugen. X>tnn, 
xt)t guten Ainber ! glaubt e6 erfahrnen Sugenb« 
freunben, bi^ i^r einf} au^ eigner @rfa^rung e^ 
n^iffen werbet — fid) ebler Xbaten betouft 
SU fein, ifi ber ®elig(eiten grSfte. 

Snbem er nun fo ba fafi unb biefer ®eligfeit 
genop, tarn fein ebrlic^er ^a6)bav, 3Cnbrea6 ®nu 
min, unb ließ jtc^ bei i^m nteber, um ein (e^rrei« 
c^e^ ®^\pvid} mit xf)m in fähren. > @o lange id^ 
eucK) nun fenne, lieber ^Rad^bar," fagte biefer su x^m, 
inbem er feine ^anb auf bie «^anb bed ©reifet 
legte, *t)ab^ id^ eudb nod^ niema^M recl^t mifbergn&gt 
gefe^en. Siagt mir bocb , wie ibr e6 in aller SBelt 
anfangt, baf i^r immer fa ru()ig feib, fo in eud^ 
felbfl t>ergnägt unb fo aufrieben ? 2>a6 mic^te tc^ um 
2C[led gern \)on mä) lernen.« — »3Da)u (ann Statb 
werben, wenn xf)vß nodj^ nidbt wift,« antwortete Qf)- 
renreic^, unb fa^ i()m haUi freunblicft in bie Tln^ 
gen; »aber erfi ^olt mir unfere kleinen, eure unb 
meine Xinber ^er, bie \>a \)xnutm ®arten t^t ®ptel 

1* 



4 &ittenHd^Uiti 

ttetben. & ifi mir Immer fo toof)l, mnn fte ttm 
mit) ftnb , ttnb iä) to&n\^U, baß jte e^ anä) ^ivUn, 
wie mani anfangen muf , um gl&dlid^ ju fein. « 

®utn)ia IS^otte bie Jtleinen l^etbei. ®ie ^au 
ten faum &t^itt, baf SBater @^cenrei(^ mit i^- 
nett ])(aubem moUe , ali fte aU i^r ©pie^^eug bafiin 
warfen^/ in DoUen @)>c&ngen ^erbeieiUen, unb ftd^ 
bem fremiblicden ®retfe an ^al€ unb 3(cme fingen. 
Z)a rebete er ffe mit folgenben SBorten an: 



etjleS 2Cbenbgef^tdc^. 



fiSoR ben 9>fltd^ten gegen und fel^{t 

iKinber^ 9ladS)bar ©utwiU wftnfc^t t)on mir ^u 
»iffen, wie id^6 angefangen ^abe, baß icl(^ mein gan^ 
§eiS Sehen ^inburd(^ / bid auf biefe ®tunbe , fafi im« 
mer t>ergnfigt , wenigfiend immer jufrieben mit mir 
unb meinem &d)xd\aU gewefen bin. ^&tut i^r et« 
tva Sufl, ba6 aud!) t)on mir ^u ^Sren? — ^Zd) 
\a, lieber SBater, ac^ ja!« riefen ZUt, wie mit 
Sinem flSunbe, inbem fte freubig Rupften. Unb ber 
Ätte fuf)r fort: 



1 



für JCinbev. 5 

3^ werbe nun wel n\ti)t me^r (ange (eben, t(|t 
guten Atnbet; unb n>enn ic^ atxd^ noä) iatti^ lebte, 
fo »erbe tdb boc|^ nic^t immer bei tni) fein ; benn 
il^r fetbfl werbet nicfjt immer l^ter bleiben" ttnne». 
3n eini^tn ^f)ttn fommt tl^r r>\tüti6)t, Up Sine 
babtni ber 3(hbere bortfirtn. S>a werbet ibr eudb benn 
felbß &berlaffen \ün, unb wäret ibr bann nidbt flug 
unb feine gute ÜRenfcben, fo würbet t^r eu(^ gewt^ 
feibft m^lidiid) machen; entweber franf ober arm, 
ober bei euren 9}ebenmenfcben berbaft, unb in iebem 
SaUe mift^ergnägt fein. Unb toa$ nfigte bann eudb 
2(tte0 auf ber 5BJelt? 

3\)t wift, wie üeb idb eudb b^be. 9Senn i(^ 
nun ftfirbe nnh fabe üorau^ , baf ibt einmabl eu(^ 
fetbfl ungl&cfCieb mocben würbet, liebe ^inber, idb 
würbe auf meinem Xobtenbette micb nidbt triften 
laffen. (Die ^inber fonnten bei biefen SBorten ftdb 
be^ SBeinen^ nicbt entbalten.) Docb idb i^^if ^ <bi^ 
werbet au« SJorfag euren alten SSater nicbt fo be* 
trüben woUen-, aber bamit tbr e« aucb nid^tetwa 
a\x^ Unwtffenbeit tbun mSget, fo will icb euc& 
je|t TiUt^ fagen , tüa€ eudb , vou idb glaube , fo (lug 
unb lu fo guten SRenfcben, unb eben bef wegen fo 
iufrieben unb glücflicb madben !ann, al« e« nur im« 
mer mSglicb ifl. 



6 . Gittenbil^lein 

® ^htt mir benn udft aufmerf fam ju ! 

Wiä)t wat)v, meine lieben Xtnber, i^r feib fd(^on 2f Ke 
mand^ma^i ttant setoefen? — 9Bt)flt t^t wol gern 
(cant? «^ttet if^t nic^t (ieber gefunb fein mSgen? 
SBenn i^t txant toaut, fdj^mecfte eudf^ (ein @|fen 
itttb tetn Xcinfenj t|)( muftet ben d^nim Sag im 
SBette ober boc^ im 3immer bleiben-, wenn eure 
Keinen S^eunbe unter ben Sinben um^erfprangen unb 
fpielten, ^i) im ^fuffe babeteU; ober ftd^ fonfl eine Sufi 
machten, fo war ba9 Z\lt9 tn^ t)erwel^rt. 3^r ffi^^Itet 
ba(b 6ter, ba(b ba Sc^merjen. ^f)t (onntet bed ^adit^ 
nicl^t red^t fd^lafen , unb be6 Xage6 rauftet tl^r t)or 
ttebeffein mi)t ju bleiben. UM, voa^ \f)v \al)^t, 
ober f)itM, ober »a^ man eud^i ^ah, ba6 madjite 
ettd[) (eine ^reube me^r. Wti^Ut \1)t toci nod^ eins 
ma()t (ran( fein ? ' 

£) nein! nein! riefen bie Ainber; e^ iß \)Ui,\>Ul 
beffer, immer gefunb su feirt! 

3^r ^abt 3le*t, fit^r ber 3flte fort. Aber Uit 
wipt i^r (aum ^aih , wa9 eud^ baran getegen fein 
muf , rec^t gefunb unb |lar{ ju fein. 3(ft ^abe in 
meinen ifingern Sauren einen guten S^eunb gehabt, 
ber (onnte 3ebem, ber'd nocft nid^t wnfu, butd^ fein 
SBeifpiel U^ren^ wie ma^r ba€ &pt&^woxt ifl: 



föc Äinber. 7 

©efttnber ^ann, retdjier !0{antt; 
kantet S^ann, armer ^ann\ 

2)er arme ®4)e(m mufte ftc^ fed^^ ^a^re lan^ 
mit einer Sttanff)txt fc^teppen, bte er in einem etn^t^ 
gen 2(uden61t((e ftc^ bmd) Unt)orfi(l!)tigfeit juge? 
gosen ^atU. ^^ toiü eud^ feine traurige ®efcl£|icl^te 
er&j^(en. 

@r ^atte eine ^rau unb ffinf Ainber , bie no<^ 
iftnger n)aren, al9 i^r. ®eine Umfijnbe, e^e er 
franf n>urbe , tüatm felE)r hi&f)tnh , benn er mar ein 
angefe^ener Äaufmann, ber große ©efd^äfte mac^^te. 
®o Cange er felbjl fetner »^anbtung rjorfianb, fc^enfte 
man i^m fiberad aSertrauen, unb 3Ctted, wai er t)or3 
nalE^m, ba^ gelang t^m. 3(Uetn t)on ber Seit an, ba 
er anfing §u fr&nfeln, ging 2(Q[ed rfi(fn)ärt6. 

@r ^atte einen SSudft^aUer, bem er nun hai 
9){eifle fiberlaffen mußte. S)er mar aber gum Unglfid 
ein bofer SDtenfcf) ; er t)erf jumte nid^t nur bie @es 
fc^äfte feine« »ig^errn, fonbern Uüa^i il^n öberbie«, unb 
betrog auc^ 2Cnbere unter bem 9}amen beffetben. 
Siefem SSofetoid^te ifl e« nun freiCid) nad^l^er in fei- 
nem ganjen ithm nid^t mo^t gegangen , benn fein 
anenf4i moDte ^tma^ mit i^m in fdiiaffen l^aben, 
tt>eil man ronfu , ba^ er feinen ^errn betrogen unb 
bejio^ten l^atte; aber biefer mürbe bo(|| in ben erfien 



8 ©ittenbftd^Utn 

Dtet Salven feiner Xx&ntüdbUxt baburd^ fo arm, ba% 
er nad^ ttnb nacf^ 2(ae^ t)erf aufen unb feinen «^anbel 
aufgeben mu^u. JQ&tu er bie Setrügereien feinet 
Sudj^l^alterd el^^er bemerft, ober 1)itu feine SraU/ n)^^^ 
renb feiner Aranfl^eit , ein n)a(^fame6 2(uge auf 3Ct» 
(e6 im «^aufe gehabt, fo m&rbe ed fo meit nidi^t 
mit i^m gefommen fein. 3(6er jum Ungl&tf trauete 
er bem SRenfc^en, o^ne i^n \)0t1)ix ut^t 9e|)rfift ju 
^aben^ a\xi^ Ig^inberte i^n bie Sttantf)e\t, bem ^\d)t9* 
lo&rbigen auf hie Singer ^u fe^en / unb feine Srau 
toar aud) }u nad^^ldfftg. 

6nblt(^ würbe e6 immer Weä)Ut unb fd^led^ter 
mit i()m. Ser 2(r}t; ber ein mitleibiger üßann mar, 
t^at {toar unentgeUlid^ fein 2)t5dlic^ed, um if)n ju 
retten ; aber t)erseben^. 9lad|)bem ber arme Aranfe 
ftcb no(i^ ein Sa^r lang gequilt J^atte, mußte er enb* 
li(l(> — unb iwat in 2frmut^ unb 6Unb — fferben. 
ttnb mißt i^r, moburd^ er ft^ biefe Aranf^eit ^uge« 
^ogen f)atu ? 6r l^atte einmal^l, auf ber ^od^iseit ei- 
ne0 feiner ^reunbe, ft(^ recbt ^eiß getankt, unb ba i^m 
bie «^ige befd^merlicl[) ftel; fo beging er bie grof e Um 
t)orftd)tigf eit , ftd^ bie SSefle auf$ufn6pfen; an^ Sens 
fler {u treten, unb ein ®(a6 t)ott faltet SBaffer au6« 
)utrittfen. S>ar>cn ^atu er bie 2(u6^el|)rung befom« 
men^ meldj^e gemeinigtid^ unheilbar ifi. 



£)a et fonfl ein red(^t guter Wtann toax, fo to&tbe 
er fein Unglficf mit ©elaffen^eit ertragen ^aben, unb 
ber Xob fetbfi n)örbe \^m nic^t fc^recfiidS^ gemefen 
fein; aber mit er n^ufte, baf er ade feine Setben fic^ 
burc^ feine eigne UnDorfic^tigfeit ^ugejogen ^atte, 
fo war er untrofibar bar&ber. 6r ftet auf feinem 
Sobtenbette immer in eine 3Crt t)on SBa^nftnn, fo 
oft er baran t>ad)U, ba^ er nun, feiner Unt)orft4tig« 
(eit wegen/ Dier unfc^utbige Ainber^ bie er (iebte, 
unb bie er ^itu ^iiiSix<^ machen tonnen, in einer 
fo großen Tttmutt) iur&cftoffen mufite, bafi fte (aum 
i^re £eiber bebecfen tonnten. 

3c^ fagte, r)ier unfd)ulbige Äinber; benn baö 
fünfte ^atte er wJfjrenb feiner Äranf()eit , id) roetj 
nxd)t red)t me^r wie, t)er(oren. 9la(l[)bar, wt^t xf)v9 
euc|) ju erinnern? 

3a Yco1)l, t)erfegte ®utwil(; ba^ war ja ber ^^1^ 
hungrige Srig, bem feine gar }U große ©ierigf eit 
ba6 iibm foflete. 6r ^atte gebacfene^ £)bfl unb 
^(ofe fo l[)eif unb in foId[)^r SRenge ()inunterge3 
fc^ludt; baf er ben ®etfl barfiber aufgeben mufte. 

Sltd)t, rec^t/ fagte ber alte Q^tmmd)} je^t 
erinnere icl£|d mi^. S>er arme @c^lu<ler ^atte t)er3 
mut^üc^ niemal^Id ben ®pxu^ gebort: 



10 ^ittenbHUin 

SR&ft^feit 0tebt SttaU unb Steuben; 

tXebnmaf gebiert nur Setben. 
6^ t9ar ein Sammer angufe^n ; n)te ber unglfitfttd^e 
Sunqe ftcft wtnben unb frfimmen mix^U, e^e er 9ott 
ber ^tlt (am. ®etn armer SSater litt nicK^t toenid 
babei, ba er ba^ an^ feinem Jtranfenbette fo mit 
anfeilen mufte. 

^069 me^r Kummer aber t)erurfad^te i^m baö 
&6)iifal feiner ^rau, ber 9?utter biefed Jtinbe^. 
34^ ^abe euc^ fd^cn gefaxt; baf fte nid^t aufmerffam 
genug auf il^r ^auc^mefen mar; unb ba^ (am ba» 
^tv, \f)v lieben Ainber: meilfte, bei ber AranflS^eit ify* 
re^ STOannea , M Sflad^t^ mä)t immer xf)vt Stnf)t, 
unb Ui SÜage niclS)t immer i()r orbenttic^ief @ffen l^a- 
ben (onnte, fo geriet)^ fte auf ben t^Sric^ten Einfall, 
ben SRangel an beiben burd^ l^igige ®etrin(e 
erfegen ^u n>o(len. 2(nfang6 na^m fte freiließ nur 
ein SBenige« ju fiel); aber, wie eg immer ju gefc^e* 
(^en pflegt, ibre S3egierbe tü\xd)$ mit jebem 2)age. 
Aurj, ffe gemS^nte nad^ unb nad^ {td^ ba0 2!rin(en 
fo fel^r an, baß fte fafi nic^t me^r (eben (onnte, o^ne 
^alb beraufc^t 5U fein. 2)ie6 trug nic^t tventg ^um 
SBerberben ber ganzen S^niilte bei. Die armen Jlin« 
ber tcnvbm of)nt 2(ufft(^t gelaffen; ber SSud^l^atter 
(onnte nun uoflenbd mad^en, n>a6 er nooUte, roeil i^m 



för Ainbev. 11 

Jtemec melier arxfpa^u , unb bet unglfitfltc^e SSatec 
frSnfte ftc^ bacäber ju SSobe. 6nb(i(^ mupte f!e 
fetbfi fftr i^t SSetge^en bftpen. ®te $09 ftd^ n^m« 
(ic|^ eine Sungenentjänbung ^u , an bec f!e iimmer« 
li4> flarb. — 3* bin Ui i^rem Sobe jugegen 
9en)efett, meine Ainber; aber id^ fann eudE» nic^t fa« 
gen, n)ie mir babet ju SRut^e tJoav. ^(i) mag au(^ 
ie|t ni^t baran benfen; benn tvenn \d)9 t^iu, 
mnn id^ mir bie 93erjn)eiflung ber fferbenben ^rau, 
ben Sammer i^ref SDtanne^; unb ha^ SBinfeln ber 
armen ungUlcflic^en Ainber n)teber fo recl^t lebhaft 
t)brffeO[te, fo rofirbe xii) nic^t im ^tanht fein, weiter 
^u reben. ®ott beroabre einen jeben SDlenfc^en bor 
einem folc^en 6nbe! 

3b^ f^^^ meine Sieben, totld) großem @(enb bar« 
att0 entfielen (ann, tvenn man nid^t feine ®efunb« 
^extf fo Diel mbd^id), in Z(Sjt ju nel^men fui^t 
jQ&ut eud) alfo ja bor Züem, roa€ tn^ (ranf ma- 
dben fann , ba6 ^eif t , (ebt f finftig , aud^ »enn i^r 
grof fein n>erbet, eben fo, tvie wir eudb Ui^ gewS^s 
nen. X>tnn n>o^er fommt ed bo6) tvoi, baf ibr fafl 
immer gefunb unb munter unb luflig feib, unb baf 
be^ «^errn «^o^arfdftaU^ @obn, ber Heine Sun« 
fer $eter, faß immer (rJnfelt, unb fo hia^ unb 
traurig au^ftebt/ a(d ein SRiffet^dter , ber Sa^re 



12 &ittent>HUin 

lang bei 98affer unb S9rot im ©efingniffe gefeffen 
^atl ^ä) wißd eud) fagen. 

Da^ fommt ba()er/n)ei( i^r auf einem Ratten Sa« 
ger unb unter einer [eic(iten Becfe ru^et, er aber in 
miä)in Seberbetten f^K^ft; n^eit i^t nur etnfa^^e 
®peifen, er lg)inseden (aitter getin1lette.@ad^if unb 
iecfereien {u ejfen befowmt; weit i^tr nur. SWi(c& 
unb SBaffer; er abtx St^ee^ Äaffee, JBier unb 9Betn 
trinft; mit i^r aUt Sage in ben ®arten ober M 
%^lb d^^tt um ba in arbeiten unb euc^ bann um- 
l^erjutummein , toa$ e^ auc^ für Sßetter fein mag, 
er (hingegen fafi immer eingefperrt lebt , nur feiten 
an bie frifc^e Suft fommt, üor jebem raupen Sfift^ 
4)en unb t^or iebem Stegentropfen gelE)j]tet wirb, unb 
meil man ibn \ii) ni(i^t anflrengen la^t; enbCic^ 
n)ei( i^r, menn euc^ einma^C eine AUinigfeit sufl5f t, 
eudf^ nur burd(> frifdf^e ?uft, SBafftr, Sewegung unb 
^a^iti at^tt, er aber QUxd) aud swan^ig 3(pot()efer« 
bä(l[)fen ^rjeneien Derfcbluefen mufl; bie )n>ar n)o( 
bie Arantbeit vertreiben fonnen, aber aud^ feinen 
Airper ^ugleic^ fo empfünblid!^ unb fc^mäd^Ii^ ma^ 
4ien, baf er na4)b«r nic^t^ me^r ertragen fann. 

(Run febt, ^inber, bad Sine nennt man eine 
natftrtidS^e, ba^ 3(nbere eine meic^Hc^^e £eben^« 
art 3ene gärtet und ab ; biefe üer^irtett und, nnb 



fftr ^tnber. 13 

ntad&t un^ fdS^mac^ unb elenb. 3ene tol^nt nn€ mit 
©efunb^eit unb üßuntetfett; btefe fiil^rt und SRif» 
t)etdn&gen; ®cl[)mersen unb ^ranf^etten ju. 

2)terft euc^ l)miiUt ba€ ®prficl)letn: 
©efunb^eit, (Stdrfe; ^tb^liä^teit 
Erlangt man nie bn ^ei^U^Uit 

Wxt btefec metci)ltcl[)en Seben^art/ n)ot)or i$ eud^ 
ntd^t genug n)acnen fann, iji fafl immer bte {etbtge, 
SErig^eit ober Saul^eit t)erbunben; unb bte 
fann fd)on allein einen fS^enfc^en ungefunb unb 
elenb machen. 9Iid^t wa^r^ n^ann i^r einmal()l ^vl 
lange gefd^lafen 1)abt, fo ge()t t^r Derbroffen an eure 
Arbeit, unb n)ann x\)t einma^l eud^ niö^t ^intdng« 
lic^e Setbedbewegung gemadfit |)abt, fo fc^metft eud^ 
ba^ @(fen unb bad Srinfen lange fo gut nidj^t, ald 
tt>enn il!)r tiHtig um^ergefprungen ober im (Sarten 
f[eifig gemefen feib. £)ad ifl bann f^on ber 3(nfang 
einer Srdnf lic^feit. Sfi^ret i^r nun fort ; immer fo 
lange ju fdj^lafeU; unb immer fo ju faulenden, fo 
wftrbe biefe ^ranftic^feit *t)on SSage ju S£age sunelf)^ 
men. S^t m&rbet immer t)erbrief iic^er , unb enb« 
lt(^ SU allen 2Cr6ettnt, ja fogar jum ©pielenf'^tnlu« 
fitg unb untädj^tig n^erben. 

@d giebt aber ^wei SCrten t)on 3(rbettett^ lie6e 
Ainber, meiere beibe gleid^ n&^lic^ unb notl^wenbtg 



14 @ittenbü(^lein 

find. Sinige nennt man Jg)anbat(eiten, weU 
man befonberd bie ^inbe baju nhtf)\d ^at; anbete 
tverben Jtopfarbei(en genannt, mil man ffe mit 
htm Stopftf ober t>ie(me^t; mit ber ®eele t)ertt(l!)tet. 
Set fleißige ®(^ufler }. S3., bet euc^ eure ®(6ul^e 
unb ® tiefet mac^t, t)erric^tet «^anbarbeit^ ber Se^^ 
rer hingegen, ber baräber nac^ftnnt/ mie er gute 
mtb gl&((lt(l)e SRenfd^en aud eudE» sieben m&ge, ar^ 
bettet mit bem Stopft. fi3eibe 2trten t)on 2(rbeiten 
ffnb une üßenfc^en ^i4)fhiitl^ig, mnn toit an @eeU 
unb Seibe gefunb bleiben woflfen. SBir mftf]en ttxoa^ 
mit ben J^dnben arbeiten , ober folc^e arbeiten t)er' 
richten , mobei ber Seib bewegt loirb ; fonfi n^erben 
bie Speifen, bie loir genoffen ^aben, nicbt recbt t>ers 
bauet, unb barand entfielen afferCei Sd^wadE^l^eiten 
unb Jtranfi^eiten. SBir mftffen aber audE^ mit ber 
Seele arbeiten, ober tttoa^ 9{fi6lic^e0 ^u lernen fu^ 
Climen; fonfl bleiben mir bumm, f5nnen ^u nic^td in 
ber 9Be(t gebrauclit werben, unb gerat^en enb(i<^ in 
Htmnt^ unb SSerac^tung. 

3d^ ^abe einen SRann gefannt , bem e6 fo ge- 
gangen iß. tiefer mar \>on md)m 2teltem gebo« 
ren, welche jumeiten bie X^or^eit begingen, il^rem 
ei1)n6^tn ^u fagen , baf fte t>ie( , t)ie( @elb f&r i^n 
gefammelt Httm , mld^ti er l^aben foUe , fobalb er 



fäc JCtnber. 15 

nur erfi grop geworben fei. 2)a bai^u nun has 
&b^n(btn, bap e0 nicbt nit^tg ll)abe, wie anbere 
9Renfc|)en ^u arbeiten, ober etmad 5U lernen, weil 
e« f&nftig f&r fein ®elb 3CUed laufen finne. @d 
gewi^nte fic^ baber an , hU weit in ben Za^ f)m 
ein SU fcdUfen; bann verging bie größte ^zxt M 
äSormittag^ unter bem Znpui^m, welclS)e6 UM t}on 
einem Sebienten gefcl^al(), fo ba§ ba6 junge «^errd^en 
faß feinen Singer babei ^u r&^ren brauchte; bann 
würbe ein paar ®tunben getafelt, bann gefpielt/ 
wieber gegeffen unb wieber bid an ben (^eßen liebten 
2!ag gefd^lafen. ®o ging ein S£ag wie ber anbere ^in. 
9}un, wad gefc^a^? £)a er ungefi^r t)ier unb 
Swanjig ^at)t alt war, brac^ einmal^l ^ur Slac^tseit 
pihliüd) eine geuer^brunß in feinem «^aufe au6, 
bie fo gefc^winb unb heftig um fi^ griff, baß er 
faum fo t)tel Bett bebielt, im blofen ®c^lafrocfe 
au^ bem S^nfier {u fpringen. 3u weniger , al^ ei< 
ner ®tunbe, war fein ganje^ äSermigen in 2tfd(^e 
Derwanbelt. Da flanb er nun, arm unb ()filfIod, 
unb wußte nic^t, wa^ er anfangen follte. 3Da er 
nic^t^ gelernt ^am, woburd^ er fein S3rot f)ku t)er« 
bienen fonnen, unb fiä) fc^Smte, an bem £)rte su 
heiUin, wo er üor^er fo prächtig gelebt ^atte, fo 
ging er aufd Sanb, unb wollte ftd^ bei einem S3auer 



16 ®ittttihid)texn 

aU AnedSit gebraudS^en laffeti/ nm nur fein Seben }u 
ecl^aUen. 3(Uetn, wenn er eine t)aibt @tttnbe gear^ 
bettet f)attt , ober nur in ba^ n jc^fie Sorf ge^en 
foQte, fo fiel er obnmdd^tig nieber, unb ber SSauer 
fa|) ba(b f baf er ibn gar nicbt debrauclS)en (Snne, 
mit er t)ie( {u fd^wac^ war. ^mn er ^atte ^war 
^inbe unb gfife^ aber er fonnte fafi nichts bamit 
mad^en. @nb(ic() btieb \f)m mi)t^ weiter übrig ^ aH 
fi^ an bie SBege ju fegen/ unb fein S3rot t)on ben- 
SSorftbergebenben ju erbetteln. Spiegelt eucb an 
feinem 93eifpie(e, il^r Ainber! unb merft eu(^ bie 
2el^re : 

2Crbett mad^t und fro^ie Za^e ; 

Slrdgi^eit wirb und balb aur ^lage. 

Stuft hit ZtUit, frtf^ baran ! 

Steif unb J^unft lUht Sebermann. 
Unb benfe bod^ deiner, baß \>ai TttUiun ettoaß 
SSef^werlic^ed fei; benn wenn man ftc^ nur erfi 
' baran gewinnt 1)at, fo finbet man fo Diel aSergnfi* 
gen barin , ba^ man gar nic^t mel)r o()ne ütUit U- 
ben mag. 2(ber ber SRfifiggang/ bad ifi eine ht» 
fd^werlic^e @adf)e. ^aUx ^at man immer Sänge« 
weiU/ unb ifi immer t)erbrie$lid^ unb m&rrifd[^. Unb 
wenn wir bann gar nii^i wiffen^ wad wir tbun fol^ 
Un , fo fatten wir gemeiniglid!^ auf aUerUi alberne 



für Äinber. 17 

unb ttnt)ernfinfttge Dtnge , um und bte ^it gu t^ir^r 
treiben. 

S)ef[n)eden l^etft ed mit 9led()t: 

SOlifiggana t|t aUev Cajlei; 2Cnfan0. 

@it: effen bann ol^ne ^m^tt, trinfen ol^^ne 
Sint\t, unb mad)en un6 burc^ aßerfei Zutfi)n>tU 
fimgen franf unb elenb, meiflen« qucI& arm. Unb 
bann f)at fein Wtenfä) me^r a)tit(eib mit und; 
.bann l^eift ed: ber S^fifigg^nger fSnnfe fo reid^ 
fein, ald mir, menn er ima€ l^dtte t^un moOfen! 
6r Derbient nic^t, bag wir i()m l^elfen, iD Äinbec, 
hie Jfrbeit mag fo fauer fein , a(d fte »itt , bied ijl 
nod^ }el^nmal^( unerträgtid^er! 

Ueberbad mirb ja auc^ nid^t verlangt, baf wir 
immer arbeiten foKen. £)ad wörbe unfer ASrper 
nid^t aushalten. 9}ein , Ainber , wir mäffen aud^ 
audru^en, mfiffen und aud^ guweilen ein SSergnö:: 
gen mad^en; bad ge^iJrt mit jur (Sr^altung un^* 
ferer Oefunb^eit. JTber wir möffen unfer SJergnft« 
gen erfl burc^ oor^erge^enbe Arbeit mürjen. 
S8te i|t ed fo ^errltc^, nac^ 2Crbett ^u ru^n ! 
^fl legt ed fein @td^en, bann gad^ert bad ^ti^n. 
©pielt alfo , unb feib lujlig , wenn eure JTrbeit ge« 
t^an ifi; nur ))ermeibet aUe biejenigen SrgegKdf^fei- 
Un, bei welchen eure ©efunb^eit, ober euer Seben 



18 @ittenbft4Utn 

in @efa^r gerat^en (innten. Sc& "^(At e6 in mtu 
mm Seien oft gefe^n, baf Jttnber bei unt^orfid^« 
tigern ®pieUn i^re ©efunbl^eit, \a i^c Sebe» 
fetbfl emb&pten. 2)a mar g. S3. euer ^at^e, Stades 
bat, bad Heine Srdngd^en, ein munterer, j^fibfd^er 
Sunge; aber mte ging^ i^^m? 2)a er einma^l mit 
feinem SSruber aUein auf bem «^ofe tvar, moffte er 
ein ®pie( baraud machen , ton t)on S3eiben tool auf 
ber ©nfaffuttg M S3runnen6 IE)erumreiten fSnnte* 
Aaum l^atte er fid^ barauf gured^t gefegt, fo aber» 
ffet i^n , inbem er in ben SBrunnen ^inabfa^ , plSg« 
(id^ ein @(^winbe( , unb ptump ! ba lag er unten 
im fOSaffer. 3Cuf ba^ ©efdjirei feinet SSruber^ fo« 
mtn itoat Seute (herbeigelaufen, bie i^n retten ttoU* 
Un, aber jü fpat! 6r toav fc^on ju ®runbe ge^ 
gangen; unb ba man i^n tnhüd) mit einem langen 
«Isafen tvieber ^erau^ftfd^te , mar er o()ne Stettung 
tobt. 

Der fam bcd) noc^ fc^neU t>on ber SBelt, fiel 
^ier ber 9tac^bar ®uttcxll ein; aber M ^auf« 
mannd S)iecf ®o]^n , ber tcilht ^erbinanb, 
ber.mufte fär feine Un))orftcl^tigfeit nod^ fd^toerer 
h&ftn. 6d befud^te eine^ 3!age^ ein reifenber Sauf^ 
mann ben SSater beffelben, unh banb fein ^ferb 
braufen am ^fortenringe an. ^atxm tvar er ^in- 



für J^inber. 19 

eingetreten, l^nfc^! xoav aui) mein Serbinanb fdj^cn 

ba/ unb woUte ftc^ bie ©elegen^eit {u 9lu6e macl^en, 

einmal^l auf einem $ferbe {u ftgen. 9Bei( e^ na^e 

an ber Steppe flanb, fo war e^ xi)m ein Seic^te^, 

^inaufjurptingen. Zbn bad $fecb , weld^e^ feinen 

fcemben Steitet (eiben moUte , f&^iU xf)n nid^t fc? 

6alb auf feinem St&im, a(6 e^ hinten unb \)otn in 

bie «!^5(^e fprang, unb fo (ange fprang, bt^ er ^tt^ 

unterftet. Sm ^aOfen t)erfegte ed i()m noc^ einen 

«^uffdEltag auf bie SSrufl, baß er mol auf brei 

@(|)ritte meit tveg flog unb bann für tobt liegen 

blieb. Sad f(are S3(ut jlfirite i^m au6 iTOunb unb 

{Rafe, unb Züt hielten i^n fär tobt. 3n)ar fam er 

nac^ einiger 3eit n^ieber ju ftd^ felbfi; aber ba ging 

feine SRarter erfi red^t an. S)er Sd^abe, ben er in 

ber S3rufl gelitten t)atu, toat unl^eilbar; er mufte 

unter großen ©d^mersen beffinbig S3(ut fpeten, 

unb fo lebte er nod^ t>in äSodEien, e()e er feinen 

©eifl aufgeben fonnte. Seit ber 3eit l^abe x^ e« 

niema^ld (eiben f innen; baß ^inber ftd^ mit ^fer* 

btn tttoa^ ju fc^affen machen. 

3^r ^abt Si^d)tf r)erfe6te Sl^renreic^; ed pflegt 
auc^ fetten o^ne Unigieil ab^uge^en. $ferbe ftnb nur 
fÄr folc^e itnU, weldj^e ftd^ auf« gleiten fd^on »er* 
fielen unb fte jmingen f innen. S)a6 merft eud^, 

2* 



20 ®ittenbä4(ein 

xht fiinbet ! Uebecl^aupt t^ermeibet aüt @pie(e , an^ 
tOiUi)tn etmad S35fe^ entfielen fann. 6^ gtebt ja 
fo t)te( erlaubte , unfc(;ibUcbe ©jptele, bie wir eucb 
na(b unb nad^ Ie()reti werben; warum wolltet il^r 
gerabe auf folc^e rietfatTen, wobei il^r eud^ ober eu- 
ren Si^eunben f^aitn fSnnet? 

ytoö) Sin S^ittel muß tc^ eud^ fagen , bai auc^ 
nicbt wenig ba^u beitragt, un^ gefunb, {u ermatten. 
£a«iflbie9leinli(^feit. 

^dnliä)Uit er^dlt ben Mh, 
Steret Jtnaben/ ^am unb Sßetb ! 

SSenn i^r. euc^ ntdj^t fletf ig wafd^et , fo werben bte 
®c6weig(&cl^er eurer ^aut nac^ unb nad^ fo tjon 
Unreintic^feit t>erjlopft , ba$ ber ®(bweif nidS^t redS)t 
me()r burc^bringen fann, unb barau^ mt^t^m \>uU, 
u(i)t rc^merjficbe £ranf^etten. ^a\^t m6) bal()er 
oft, wenigflen^ ba6 @eft(^t, bie ^änbe, bie S3rufl, 
unb bie §äfe. Sm ®ommer babet i\xö) ti^li^, 
aber; wol^l gemerft! nie o^ne H\xf\id)t, unb nie totnn 
tbr eri)tgt fetb , ober ben ^agen mit ©peifen an^z» 
f&Ut ^abt. ^mn in beiben S^Uen ijl ba^ fdabzn 
fdiiiblid;^. @^ ifi aud^ \(i)iblid) , wenn man gar ^u 
lange im SBaffer bleibt. ^5cbfien6 fünf, ober 6ei 
Reifem SSetter $ebn biö funf$el^n 9)?inuten , tdnget 



für J^inbec. 21 

mn^ ha^ S3ab ntd^t magren, fonfl fd)XO&fS^t ed; m* 
flatt ju jidrfen. 

SScrgeft nud^ ja ntc^t^ euc^ be^ Sßorgend uttb 
nac(^ jeber SJta^i^iii ben !D{unb mit faltem Paffer 
attd^urpäten unb bie 3a^ne tocf)i su tretmgen. S^ 
ifi nxd)t bloß .qatfltg unb ffit 3(nbere unau^flel^Itc^; 
tvenn @mer auö bem 3)?unbe neclE)t, fonbern btefe 
}Xnflitf)tm ^at ani) f&t 2)lnientgen, bet ffd^ il^rer 
fc^ulbig mad^t; bie traurtgßen Sotgett. ®etne 32^tte 
faulen an, unb bann mup et bie empftnb(ic(){iett 
®cbmerien (eiben ; bie Sdutnip t^eiCt ftcl(^ bem ©pei« 
c(^e(; butc^ biefen bem flRagen, unb mä)f)n aüm 
®5ften unfer6 Äorpec« mit 5 unb barau« entjfe^en 
bann allerlei fcftmerj^afte unb gefä^rlidl^eÄranf (leiten. 

fRodf) mug id) eud) \>ov einet ©ad&e warnen^ 
»oburd() fc^on Diele Äinbet unb junge imu, bie 
9ltemanb bar&bet belebet ^atte, ftd^ bie fc^recfli^^s 
\ttn Atanf()eiten unb einen ftü^en Slob $u}ogen; 
unb l^iet mup tc^ euc^ bitten, boc^ ja tedbt ju m'et- 
f en unb {u U^alun , mad idg eud^ baräbet fagen 
roetbe. 

ßinige 2()eite unferö 2ei6e^, mie j. 58. bie gfp^ 
pen, bie 9?afe unb bie 85cujlmatjen, flnb fo auf et» 
otbent(i<^ jatt ^^bant, ba^ fte fe^t leicht, unb jn^ac 
auf tim gef(J?)tli<^e SDBeife , \)nU^t »erben fotttten. 



22 ^xtUnhHlein 

SBenn man baran bt&ät, ober uibt, obec fonfi auf 
eine unnStl^tge SSeife ftd^ ttwa^ bamtt $u tf^un 
mad^t; fo entfielt barau^ ber f)ii)^^ifif)tUd)t unb 
tcaurtfle Sdf^abe, ben man ben £te6 6 nennt. 3()r 
»erbet tt)0( fc^on gel[)5rt l^aben, tootin btefe\ffir(^: 
teirltd^e Jtranf^ett befielt, unb baf (te demeintg(t(^ 
un^eUbar ifl. 

3u biefen Sl^eiCen unfern Skpnß, bie fo leicht 
auf eine l^migefd^rlidl^e SBeife DerUgt n)erben {in- 
nen, ge^5ren gans ))orne()m(t<^ auc(; btejentgen, 
tvetc^e bie ®dE)am^aftig!eit t)or aden 9J{enfd(^en , ja 
r)or fTd) felbfl, ^u ))erbergen gebietet, unb noelc^e 
man bal^er bie ®dS)amt()eite ju nennen pflegt. 
Ainber, ic^ bitte mi) um eurer ®(fidfeligfeit unb Mm 
eured Sebenö miden , biefe 3!^ei(e , o^ne 9lot^ , nie^ 
mal^I^ }u berfil^ren, noc^ weniger baran ju reiben 
ober {u jerren, ober bamit ju fpieten. 3^t n>&rbet 
Aber fur$ ober (ang bie aUerf<^redlic^flen Sotgen ba- 
t>on erleben. 

^i) ^aU junge Seute gefannt, bie ba^ ntd[)t 
n)uften, unb ftd^ befmegen unau6fpred)(icl!i unglficC:: 
Itc^ machten. SBeit fte nie ge^Srt "^attm , tva^ e6 
mit biefen jarten Sl^eiten auf ftd^ ^abe , fo ()atten 
f?e (7c|» unt>erjljnbigern)eife angemS^nt, mit \itxi 
•^dnben, ober auf fonfl zxm SESeife baran ju reiben, 



fftr ^inber. 23 

in btftden, ju setren ober ju fi^etn; un^ miii^mn 
ba^ anfangt SSer^nfigen mad^te, unb fte nid^t gleid^ 
etmaö @cl[^mn$^afte6 banad^ empfanben, fo ful^teti 
bie tttidtfidtic^en t)on einem Slage gum anbem ba« 
mit fort. 3t6ec ma« crforgte? — Äinber, ®ott ijl 
mein 3eu9e,i baf i^ euc^ bte ^a^rl£)ett fage, fo um 
begreiftid^ eud!^ bte ®ac^e aud^ je|t noc^ Hingen mag 
— einige bat>on {ehrten ab, unb n>utben mie ein 
®(i)atun ; anbere 6ef amen 3ud(ungen ober baß foge« 
nannte fd^mere @e6tedl^en; einige mürben trüb« 
finnig unb me(anclE)ctif(^ bat)on; anbere terloren i^c 
©ebäc^tni^ unb i^^ren SRuttertri^, mürben einfdltig 
unb bumm, oft gan{ t>errfid!t; einige mürben mit 
SSlinb^eit, anbere mit anbem fc^recflic^^en ^ranfliei' 
ten unb Seibe6gebre(^en baffir befiraft. 3l^r fd^au» 
bert? £) i^r merbet eudf^ nod^ me^r entfegen, mann 
i^c erfi m menig JCter fein merbet, unb man eud^ 
bann ein fCeine^ S3fid^tein t>orlefen mirb; morin \>ot 
biefer ]Ei5c^flgefd()rlidS)en ©ac^e gemarnt toitb, unb 
metdS^e^ ben Xitet ^at: «f)5dE)fin5tl^ige S3e(e^> 
rung unb SSarnung für Säuglinge unb 
Knaben, bie \d)on }u einigem 9tac^benfen 
gefommen finb '*'). S)a merbet i^r ©efc^id^ten 



^ ^M Ut tin ami^ti mmtin für bie Xod)ter, unb 



24 ©tttenbA^Ufn 

^iren , bei meldten md) bie ^aau ju äSerge flehen 
werben; unb ba wirb man enc^ benn aud^ beU^rert^ 
wie ba^ eigentUd^ jurammen^ jngt , unb noie au^ 
ßttpa^, bad eine bto^e unbebeutenbe @)>ieUrei $u 
fein fc^eint, fotc^e erfc^retflic^e ^ot^tn entfielen 
(innen. 

Sftr je^t gtaubt mir auf mein SBort — unb 
i^t mift, bafi i(^ eud^ immer, bie SBa^r^eit fage — 
baf nx^tß gefil^rticber fei; al€ jene geheimen Steile 
unfern ^8r))erd auf irgenb eine SBeife su reijen, ober 
bamit in fpieUn. JQalut fte alfo niijt nur t)oe Se» 
bermann , fonbern au(b t)or eud^ fetbfl ge(^eim , be» 
rft^rt f?e nie o^ne ^otf) , unb ge^t ja juf erfi be^uu 
fam unb fcbam^aft bamit um. Sinfl, wann id^ 
fAen im @ra6e Hege, werbet i(ir mir f&r biefen 
SRatb noct^ banfen^ unb eud^ 0äti(S) preifen, baß 
i^r i^n befolgt ^abt. ®d^rei6t ibn ba^er burcb foU 
genben wabrm <Spru(() recbt tief in euer ©ebidbt» 
nif ein: 

^d^am^aft fein, unb Uü\di unb s&d^tig, 
SRac^t orrfidnbtg/ ftar! unb tücbttg. 
9tocb merft md) folgenbe Se^ren, bie fftr bie 



ttuttd für itinse ^ab^tn, aur frühen 93.eivaQ» 
ruita if^vtt UnfcfrttCb. 



fit: Jtfnber. 25 

(Stf)altms bec ©cfunb^ett gleichfalls fe^t midj^tig 
jtttb. 

ia^t oft frtfdEie iuft in euct Stntmec; unb l^al' 
tet barauf , baf eure @tu6e unb ®c^)laffammer im«» 
mec ceinlid^ feien. Senn bie t)erboc6ene Suft in ei* 
ner unreinen &t\iU ifl ein rec^t itfi^xtiije^ ®ift. 
(Sft unb trinfet nic^tS^ tooDon ))erf}jnbige ÜRenfdjien 
eu(^ ni(|^t gefagt IE)aben , ba^ eS gefunb fei. Unter 
S)emienigen aber, toa9 gefunb ifl, toi^H, fo oft 
eu(^ bie SBa^l frei jle()t ; aUema^l baS @infa4)fle 
unb 9}atSr(i(^{le, unb genief et beffelben mit ÜR^ftg^ 
feit unb gr8^KdS)feit. 



Unb nun; Ainber, »igt il^r fo ungef^^t, toie 
iht es anfangen tn&^t, ba^ i^r euren XSrper nid^t 
fc^lecliter mac^t, aH xl)v if)n t)on ber Statur entpfam 
gen l^abt. 3(ber ba^ tc&tht md) allein nic^t glAcf« 
lid^ madf^en fSnnen. @6 fann @iner fe^r gefunb, 
unb bod^ juferfl etenb fein. S)enn miffet, meine 
Sieben , baf in biefem unfern ftc^tbaren Airper ein 
unflc^tbareS SBefen n^o^nt, tt)eld^eS man unfere 
@eele nennt , unb toeldg^eS eigentlid^ 2)aSienige ifl, 
tvaS in uns benft unb empftnbet , ftd^ freuet unb 
betrfibet, glficflid^ ober ungläcKic^ ifl. SSenn nun 



26 ^itUnhi^Uin 

euer Seib and) no6f fo gefunb unb flacf wjce, eure 
@eele aber wire f<bn)a(^ unb unsefunb , fo mfirbet 
i^r bennod^ bi<&ftungl&(flt{^e SRenfclSien fem. ^^ 
nm^ euc^ alfo ani) nod^ Siefe6 lehren, n>ie tf^r 
eure ®eeUn gefunb unb toof)l er^aUen 
f &nnt ®ebt etnma^l Zijt, ob i^r mtcl[^ aucb rec^t 
Derfle^en tverbet. 

Z>te ©efunb^eit ber @ee(e befleißt baritt, 
baf fie t>on r)ieten S)ingen eine ridj^tige 
Jtenntntf ^at , immer t^ittg unb rein 
Don allen S^or^eiten unb Safiern bleibt. 
2Cber ba^ ifl eu(^ tool nocb ju bod^^ icb mtU fe^en 
ob x^ ed eud^ begreiflieber machen fann. 

3cl^ fage: mnn bie @eele ftcb tDO^lbeftnben fod, 
fo mup fte )uer|l ftcb allerlei n& gliche Sinft^)' 
ten ju t)erf(baffen fucben unb immer rec^t n)ir(fam 
fein; baö b^ipt/ ffe muf allerlei @acben lernen^ 
»elcbe ibr unb 2(nbern funfttg SJergn&gen unb ^n^ 
|en bringen finnen. 6ine bumme ®eele ^at menig 
Sreube in ber SBelt; einer fingen ; n^cblunterricbte- 
ten ®eele l[)tngegen fann e6 nie an ©elegenl^eit ftd^ 
ju ergeben feblen. S)a$ fSnnte icb euc^ mit mef)t 
M Sinem lebenbigen SSeifpiele beweifen. 

Sa id) nod) auf ber ®d^ule n>ar^ f)atu icb 
Smei Knaben su meiner @tubengefetlfc^aft, meldte 



ffir Äinber. 27 

(eibltc^e S3rfibet tvacen. 2(6er ungleicher mftffen tool 
niemal^(6 imx SSrAber einanber gemefen fetn, a(^ 
tiefe. See S&nglte ))on S3eiben tvar t)oKer SBifbe« 
gierbe, tcav immer aufmecffam in aüm @cl^u({luns 
ben; n)offte t)on aUm S)tnscn; bie er fa^ ober ^itU, 
immer gern ben ®runb miffen; unb t)ergaf[ oft Sffen; 
Xrtnfen unb ©pieten, toenn er ©eUgenl^eit ^atte, 
mit ))er|tänbigen Seuten ju reben, t)on metd^en er 
etn)a^ ©ute^ lernen fonnte. S)er 3(ettejle IE)ingegen 
war {um Semen immer fo träge ^ fo untufiig! ®o 
lange bie @c^ul{lunben bauerteu; galante er fafi o^ne 
Unterlaßt ober fpiette unterm Sifdl^e, unb gab nie& 
maf)li Hijt auf Sad , mad ber Se^rer fagte. 9Sar 
bie ^df^ulflunbe au6, fo ^atte er su ni(l()t6 Sufi, aW 
iu ef[en; i\x trtnfen unb umherzulaufen. 9tun, ma^ 
meint il£)r tool; mad aud S3eiben gemorben fei? 

^arl, fo l^ief ber Sfingjle, mürbe t)on Sage 
|u Sage flfiger; beliebter unb gläcflid^er; fein %tU9 
ber S Argen ]()ingegen mucbe immer einfältiger, im« 
mer unau^ftel^ltc^er , immer unglöcflid^er. SQienn 
tvir au^gefA^rt mürben, fan^ ber mipbegierige ^arl 
iberaU ^unbert S^inge, meldte i^m 93ergn&gen ma^s 
Un^ mii er 2(lle^ genau unterfudj^te. S3alb betrad^« 
Ute er eine SSlume, ober einen SSaum, unb erin« 
nerte ftd^ babei; ma^ un6 ber Se^rer t>on be» Statur, 



28 <^itteni>Hleln 

ber Sottpflanjung unb bem SSad^^t^yume ber 9flam 
gm unb ber ^iutm gefagt l^atte. S3a(b fa^ et ben 
.^immet an , unb freute ftcl() , {u mtffen , toaß £uft 
unb 9Bc((en ftnb , tvk ber Ste^m , ber j£f)au , bie 
Stnbe entffel^en, unb tt>a« 3ebe« för Slu^en fd&afft j 
balb r^gte er f!(^ unter einen fdEiattigen S3aum^ 
unb (a9 und etne angenehme ®efcbtc^te aud irgenb 
einem fBud^e t)oc, n^elc^ed er mitgenommen \)Citu. 
Jürgen hingegen ging feinen ®Qng immer mftr» 
rifd^ fort/ unb fal^ auf nic^td^ n^ad um unb neben 
i^m »ar ^ tt)ei( er von feiner @a(^e etwad gelernt 
l^atte. Unb weil er bod|^ ntdS)t gan} mfif ig bleiben 
fonnte, fo fud^te er gemeiniglid^ Gelegenheit gu ic^n» 
hn, btd toxi enblic^; mit @rlau6nif ber Se()rer; xJ^tt 
ganj üon unferer ©efellfcbaft audfcbloffen, unb nic^tö 
weiter mit i(ym ya tl)wx ^aben wollten. Unb fo 
f!nb SSeibe i^r ganje6 Seben (^inburc^ geblieben. 
Sfirgen war ^u nid^td m ber SBelt ;u gebraud^en, 
wufte f!d^ mit nidj^t« ju ber4)aftigen, war ba^er im« 
mer verbrief lic?) , \xrx\i fiel ffc^ unb 2(nbern jur Safl. 
Äart l^ingegen würbe ein gefclS)i(fter , feiner 2)?ann, 
ben man überall gern leiben modelte , weil er immer 
vergnögt war, unb audS) 2(nbere ju vergndgen wußxe. 
Särgen murrete ft(^ ^u Sobe, el^e er noct^ breipig 
Sal^r alt geworben t^at^ Jtarl aber lebt nodS^ 6id <iuf 



fäc ^tnbec. 29 

biefe @tunbe; unb ifl nod^ tUn fo munter, att ic^, 
ungead^tet et »ot {tvei Sa^re jUet ifl. 

^al ^a^bav, rief bei biefen Sßcrten ®uts 
n)tU aud , nun begreife xi) fcbon jum Zijtit , n>o« 
lier e^ tommt, baf id^ eud^ immer fo t)ergn&gtfel£)e! 
^a^ mac^^t , if)t ^ait and) mti gelernt, unb toift 
baf)tt eud^ mit mehren 2)ingen {u betufügen, ali 
mir anbem ÜRenfd^en. 

SSeil il^r eö benn fo ftnbet , mtin fiieber , anu 
mottete S^renreid^ , fo mn^ i<f) freitid^ gefielen, 
baf i^ ni(i)t ^a(6 fo t)iel 93ergnögen in meinem 2e« 
ben miirbe gehabt J)abm , wenn idl) in ber ^ngenb 
weniger gelernt ^itu-^ unb id^ f)ait eö bal^er fel^r 
wal^r gefunben , wa^ mir mein SSater antwortete, 
a(6 id& i^n einfi fragte; wo^u benn bad Semen 
n&gtid^ fei? £)a fagte er: 

ittnb, frage nid^t: waö ^ilft^/ belebt gu fein? 

SBrtngt nid^t ein urbar Selb mei^r; M ein wfiftes ein? 
2Cber baö eigentlid^e Semen mad^t e^ boc^ allein 
nid^t a\x$. SEBenn unfere ®eele gefunb unb glftdlid^ 
fein foU , fo mäffen wir fte aud^ gewinnen , nid^t 
blof in ber @c^ule, ober bei einem SSud^e, fonbern 
ab er all, wo wir ung auc^ beftnben m5gen, auf» 
merffam ju fein auf 2Clle^; wa§ unt r)or^ 
€ommt; auf 2(lle^, wad wir feigen, ^iren, riechen. 



30 &itUni>i^Uin 

f4)me(f ett ober f&I^Ien ; auf aUe S)tnse unb ®t\d)iftt, 
bie in bem t)i\xHiä)m itUn Dorf ommen ; auf Züe€, 
tta^ bie ^anbmxMmU unb ^&nfller mai)^n , unb 
auf bie SSerfieuge unb •^anbgriffe, womit fte ed 
mad^en ; auf 3(l(e^ , toa^ tt)tc in bet 9latur um und 
l^et, im ©arten, im Selbe, auf SBiefen unb in ^&U 
bttn, ma^rnef^men; gan^ befonber^ aber auf ba^ 
^Betragen , bie SBorte unb bie «i^anblungen anberer 
SRenfd^en. 6d ifi unglaublich, liebe ^tnber, voit 
fef^r bie ®eele baburc^ getotnnt an SSerjlanbe, Alug« 
fieit unb Sinftc^t , unb toit gefc^icf t ber Wtm\i) ba» 
burc^ n)irb , ftd^ felbfi unb 3Cnbern ju l^elfen unb ju 
tätigen in allerlei SBerlegen^ett. ^an erlangt auf 
biefem SBege Sa6, »a^ mirgefunbenSßenf^iens 
Derjlanb nennen, b. 1^. man ermirbt ^^ baburcf^ 
ri(l[)ttge SSegrtffe \>ott ben 2)ingen in ber 9Belt, unb 
(ann nadi^^ec ricf^tig barfiber urt][)eilen: eine ^it^P 
fdl^igbare SigenfdEl^ft an einem fS^enfd^en, bie noc^ 
t^iet me^r mtt^ ijl, al€ alle ©ete^rfamfeit. 

Um eud^ biefe SSollfommenl^eit au erwerben, 
mfift x1)t m^t^ gebanfenlod anfelgien ober anl^5ren, 
fonbern euren SSerflanb, mie eure 2(ugen unb £)^ren 
unb bie übrigen ®inne, immer offen })aUn. SSei 
ieber neuen ®ac^^, bie eud^ Dorfommt/ m&ft i^r 
fiia fielen unb fragen : t»a^ ifl ba^ ? SSBol^er (ommt 



für J^inber. 31 

\>a€ ? SBie entfielet ba« ? ^oju nft^t bad ? Aann 
tc^ baö too^l na<^mac^en? u. f. w. S3et febem ttc^ 
tl^et(e , \)a^ anbete Seute in eurec ©egentvart fäffen, 
mftf t t^t benf en : t>et() jtt {tcl[^ baö aud) mirKtc^ fC; 
obetr folCte ed nid^t ein 3<^tt^um fein ? S3ei ZUem, 
tDa€ x^t anbete Seute, befonbecd fold^e, metd^e &lUt 
unb t)et{länbiget ftnb; al9 i^t; mad^en obet r)otne^ 
men fel^t , mfif t i^t immer ftagen : t9 i e mad^en ffe 
ba^, unb watum madf^en ffe ed fo unb nic^t an» 
bet^? SBatum bettagen fte ftc^ J)m fo, unb niddt 
auf tm anbete SBeife? Züt^, n>a6 euc^ t)cci&g(id^ 
metfmfirbid ju fein fd^eint, cbet mobon man eud^ 
fagt ; ba^ ed botifigtid^ mettofttbig fei / ba^ mi$t 
i^t futj in euer Seb^d^tnifbud^ eintragen; um 
e^ nidE)t »ieber §u bergef[en. — &tf)t, Ainber, ha9 
tfi \>a$ !Dlttte( ; wobutd^ man ffc^ bon bieten n&^Ii^ 
d)m S)ingen eine richtige Jtenntnip tttoitbt, unb 
woburc^ man bie @efunbl^eit nn\> bad SBad^dtl^um 
aUet feiner ®eelenf täfte befSrbett ! SRetf t eud[^; um 
biefe Seigre nie }u bergeffen, ben ®prud^: 

«&ab' £)$t unb 2Cuge ftetö gerpannt, 

SÄerf 2CUc« um bi* ^cr— fo wdd&fl btr ber JBcrjtanb! 

2(6er bie^ ifi nid^t bo^ einzige SRitteL SBenn 
unfere ®ee{e gefunb fein unb ffdj^ tt)o^{ beftnben UU, 



32 eitttnh&^Uin 

fo m&ffen mit fte attdS^ rein nnb utt(ef(etft 
Don alUn Safletn {u tt^^ittn fud^em 

iafttt, i^c lieben Ainbec, nennt man aUt$ 
2)aliettige; mobucdi) toit und felbfi ober anbern SRen» 
fc^en mifTenUidl^ @di)aben süffigen. Ser Ungel^or« 
fam {. S9. ifi ein £a{ier; meil mir und felbfl am 
meiflen fdj^aben; menn mir unfern SSorgefegten ntc|^t 
gel^orfam ftnb. 2)ann tbun mir nid^t nur, mad 
ttn6 fd^iblidi) if}, fonbem man b^tt aud^ auf, und 
gtt (ieben; unb menn ein .Sinb t>on feinen ZMttn 
ober Sebrem nid^t mebr geliebt mtrb^ fo ifi ed mirf^ 
Uc^ fcblimm baran. S>a^ danfen, €!di)im|)fen 
ober Sd^Ugen ifl au6) ein Safier, meil mir und 
unb 2Cnbern SDtifioergnftgen baburd^^ ma^tti'^ 2Cm 
bern, mei( Stiemanb gern mit fii) ianhn, ffd^ fc^im« 
pfen ober fä)la%m li^t; und felbfl aber, meil mir 
und allerlei a^erbruf.baburdi) su^eben, unb machen, 
bafi nadSiber 9liemattb gern mit uni umgeben miff. 
Serflebt i^r nun, mad Safler fei? ȣ) \a, lieber 
Später ! « rief ber iltefle Anabe ; » nun üerfie^en mir 
ed mol: Safler ifi 2)adientge; moburdS^ mir 
und ober anbern SRenfcben miffentltc^ 
®d&aben t^un.^' 

Siti)t, mein Steber ^ bu f)ail mo^l TU^t gegeben. 
ttnb mift tbr nun, mie man bai ®egent^eil pom 



Saftet nennt ? 3d[> meine ein fe((l!)e^ SSetragen , n>o« 
burd) n)ir unö unb anbete SKenfdi^ett juftiebenet unb 
d(fi(!U4)et mad^en. 2>a^ nennt man SSusenb* 

9}un^ Aittbet, tnöpt il^t mit, atö einem alten 
SDlanne, bet t)ie( etfa()ten i^at, auf mein SSoft glaue 
ben, bap jebe lafiet^afte ^anbtung unfete ®ee(e 
f canf unb elenb , jebe tudenblj^afte «^anblung l^inge^ 
gen fte gefunb, jlatf unb ftif)üi) mad^. 

Sßec t>on ber Sugenb meidet, bet wetcit oon feinem ®lü<fe. 
dum 2!^eU f onnt i{)t H^ nun fd^^on au^ eutep eige« 
nen ßrfal^cung »iffen. S)enn , ni^t mafyc , n>enn 
i^t txnma^ Stma« tl^atet , toai roit eu(^ «etboten 
l[»att<n I fo n)at eud() 9(ei(t^ nid)t fo n)o^l ju SSut^e, 
M n»enn i|^t etmae @uted get^on i^attet? Daö 
war bann f(l^on eiit Bet<l^n, bap ente ®ee{e in bem 
2(ttsen6litf e anfing , ni<i^t ted^ gefunb mel^t p fein, 
g&l^tet i^t nun fort, S^ofe^ iu t^un, fo m&tbe 
H^ Uebel immet dtgf t n>etben ^ i^t n^ärbet t>pn SSage 
SU Sage immet un)ufttebenet mit eud[^ fetbfi unb 
mit eutem Sujianbe metbitn ; unb taufimb 2)ingef 
bie eud[^ jegt SSetgnitgen mad^en , tt&tben aitfl()iten/ 
angenel^m f&t t\x^ %\x fein. 

jDenn ed t)ctl(^i(t ffc^ mit biefen @ee(MilcanE« 
l^eiten getabe eben fo , toxz mit ben £tanti)eften un- 
fet6 Setter. £)a« Ue6el tfi in beiben gdtfen m#t 

(^. @tttenbuci)(etn. 3 



34 eitttnhHUin 

auf etnma^t ha, fonbetn eö w^fl (angfam an, 
unb wirb etft nad) unb nad^ empfunben. SBenn 
»tr }. 83. etmal Ungefunbeö 9^9#n ^beti , fo em« 
pftnben toir anfangf nod^ gar feinen ^dS^merj boß 
9on. 9lad!^ einigen Gtunben a6er/ \>HUtU)t auc^ 
erft am foCgenben Xage , Reffen ftd^ fBaud^grimmett 
ttnb ftopfme^ ein. 9Benbeten toit Miann nid^t fo$ 
gleid^ bie redeten WtxtUl an, um Um ttebet ju fleu« 
ern , ober begingen tvir gar bie X^or^eit , uon ber 
ungefunben SSpeife Don neuen gu effen, fo xo&tbt e6 
immer fc^limmer mit unl n^erben, bil bie Jtranf^eit 
enblid^ gan) un^ei(6ar mfirbe. 6ben fo gelE^t t9 bem 
SRenfd^en, ber etmad SSife^ Dec&be. 3(nfang^ fp&rt 
er üieOei(^t toenig ober gar fein SRif t>ergniigen bar* 
Aber in feiner 6ee(e. S9ereuet er aber feine X^at 
md)t aifoiaü, unb gmar oon gangem «^ergen; ober 
ift er gar fo uni>erfldnbig , biefelbe bife X^at noc^ 
einmal^t }tt begeben : fo erfolgt toal^rlid^ Aber fur{ 
ober lang grof e« SRif Dergnftgen für i^n , unb bte 
«Reifung feiner ungefunben @eele mirb immer fd^^toe« 
rer unb mi^ßc^er. 

SBenn ;. S9. Semanb unter eud^, n>e(d^e0 @ott 
verdaten tooflfe, einmalj^t neibifd^ to&rbe &6er fet^ 
nen SSruber, »eil biefem ttwa^ ©uteö n>ibecfi&^te, 
beffen er unb bie TlnUtn entbehren mftften; ober 



fix Stinbtt. 55 

menn &mm unter euc^ t)on einem Vnbern tttoa^ 
jumibf r sefdEid()e, unb er bar&bec in 3 o r n geriet^e : 
fo n>ftrbe er fd[^on in bem ^CugenbUde , ba ec net« 
bifA ober jornig }u »erben anfinge, nii)t re^^t Der« 
Snflgt me^r fein. SBenn er inbefi fein Unrecht fo« 
gteid^ erfennte, feinen SSruber um ä^ergebung bdte, 
unb ftd^ tänftig ^&UU , in ebenbiefelbe €!cbma(^^eit 
n)ieber su DerfaKen: fo n)&rbe ber ®c|^aben feiner 
®eele nod^^ ju feilen fein. 3(ber n)enn er, bei jebet 
j^nlidS^en @e{egen^eit, mieber üon mvan neibifcb 
ober iornig ju merben fortfahre, fo fann xi^ eudl^ 
mit @en)iß^eit fagen , er n)ftrbe (eben^(ang ein um 
glftdüd^er Sßenfd!^ fein. 

9VelS)mt baber \a , fo oft eine neibifcbe ober sor» 
nige Smpftnbung ffcJb in euer ^tti fc^Ieidben tüiü, 
aOe eure €!eelen(rdfte iufammeu; unb fprec(^t ju ber 
garßigen Smpftnbung: 

Sort/ 9leib unb 3om! Sort, fort and meinem «^er^enl 
3(b leib'eudb ^^i^t barin, benn t^r eraeugt nur @4meraen. 
34^ toeif nid^t, ob i^ euc^ fcl^on einma^t 
bie ®efd!^i(^te Don Jtain er}d^Ct l^abe. SBie ging 
el bem? 6r toar auf feinen guten SBruber 
Xbel bife gen)orben, n>eU ber liebe ®ott unb feine 
Tltitttn btefen, feiner Sugenb megen, Dorjäglic^ (teb 
gewonnen f)atun. SBon ber 3eit an fonnte Jtain 

3* 



36 &itttni>HUin 

»irb , t9o moKt i^t bann affeS Sa^ientje ^eme^ 
men, n)a6 eud^ }u eurem Unterhatte unb gu eurem 
Serstt&gen nitl^ig ifi? 

3^r benf t \oitütx(S)t : unfere keltern »erben um 
fo 9te( ®elb ^tntertaJTen , baf tvir immer genug su 
leben ^aben. 2(ber, itinber, bad ifl eine fe^r mt> 
lid^e «^Öffnung} benn menn eure ZtiUtn an(S) nod^ 
fo \>xti @e(b f)itun , fo n>if t t^r nun fd^on , noie 
(eidS^t f!e barum fommen (innen. Unb gefegt ^ baf 
fte eu(^ bie grSf (en @({|äge ()tnterttef en ; mte (ange 
n>firbe ed bauem, »enn i^r ntc^t gelernt ^tttt biefe, 
)u Statine {u l^alten ? 

iOai etnsige ftd^ere ä^ittel , ft4) t>or Tltmixt^ )u 
t>ermalE^ren, \% baf man ft(^ feinen Unterhalt fel6(i 
(u em>erben; unb bad ßrmorbene fparfam ^u gebrau» 
dSien lernt. @rn)er6fam(eit unb ^patfam^ 
feit finb bal^er fe{)r nitlS^ige Xugenben; benn mer 
nt(^t# ertoirbt nnh ha^ ©einige nlc^^t in 9lat^e 
'^ilt, ber n^irb am 6nbe arm, unb n)ire er auc^ 
no(^ fo reid^ gemefen. 2)urdS) feine eigne @dE^ulb 
aber arm getoorben )u fein , bai ifi ein grof ed Un- 
gl&tf. I 

Siner, ber olE^ne fein SSerfd^ulben in 2)flrfttg(eit | 
gerat^en i% ftnbet immer mitleibige ^reunbe^ bie ftc^ i 
feiner annehmen. @iner, ber t>on armen SCeltern , 



geboten t|l, iveif ffd;^ in feine ttmjljnbe su fdftttfett^ 
mii et üon Sud^nb auf baran gewS^nt mürbe, unb 
mittt gelernt ^at, fär 2Cnbere ju arbeiten: aber 
»enn man Qttio^i gehabt 1)at , ober ](^aben f Snnte^ 
unb bann burdb S^ulbeit, SSerfdj^mettbung, 
itnorbentli<lb^ Seben^art unb 9lac^(irng^ 
feit am tvirb/ fo tfl man toittlii) fd^Kmm baran. 
Xein aRenfd^ giebt S)em gern , ber nid^t ju betteUt 
braud^tei roenn'er gemoUt ^itte. deiner nimmt et« 
nen folcben Stenfd^en au^^ gern in feine Sienfte, 
utib mnn er nod^ fo gef^^icft mire; benn man 
Unit immer — unb idj) meine, mit SRet^t — »er 
in feinen eigenen &a^tn nac^ldfftg ober üer« 
f(|^»enberif4^ gemefen iß, ber »irb e^ getoif audS^ in 
fremben &ad)m fein. 

!B3enn 6iner, ber arm geboren ober burd^ Um 
glfid^fdUe bfirftig geworben, nur fonfl ein Kuger 
unb guter !D{enfd[^ ifi, fo toirb er in mam^em S^Ite 
l^5^er gead[^tet, ali ber 0tei<^e, ber nic^t fo Hug unb 
nid^t fo gut ifl. Ttan trauet i^m el^er 6twa4 an, 
man fragt ibn um Slatb , unb fudbt feine St^eunb« 
fd^aft, mit man, fo arm er aud^ ifl, bo(^ burdb 
feine S^rtid^fett unb burdi) feine SBernunft 9lu6en 
t>on ibm ixtf^tn fann. 2Cber ber 2)ftrftige, ber ftc^ 
felbfl arm gemacht ^at, ba er fein gute^ Tlnitom» 



40 &itUnhi^Uin 

imn ^itte ^aien tinmn, ber tfl fiberaO ))ctac^m 
Mb Det^aft, meU et fe(bf( ®dl^ulb baran tp, baf et 
tiid^t^ me^t ^at, momit et anbetn 9)tenfdl>en nfl^n 
dnnte, unb nun bie(me()t felbfi 2(nbetn 6ef(^t9et(t<(i 
faVen ntuf . SRan ttaut i^m nx^ti an , mit man 
weif ^ n^ie fd^Iedi^t et mit bem ®emigen ^mltt^Y^af* 
Ht ^at Wlan txtüatut feinen ^nun Btat^ bon \^m, 
weil et ffc^ fetbjt fo &be( getat^en ^ott. Unb ba man 
i^n alfo )u nid^t^ weitet gebtaud^en fann, aH wo}u 
man ein 9fetb obet einen £>^U^, bie gefunbe ®tit» 
bet ^aben, aud^ gebtanü^^t, fo ^jct man il[)n aucb 
ntS^t mel beffet. ®e^t, üinbet, fo t>ie( fommt bat« 
onf an, baf il^t ^a^, wad i^t ^abf, ju Statine "^aU 
Ut, unb butdf^ teb(i4)e SSettiebfamfeit $a t>etme^ten 
fttd&t 5Wetft eud) ba^et bie 8e^re: 

@tmetirani!eit unb ^patfamfett, 

S)ie fcbS^en und t>ot S)ötftig!eit; 

£ffe f&llen ^d(b* unb bellet an, 

IDaf man ben 2Ctmen fpetTen fann. 
S^ miU t\xi) bei biefet @e(egen^eit bie ©efc^ic^te 
t)t>n einem fpatfamen Anaben ttii^Un, bet gtofe^ 
®rttf ma(l()te, ungead^tet et t)on «^aud ait^ (einen 
•fettet gelS^abt ^atu. 3n ? o n b o n (i^t roif t bocb, 
wo biefe ®tabt liegt?) hatu m teid^et Kaufmann 
ein btutatme^ Jtinb, ba0 Um TttlUtn m^^t ^atu, 



f&r J^inber. 41 

$u fid} in fein «f)au$ genommen. 98et( ber atme 
Sunge; ber 9liclS)arb 98t)itttngton \)U^, nei) fe 
Hein t^av, fo fonnte et anfänglich in ntct^tS gebraudi^t 
metben. IDtan lief i^n ba^tt nur fo im «^aufe unp 
leerlaufen, ttnb \>a mad)U et ftc^ felbft ein ®ee 
\i)ift batatt6 , t)erlorne SStecfnabeln unb ^ingemor« 
fen^en SSinbfaben aufjufucben unb fotgfältig §tt toet« 
n>alS^ren. SBenn et bann ein S>u|enb @te(tnabeln 
unb eine Stoße S3inbfaben gefammelt ^atte, fo btad^te 
et SSeibe^ feinem «^errn in bie ®(^teibjlube. Dal 
gefiel bem fiaufmanne mo^l; benn et fa^ barauli 
bafi ber Sunge ^au6(^iltertf^ unb treu merben 
Ȋrbe. 93on ber 3ett an gab er \id) me(^r mit i^m 
ab, unb gemann i^n lieb. 

S)a nun eine€ 2!aged ber «^au^fnecbt iunge Sia» 
|en erfjufen mottte, bat ber Anabe feinen «^errn, 
ha^ er i^m erlauben mic^te, eine bat)on auf$u$iet)n, 
um ffe nadi)^er ju t)erfaufen. Qß würbe xf)m Der» 
»illiget; unb nun futterte er ba^ junge Ri^^tn, bil 
e€ grofi geworben mar. 9}acb einiger ^nt wollte 
ber Kaufmann ein grofe^ €ic^iff mit Aaufmann^:: 
waaren nad^ einem fremben Sanbe fenben, um biefe 
haaren allba 5U )>erfaufen. Da er nun thm ^in» 
ging, um SU fe^^en, ob 2(Uel orbentlid!» eingepaßt 
fei , begegnete t^m ber Anabe , ber feine Aa|e auf 



42 eitUniHUin 

htm Titmt ttttg. Sli^avb, fa^te et su t^nt/ ^a^ 
btt ttic^t aud^ Stmad minuWxdtn , toa6 bu t>er0am 
beltt (Snntefi? 2((l^, Keber .^err, antmoctete ber 
Jtnabe, ®te loiffen \a idoI, baf id^ arm bin, unb 
»{dilti, aM biefe Jtabe ^abe. !nun; fo fc|ii(fe betne 
Jlate mit, fagte ber Xau^ann $ unb bec Sunge lief 
mit i^m (lin tum ®<ISiiffe, unb fe^te feine Jta^e bar« 
auf. £)al Sdiiiff fegelte ab. 

9lad^ einigen ä^onaten fam baffetbe bei einem 
bieder nod|^ nid^t befannten Sanbe an. SjRan jKeg 
ünif unb 1)ittt, baf el t>on einem ftSnige be^ercfc^t 
n>erbe. )Da biefer erfulSiri baf Srembe angefommen 
toAren, lief er einige bat)on ju ftd^ fobern, unb mit 
ftd^ effen. 2C6er ungeadi^tet ©peifen genug bawaren, 
fo fonnte man bo(^ fajt feinen S3i|Ten bat>on genie« 
f en. ^tnn \>a$ gan{e 3immer mimmeUe t>on ^&u^ 
fen unb Statten, »etd^e fo breifl maren, baf fte fd^a^ 
cenmife auf bem SifdSie umlSierfprangen , fid^ ber 
®peifen bemächtigten, unb fogar hm @d|7en bie 
S3iffen au^ ber ^anb l^oUen. ^an f)atu (ein Sfliu 
Ul aulftnbig gtt machen gen)uf t , fid^ bat)on }u be« 
freien, ungeadjitet ber 5t5nig S^emjenigen, ber ein 
fol^ti WttUl ftnben n)&rbe, ganje ACumpen ®o(bel 
|ur SSelo^nung ut]pxad). 

£)a bie Sremben iDiefel l^irten , fagten fte bem 



für Ainbe);. 43 

Stimmt, Hi fte ein %t)\tx mitdebtac^t Ritten, ml^t 
oDe biefe ÜRSufe unb Stattm tibten mficbe $ unb ^eU 
Un barauf i^ce itage ^er. S)a Rittet t^r fc^m foOen, 
K9a6 fär tine irflaunltc^e ^uhttia^t biefe unter bm 
SRjufen anrid[^tmi 3n einet falben @tttnbe mar 
im gatiitn Simmec (eine einzige me^r ju feigen ober 
}u ^Sren. iDer ASnig tcat baräber fo fro^, al€ 
tt>enn ihm Siner ein ^anjed Ainigreic^ gefc^enft 
I^Stte ; unb n)ei( er unermef (i(j^e (Reid^t^&mer befaf , 
fo gab er ffir bie Aage einen ganjen ®a(f ooU ®oU 
bed l()in. Sa6 ®(l!^iff eilte nun juc&cf. 

SBdre ber Kaufmann ; bem e^ gelitte , ein S3es 
tr&ger gen)efen; fo n)firbe er bad ®olb f&r ftc^ bt1)aU 
un unb bem armen Siid^arb ni^ti bat^on gefagt 
l^aben. Hbtt er mar ein grunbe(»rUc^er SDtann. 
Jtaum {)atte er ba^er ge^irt, mie t)ie( ®olb bie ^a(e 
eingebrad^t ^atte, fo lief er ben Knaben üor ffc^ 
{ommen, erjcl^lte il^m fein (SiM, unb t>erft(l(ierte, 
bafi ^CUed t^m allein ge^iren folle. 6r lief i^n bar« 
auf bie «^anblung lernen ; unb ba ber junge 9ßenfc|^ 
fortfuhr, treu, fleiflig unb fparfam ^u fein, fo gab er 
if)m, ba er ertoac^fen toat, feine einzige Zod^ter jur 
6$e, unb fegte i^n {um 6rben aller feiner ®fiter ein. 

®e^t; ^inber, fo ma(|)te Oiic^arb äB^itting« 
ton fein ©ifict burdj^ frft^}eitige ®parfam(eit. 2)enn 



44 eitUnbii^Uin 

imsead^ttt bet BvifaU ba^ fDleifle ba6et t^at, fo mar 
hoö) bie Slparfamfeit be^ Anaben bie erf(e UrfacN 
oon ZUtm , toa^ nac^^er erfolgte. SB^re er 
nidE^t ^au^^Uerifc^ gemefen , fo n)firbe er bie Xa^t 
ntdilt }um Serfauf aufgefuttert ^aben; unb f)itte er 
|td[^ hutd^ feine ®parfam(eit ni(^t bie Siebe beö 
^rrn ermorben, fo m&rbe biefer il)m nic^t erlaubt 
^6en, hai Sti^d^m fftr ftc^ su ^aben. Unb bann 
w&rbe ber glficfltc^^e 3ufaU nidj^t erfolgt fein. 

»Xber mie m\x^ man eel benn mad!^en, menn 
man fparfam fein unb @tn>a^ erwerben ydiU?« 
fragte ^&nt^tn, ber jfingfle ®o^n M alun 
^renreicb. 

2>a6 tüxü xd) bir fagen, mein Jtinb, antwortete 
fein aSater. 0ie^; Jpin^tn, ha muf man fic^ Dtet 
®efd[^i(t(icl!^feit in aUerUi n&^iid)tn ZtbeiUn ^u er» 
werben fuc^en, unb fid) fo gewil()nen; ba^ man nie« 
ma^l^ mftf ig fein fann. £)ann muß man äffe feine 
Sachen getiirig in Zö)t nehmen , jte ^war gebrau« 
dS;en, woju j?e bejiimmt finb, aber.f!* and) f)uun, 
fte )u Derberben, ober ju vertieren ; enb(ic() muf man 
in aRen Singen t)iibfd) otbmtlid) fein , ^thei an 
feinen redS^ten £)rt legen, nidS^tö umfommen laffen, 
unb niemal^(e Qma^ faufen, wae man nid^t nStlg^ig 
Ht 2)te^ ifl ha^ gange ®el^etmnifl. "^ 



Sienn x1)t j. S3. eure XUiUt itoat anixt^t, ahn, 
fo met mi^ü^, fte ju fdi^onen fuc^t; tvenn i^r in 
euren S3&(^ern {mar fletgig lefet^ aber fte ntc^t 6es 
fc^mult ober {errettet; menn i^r Tlüt^, mad xf)v ge« 
braudS^t ^abt; toteber an feine ®teUe U^tt, bamtt 
ed nidl^t «verloren ge^e^ unb menn tbr enbltc^ euer 
Sar(t^enge(b nx^t für ®))te(mer( ober 9ljfcf^ereien 
ausgebt , fonbern ^&i\d) }u Slatbe galtet ; bid eine 
@elegen^eit fornrnt, ba i^r ed f&r etma^ mirfUdi) 
Sl&tiii^t^ , ober }ur Srretdi^ung einer guten Zhfid)t 
ausgeben finnt: fo fetb i^r fparfame Jtinber. Unb 
mnn i^r m^ jegt gemil^nt, ZM, toai man eucb 
dufgiebt, fleißig unb gut 5u macben, unb euer SSer« 
gnögen in ber ®efcbiftigfeit su ftnben, fo merbet 
i^r gemiß auc^ ffinftig ermerbfame unb mol^^lb^tbenbe 
itnU merben , metd^ed ein großem ®l&(! ifl. Senn 
ha f)at man nt(^t nur feine Ütabrung^forgen , fon^ 
bern man tfi aixd^ f?4^er , fein SSeträger {u merben, 
unb immer fo t>iet iu ^aben, al^ man anbern Seu« 
un iu geben fd^ulbtg tfi. ^an fann bann au6) 
mitbt^ätig fein, DieCe «l^ungrige fpeifen, t)iele Dürftige 
tränten ; mU Sntblißte f leiben, mo^u JCnbere, bte 
ftcb nx(S)t^ ermorben ^aben, unoermigenb ftnb. jD e6 
tfi eine fcl!^5ne ®a(be , burdb SUi^ unb ©yarfamfeit 
melir ju ertoerben, a(« »tr gebrauchen, um Senieni« 



46 mUUnU^Uin . 

Qtn, ber tventget ^at, al9 er gebraudS^t, mit unfetm 
tteberfluffe aulju^elfen! 

Tlttt benfet ja nt(bt , ba{l bte ®parfamfeit bar« 
tn befiehl, baf man 2Ctte6; toaS man ^at, aufgebt 
unb Derfc^^lief t , ol^ne fftr fld^ unb anbere !DIenf<^en 
@ebrau(^ baüon )u mad)ttt. ^m, liebe .Kinber, ba^ 
tfl ber ®et{, ein f)&il\d)i€ Safler, meldS^ed SJeniem- 
Sen, ber bat>on angefledt i^, mi)t ^lidüi) fein (df t. 
2)entt ber Seisige t)er(iert nacf^ unb nai) ben ®e« 
fc^mad an aSen unfcbulbiden ^reuben; bie ganse 
fd^ine 9BeU l^at fAr x^n nieder ®cbine6, nid^te Xm 
genelS^me^ me^r, als aütxn baS ®e(b; »elcf^eH er boc^ 
nidi)t itt gebraud^en Sufl ^at Um biefed in erweis 
ben unb ^u fparen, entjie^t er fii) ^uM, tvai im 
®efunb^ett; jum SSergnfigen unb sur 98ol[)fanfl{n' 
btgfeit erfobert toitb. Sfir bad ^immltfc^e S^ergnS« 
gen / mtd)tS toaf)tt SreunbfdS^aft gen) j^rt , f)at er 
feinen ®inn. ®o »ie er felbfl deinen liebt, fo lie^ 
ben t^n au^ Znhm ni(bt. 6r bient feinem feiner 
9lebenmenfc^en; ad n>enn er @tn)a« babet üerbtenen 
tann ; unb bef n^egen bienen aucf^ anbere üRenfdi^en 
if^m ntd^t gern toieber. S)a^er fommt ed benn }u« 
»eilen ^ baß ber Seijige, gerabe um feinet ©eije^ 
»iffeu; in Ztmvttfy mb 6(enb gerdtl^. 

»IRun, bal t)erf{e^e id^ \>c^ in ber Z^t fetbfi 



nidS^t tedS^t,« {te( ^ut ber ^a^hat ®\xmxU ein. 
» ^ie f ann b«r ®ets iema^6 eine Urfad^e jut Tit» 
ntut^ mecben?« 

Site et ba€ f ann ? 9lun ^ id^ mup mtcb tvol er» 
ndren. 6rmnert x^t euc^ nicl!)t me^r an ben el^e« 
ma^ltgen ^e(^6(er 93ett, bec ba unten auf ber bceu 
im Strafe meinte? S)od^, wad totUM ifyt md) 
feiner nid^t erinnern, ba er erf! fett fftnf ^a^ren 
tobt ijt ! 9htn, mar ber in feinem TllUt nxijt fo gei« 
gtg^ a(6 man ed nur fein fann? ^ar er Dörfer, 
t^t er fo getiig mürbe , burdft bie @rbfcl(^aft t>on fei* 
ner ®rofmutter nic^t einer ber. retc^flen Spinner 
ber ®tabt gemorben ? Unb tpurbe er, beffen ungeac^« 
Ut , nic^t juleftt ald ein SSettUr begraben? äBo^er 
fam benn ba6? 

»^^ mfifte eben nl^t, baf befonbere Ungl&tf^ 
fSffe ®d^u(b baran gemefen wiren. « 

^d) a\x^ niijti mol^I aber meiß tc^, baf fein 
@ei} i^n arm gemadE)t f)at Um mit feinem geerbt 
tm SBermSgen red^t Diel ®erb auf einma^t su ge« 
»innen, lief er ftd^ iu gCeid(^er 3eit in mannicbfaltige 
grof e ^anbel^gefd^dfte ein. S>aiu ^&tU er brei ober 
t>ter Siener Ratten mäffen ^ aber fein @ei) trieb i^n 
an , Zau allein t>erric(^ten {u tvoSen ; unb tveil et 
gtei<^tooI ni<^t me^r , M f&t 6inen SRenfd^en ar» 



4S eittenhti^Uin 

beiten fottnte, fo mufte ec 9Ran(6e^ unotbtntlid^ 
mad^tn, ober umatbüfßd^n, tvoDon er ®(^abeti litt. 
®etnem ®eftnbe gab ec fo tvenig 2o^n^ uttb fo 
fd^Cect^te Jtofl , baf fie , a\x^ Sßangel an bem 9?otb' 
tvenbigen, bec fBerfut^ung^ tbn }u befle^fen, unterla- 
gen. ®elb|l feinem Sie^e — benn er trieb audj 
Sanbmirtbfc(^aft, ttngea(btet bied mit feinen «^anbel^ 
gefd^iften nidf^t befielen fonnte — ent}og er bie ni- 
t^ige 9iaf)t\xn%, unb b&rbete i^m gCeicI^woC me|^r 2rr< 
beit auf, ai€ bittig ijt. 2)a^er fiarb t^m benn ancb 
ein ®tft(f nadi) bem anbern ^in, ober würbe i^m um 
braucbbar. S>ann tvottte er ftdb bie .l^aare aM bem 
Jto|)fe retten, unb pr&ge(te, o^ne Urfacbe, Anedbt unb 
SRagb, moffir i(im t>on ber jDbrigteit bann iebe«roa(^( 
eine ®elb{lrafe aufgefegt mürbe. ®ein «^au^ unb 
feine 9Birtl()fc|^aft0gebiube mürben baufSttig. Wtit 
menigen Aoflen l^itte er ffe mieber ^erfteffen Hnmn ; 
attein audb biefe reueten x^n, unb am @nbe fielen fte 
gan} ober flftcf loeife {ufammen. Stata ein fRot^letben- 
ber unb flehte i^n um.^fi(fe an, fo mie^ er t^n ab^, 
tarn ein 9la4^bar, unb mottte irgenb ein ^au6gerdt^ 
t>on i^m borgen, fo glaubte er immer, bafi e6 abge« 
xi&it mfirbe, unb verweigerte ed , audf) menn e^ htm 
ZnUm wd) fo nit^ig mar. 2)efltt)egen mar i^m 
benn an^ (eine @eele gut , fein a^enfdS^ mollte t^m 



für J^ittber. 49 

mteber bimm, unb wann et trgenb @ttoa6 Don eis 
mm 2(nbern notl^tg f)atu, fo mufte .et e6 aUemal^t 
bteifac^ 'besagten. dule|t moKte er 2(Ke6 felbfi mo* 
dS^en, fojat feine Kleiber, um feinen ©d^neiberCol^n 
bejal^len su börfen : bar&ber t>erfäumte er nodS) mel^r 
feine n)iclS)tidecn ®e\i)&fu , unb litt immer grSgern 
@c^aben. @r felbii f)(itu ftd^ nie red^t faft fiegeflen; 
oft l^atte er bie ungefunbeflen ^peifen genoffen, meil 
fte i^m am wenigflen fofteten; bar&ber n>urbe er 
nad) einiger Seit frani unb elenb. @r l^dtte \>hU 
U\ä)t n)ieber gefunb n>erben f innen ; aber ber 2(r)t 
itnb bie JCrjenei waren i^m ju tl()euer. ^a er nad^ 
einer langen Xtanlf)txt, bei ber feine Umjlinbe im» 
mer fd^lec^ter mürben , enblic^ {iarb , IS)interlie{i er 
nid^td, ali mm fd^n> id^lid^en ®c^n, einige eingefaC^ 
(ene «^dufer, einige verlumpte Jtleiber, unb ben 9la- 
men eined niebertrdd(^tigen @eiil^alfe^. ^nn, l^atte 
id) nid^t Stecht, }u fagen^ baS ber @ei} il^n arm ge^ 
mad^t f)aUl Unb ifi e^ nid^t toal^r^ mad ha^ 
&pt&^im fagt : 

jDer ®tiif^aU muf |!d^ fe^r !afietn, 

Unb fann ftc^ nie bed bebend freun; 

(St hatht im QxifUn Ueberfluf, 

Unb ^at f&r faure ^i^ nur ©orgen unb SBerbruf. 
^&tet md) alfO| t^r Ainber^ aud^ t)or biefem Sa« 



50 eiUtnbiö^lein 

tbr. Oeit nU)t m^x an^, alt nSt^ig ift, aier audi 
nUfyt toeniaet. Serfftrset nlma^t ben ZthtiMm^ 
un xfyctn mo(^Ded>ienten Sol^n , unb mann i^r eim 
ma^I fetbll Sebiente t)aiun Ünnt, fo geb^t t^neit, 
fo vxA ^t gebraud^en , um gefunb ju bleiben , unb 
na^ \f)nm ®tanbe gl&dlic^ ju leben, bamit fte 
titd^ 4« %^rfttd(^ung gerat^en, mi) {u befie^Un. 
fBenbet auf euren eigenen 8eib fo Diel, alt nSt^ig 
ift, um i^n gefunb unb flarf ju ermatten, ©eijt au(^ 
nic^t in 3Cnfe^ung eine^ m^ftgen unb ertaubten Uitt^ 
^nfigen6 für t\xd) unb eure imU , nod^ an ben Xr^ 
nun, tDenn t^r in ®tanbe feib, i^nen ®uted ju tbun. 
me6 aber, mt fiberflflfftg ifl, ifi fd^ibtic^. fTOe^r 
Steibet imb ^ta^nk^, alt ibr gu eurer 9tot^bttrft, 
imb ber eiitgefubrten S3ob(an{i4nbtgfeit gemdp , ge» 
brandet; mel^r @eftnbe, alt i^r nit^ig l^abt; me^r 
€Sfeifen, <at ber SR^fcb bebarf, um fatt unb t>er> 
güAgt gu »erben; me^r SSergn&gnngen , alt erfobert 
n^erben , um fld^ gu neuen 2Crbeiten »leber gefd^id t 
gu mad^en: bat TiUtt t)ergel^rt nac^ unb nad^ euer 
9}erm5gen, unb mup aber furg ober long euc^ notfy 
n^enbig unglfttfttd^ mad^en. 

Seit; i^r Sieben; ba %(Ie^ um unt ru^t, mA(fen 
and) n>ir unfVm Sitpn bvxi) fanften ®cl^(af erqui* 
dm, um gu unfern ©efc^dften auf morgen neue Xt&fu 



füll; J^tnber. 51 

tu fatamin. SSetgen, wann Ut ^Cienbfletn touhzt 
am «Fimmel erfd^etnt, mü id} fortfal^iren, eud^ ju 
Uf)un, ma6 it)t noc^ tDeitec ju t^un t)abt, nm gut 
uitb d^&cUic^ ju tverben. 

S)a mänfcIS^ten fte flc^ etnanber eine gute ^a(bt, 
unb gingen fro^ su fdttu. 



Sweiteö 2(bcnbgcf}>rÄct>. 



SSon ben ^fttd^ten gegen TCnbere. 

^ie @onne ^atte am fo(genben Sage nod) nic^t 
gan} it)cett Sauf t)oaenbet, ald ©uttoiU mit feinen 
jtinbecn fld^ fc^on wiebei; untec bec Sinbe einfanb. 
9lic^t lange , fo ecfd^ien aud^ , Don feinen eigenen 
Ainbern begleitet, ber alte S^renteid^ mit berie« 
nigcn Reitern Sßiene, meldgie i^m eigen toat, unb 
»eldS^e man nic^t fe^en fonnte, o^ne felbfl t)ergn&gt 
|u mecben. 

!D{eitte lieben ^inber, fogte et; inbem er ftt^ nie- 
becfe(te unb ein^ nad() bem anbern umarmte, tt>a6 
tcb euc^ gefiern gefügt ^abe , n)&rbe ieinafie ^inrei- 
<^enb firin , eut^ glftd lid^ iu mad()en , mnn x1)t fftr 

4* 



52 eittttihi^Uin 

tVL^ aOetn Uhm (inntet. 2(6er ixt 9BeK xft für eu^ 
Mm n\d)t gemad^t. ®o gut , at^ il^t UUn unb 
glficfltd^ fem tvoOt, fo gut mcUen e6 ^nbere and). 
Z>tefe anbern fD^enfc^en aber, mit tveld^en t^t (eben 
mfift, ftnb nic^t immer gute unb fluge Wlenfd^ti', 
itnb menn fte auc^ noc^ fo gut unb noä) fo flug 
wären, fo ftnb fte boc^ immer ÜRenfc^en, me(d^e fe^^^ 
(en finnen , fo wie i^r and) oft feb(t. 3^r muft 
alfo lernen, wie i^r ed anzufangen ^abt, baf t^r 
unter i(^nen ftd^er, rul()ig unb g(ficf(icl& lebt*, unb bai 
fte fetbfl begierig werben, ju eurem ©t&cte etwa^ 
beijutragen. 

S&r bie @tcl^er^eit tfl nun wol fo itemttc^ ge» 
forgt. 6^ war einma^l eine 3eit, Jtinber, ba ed in 
biefem ®t&de nod^ nid^t fo gut flanb mit bm 9^en^ 
fc^en, M ie^t. Z>a^ war bie Seit, ba man \>on fei- 
ner orbenttic^en Einrichtung ber menfdi^tic^en ©efeU^ 
fd^aft , t)on feinen ©efegen , unb t)on (einer £)brig> 
(eitetwa^ wufte. 3eber Uhu bamal^I^, wie er wollte; 
3eber fud^te \ii) aMn fo glfidtid^ ju mai)tn, ai9 er 
tonnte. Aeiner befämmerte fid) um ben 2(nbern; 
Aeiner l[)atte bem 3(nbern etwa6 ju befe(;ren. 2feber 
t^at, wad t^m geftel, unb l^atteftd^ t>or (einer Strafe 
{u förcjten. — X>a9 fd^eint eud^, bem erffen Ttn- 
bticf e nad^ , wo( gar ein gt&d üd^er Suflanb gemefett 



fit itinber. 53 

iu fein ? Zbit toit tooütn ^iren , tote e^ n>ettet 
ßtng. 

Sebec alfo ^ tote tc^ fagte ^ batikte nut; an ftd^, 
unb Meinet; Heß |td(^ etnfaUen , einem 3Cnbern ^u bie« 
nen ober ju l()e(fen. gtel einem oon ungefi^c ein 
9ferb in ben @raben, obet^ blieb einem 3(nbem bec 
SBSagen flecfen , ober tourbe ein S)ritter (rant unter« 
toeged: fo dingen bie anbern 2eute aKe oorbet; unb 
t^attn, al9 toenn fte bad gar nic^t anginge. !EBann 
nun Serjentge^ bem biefed begegnet war, \a^, ba$ 
einer oon ^enen, bie i^n in @ti(f^e gelaffen l^atteU; 
aud^ einma^t in ^otf) geriet^; fo moSte er tl^m 
toieber ntd^t l()elfen; n>ei( Sener i^m nid^t geholfen 
^atte. Unb fo ließ immer ber @ine Hn 3(nbern in 
ber ^ott) jlecf en. 

!Run ftnb aber taufenb Z>inge in ber 9Belt; bie 
@in 2Renfc^ aUein nidS^t mad^en fann, unb e6 ent» 
flehen taufenb ^iUt, too (Sin ÜRenfd^ aUein ftdE^ 
ttidftt gu ratzen unb in l^elfen meif . S^r (5nnt eudE^ 
i^ S3. nic^t aUein eure ^ iufer bauen ; eure Aletbev 
mad^en, eure ©peifen bereiten, tnd) fc^fi^en, toann 
ein ®tärferer eud^ ettoad {u Seibe t^nn miS; euer 
toarten unb euc^ Reifen, toann i^r (ranf geworben 
feib. Z>a nun in ber Seit Seber blof fär ftd^ forgte^ 
fo war überall grofe 9lotl^. 



54 &itttnhti^Uxn 

SDabei gab e€ nun nc6) überbieö bSfe ST^^nfd^en, 
bie anbern beuten ba6 3^rtge nahmen, »enn fte 
fljrfgr n)aren. 2)tet ober 93tete ftelen fibet: ßtnen 
f)tt, tagten t^n aud feiner «l^&tte, raubten feine (Si^ 
Ut, unb lebten t)on Dem, n)a6 er in feinem fauem 
SSd^weifle ermorben ^atte. ^nbeffen mupte er felbfi 
barben, mei( er aSein fo SSieCen ntcbt mtberfiel^en 
fonnte. &o (ebten bie armen SRenfcben in ber er» 
ften Bett immer in %nt69t, unb nie ftcber, ba$ ntd^t 
in bem nid^ften ^(ugenblid @iner (ommen unb fte 
att6 bem Sb^S^^ t)ertreiben, ober ffe tooi gar tobt« 
fd^Cagen mSc^te. 

@nb(i4 ttaUn einige fluge unb gute 3)?enfc^n 
sufammen; unb matten an^, ha^ fte ffd^ unter eim 
anber bei{!el()en »oUten. S)a aber ber Sine fe , ber 
3(nbere anber« backte , fo f onnten f?e nid^t \>Ui aui^ 
ricbten. ®ie Ralfen smar etnanber, aber obne Orb- 
nung f obne 9$ernunft. 2)er @ine f am frfi^ , ber 
3(nbere fpJt; ber griff an, berntd^t. Sie bSfen fD^em 
fcben ^tten meifl bie Sberbanb, unb n^aren fdbon 
im S3eft|e tbre6 Staube«; e(^e nocb bie 3(nbern in- 
fammengefommen maren, um ibnen gu tt>ebren. 

2)a fielen hie guten ÜSenfcben , n)e(c^e ft<^ ber« 
bunben batten, einanber bei^uffebn, enbCicb auf btn 
®ebanfen , baf fte @inen ober 6tnige unter ff^^ er» 



t»i^Un , uttb tiefen Mt se^ord^en woOten, »enti ffe 
jum SSefien bec ©efeUf^aft (Stxoa^ Uft^Un mfirben. 
Sie mad^ten aud, taf Seber biefeit gemi^ltett Vtu 
fAbcettt @ttt)a6 }um Unterhatte geben fo(te, bamit 
ffe ffir bie allgemeine SRu^e tinb &ii^^x^Q\t, unb 
übetl^aupt f&c ba« @i&d ber (Sefearc^aft fmrgen 
mic(|(en. Z>a^et ftnb bie 93efel^(^()aber^ bie g&c« 
ften, bte Ainige entßanben. 

£)ie 3(nfä^rec nun gaben fleifig Hd^t, mttn 
bife SOtenfc^en ben guten 6tma^ megnel^men^ ober 
in 8eibe t^un »oSten. €!oba(b fte @tn>a^ metlten, 
gaben fte ein ^txäjm , unb auf biefeö 3eicl(^etti Catnen 
2(tte ^ecbei unb miberflanben hmi Seinbe. Aoint Qi» 
ner ober ber 2(nbere nicbt, tt>entt er baS) bitte Um* 
men f innen, fo fliefen bie 3(nbern ibn au^ ber Qt» 
fedfcbaft. Denn, fagten ffe, f)itu ber geittb bi^ 
angegriffen, fo ^dtten wir 2(He fommen mi^tn, 
»eil mir e^ t)erfpro(ben Ratten, unb weil wir glaube 
un, baf btt aud^ un$ ju ^iiU fommen wfirbeft. 
fEBiUfi: bu nun nid^t fommen unb unä lE^etfeit, fo 
wollen wir aud^ bir nid^t beifte^en. 

S)aß bauerte nun fo einige Seit; aber man fol^ 
balb, baf e^ and) fo noc^ nicf^t bleiben finne. Senn 
bie erwählten 3(nfu^rer waren felbft ntc^t aUe gute 
ÜRenfc^en , fonbern einige Don i^nen waren unb 



56 &ittinhid^Uin 

wutbtn md} unb nai) l^txtfd)f&d)tig, ^att, staufam, 
^a^stettg unb ungerecht. @te btfaf)Un unb verorb- 
mten ba^er nic^t tmmet Za€, n>a6 ber ©efeUfd^aft; 
fonbem t>te(me^c 2)a^, n)a6 il!)mn felbfi n&|Iid^ 
toat, begegneten babet Denen / t>on meldten fte ju 
3(nffi^retn ober Sfttflen angefegt morben toatm, mit 
Serac^tung/ «^itte unb ®rattfam(ett, unb Utm» 
gen f?(^ Abetl[)aupt fo ungebft^tlic^ , baf e6 auf bte 
{inge nx^t me^r au6iu^a(ten mar. 

S>asu (am nodfi ZMefe^: aud^f »nter ben guten 
a)tenf4^en felbft, bie fii) )u etnec Sefettfc^aft )>etbun« 
ben unb bie 3(nfft^rer gewiblt l^atten, entflanben 
nad^ unb nadl^ aünUi !D{ift)etfldnbntffe unb Bintt? 
reien, moburc^ bie Slu^e bec ©efettfd^aft ft^t ge{l5ct 
mürbe. S9a(b glaubte ber 6tne Don bem 3Cnbem 
beletbtgt iu fein $ ba(b bef^^ulbtgte ein ^Dritter ben 
Cietten , baf er t^m nid^t gebe , maö fein fei , ober 
baf er ibm &wa^ t>erberbt ober etma« SBife^ t)on 
t^m gerebet l^abe. S)a entffanben nun beftige SBort» 
»ec^fet unter i^nen , bie oft in S^it(id()f eiten aber» 
gingen. S3a(b moOte man ftc^ felbfi SU^t tjerf^af» 
fen, unb fucbte hai Unrecbt; meld^ed man erlitten in 
^aben ^laixhu, an feinem ^iberfadgier ju r^c^en; batb 
lief man bin ju einem ber Zjxf&^vtt, unb Derlangfe, 
baf biefer entfc^eiben foRe, »er t>on i^nen SteAt 



fir Jtinber. 57 

unb mx \Xnti6i}t l^abe. 3C6et biefer etttfc^teb bann 
oft nad) ®unfi unb n>te e6 i^n gel&ßete, nid^t nad) 
Siecht unb ©ered^ttgfeit. S)ac&beir lebte benn bie 
^efettfddaft in gcoßei: Unruhe unb Uniufcieben^eit. 

(Snblid!) tiefen bie £(2gßen bad ganje SSoK ober 
bie ganse SefeOfc^aft {ufammen, unb fleUten ^ot, baf 
ed el^ec nid)t Demftnftig unb gut bei xf)mn ^erge^en 
finne, ai^Jbi^ fte Züt, nad) gemeinfd(iaftUc()ec S3e$ 
rat^fc^Iagung unb Uebertegung, fef!fegen mftrben, mie 
e^ t&nftig foKe gel^ialten merben; mit aber t)te(e 
taufenb SRenfdE^en niddt sugleid^ mit einanber x^bm 
unb ftd!^ beratJEifd^ldgen f5nnten, fo foUten fte bieje^ 
tiigen SRinner, bie fte f&x bie t>e(n&nftigflen unb 
ted^tf^affenflen hielten, unter ftd^ au^n^i^UUi unb 
tiefen fßoUmac^t geben, in i()rer TtUtx Flamen )tt 
überlegen unb {u befdS^lief en, mie fte e^ (änftig toc\U 
ten gehalten tviffen. 

Z)a6 gefc()a^ nun; unb bie ermi^lten ®UIU 
t>ertreter bed ^olH mad^Un juDirberfi @e^ 
fe^e; b. i. SBorfd^riften, nai) »eichen fAnfiig Sebec 
ftd^ in feinem Z^nn unb Saffen ridS^ten foUe, bamit 
Seber rotffe^ wa9 i^m ju t^un erlaubt unb ni(||t 
erlaube fei. Sine felE)r nfitflic^e Sinric^tung ! X>inn 
au/i) bie beflen SKenfdS^en f5nnen nidj^t 2C0e6 fe^en, 
unb ma^ ifinen unb ber ganjen @efellfc^aft gut iß. 



58 &ittinhHltin 



J^litt^ Seber bd6 Sted^t; barfibet )tt urteilen : fo bem 
(et felbft, t9a6 barau^ merben tvfirbe ? Ser wärbe 
fasett: ia, e6 ifi gut; Z>et: nein, e« muf fo fein; 
2>et: nein, fo muf e^ fein; unb am Snbe mftrbe 
immer md)t$ )u €!(anbe (ommen. JDenn, t>iele 
Mhpft, DieU ®inne. ®e^t e6 eud^ nicf^t oft auc^ fo 
bei euren Spielen ? Z>er 6ine fagt : mir moffen 2)a^ 
fl>ielen; ber Xnbere: nein! wir »oOen Sene« fpie^ 
(en ; ber Sine : wir mftffen e^ f o machen ; ber Vm 
bere : nein, wir mfiffen e6 anberd macf^en. Unb wann 
i^r (ange genug barfiber geftrttten l^abt , fo ifi tnh* 
ti<b bie 3eit sum Spielen t>orbei, ober i^r ^abt ett(b 
getrennt, unb 3eber fpieU nun f&r ftcb; mid}t9 fange 
ni(bt fo angenehm ifi, a(6 wenn i^r ^ufammen fpielt 
00 wörbe e6 aucb in ber @efe(Ifdi^aft ber Wtenfd^tn 
gelten , wenn Seber nur ^a9 tt)\xn woUte , xoü9 er 
f&r gut b^It. & ifi bef wegen f(ug gebanbelt, \>a$ 
ein fär affemabl nacb 9tege(n ober ©efeben befitmmt 
wirb , wa6 gut unb nic^t gut , wad red^t unb um 
recbt, wa^ erlaubt unb nicbt erlaubt fein foK, unb 
baf bann 3(Ue ftd!^ banac^ rid^ten mfiffen. Unb baß 
war nun gefcbe^en. 

TiUt jebt mußten audb i^txu bafein , welc^ bar» 
auf SU fe^en f)itten, baf bie @efebe t>on Zütn beob* 
acbtet w&rben , unb bie , wann Streitigfeiten unter 



t ^inber. 59 

ben Seuten entjlAnben , nad) btefen Sefegen enifdE^ie* 
ben, loer Stecht unb »er Utttec||t ^2tte. S^ergleidS^en 
^erfonen rourben a(fo aud^ in aßen iDertent an^es 
fe^t; unb fte er^teUen S3oUmacf)t, S)teient9en, »eCc^e 
bte ©efege Abertreten n>Arben ; fo ju beflrafen , tote 
ed in ben ©efe^en t)orgerc^rteben fianb. fSJtan nannte 
ffe 9ttd)ter ober £)brigf eiten. 

^iem{(|^|ibe{Hmmten bie ®teIlDertreter be6 93o(ft, 
ob e9 nur @tn ober me^re £)ber^2upter l^aben 
wodte; mortn bie ^ad)t unb bie ^fltc^ten berfetben 
beliehen foUteU; unb ma6 ba6 gan^e SSolt btefen fei« 
nen £)6er()iuptern geben n>oßte, bamtt fte anfl^nbig 
(eben finnten , unb ntc^t burd^ 9(a^rung6forgen ge< 
^inbert »örben , för ba^ attgemetne SSo^l ju mo« 
db^n. 2)iefe Oberhäupter — Äaifer, Ä&nige, gfirjlen, 
®tott^a(ter, ober »te man fte fonfl nannte, — foBf« 
un bal^tn fe^en, baß überaß bte ©efege geehrt, Siedet 
unb @ere(bttgfeit t)on ben Obrtgfetten ge^anb^abet 
warben, unb ba^ fiber^idupt Seber, bem ein iffentö« 
d(^e6 ®efc^dft ober ein X>xenfl ant)ertraut tcitt, feine 
Sidi^ulbigfett t^iu. SSurbe bie ©efeßfcbaft t>on am 
bem ÜWenfc^en feinbfeltg angegriffen, fo fottten fte 
an bie @pige be6 bett>affneten ^olH treten , unb ed 
gegen ben Setnb anfahren, um hat gemeinfcbaftCic^^e 
SSatertanb {u fc^Al^n* ^t^f^ ^en £)ber^äuptern auf» 



60 Stttcnliflt^Idn 

gettagmeSttvalt unb$f{ici)t mtintt man bit »or[> 
lie^tnbe SVa^t obec bie StegUrung. Unb um 
bf r n>t(l)ttaen 2>ienfie miKcn , bit fit bei: ®tf«Uf^aft 
babur^ ItißtCen , ^eütt nun aud) ^tbtcntann bitfi 
£>btt^ittfUt Doridgltc^ t^rtn, unb fo oft fte im 910= 
tntn btc @tf(&t Qtmt btfi\)Ut> obtr otcbiettn u&t= 
bin, t()nfn ben flttng^tn ©t^ocrom Itifttn. 

£ä man nun abtc ni^t aUt OtftQt, nt((t»e ni^ 

tftig mnnn, auf tinmadl madjtn lonnie , ou^r S<i[ 

tvolil uorauSfa^, baf in btt SoCst immer neue %ilit 

«ntfiefitR bücften, wldjt ttnt Kbinbtiung bee alten 

unb tine SSerfertigung neuec ©tfegt etfobem toßn 

blUi fo fegten bie SttUvtttrtter be« Sielti lugteict) 

f(|i, wtx, mann fit audeinanbtc gegangen fein ujÜp 

ben, beiv Auftrag ^abtn foDc, ntut ©tfegt ju ma> 

matten untt-bte alten, nai^ Sefd^affen^eit bec Um' 

fUnbt, abiudnbetn. Sinigt ©tfelir^afttn waccn um 

bocfit^tig genug, bieft gtopt Siollmai^t — bit st= 

ftftstbtnbe @txoaU — einem tinjigen SRenftfren, 

, btc bo(^, nenn er 

t, fo lei^t irren, 

pat, bAi Stecht, al> 

, fo (ti<^t juc Un: 

nntt. 3(nbect @f 

nun, ottocbntttn. 



füt Jtiitbet. 61 

bai t)on 3Ht $u B^it eine gen)t{fe 7ittiaf)l t>on t^neti '* 
fclbfl, ai^ ©teffüertreter ffic 2Ctte, jufammenfommen, 
unb entmeber mit 3uste()ung be^ £)ber^aupt^ , ober 
aud) ol^ne beffelben SWitwirfung, ba« 2fmt ber ©e« 
feggebung t)crtpa(ten foUten. 9}oc^ anbere ©efeU« 
fdS^aften glaubten gan^ unb gar fein £)ber()au)>t nS» 
t^^ig iu ^ahtrtf txnb liefen bie @efe|e burc^ i^re 
®te{(t)ertreter nxi)t nur mad^en, fonbern aud^ bte 
SSottjiel^ung berfelben beforgen. 

S)iefe Einrichtungen nun, ml^t jebe ©efellfd^aft 
}u treffen ffir gut fanb; nennt man i^re äSerfaf^ 
fung. 

SBenn nun anbere SRmf^tn, bie ftd? jufammens 
gerottet, unb entn>eber noc^ gar feine, ober eine 
fcl^lec^te SSerfaffung Ratten, bie i^nen erlaubte, Un« 
gerec^tigfeiten ju begeben, eine Don Un n)o^letnges 
ric^iteten ©efellfc^aften feinbfelig anfallen wollten, fo 
mußten 3(lle, auf S3efel()l bee £)ber^au))t6 ober ber 
Stellvertreter, fogleic^ mit tl^ren SBaffen I()er6etetlen, 
um bem ungered[)ten ^einbe 9Btberflanb ju t^un. 
3(6er btefe ßinrid^tung \)attt bc^ ani) nod^ t^re gro< 
fen Unbequemli^feiten. iDft mufte man, n>enn 
man mitten im HtUiun mar , 3(lle^ |iel()en unb lie^ 
gen laffen , ntn ba^in ^u laufen , »o ber Seinb ben 
2(nfaa brolEfete; oft »urbe man ganj unt>ermut^et 



62 eitUnhid^liin 

ibttfaütn, itnb ba war bann Stintt in fBerettfc^^aft, 
fi^ Segen ben Seinb {U {letten ; oft , wenn fte an^ 
ft&ilütld flenug {ufammenfamen , ton^Un fte nicf^t, 
wie ffe etf ansretfen foUten, um ftd^ su wehren, mxl 
fte bte SBaffenfunfl t>or^ei; nic^t gel()irts Ratten &6en 
{innen. 

^teftu f am noc^ Z>tere«. ^tnn bte ©efe^e , bte 
man gema<|^t ^atu , t>on 3(((en geehrt unb befolgt 
werben foKten, fo muften aud^ ÄberaS im ganjen 
Sanbe bewaffnete Seute fein, um bie bofen SDtenfd^en 
ba)u SU iwtngen. S>a muften a(fo immer i»tele t>ott 
ber SefeQfc^aft i^re 2Cr6eiten liegen laffen, um mit 
ben SBaffen in ber «^anb bie @uten ju befcf^ügen 
unb bie @efe6e gegen bie S9ifen gelten su macf^en; 
unb i^r finnt leic^^t benfen , baf bad fär ÜRanc^en, 
ber {u ^au^ ju t^m l^atu, fe^r befcf^werltc^ fein 
mufte. 

Z)a geriet^) man benn enblid^ auf ben @tnfaQ, 
ein S^eil ber @efellfc^aft foUe blo^ jum ®c^u|e 
ber Uebrigen Uhtn. 2)iefer foSe wachen, wann bie 
Xn^ern arbeiteten ober fcbliefen, baf bie ©efel^e nid^t 
übertreten wfirben, unb \>a^ bie ©efellfd^aft t>on an^ 
wirtigen Seinben nic^t beunruhiget würbe; unb wann 
(ein Setnb t)or]Sianbett wire, fo follten fte ftd^ insrnts 
fdl^en in ben SBaffen üben , unb lernen , wie fte ftc^ 



für hinter G3 

bei jebem Angriffe unb iebem SSorfaUe gegen beb 
geinb ut^aittn mfiften. ^o entflanben bie @o(<> 
baten. 

S^iefe 2eute Ratten nun »entg 3^<t , bie Selber 
gu befleUen, ober anbere HtUiUn ju Derrid^ten; nnb 
bod[) tparen fte ber Sefetlf^^aft nügUc^. 6^ n)urbe 
ba^er befc^lolfen, baß S^ber ber Uebrtgen Qttoa^ t)on 
feinem aSermigen baju ^ergeben foUe, Diefe ju er^ 
galten. 2)ad nannte man 3(b gaben. Saburcf^ t>er' 
loren 3ene gmar Sttoa^ , aber fie getDannen baf Ar 
ancf) 2)te6, baß fte nun ftdSier unb ru^ig (eben fonm 
ten, unb nxi)t ade 3(ugenblicfe in @efa^r maren, 
m t^rer2(rbeit ge^inbert 5U mxUn. — !Run; Atnber, 
miffet i^r , n>o()er bie einige ober Särflen , bie ®t^ 
ttd)U, bie ©efe^e, bie ®o(baten unb bie 3(6gaben 
entjlanben ftnb. Sernt nun aucb; »ie xl)t e« madS^en 
m&ft| baß euc^ atte biefe @inrici;^tungen nidS^t fd^db- 
(idb» fonbern melme^yr nfi^lid^ n^erben migen. 

^enn diejenigen, n)elc^en bie ©efeUfc^aft auf- 
getragen f^at, bie Sefege in geben unb gu \)oUftte^ 
den, fraft biefer i^rer. 93oSmad!)t un^ (Sttoa^ befe()« 
len ober t)erbieten, fo gefcbie^t bied immer ju unfer 
QCAer aSort^il-, benn' bie @efetie l^aben (einen axi^ 
betn ätoti, ol^ ben, unfereSiu^e, unfer ßigent^um, 
nnfere Srei^^it unb unfer Seben ju ftc^fern. SSir 



64 @{ttenbü4lein 

mfiffen alfo {tinaü, n>o ba6 ©efeg ober ein iffettt^ 
tic^ec 85efe^WIE)a6ec im S^amen be« @efe|e« rebet, 
gern unb tDtdig gef)ot(()en. SBenn bet ®taat 
— fo nennt man bie ©efettfcIS^öft, nadj^bem fie eine 
gefegmJfige aSerfaffung ^vf)aitm t)(it — Abgaben 
t)on nn^ verlangt, fo werben (te §u unfet 2CKer S5e= 
ften angewanbt Senn er mug ^clbatm er^aUen, 
bie un^ t>ert{)eibigen ; er muf ®mi)U unterhatte», 
welche un^ gegen hai üntt^t bSfer SRenfdSien fd^fis 
|en; er muf Derfidnbige SOtdnner befolben, »eCc^e 
adeclei SRitte( erfinben , moburd^ bie fOJitgtieber ber 
©efeUfc^aft immer g(ficfti(^er gemad^t tverben fSn- 
nen; er muf roeife Seigrer unterhalten/ mlä)t un^ 
fagen, wad mir ju tl[)un unb ^u laffen ^abett, H* 
mit e^ un6 mol^il ge^e. 3u bem 3((len gebraucht 
er @elb ; unb ba biefe^ ju unferm SSeflen t>ertoanbt 
wirb, fo ifi ec^ biUig, baß er e6 aud^ t>on un^ neunte. 
SBir muffen i()m atfo geben, n>a^ er un6 ^ieju ah 
fobern täft. 

Un6 fommt e6 babet nic^t ju, }u fragen, tvar» 
um unfere £)brigf eit biefe ober jene JBerfügung treffe, 
un$ S^iefed ober ^ene^ befehlen (äffe; benn ba^ tin^ 
nen mir nic^t immer beutlid^ genug einfel^en ; unfete 
9^idft ij{, bem ©efege unb Denen, bie ed J^anbf^a- 
6en, SU gel^orc^en. Saßt eudS^ alfo, mann i^r etn^^ 



füc Jttnber. 65 

maf)l toerbet grof geworben fein , nxi}t t)on S)enett 
Decffi^ren, bie immer über ilS)re pbrtgfeiten unb &6er 
bH ©efe^e flagen. 3^r tDtffet nun fo t)te( , baf e6 
euc(^ mit gtficflic^ mac^t, n)ann bie SefeUfc^aft, n>or^ 
in xf)t Uitt, glficflic^ ifl. SBoburc^ aber bie ©efeU« 
fc^aft gläcflic^ n)erbe , bad f5nnet i^r nic^t immer 
einfel^ien; bad muft xf)t alfo Denen äberlaffen, tveU 
dS^en bie ®efe(lf4)aft aufgetragen ^at, baröber nad^» 
iuftnnen unb eö in TiH^x !Ramen anjuorbnen. 

Ueberl^aupt, i^r (ieben ^inber, ifi ber ©e^or^» 
fam gegen £)ieienigen, mid)^ und )u befel[)(en ^a« 
bm, e« feien unfer Äjnig, unfcr »^err, unfere Äeltem, 
ober unfere Se^rer, eine unferer unDerteglic^^flen ^flxi)^ 
Utii benn ber Unge^orfam mad)t und gemif un^ 
glftcfßdi). ^^ f)aht tud) ^inbern 5. S9. ertaubt, auf 
bem ^ofe, tm ©arten, nnh unter hm Sinben ^erum, 
p fpielen , fo t>ie( t^r tt)oUt. 2(ber ic^ ^abe eu(l() 
audl^ {ugtetdS^ verboten, bei ben SSrunnen in gelten, 
be<^ auf bem *^pfe ifl. Uebertritet i^r nun biefen 
meinen S3efe^(, fo würbet i^r euer ieUn in ®efa()r 
feften; ober, wenn tl^r aud) bad eine 9)?ab( gtficfUc^ 
baDon fimet, fo würbe ed bo(6 mit aUen euren fünf* 
tigen Vergnügungen auf einma^t aud fein, ^mn, 
iDctt xd^ eud^ (iebe, unb gern Der^inbern mSd^te, baß 
i|)r )u ®cl^aben fommt, fo bürfte Id) mä), bon b^tn 

9. Gmett»itd)(eiit. 5 



66 eititnhtiä^Uin 

Vttfleitblttfe an, ba^ i^r ttnselS)ocram getoefett tt>ä> 
ret, ntc^t mel^c erlauben, auf ben ^of , ober Don 
ba in ben (Satten ober unter bte Sinben ^u ge^en, 
mei( i^ mid} auf euren ®eI)orfam nic^t me^r \)tt' 
lafftn fSnnte, unb immer beforgen mfifte, ha^ t^c 
mieber an btn {Brunnen ginget. 2(nj{att alfo, ba^ 
t^r Uitf fo oft eure ®(^u({lunben au^ ftnb, euc^ 
^ter unter freiem «^immel fo mancbed SSergnfigen 
mad^en finnt, mähtet t^r, fo oft id^ ni4)t ^dt f)itu, 
fetbfi mit eudS^ {u ge^en, tnd) gefallen laffen, in einer 
engen ®tube su {t(en, unb lange S03eile gu ^aben. 
Unb tvfirbet \^v babei üergnfigt fein f innen ? 

•f^fitet euc^ alfo t)or Ungel^orfam, eö fei tocu 
in e^ tvode , e6 fei gegen mid^, ober gegen eure Seb« 
rer, gegen eure (finfttge «Ferren, ober gegen eure 
Öbrigfett. 

^e^orfam ftin ift unfer Met 9fiiä)t\ 

^ein ^enfäf tfl frei baüon, Telbfl 9örjl unb it6nig nic^t. 
Senn audS^ Sörfien unb Einige mAffen , wenn 
fie gute »^errfd^er fein »ollen, ben Oefe^en golge lei* 
flen. Siefe m&ffen fte eieren, ftd^ in allen i^ren «^anb? 
lungen hanaö) tx^un, unb niemal^il^ dtvoaii Dornet- 
men, toa^ biefen guwiber ijl. )Denn nur unter bie^ 
fer SSebtngung \)at man fte gu Sfirflen unb Einigen 
gemalt. (Srfätfen fte biefelbe nic^t, ^anbetn fte Diel? 



für hinter. 67 

me^t mütii1)xlx6), unb o^m bte ®efege i^re^ ianbt^ 
ju Statte }u }te()en , fo ^Sren fte auf, SSdtec be6 
aSoK^ 5U fein, fo ftnb fte 3n>ind()^t^ten ober 2)es 
fpotett unb Sirannen, bte 3ebetmann fordetet unb 
f)affet, unb t)on beren ungered^etr «^errfc^aft man 
ftdS^ Io6iumac()en \n6)t, fo bal\> man tann. 

^enfet audE^ ntd)t, t()c (teben Ainber, baf bei; 
®elg)orfam etkt)a^ S3efcl^mer(i(l()e^ fei, unb \>a^ e^ bef^ 
fet fem w&the, wenn tDtr gair (eine £)6rtg(eiten unb 
feine ©efege Ritten. 2)enn 3CUe6, tva6 eud) Don bie- 
fen U^c^m obei: verboten totcb, bad n>icb eudE^ bef* 
wegen befo()(en obec verboten , weif i^r unb anbere 
972enfc^en fonft xtxd)t gtöcfltc^ mxhm (inntet. 

SBenn man nun ba6 2Cae6 t^ut, wa6 butd^ \>u 
@efe6e anbefo(;(en i% unb aOled S>a6 untetldf t, wa^ 
fte un6 «erbieten ; tvenn man einem UUn SRenfc^en 
atle^ X>a^ ^itit , t^ut unb (eiflet , wa^ er nac^ ben 
©efegen t)on un^ fobern (ann : bann, i^r ^inber, ifl 
man — gerec^^t. ©eredS^tigfeit! eine große, Diel* 
umfaffenbe Sugenb; @ere(^tig(eit! bie erf!e unb 
^eiligfle aUer unferer ^flid^ten , baö Srfie unb «^et« 
(igjie t)on 3(((em, wa€ gefi&t werben muf , e^e wir 
auf ben 9}amen guter SDtenfdS^en irgenb einen ge» 
grfinbeten ^fnfprucf^ machen (innen ! fBtan fei no(^ 
fo geteert unb gefc^idt, man fei nocf^ fo gef JUig unb 

5* 



68 6ittenbft(6tetn 

artig , man toetfe gattje ®icfe \>oU ®e(b unter bie 
Xtmen au^, fut}, man l^abe no(^ fo DteU anbere 
fd^jlbare Sigenfcbaften unb Sugenben : tfl man ba» 
bei nidS^t gerecht, gtebt man babei ntcbt 3!ebem 2>ad, 
toat et mit Stecht Don un^ fobern (ann, fo iß man 
bocK^ ein i^U^t$t Wtm^d^, unb ntd^t mxt^, an beit 
{Bott(|ei(en einet bucd^ ©efege beglfidten ©efeUfcftaft 
2(ntbeil su nehmen. 

(Sinem Seben boö Peinige! 

2)ie6, Jtinber, mfift il^c eudb tnxt unau^tSfd^ridS^en 
IBtt(t)flaben in6 J^erj unb in$ ®ebädS^tntf fd>retben, 
um t9 nie ju Dergefien, unb e« }ttc Stic^tfcIS^nut at« 
(et eurer «^anblungen ju machen. 

Unb benfe bocd ia steinet, baf n)tr 6twad babei 
vertieren ober einbfif en, wenn mir Sebem geben unb 
tlElun, ma6 er gefe^m ifig r>cn nni fobern (ann ^ benn 
eben biefelben ®efe(^e, meiere unfer SSetragen gegen 
2(nbere befHmmen, bie beßimmen aucb ba6 SSetra- 
gen 2(nberer gegen und. ®ie ftc()ern baburd^ unfer 
Gigentl^um, unfere 9lu()e, unfer @tftd unb unfer ii» 
ben t)or 3(nbern, fo wie fte bai Sigent^um, bie SRu^e, 
bad ®t&d unb bad Seben 3(nberer r)or une in ®U 
(berl^eit fiellen. 3d^ toiil bied burd^ ein Seifpiel er- 
(Stttern. ^ 

®o ijl ttn6 ». 93. erboten, 3em anb ® d^m er s 



fd( JCinbet. 69 

gu üerurfac^^en, e§ fei auf weldE^e SBeife e^ woUt, 
unb e6 tfi ba6 @efeg gegeben tDorben: mec auö 
t^6rtd^tem ©d^erae^ ober aud ficafbarer 
Unüorfic^tigfeit, ober gar a\x^ 3orn unb 
S3o6^ett^ einem 3(nbern ©df^mer^ t)erur' 
fac^t^ber n)irb burd^ ^df^mer} geflraft n>ers 
htn. ^adfy btefem ®efe^e wirb Serjentge, bec 3e« 
manb fc^Mgt, wteber gef4)(agen ; Derientge, ber 3^ 
manb tibut, lieber getobtet; unb glaubt il^r, Aim 
ber, baf ed gut mdre, wenn man bieS ©efeg un^ 
ntd^t gegeben l)itu ? 98ir wollen einmal^il fe(>em 

SQetft \>n nod(^; mein lieber 9Sillg)elm (fo ^ief 
ber fed^^iä^rige ®o^n M aitm ß^renretdS^) wie bid^ 
neulid^ ber gro^e 83ube mi$()anbeln wollte, ba bu 
allein nad^ ber @c^ule gingefi? SSie war bc6) \>a^*^ 
Qtii^U ed und. 

»3a, i^ f)atu i^m ntd^td getl^yan, lieber SJater; 
ba tarn er auf einmalgil hergelaufen, unb wollte mir 
ben 3n>iebacf wegnel^imen, ben mir bie SDtutter geges 
ben ^atte; unb ba fagte ic^, er foUte bad bleiben 
laffen , e6 wäre mein 3n>tebac( ; unb ba wollte «r 
mi(^ fdSilagen, wenn idS^ il^m ntd^it gleid^ ben 2^w 
6ad gi^be. « 

.Konntefi bu benn biö:} nid}t wehren, mein lieber 
@o^n ? 



70 &itteni>tiä^Uin 

»3(c^ nein, SSatet; e^ ifl \a fd^on fo ein großer 
Sunge, baf et mic^ gUic^ bejtvmcien f ann. < 

9Bie madSitefi bu e6 benn, baf er btd^ mit Sne» 
ben (äffen mu^u ? 

»3<t, ba er fd^on ben ®tod in bie ^ifyt ^oi, 
um midS^ }tt fd^tagen, ba fagte id)^ er fottte e6 nur 
t^un, fo woUte tc^ e^ bem Jtonreftor fagen, fo tc&tbt 
er tt^ieber ©(^(dge friegen. 2)a (ief er e^ bleiben, 
nnb id^ bel(|ieU meinen Stviebad.« 

®ie(>fl bu nun, mein Ainb, fii^r l^ietauf 6^ 
renreic^ fort, »ie gut hai ®efe6 ifl, haf £>erienige, 
ber 3Cnbem Schmer} t)erurfa(l^et, tvieber ®dl^mers (et^ 
htn muf? 9Bdre biefed @efe( ntc^t gemefen, fo 
n^firbe ber grope Sunge bir beinen ^toMai genom- 
men, unb tt^ot nod^ obenein bic(^' geprägelt ^aben. 
Tibet fo f&vii)UU er ftdS^ t)or ber Strafe, unb lief 
ed bleiben. 

@el^t, Jtinber, fo ifl ed &6era(l in ber SBeU. 
Z)af toir ftd^er auf ber ®traf e gelS)en , fidler unfere 
@efd^ jfte t)errid^ten unb ru^ig fd^lafen b&rfen , ba6 
^aben toxt Ubtgtid^ biefem ©efege ^u Derbanfen. 
SSdre eö nic^t gegeben worben, fo tofirbe fein SDIenfcb 
einen 3(ugen6licf feinet Sebentf ftc^er fein, ^ec 
®tdrfere n)firbe hm ®d^to dc^ern , too er i^n fdnbe, 
äberfaUen, tbm ha$ ®einige rauben, tbn mifj^^an- 



fär Jtinbei;. 71 

betn unb n>o( gac tobtfc(itogen. SSefonbecS tvätbet 
if)t armen Atnbet ted^t &6e( baran fein , meil i^t 
mi) nod^ ntd^t tve^ren finnt. ^an wärbe eud^ 
2(ae^ nehmen , t&ai i^t ^aht , man tt^firbe euc^ be^ 
flinbig ned en, fopjf^n unb fc^Iagen ; unb mnn man 
moHte, mäcbe man eud^ gac tibten, o^ne baf ein 
^a^n banaö^ fci^ete. 

3^r fe()t alfo, n)ie gut ed ffit euc^ ifi, baf man 
biefe äSetocbnung gegeben f)at, unb n>te gern befn>e« 
gen t^r fetbfl fte befolgen mäjfet, wenn t^r eudj^ niddt 
feCbjl m^liidlid^ mactien moUt. Saufet alfo Sem« 
jenigen^ber bie6 tpetfe ®efe| gegeben 1)at, unb Ig^fttet 
euc^, ed p übertreten, unb toenn^ and) nur in 
®paf n)ire. Senn au^ &pa9 (ann (ei(()t 6rnß 
werben , unb man f^at wo( e^er gefeiten , \>ai ituU, 
bie bamit anfingen, ftd^ au6 ®6)n^ ju Wagtn, am 
6nbe fDlirber würben. @o ging ed bem jungen 
SRenfc^en, ber |iier bor fecti^ Salären enthauptet 
würbe. 6r wohnte mit einem anbern Jünglinge 
auf @iner ®tube. 6ined SSage^, ha er mäpig war, 
fing er bor langer 9Bei(e an, fld^ mit feinem Sreunbe 
}U neden $ aui bem !Re(f en würben fc()er j^afte Bd^l&^t, 
unb biefen folgte eine ernß^afte Prügelei. Ungl&dli» 
(^er SBeife traf er, nad^bem ber 3orn i^n w&t()enb 
gemadf^t f)atu, feinen %ttm\> mit einem f nötigen 



72 ®ittenbft4Uin 

®tode in bte ®c^(dfe, fo baf er tobt {U SSoben fiel. 
(Sr »oUte etttflte()en ; ain bie ©eridS^t^btener l^oUen 
f^n ein , unb er mu^tt mit feinem Seben begaffen. 
Denn, fagten \>xt fRxi}ttt, mt ÜRenfdS^enblut 
oergteft, beffen S3(ut mu$ wteber »ergof^ 
fen werben. 

SRit bem £)ieb{ia^( ifi e6 eben fo befc^afen. 
9BJre ba^ ®tel^Un nidS^t mtboun, «^immel! wie 
wirbe ed ba wieber in ber 3Se(t ^ergel^^en! Aein 
ÜRenfdl^ wftrbe Sma^ mit €Sic()er^eit beft|en $ (ein 
SDtenf(^ , ber Stwad ()ätte , wfirbe einen ^fugenbtid 
rttJ^ig fein finnen. 6d tfl bal^er aud) ein weifet 
®efe|, mid)^^ befte^U: ba^ ^Derjenige, ber ei» 
nem 2(nbern ®cbaben {ufftgt, ober if)m 
(Etwad entwenbet, nic^t nur btn Sd^aben 
ober bad @ntwenbete wieber erfegen, fon* 
bern and) nod^ &berba^ eine^ fc^impflid^e 
ober ptinli^e ®trafe Uiben foU, bamtt ftd(^ 
anbere SRenfc^en batan fpiegetn mSgen. dlixn tin^ 
mn wir fo iiemtidE^ unbeforgt fein , m\i unfer @t* 
gentium burdb biefe^ ®efeg geftd^ert tfl. 2>enn bie 
©träfe, weldS^e auf ben Diebflal^it folgt, iji fo grof, 
bap deiner, ber nid^t ein fel[)r abgel^ärteter S3ife* 
toxdbt i% ftdf) Ulii)t geläften läft, ^emanben (Stwad 
SU entwenben. 2)enn tin erfannter unb öberf&f^rtet 



fätÄtnber. 73 

Dieb wirb t>on bec Dbrtgfeit tnd @efingntf getvot» 
fett, ober gar am Sebett geflraft , uttb tvettn er tttd^t 
ibertviefett tverbett fantt, aber bod^ ttt bent SSerbad^te 
ber 2)teberet bleibt , fo tt>irb er t>ott aUett Wtinfd)tn 
gelS)a$t uttb t>eracl[)tet. !Rtemattb iift xf)n gertt ttt 
feitt ^au^, Ulkmanh gertt ttt feittett ©artett ober auf 
fein Stl\> geben ; f ann man ed nxd^t t>ertt)ebren, fo 
fdbltefit man ZUti t>or ibm ju ; man b^t immer bte 
3(ugen auf il^n gericbtet; man fcbidt ibm Seute nac^, 
toelc^e §ufeben mfiffen, baß er nicbt^ mitnebme. 
9Bi(I er @ttt)a6 t)on 3(nbern (eil^eti, fo traut ed ibm 
fein 9)?enfcb an, mnn er e6 aucb nocb fo gen)ip wie« 
berjugeben üerfpricbt. SSefädt i^n ein Ungl&d , fo 
bat Sliemanb fWitUib mit if)m) toirb er bfirftig, fo 
getrauet ficb 5Riemanb, ibn auftunebmen; tmb ge« 
meiniglicb toirb ein folcber S)?enfcb arm unb elenb. 

3Cucb in 2(nfel^ung biefe6 Safler^, ibr lieben Stin^ 
ber, m&^t i^t eucb t)or bem 2(nfange f)iun. 9lies 
manb toirb gleicb auf einmabl ein Dieb im ®rofen. 
®emeiniglicb fangt man mit fleinen S3etrfigereien 
an. Dann erlaubt man (t(b allerlei 5?äf*ereien, 
unb wenn ßinem ba6 and) erft jur ©ewobnl^eit ge« 
worben ifi, fo toirb man tnhüä) tin DoUfommener 
Dieb ; erjl im ^Sleinen, bann im ®rof en. 

!03ift ibr nocb bie @efcbicbte t)on bem Diebe, 



74 @tttenbi4ietn 

Ut eben, ha et gegangen mthm foüU, feine Sfbiu 
UV M £)i)v biß? 3d^ ^abe fte euc^ neu(i(|^ er^d^U; 
wer b<tt fte begatten ? 

3d|), tc^, tief bec Keine SBtl^etm, tinb fing 
folsenbe Sr^d^Iung an : 

6d mar etnmal^( ein Sieb, ber \oiltt gegangen 
werben. 2)a er fc^on unter bem @a(gen war, fab 
er feine SRutter, bte erbdrmlid^ weinte. Sa fagte 
er {u bem ®cbarfriclbt^i^ ; ^^ ntige i^m bod^ erlau- 
ben, erfi nocb ein SBort mit feiner fDlutter su fpre^ 
4en ; unb ber ®i)atftid)Uv fagte, ha^ f onne er t^un. 
Z)a ging er i)\n §u feiner Sßutter unb tf)at, al^ wenn 
er ibr Sma^ ind £)br fagen woUte, unb ba bip er 
fte auf einmal^l fo gewaltig ind £)^r , baf bte a(te 
grau taut gu fcbreien anfing. Sa fagten aQe Seute, 
bte {Ugegen waren : Saö muf bocb wo( ein redbter 
!BSfewi(bt fein, baß er fo furj t)or feinem Xobe no(^ 
feine fDIutter in6 £)^r beifen (ann! 3(ber ber Sieb 
antwortete : ^^v lieben £eute, wunbert eucb n'v^t bav 
Aber ! SBiffet nur, bap biefe meine fDtutter bie Ur^ 
facbe meiner ®cbanbe unb meinet Sobe6 ifl. Sa' 
icb nocb ein Ainb war , gew5^nte i(^ mir baö Sla- 
fcben an, unb meine SRutter ließ ba6 ungefiraft (^im 
geben. Sa icb in bie @cbule ging, ffa^l icb meinen 
®cbulfreunben bte Sibetn, unb mnn icb nacb ^aufe 



für Äinbet. 75 

fam, freuete fte ft(^ bax&h^t unb Derfaufte bie Sibetn. 
2)a6 mad^te , baf icl() immer me^t Sufl inm &Ufy 
Un fctegte , btd td^ enblic^ ein srofer £)ieb tvutbe. 
^itte meine fDJutter mtc(^ gleich onfang^ befiraft, 
fo n>&cbe ed ntd^t fo mett mit mit defommen fein. 
©egwegen big idfi fte in« D^c, um — um — wie 
wat'e bocl& weiter, lieber SSater? 

yinn, SBil^elm, fagte ber äSater, um il^r auf 
eine empftnbtic^e Sßeife p erfennen ju geben, bap 
fte bie Urfad^e feine« Siebe« wire. ®e^t, Ainber, 
fo ge^it e« immer: mit Keinen Saflern fangt 
man an, mit großen ^Srt man auf! ^&Ut 
eu(^ a[fo t)or f leinen SSetrfigereien , t)or iebem {(ei* 
nen X)ieb{lal)(e , unb n>enn er audS^ nur eine @ted» 
nabet betrdfe : fo werbet i()r nie in 93erfud{)ung ge« 
ratzen, gr5fere gu bege()en. fSJerft eud^ l^ier&ber 
bie 93orf4)rift: 

)Du foSfl ntd^t nafd^en ober {legten/ 

Unb tt>ad bu ftnbeji, ntd^t t)er$e^len, 

jDu foQfl SBetrug unb Unretbt f^eun, 

©onft werben &^maö^ unb &d^anhe bein! 

3m @runbe ift jebe 2Crt t)on S3 etr&gerei, 

unb wenn f?e nodS^ fo f^^in wire, fdS^on ein wirf(td[ier 

2)ieb{lalg)(. Unb wenn fte auc^ \>on ber Sbrigfeit 

nic^t aRema^l fo ftreng befiraft wirb , fo ma^yt 



76 ®ittenbit4Uin 

{!e boc^ ben SSetcftger gemif eben fo un^iMixi), all 
bte Stebetei ben £)te6. SBenn 6met }. S9. @ttoa6 
tauft, unb besa()(t nt4)t bad t)etfpcod^ene ®etb ba- 
f&r , «ber (Stwal borget , unb giebt ed ntd^t surfid, 
fo tciU t^m nadS^^ec (ein SDtenfd^ me^c &toa9 Der« 
(aufen, (ein 3Jltn\i) me^r Snoad borgen. Unb mär« 
bet i^r6 nidE^t felbfi eben fo mac()en? SBenn t^r 
Sinem euren 9lod ober euren JQut gelteren f^Sttet, 
unb er gibe i^n euc^ nidbt toieber, würbet t^r i^m 
nod^ etnma()( 6tn)a6 retten? SRe^r a(d etnma^l 
(dft man ftdS^ ntc^t betrügen. 6tn SRenfc^, tt>e(d^er 
einma^t betrogen ^at, tfl ba^er eben fo fd^limm bar- 
an, atö ein 2)ieb ; er wirb eben fo fe^r gel^apt unb 
gef&rc()tet, man wtU eben fo wenig mit i^m ju tl^un 
l^aben , unb wenn er bann in 9tot^ gerit^/ fo nimmt 
fii) fetner eben fo wenig Semanb an. 

Z)ad ^at man an bem S3uc^b<^tter meinet fetigen 
Sreunbel gefeben, üon bem xö) md) geflern ert^^lte. 

S>a btefer bife fOJenfcb ftcb burdS^ feine SSetr&ge» 
reien ®e(b genug gefammeU ^atte, fo woUte er eine 
eigene ^anblung f&r fid^ anlegen. 6r faufte baber 
fo t)iele SBaaren ein , aiß er für fein ®e(b erhalten 
(onnte. ^un befommt aber ein Kaufmann nic|^t 
immer baarel ®elb für 2)aö/ tcai er uerfauft, fon« 
htvn er muf oft ben Seuten Stwal borgen, unb ^at 



für Äinbcr. 77 

baf)n and) felbfi 93ectrauen bei 3(nbern nkf)xg, um 
lieber neue paaren einlaufen ^u f Jnnen. Diefem 
betrfigerifc^en Sl^enfc^en aber tvoUte Aeinet 6tma6 
t)ertaufen, tDenn er nid^t 6aare6 @elb jetgte; mit 
Seber beforgte , üon il^m betrogen ju werben. X>a 
er nun fein eigene^ ®e(b verborgt ^atte, unb deiner 
i^m (Sttüa^ teilen n)oate; fo mußte er feine «^anb^ 
(ung t)on Süage $u Slage Heiner machen ; unb n>eit er 
{ugleid^ Don bem @elbe, melc^e^ er t^gHcl^ lifete, i^ 
ben mußte, fo ging fein ganje^ 93ermogen in etni' 
gen ^at)tm ^anilii) barauf. Unb ha mar nun SttU 
nn, ber fidS^ feiner annai^m , n^eil er t)on 2(aen ge» 
^a^t tourbe. ^a er ft4^ nun be^ S3ette(nd fdS^imte, 
fo wollte er ftd^ burc^ ®U^Un ernähren. TiMn er 
würbe batb entbecft / weil 3^ber auf \\)n 716)1 gab, 
unb ber üli(i)Ut erfannte xf)m bie ®trafe ^u, ha^ er 
eine fc^were SttU an ber einen «^anb unb an bem eU 
mn Süße tragen, unb fo ^eitleben^ bie ^arre fd^ieben 
foUe , bamit er deinen mel^r betragen ober be{ie()Un 
fSnne. ®o, ober auf eine a^nli4)e SBeife pflegt e^ 
ben S9etrfigern am 6nbe immer p gelbem 

3C6er nic(^t aSein beim «^anbel, fonbern auc^ im 
Umgange mit SSenfdE^en iber^aupt, maßt i^r wa^r» 
^aftig unb aufrichtig fein, fonfi werbet i^r 
e9d^ ben «^aß ber ganjen SSelt {Uite^en. 



78 ^itUnhHlein 

(Shi fßort ein SSott; ein SJ^ann ein SOlann! 
ba6 muf euer ^a^ifpmd^ fein, wenn t^r al^ btar>t 
^&nmt (eben, unb auf tie SCc^tung unb ha€ Sti^ 
ttamn bec ^tnfi)m Znfpxni) mai)m woUt 

Sie !DIenf4)en fSnnen bie 3(bftc^ten unb ®eban< 
fett t^rer 9{e6enmenrc^en nid[|t nxat1)m, fte mäf- 
fen f!dl^ alfo auf 2>a6 r)ertafren , toai t^nen gefagt 
micb. ®adt man un^ bie SBa^rl^eit nid^t, fo t^un 
toit aUnUx Z)tn9e, bie und Sic^aben bringen. S)efs 
megen fTnb bie ^mfd)tn t)on ie^er ben Sfignern fo 
feinb gewefen. Z)ie er{!e Strafe , bie ben S&gner 
trifft, tfl bie, haf man xf)m niema^Id hiebet glaubt, 
aud^ menn er tt^icnidSi 9BalE)rl^ett fagt. 

®o ging ed bem Keinen ÜRartin, ber ftd^ fe^c 
fdS^ltmm babet befanb. @t ^atu ftd^ einige USa^I eine 
bodl^afte Sceube bataud gemacht, bie 9lac^baren an» 
^ufä^ren, tnbem er auf ber Strafe pliiü^ ein 
fl jgtic^ed (Sefd^rei erl^ob , a(d menn i^m , id^ weif 
nid^t was fSr Seib gefc^j^e. 98enn bann bie ^ad)^ 
baren i^m ju Jp&lft eilten, fo tad^te er fte aus, baf 
f!e f!(^ fo t>on t^m Ritten anführen (äffen. QxM^ 
ma^(S , ba er wteber auf ber ®traf e fpielte , f am 
p(S6Iic^ ein toSer «^unb auf il^n zugelaufen. fSHat:^ 
tin, ber Weber fliel^en, no(^ ftd^ t)ert^eibigen fonnte, 
^u6 an, au9 2etbeSfriften )u fd^reien : «i^filfe f ^fi(fe ! 



füt Ätnber. 79 

Sie ^ad}bavm 1)ivUn e^, aber fte ha(i)tm, ba| er 
fte tDteber anf&^cen woIfe , nnb tatMtt \f)m nid^t ju 
J^filfe. S)a ftel ber toOfe J^unb fi6er i^n ^er unb 6if 
t^n tobt. Da6 ^atte er alfo Don feinem SAgen ! 

4)ie$u f ommt noc^ bie^ / ba^ m SAgner gemei» 
nigtic^ fein ganjed 2e6en ^inburcb ein fd^tedE^ter 
2Benfd) bUibt, unb fajl niema^)W gebeffert merben 
fann. Qin Ainb mag nodd fo Diele anbere Untu^ 
genben angenommen ^aben, eö fei nur aufrid^tig, fo 
f)ati nocfi feine ^otl) ; burd^ Derfiänbiger i$\xu Siatf) 
fann i^m nodb geholfen mtbzn, mnn^ nur immer 
offenl()eriig gefleht, waß eö begangen \)at ®ud^t ed 
ftdj^ aber ^u Derjlellen, fudbt e^ feine S^^Ier, flatt fte 
SU gefielen, geheim in galten unb ^u befd^Snigen, fo 
ifl «^opfen unb fD7a($ an i^m verloren. 

£)enn tß iji mit unfern Untugenben , i^v lieben 
Ainber, roie mit unfern ^ranf^eiten. SBenn ein 
^ranf er feinen Jfrjt belügt , i^m nidg^t 2CKeö , wad 
ibm fe^lt, offenherzig befennt, fo fann biefer i^m 
nid^t bie redete 2(rienei Derfd^reiben , unb bann muß 
ed immer fd^ledbter mit i^m mtbtn. ®0/ t^tnn ein 
^inb feine Segler ju Derbergen fud)t, f innen Ders 
fijnbige Seute i^m nii)t tat^m, toa^ e^ t^un mäjfc, 
um ffdE^ biefe Sel^ler tpieber abgugewS^nen. 2)ann 
muf ein fotd^e^ Jtinb not^wenbtg immer (aflerj^after 



80 ®itten6äd^lein 

merben, bxt e^ entließ ein t^oUfornmenet föbfetoW 
wirb. Ättfcid^tigfeit ifl ba^ec ble gcofte unb 
not^^wenbigfle Sugenb eine« Äinbe«, fo wie ba« 2fc 
gen unter aUm ba« 9efd^)rltdj)tie gajlec ifl , »oceitt 

e« DerfaUen fann. 

iDie SQSa^r^eit f4mAc!t ein ebled «&era ^ 
@ie fei bic fteilig, felbffc in ©djerj! 
3öc ^abt 9led)t, Heber giad&bar^ fagte ©utwitt; 
ba« gögen ifl ein garfiiQe« «afler. 2Cber foUte e« 
rtt*t sutt>ei[en Säße geben, wo man a\i9 flutem 
fersen bie S03a?)r^eit t)erfc^tt>ei9en muf ? @el5)t, i* 
toxU md) nur ge|le^)en ; ic^ fetbfl l&abe erff geflern 
eine Untt>a^r()ett gefagt, über bie id& mir aber auc^ 
^eute noc^ fein ©emifTen machen fann, mit id) noc^ 
immer glaube, baß i* redj^t baran get^an ^abe. S* 
ging geflern ^benb ein n)enig in« ^tlb, nad) bem 
2fmt^ofe ^in. Unterwege« traf xä) einen armen rei* 
fenben Alten an, ber fc^on t)ier STOeilen gegangen 
ivat, unb nodE^ na4) bem nd^flen-glecfen moUte^ n}0 
fein einziger ©o^n, wie man i^m gefagt i&atte, fe^r 
fd^ttjer f ranf banieb er liegt. ®tm matten ©lieber 
gitterten , unb er mußte fcfe oft nieberfeften ; weit er 
t)or gntfrdftung beinal^»« ojinmäc^tig würbe. 2)ett? 
no4) wollte er nid^it elE)er ru^en nod^ raflen , bi« er 
feinen armen ®ol^n gefeiten ^itte. 



fit Jtittber. 81 

Snbem mir fo gingen, f am ein ^uf jleig , bec 
quec Aber ben Tidtt lief. ©oUte id) ba wol ge^en 
bfirfen, fragte micl[) betr e^cliclde 2nte? S)a^ würbe 
mir meinen 9Seg um eine gute SSiertelflunbe t>nt&i> 
im. äSarum nic^t? antn>ortete \<^ i^m; ber SBeg 
ifl ja genug betreten; i^r fonnt mxUt feinen ©c^a« 
ben barauf tf)\xn. @6 ifl ja aud) Aberbie^ ^ier fein 
SSarnung^^eic^en aufgeflfecft. S)er 2(Ue glaubte mir, 
unb f4)lug, auf feinen Qtai geb&^t, ben ^ufflerg 
ein; id) aber t>erfolgte ben SBeg. 

^ad) einer guten SBeile, \>a id) auf eine Tin^o^t 
gef ommen ivar, fa^ ic^ mic^ nac^ i^m um, unb, gu« 
ter @ott ! xoa^ muf te ic^ ba erblicfen ! ^d^ fa^, ba^ 
er Don einem unmenfc^(icl()en ^er(, ber i^n mit ®^ 
waltfortfd^leppen mottte, erbdrmlic^ gefd)(agen n>urbe. 
SKein SSlut föchte; ic^ eilte, wa9 x6) fonnte, xf)m 
SU «^ülfe SU fommen. Tiber e^e ic^ b'u ^alfu be^ 
SBeged Sur&cfgelegt ^atte, fa^ id), baf ber Unmenfd^ 
t>on bem 2Clten ablief, unb nad^ bem äSormerfe lief, 
um, toxe xd) nad)f)n erfuhr, Seute l^erbei^urufen, 
tveld^e bm armen ®rei6 in6 ^unbeloc^ fdj^leppen 
foUten. S)iefer rettete pd) inbef bxxvd) bie %in^t in 
ben nahegelegenen SBalb. 3nbem td^ i^m nacblief, 
f(^m ber Unmenfdg^ mit feinen ^elferd^elfern ixxvii, 
unb fragte rnid): wo ber ZiU Eingegangen fet? 



82 &xtUnH^U\n 

©ort^^in, tief i*/ unb mit nadf bet entgegenge« 
f^^ten ©eite be« SSotbe«, wo id) mi wußte, bap jte 
t^n ni*t finben wÄrben. 3* felbfl aber eiUe i^m 
nad), fanb i()n Augerjl bef immert unb tcaftio^ , bot 
t^m meinen Htm jur Unterflülund an, unb beglei* 
tete \i)n fo bi« an ben Dvt, m er ^)m njoKte. ?Run 
fagt mir, 9?a*bar, ^)abe ic^ Unrcd)t baran get^an, 
baß tdf) ben bSfen ?euten nicbt bieSBa^r^eit fagte?« 

5Be()fite ®o(t! erwieberte e()renreid^ ; wie ^dt* 
tet i^r Unrecht baran t()un f5nnen, ba \l)v blop )>er« 
Rötetet , ha^ bem armen ©reife nid^t nocj^ größere« 
Unrecht gef(^a(^ ! 3n folgen gdUen ijl e« nid^t bCof 
erlaubt, f^nbern auc^ ^flic^^t, bie ©o^rlE)eit ju t>er- 
f4)weiften. gfigen ^eißt, ju anberer ?eute ©dfjaben, 
ober wibcr feine ^flic^t eine Unwal&r()eit reben. 
5lBenn un« feine 9)p[id)t antreibt, bie 8Bat)r()eit 
^u gefielen, ba6 ^eipt, tvmn 92iemanb, ber ein Stecht 
ba^u ^at, un6 baju auffobert, unb wenn wir ubtu 
bad fe^en, baß bie SBa^r^eit einem 3Cnbern fc^aben, 
un^ 9liemanb n&im fann, fo ftnb wir Derbunbcn, 
(te in t>erfc^weigen ; unb bann Serbien t bied 83er« 
fä[)Weigen nid^t, eine £uge genannt su werben. 

@in folc^ed fR^6)t aber, ein ®e{idnbm$ ber 
SSal[)r^eit ))on un^^u fobern, ^aben unfere 2(e(tern, 
unfere 2e]^rer unb unfere Sbrigfeiten. @obatb ba^ 



^ec tiefe 6tn)a^ \>cn un$ §u totffen t)erlansen , fo 
ftnb wie aEIema^l verpflichtet, bie reine SBa^rl^eit 
in fagen. ^enn biefe fragen bloß befmegen banac^, 
um bafur forgen ivl fonnen, bap fein Unredj^t ge« 
f(^e()e. ®agt man a(fo biefen feinen Qbnn unb 
SBorgefe^ten eine Unwa^r^eit; fo tc'wh man mit 
Siecht bafur befiraft unb gefaßt, mi6)it aui) nie» 
ma^K au^iuMeiben pflegt. 

SBenn ed nun (auter Dern&nftige Sptenfd^en gäbe, 
fo miren bie unausbleiblichen bifen Solgen ber iis 
gen, bie ic^ euc^ iegt genannt l)abe, ^inreicbenb, 3^^ 
ben bat>on abjufc^reden. 2(6er fo tcic ed ))iele 2eute 
giebt, bie bumm genug finb, fici) Dod^utrinCen, ob 
ffe gleich) »iffen, baf fie baburc^ franf unb elenb 
toerben, fo'^at ed auc^ oft £eute gegeben, bie Un» 
xvaf)tf)ütm fagten, ob fle gleich n^uften, ba^'fit aU 
Un ©lauben t^erlieren , unh mnn eS ^erau6(dme, 
überall geblaßt unb t)erac(tet werben mürben. JDtefe 
£eute maren befio el[)er geneigt {um S&gen , meil f!e^ 
fo fd)mt iu äberfä^ren waren. 2)enn wer f ann im* 
mer erforfdj^en, wa6 ber 3(nbere benf t ? Snbeffen war 
boc^ Hütn baran gelegen, H^ man ein ÜRittel ftnbe, 
tvoburc^ man biefe Seute bewegen fSnne, bie SBa^r» 
^eit iu fagen. £>a6 befle SSittel fdj^ien ber Sib ju fein. 
®ebt 7i(^t, Jtinber, \(i^ will euc^ bied SBort erfldren. 

6* 



84 Gittenbfi^lein 

3^t mftft miffen, baS tie ü^enfä^eti Don je^er 
fibeqfudt gemefen ftnb , tag ®ott HUt^ , fogac bte 
@ebanfen ber SRenfc^^en weiß, ba$ et 3(t(ed t^un 
fann, tvad t^m gefättt; unb baf er affed SSSf^ t)et? 
abfc^euet unb flrafet. 2(u(^ mir , eure 93d(er , unb 
aUe anbere t>ern&hftige ÜRenfc^en ftnb t)on biefec 
SBa^rl^eit fefi öberieugt. . fBBenn nun Semanb ^u 
»ad M ma^r angtebt, .unb mm fonfi nx6)i n> 
fahren fann^ ob ed ftd!) mirfltc^ fo berlS)a(te, fo U- 
gen bte ältester lu i^m: ®te^e, totr miffett nicbt, 
ob bu SBalS)r(»ett rdgejl, ober 2figen. äSfißten tvtr ed, 
fo wfirben n>tr \>\6) mol ftrafen, toenn bu (Sgefi; an 
unferer @tatt wirb ed Sott t^un ^ benn @ott liebet 
bte 9Ba^rl[)ett/ unb Raffet unb beflrafet bte Sügen. 
®te (äffen \^n ()terauf feier(t(f^ fagen : aucl[^ er glaube, 
baß ®ott 3(Ue6 totffe; wad er benfe, unb er toertange, 
baf ©Ott i^n flrafen mSge, wenn er bte UntvatiP 
%t\t fage. 2)tefe @rfijrung nennt mm txmn 6tb. 
SBenn nun 3emanb einen falfc^en @ib \6)^hx{, 
bad ^eift; wenn er ®ott jum Saugen einet Un< 
wa^r^eit anruft, fo gtebt er baburc^ ^u ernennen, baf 
ntdS^td auf ber 9Be(t ifl; wad er nod) achtet, fobalb 
er nur feinen SJort^eil fte^t; unb baf er burd^ ntc^t^, 
Weber burc^ SRenfcf^en; no(^ fe(bfl \>\xxö^ ®ott, fann 
abgel^aUen werben , oXitn SDfenfclden su fd^aben , wo 



fd( Jtinber. §5 

er nut ©elegcn^dt ba}u ftnbet @tnen foCc^en SRen« 
fd^ett, Amber, fte^t man an tvte bcn 9Bo(f/ ber nu? 
t9om Staube (ebet. S^an l^alt ftc^ e^er nt(f^t ftcl(^er, 
a($ bid er t)on ber @rbe ausgerottet tfl, unb äbertift 
xf)n bann bem ®otte , beffen Strafen er ni(f^t ac^ 

(Simn @tb SU fd^mSren, ifi ba^er eine ®a(f^e t)cn 
ber duferflen SBic^tigfett; tt^o^u tvtr nie anberS, a(S 
mit ber gr&pten UeberCegung, unb nur bann fd^rei« 
un m&fTen, n>enn eS uns gur 9f{i(f^t gemadE^t miirb, 
tmb wir unferer @acl^e DoUfommen gemif ftnb. 9Ber 
(et(f^tftnntg, unb o^ne baju Derpf{t(f^tet ju fein, fd[^wSs 
ret; ber giebt baburc^ ^u ernennen, baf er ein SRenfdE^ 
fei, bem man nid()t auf fein blofeS SBort glauben 
b&rfe; unb einem folcben ÜRenfd^en glaubt man ge» 
meiniglic^ auc^ bann nidj^t , mnn er eine S3et^eu> 
Tung l()iniufägt. ^mn man benft: mer \iä) fein 
®emiffen baraus mad^t, lu ifigen, mnn er nidj^t ba> 
bei gefdj^woren ^at, ber mirb ftc^ audd fein ©ewiffen 
barauS machen, feine Sägen mit Sibfddmftren {u 
bef rjftigen. Unb baS ftnbet man and) wirflic^ in 
ber @rfa^rung bejldtiget. SSollt i^t alfo f&r glaub» 
mfirbige üRenfcben ge()alten mtUn, fo ma^t eS euc^ 
Sum ©efeg, niema^tö ßtwaS ju bet^euern, n\tmaf)U 
}u fc^tt)5ren , eS m&f te benn fein , baf bie jD^rigfett 



86 &ittttihHUin 

tndf bditt auffoberte. TiUt f)&ut euc^ aud^, jema^« 
eine 8&ge |U fagen ; benn gewif / ®ott unterfc^etbet 
anä) o^ne @ib SBa^r^ett unb i&^m, tinb flrafet 
biefe gans gemif . 2Cud^ gefd^ii^t ed feiten , ba^ Um 
loa^r^etten t>ecborgen bleiben, ftommen fte nun an 
ben Xag , fo glaubt eu(^ fein SRenfcb niel^r ; f om^ 
men fte aber auc^ nicbt ^tvarx^, fo b<^^t t^r n>enig'' 
ften« befidnbig bie Sutcbt unb bie 3(ngfl, baf i^c 
\>tttat^n werben finntet, unb ba§ tfl fcbon eint 
£lua(, bie n>eit grißec ifl, a(6 a((er SJort^eil, ben 
ibr burcb i!Agen erlangen finnt. 

3b^ b^bt nun gefe^en , toU t>te( eud^ baran gi? 
(egen ifi, baf ibr mit äSiffen unb ^Sitten euren 
9lebennienfcben feinen @cl^aben sufAgt; unb wie 
forgfdttig hVLtd) bie Sefe^e vorgebaut i^, t>a^ fein 
SRenfc^ bem anbern t^orf^glic^ fd^aben b&rfe. 3Cber 
oft gefd^iebt ed and), baf Siner o^ne feinen SBiUen 
bem 2Cnbern @cbaben t^ut. So tfi neulidb in Um 
niä)9m £)orfe (Sincm ein Dd)^ au^geriffen, unb 
^at einem 2(nbern ein ®tfid ®aat abgefreffen. S)er, 
toeldSiec ben Schaben (itt; woKte i^n Don bem .^errn 
M Dcbfen erfegt b^i^^n, weil feine SlacbC^fftgfeit 
Sc^uCb baran gewefen war, baf ba6 Z^m ftc^ (o^ 
gemacht t)atu. S>iefer aber wollte ftcf) irx feiner 
®d^ablo«^altung t^erfle^n. SSk^ gefd(^a^? Sin paar 



ffir itCnber. 87 

Xase nad^bjt lief S>er, midiet ben ®(6abin ge(tt< 
Un f)atu, wteberum fein S3ie^ auf bie Saat M 
ungerecl^teR Wlanm^ treiben , bem babntc^ nod) ein» 
ma^i fo \>ui ®c^/iben sun)'ucl()§ , al§ er ^itte ju er«> 
fegen ge^iabt. 2>a6 war nun freittd^ au(b fe^r un« 
red&t t>on biefem de(>anbe(t, benn man muf nie 
fein eigener 9iicl()ter fein tooUm, unb ftd^ nie bet 
Slad^fucbt &ber(affen; aber ber 3(nbere ^attt bod^ 
hm ®d^aben, Un er litt, ftc^ fetber $ttiuf((reiben; 
itnb \f)x fe^t l^ierauö > hai e^ mieberum fe^r Wiiiüif 
von ben ®efeggebern gel^anbelt ift, tnbem fte Derorb« 
ttet^aben: baS£)eriettige, burd^ beffen mtrC« 
(idde &<i)nib, ober blofe SSernad^täffi* 
gung unb Unbebac^tfamfeit ein 3(nberer 
Schaben (etbet, btefen ®4)aben erfegen 
fo((. Unb fo t)er^ä(t e6 ft(^ mit aden anUxn 
@efe|en, n^eCc^e und t)orgefcbr1e6en ftnb. TiUt jielen 
auf unfer eigene^ unb unferer 9{ebenmenf(^en SSejled 
ab. 9Bir mären a(fo ZlU t>erbunben, 2)adientge, 
toad fte und Dorfc^reiben , ju erfüllen, avi(i> toiwx 
fein SSenfcb und ba^u $mange , mxl unfer eigener 
SSort^eil barauf beruhet. Sßte Dielme^r mäffen wir 
fie {tt beobacf)ten fucben , ba bie Uebertretung berfef« 
ben noc^ auferbem t>on ber Cbrigfett beflraft wirb! 
SBo^( nni, meine Heben Jtinber^ baf wir unter 



88 &xtUnf>i^Uxn 

Qefelen unb IDbridfetten flehen! S>urc^ ®efe|e 
fommt £)cbnung, bur(|) jDrbnung ®i&i(üigUit in 
bte SBelt. ®el^t nur in ber ganzen 9latur/ »te bcr 
aOweife @(^i|>fer felbfi 2(Ued nac^ unDerbruc^Hc^en 
©efeden georbnet .l^at! ®e()t t(^c bort btn lieben 
freunblidS^en ÜRonb aUmi^lig hinter bem @ebirge 
emporff eigen ? SBte regelmäßig ifi ber ®ang; ben ® ott 
t(im t)orgercbcieben f)<kt , wie genau bejlimmt fein ^ 
nel^men unb fein 2Cbhe()men ! @o wie er in einem 
üRonate fommt unb ge(^t / gunimmt unb abnimmt, 
fo ti)nt er tf and) in bem anbern ÜSonate. Qbtn 
fo regelmäßig , ^bm fo abgemeffen ijl ber Sauf adet 
übrigen ©efiirne. 2)a n>irb nirgenba eine Tibtoti- 
(^ung »a()rgenemmen. 2Cffe6 fommt unb ge^t, fc^ei^ 
net unb verfd^^winbet in ununterbrochener £)cbnung. 

I 

&tf)t, x\)x Sieben , babntd) ^at und S)?enfc|)en ®ott 
gelehrt, baf auc^ unfere «^anblungen nac^ weifen 
Gkfe^en m&ffen georbnet fein, mnn Stnf)t unb 
®l&dfeligfeit unter und wohnen foUen. 9lo(^ ein- 
mabl alfo, n>o()l und, baf mir ©efege l^aben, unb 
baf £)brigfeiten gefegt finb, mld)t ober bte S3eob- 
ac^tung berfelben wacben mfiffen ! 

«t>ier fcbwieg ber @retd ; unb fcbweigenb tvaren 
ade ®eftcbter gegen ben b^t^t^Üc^^n fD7onb gewanbt, 
ber nun in feiner gonaen @(^ine am .^immel flanb. 



für Jlinber. 99 

SXani)t frot)e (Smpftnbung fc^woU bei biefer 
ßummen .S3etca4)tung tn S^xemüd)'9 unb ®ut« 
n>iU'd S3uren auf. 6nb(ic^ br&Sten fte ftc^ man» 
ber bte »^anbe, unb 3eber fti()m feine Sieblinge 
sur Slu^e. 



drittes 3Cbentgerprd(^. 



IBon ben ^ftt^ten ber ®efeatd!eit 

IDie t>or^erge{)enben ®efpr^c(^e be0 a(ten Gf)un9 
rei(^ waren fftc 2(Ue fo unter^altenb oewefen, baf 
bie gan^e ®efeUfc^aft am folgenbcn Tibmb, noc^ eine 
gute ®tunbe t>or Sonnenuntergang, fic^ wieber Ux 
ber Sinbe einfanb, unb auf i^n wartete. — @(f^on 
^Hv, meine hieben ? fagte er, inbem er fic^ freunbüdf^ 
)u \f)mn gefeUte. 6^ ifl no(^ fo fr&(^ ; tc^ bi(f^te 
immer, i^r fpieltet erfl noc^ eine @tunbe, e^ewic 
unfer SCbenbgefprddj^ anfangen. 

»£), fpielen!« antworteten bie£inber, unb fa^en 
ffc^ einanber mifm&t^ig an. 

^m, xd) freue mid), idr guten ^inber, fu^r 6^« 
renreic^ fort, ic^ freue midi^ ^erjlic^, euc^ fo begie* 



90 &itttnf>&^Uin 

rig nadd meinem Unterrtt^te ju fe^en, baf tnd) hk 
Suft §um ®pie(en barfibec ))erdanden \% 3ur SBe« 
Ulf^nung totS tcb eud) auc^ rec(^t tvatf SRerftoärbiged 
fe^en faffen. Äcmmt, foCgt mir. 

6r ffi^rte fte ttt Un ©arten, ^m ^attt er et« 
nen jungen S9ienenf<()n)arm in ein gl^f^^rned SStenen« 
^aui eingefangen, in n>eld)em man x^xc ©efc^^ftig^ 
feit genau beobachten fonnte. 2>a0 mar ein SSer» 
gtifigen an^ufeben! Einige (amen r>on bm S5(U' 
men gur&cfgeflogen, unb brachten A(fimp4)en ^Sad^i 
mit, ml69t fte an bie S&fe gefCebt (latten. 2(nbere, 
metdS^e in bem i&^u^en n>aren , nahmen i^nen bie« 
fe^ fOBacb« Wi ber 2(|fir ai , unb brad)ten ed j^iin- 
ein. SSieberum 3Cnbere piiUteten bie Keinen SBac^^ 
fl&mpdS^en, unb noc^ 2Cnbere machten fUine 3eiren 
barau^. Einige brachten ^onig ein, unb fuHtett bie 
SeSen bamit an ; unb eine unter i^nen , bie fte Hut 
t)or{figCtcb {u bebienen fc^ienen, unb welche man ba- 
^er bie Ainiginn nennt, legte in einige Beden 6ier, 
aud toti^m lieber junge S3ienen toerben fottten. 
Aur§, jebe b^tte i^r eigene^ ®ef<()ift, unb feine Mteb 
m.Afig. S)ie .Kinber waren aufier fid) t)or ^reuben, 
ha if)mn ha$ Züe9 gezeigt n^urbe. 

2)er aiU S^renreicb fagte barauf: «^ier, Ain^ 
ber, finnt tl^r r>en f (einen unt^ern&nftigen Spieren 



fA( Jtinber. 91 

lernen, tt)a$ Srbnung unb gefe^fmifigeö S3es 
tragen f&r eine f(^ine Sad^e tfl. 9Ba§; meint 
t^r, wörbe baraud n)erben, wenn aUe biefe SSienen 
tl^un f jnnten, voa€ ffe geCAflete, unb menn nidf^t jebe 
i^r befonbere^/ angen>ierened ©eft^jft ^tUl 2)a 
wArbe jebe nur fär ffcb fot^d^" / nur fo t)ie( ^ontg 
einfammeCn , a(6 fie t^gücl^ $ebraud()te; bie jungen 
unb biejenigen alten SSienen, »eld^e ftd) auf ba^ ^o* 
nigfammetn nic^t «erflehen, warben t^erfc^mac^ten, 
ttnb mann enbUc^ ber 9Binter \)9vannai)tu , fo »ftr» 
ben ade umfommen mfiffen, mil fie feinen SSor^ 
rat^ gerammelt Ratten, tiefem TiUen wirb burc^ 
bte gefegmäßtge Sinrid^tung, bie ®ott o^ne t^r SBif» 
fen t^nen üorgefc^rteben ^at, t>orgebeugt; unb i(ir 
fe^t, wie wo^( fte ffc^ babei beftnben, Jlinber/ fo 
tnäflen eö bie ÜRenfd^en au(() machen / wenn e^ t^« 
nen wo^Cge^en fod. 

Unter biefen SSorten waren fte wieber auf t^rem 
t)origen $(a|e angefommen. 

Zbit, liebe ftinber, fu^r er fort; SiUM, wa^ 
t^r t^un mfif t, um ^iMiid) ju leben , f)at butth bie 
5{fentltc()en @efe|e ni<^t beflimmt werben fonnen, 
weit e$«^anb(ungen betrifft, wo$u9{iemanb gejwun« 
gen werben fann, bie man ))ie(me()r aud eigenem 
freien Sriebe t>erri4)ten mup. 3d^ l^abe eudE^ fd^on 



92 &ittenH^Uin 

gefagt, unb i^c tvtgt e6 and) au^ ber toenigen &c* 
fa^rung, bte t^r felbfl nun fc^^on ^abt, baf tbr ebne 
ben guten 9BtKen nnt> ble S3etbA(fe anberer SRen- 
f(ben ntcbt glfidltcb tverben finnt. Sutveiten fonnt 
t^c fr(t(t(f^ wot bte *^&lfe anberer 9Renfc()en erfau- 
feU; tnbem i(ir eu(f^ §. S3. einen SSebienten mtet^et/ 
ober ein AUib / ober fonfl Qttoai t>on 2(nbem f&c 
®e(b machen (aft$ attetn; meine lieben @j^ne/ m 
moUtet t^r fo t>te( ®elb ^ernebmen , a(^ i^c notl^ig 
Rittet, n>enn ilS)r Titui bejobUn foUtet, tva^ am 
bert 9Renf(ben baju beitragen m&ffen, n>enn e6 eutb 
.mobigeben fo(l? SSenn S^manb \>on eudb in ei« 
nen tiefen Kraben fiele ; unb f^r riefet Stnem, ber 
eben t)or&berginge, $u, baß er eutb ^tiUn micbte: 
t9ie w&rbe e^ eucb gefaUen, wenn ber mä) n\d)t ata 
bf rd ^erau0Sie()en wodte; a(6 fär baareSSeja^tung^unb 
i^r bann gerabe fein ®e(b bei eu(b bittet? £)ber i^v 
tootttet eucb einen angenebmen BeitDertreib mad)ext, 
unb eure Si^^unbe moUten eucb nicbt e^er baju be« 
b&(f(ic^ fein, aC6 biß xi)t \f)mn 2)iefed ober 3eneö ba- 
f&r t)erfprd(f^et? 9li(^t toabr, baö wftrbe ein t>erbrief2 
U(f^e6 £eben geben , unb i^r m&^Ut in f ur^er Bett 
arm werben, wenn ibr aucb nocb fo t>ie( ®e(b ^aU 
Ut Hbtt forget nicbt, ^inber! @o nitbtg; a(« 
eucb bie ^&(fe, ber Slat^ unb bie S^ettnbfc^^aft anbe» 



fA( Ainbet. 95 

ret SRenfdijen finb, eben fo nJt^tg ftnb i^nen bie 
euriden au4). SBenn fte fe^en, bag t^r geneigt feib, 
t^nen ju Reifen, n)c t^c ba^u tm@tanbe feib; n>enn 
ffe feö'eit; baf i^c (Te warnt, wo ffe Schoben ne^)» 
men f innen, ober i^nen guten Statt) gebt, wie |te' 
JDiefeö ober 3ene« Anfangen mfiflen , um bamit ju 
@tanbe 5u fommen; ober wenn fte merfen, ba^ fte 
in eurem Umgänge SSergnögen ftnben, weil t^r ge« 
f jttig, btenfiferttg unb arttg fetb : fo werben fte t)on 
felbfl eben fo \>Ui, unb oft noc^ mel()r för euc^ t^un, 
ai$ t^r für fte tratet. * 

3^r mäft alfo feine @e(egenl^ett i!i6erfel()en, wo 
i^r fte biefeg metfen (äffen f5nnt. 3>te gertngffen 
jt(ett\tgfetten ftnb ba^u oft fc^on genug. 6in f)hflU 
(feer ©ruf, ein freunblidjer Slicf, ein S5efu(^, eine 
Keine ^anbreic^ung ftnb oft fc^on ^tnretc^enb, euc^ 
bte ®uhfl eurer 9lebenmenfc()en 5U erwerben. S<b 
l)aU etnma^t bei einem Suflgange einen Anaben 
\>6n ungefähr a6)t Sauren, ber t)or meinen Äugen 
in« SBaffer fte(, mit fe^r U\d)Ut SR&^e ^erau^gejo« 
gen, unb feinen Tititnn na6) «l^aufe gebracht. ^69 
t^at \>a^ bloß a\xß !D{enfc^enpf[ic{)t, o()ne trgenb einen 
anbern SSeweggrunb ; benn hai Ainb f annte \^ f aum, 
unb ben äSater beffelben ^atte tc^ t>ieUetcl()t nidEit 
iweima^t in meinem 2eben gefprod^en. * 2Cm wenig* 



94 eitUnhHUin 

fttn tonnte mir einfaUen , irgenb eine 2fct )>on S3e« 
(o()nung baf&r ju ermatten. Tlbtv xoa^ gefcl^a^? 
Ginige SBocI^en banac^ »urbe icf) franf. Za ^iu 
tet i()r fehlen foUen, Atnber , mie ber c^rlicf^e SRann 
n^tr meinen geringen 2)ienfl belof)nte. @r ging fajl 
ni<bt t>on meinem 93ette; er f4li(tte mir alle Sage 
ba< gefunbefle @|Ten , »ad er nur ansufc^affen t>er' 
moc^^te; er fu()r o1)m mein SBiffen nad^ einem, t>iec 
SRei(en 9on ()ier entlegenen £)rte, unb ^o(te einen 
gefct^idten SCr^t, ber mid^ »ieber ^erfleßte; unb »et 
weif, ob ic^ ni(()t bama^(d geflotben toitt, nenn 
ber SSann nic(;t fo f&r mid) geforgt ^itte. {aft 
eu(t) alfo bad ja gefagt fein , baf i^r alle 9Renfc|)en, 
bie um eu4) {tnb, lieben, unb, fo Dtet i()r finnt, for« 
gen mftft, baf i^nen »o^l fein m6ge. 6fo oft t^r 
\t^tt, baß 3emanb eurer «f)fi(fe benit^iget ifl, fo 
fleUt tnö9 gUi(^ in (Sebanfen an feine ® te(U , unb 
t()n an bie eurige. 2(Ubann fragt euc^ felbfl: mad 
tofirbe ic^ mo( t>on biefem 9Senfd)en erwarten, wenn 
er i(^, unb ic^ er mdre? unb toai i^r bann Don 
i^m »finfc^^et, bad t()ut i()m auc^. 

@ie^|l bu eS gern, bap 2(nbere btr btenen, 
@o ttene, too bu fannf!, aud) i^nenl 

3^ iaht tnd) neulich eine S^bel er)d^(t, toobei 



fär Jltnber. 95 

i^t iixd) an bte 9flxä)t bec Dienflfectigfeit m 
tnnern fonnt^ })aht \J)t fit U^aiunl 

3af ob^ ©utmiU'« attefler @o()n, erinneirte pd) 
imvft baran, unb er5d()(te fte mitfoIgenbenSSorten: 

>£)ie ®(teber M nienfd!)(ici;^en Sioxpm tourben 
etnmaf)( u^erbtufft^, ftclE) einanber ju bienen, unb 
tvoUten e6 nid)t mebr t()un. 2>ie SA^^ folgten: Sßac» 
um foUen tote aUetn euc^ 3(nbere aUe tragen unb 
fottWiißptn ? Schafft euc^ f^lbfl guf e, n>enn i^r ge< 
t}m tücUt 2)ie »f)inbe fagten : SBarum foKen »tc 
ottein für eu* 3fnbere axUiUxx*^ ©c^afft eudj) felbjl 
^dnbe, »enn tf)c »elc^^e gebraud^t. 2)er SKunb 
brummte: ^d) mi^tt tici txn großer diatt fein, 
menn ic^ immer für ben ÜBagen Speifen fauen 
»oUte, bamit er fte nac^ feiner S3equemlic()feit verbauen 
mige^ fc^affe ftc^ felbß einen ÜRunb, mer einen ni^ 
t^XQ ^at! £)te 3(ugen fanben ed gteid^fadtf fonber» 
bar, ba^ fte allein fär Utx ganzen Seib befiinbig 
SBa^ie galten, unb ffir i^n fe^en foUten. Unb fo 
fprac^en auc^ ade bie äbrigen ©lieber M Seibel, ' 
unb ein6 f&nbigte bem anbern ben £)ien{l auf. 9Sad 
gefc^a^? S>a bie gAfe nic|)t me^r ge^en, bie ^änbe 
nic^t me()r arbeiten, ber Wlutxh nic^t me^r effen, bie 
2fugen nic^t me()r fe^en ^cUten, fo fing ber ganje 
Xiifn in allen feinen ©liebem an, ju npflfen unb 



96 ^itttnhHUin 

admi^Ug ab)u{iccben. S)a fa^en fte ein, bafil pt t^h 
tiiit ge^anbelt b^^tten, ttnb mürben einig, baf c9 
t&nftid ntc^t mieber geft^e^en foQe. £fa'biente mie« 
bec ein @lteb bem' anbern , unb 3(Ue mürben mteber 
gefunb unb flarf, mte fte etf t?or^er gcmefen maren.« 
2)atf mar red)t gut eri^bU; mein ®o^n, fubt 
ber Alte Qf)vmmd) fort, inbem er ibnt freunbU^ 
auf bie fangen f(opfte. ®emiffe Beute, t^r Jttnber, 
f!nb b(of CLixi 3!rig()eit unbtenflferttg ; anbete binge^ 
gen gar aud 9}eib. @in abfcbeu(tc^e6 Safler! 34 
mid mä) fagen, mortn e« befielt. @^ gtebt gemiffe 
t^irtc^te unb t>erm6bnte SO^enf^ien, metcbe mit 2)em, 
mad |te ()a6en, ftcb fo menig ju begnägen miffen, 
bap fte unjufrteben merben, fo oft fte fe^en ober 
f)hv^nf baf t$ anbern Seuten too^i, ober gar nod^ bef- 
fer, atö t^nen, gebt. SBenn fte {. S3. feben, baf 
ein 2(nberer tin beffered JtCeib trigt, ald ba$ ibrtge 
tjl; ober menn fte t)on 2Eemanb etma^ ®ated vif)' 
men boren, melcbed fte felbfi nid^t an ftcb l()aben: fo 
« merben fte immer mif t)er^nftgt bar&ber. S)tefeö fSJlip 
t)ergnögen nun, me(cl^e6 ein folcber ÜBenfd^ fiber 
ba6 ®(&cf eine« 2(nbern empftnbet, mtrb 9teib ge» 
nannt. dlnn m&ft i^r aber mtffen, \>a^ neibtfcbe 
SRenfcben fiberaU ge^af t merben. ^mn ba fte nicbt 
gern fe^en, ba0 ed einem 3(nbcrn toof)lgt^t, fo Reifen 



föc Äinbcr. 97 

fte aud[) ,3(nbern ungern , un6 ratzen t^nen \tiun ; 
unb beßmegen t)ilft aud) t^nen 9{temanb gern, ^afi 
f)aUn bte bummen üßenfc^en ba^en'^ 9{ld)t6, al6 
Sßißt^ergnägen. SBenn fte f(ug n>dren , fo n>firben 
fte Aber ba6 ®(öcf if}vn 9lebenmenfc()en fid) freuen ; 
ttnb bann n)firben and) biefe ftd^ mteber übet xf)t 
®lfi(f freuen, unb e^ in beforbern fudiien. 2(ber mxl 
fte bumm ftnb, fo t^nn fte ba^ ©egent^eU, unb ha- 
^er ge^t e6 t^nen benn aud!^ fo, n)te e^ bem f (einen 
^eter 9leib^art ging, beffen ©efc^ic^te icl() eud^, 
n>enn td) nt4)t irre, fc^on etnma()l erji^U ^abe; 
m*t? 

S)te Ainber fonnten jtc^ ntd^t beftnnen , unb ber 
alte S^cenreid) fitbr fort: 

^eter 9leib^art mar ber ®oi)n etned rec^tfc^affe. 
ttm SSater^, ber TlUt$, n)d$ er im SSermSgen ^atte, 
baran tpenben »ottte, feinen ®o()n recbt gut erjie^ 
l^en \n (äffen. @r \d)\itt \%n bal^er auf ebenbiefelbe 
®d)u(e , auf tt>e(c^er xd^ bania^(€ t)on meinen }(e(' 
tern gelj)a(ten würbe. 9lun waren ba t)te(e ^tnber 
retdl)er 8eute, »etc^^e beffer gelleibet gingen, aW er. 
2)a6 t)erbcoi ben Keinen X^oren. 3(ber er ließ e^ 
babei nid^t bewenben, fonbetn fud^te, wo er nur 
f onnte, ben 3(nbecn i^re fc^Snen ftleiber ^u befdE^mu- 
^en unb ^u t)erberb«n. £)ad war nun fd[^on fe^r 

C. eitteitbiid)(ritt. 7 



98 6ittcnb6c^(ein 

arg; ttttb bo(|^ to&tz e< hamaf)i^ no^ 2tit gemefen, 
tiefen bSfen %^f)Ut abzulesen, »enn er nur bem 
Statte bet Se^rer f)itu ®e^Sc geben moffeit. SBeir 
et bad aber nid^t tf)at , fo lourbe e6 immer fc^linM 
nter mit i^m , unb feine SXxt\d)&Ut ^ahm i^m ba- 
ffer benientgen 9lamen , bec feine ®tm&tf)^att auf- 
beulte^ unb ben er nac^t^r immer behalten ^at. 

9la(^ unb nad) ftng er an, feinen 9(^u(fremiben 
and^ aUe^ äkrgnfigen ju mif ginnen, meiere« fte bei 
i^un Spielen genoffen , unb §etgte ffc^ q(6 einen fo 
unleiblict^en @pie(t>erberber, baß bte Sc^rer fldj^ gf 
nit^iget fa^en, x1)n t)on unfern SSergnögungen an^iv? 
fd^Ueßen. ^ai ärgerte i^n nun noc^ me^r , unb tcr 
aSerbruß Aber unfer SSergnägen machte i^n unfl^tg, 
aufmerffam su fein, n^enn Qtxüa$ gelernt »erben 
foUte. 2)a^er fonnte er benn a\x(b niema^ld fo gut 
antworten, a(d n>ir 3(nbern, tt^enn une; baii ©eternte 
abgefragt »urbe. 9latfirlicf^er SBeife bezeigten bann 
bie itiuv un^ i^re 3ufrieben^eit, tl^m aber t^re Um 
Sufriebenl^eit. 9feue Urfadbe jum äSerbrup ! 

Aurj, \)a€ ging t)on 2:age su Stage, t>on @tufe 
iu ®tufe, am gnbe fo weit, ha^ er nac^> einiget 
Stit gan^ unfi^ig mürbe, etwa« Ülällidlied $u (er« 
nen, weil feine ®eele immer t)erbrieflic^ unb mfir^ 
rif<^ war. ®o berffrid^ nun feine beffe Sugenbseit, 



fär Jttnber. 99 

o()ne bof er bie mtiibejle@efdS)irf«4>f et tewart, »0« 
bur« er fidj^ nadj^^er in ber SBelt ^dtte forthelfen 
Wnnen. SJalj^er ^atte er bie befidnbige Ärdnfun^, 
bap fein 2Benf4> mit i^m etwa« ju t^un l^aben 
»oKte, weit man fiti) t>or feiner Oefeüfcf^aft tt>U \>ov 
ber ©efettfc^aft eine« ^fü^fäfeigen f(«euete. 2)a nun 
bk\ it^m \af)tn, baß gar nid&t« bei U)m anim*'- 
ten »ar, fo ^u^m |te il[^tt enbli4> ge^en. 

Sein beffimmerter Sater fucf^te t^n a«f einer 
anbern @*«re unterzubringen, aber ba »oKte man 
i^n and) nid)t f)abm, weil man uon feiner fd^led^* 
un ®emfit^«art f*on ge^irt ^attt. (5r wottte i^n 
barauf ein «öanbwerf lernen laffen , aber ber fBteU 
fter, ju bem er i()n braute, fagte : ^aben bie gele^jr* 
ten »g)erren nic^t« au« bem Surften ma*en f jn^ 
nen, fo »erbe xd) no(f^ weniger baju im ©tanbe 
fein. — 2)aö XUe« frdnfte nun feinen guten Sater 
fo fe^r, t>a^ er flarb. 

Unb nun* fa^ Weibjiart fi4> in ber attergrigten 
Verlegenheit. Ö()ne SSermigen, o^ne @efrf)icflic^« 
feit, o^ne greunbe — wa« fottte er t^un? @r 
fa^ fic^ genot()iget, fein iehn lang al« ein Sauge» 
nidS^t« unb «anbjlreid^er ftd) in ber SEBelt um^er ju 
treiben, unb oft Ui 2>enett um eine 2»a^ljeit ober 
um ein alte« Äleibun4«flfiiJ au betteln, beren SBergnfc 

7* 



100 €$Utenbft4^letn 

gen er in feiner Sugenb auf ade mh^H^t SBeife ju 
ftiren gefucbt ^atte. — 9}un fagt, ^tnbet, Rittet 
t(r tvol >n btefe« $eter 9feib^art« &UUt fein mi, 
gen? Dod) ba6 braud^e td^ ja nietet erft §u fragen; 
ivet mttt gern unglftcf Ü((^ fein ? 

aSermeibet alfo \a . baö Safler M 9}eibe6 , unb 
gewinnt eud) tietnte^r, an jebem ®iMe ober Un^ 
glftcfe eurer 9}ebenntenf(l(^en timn ^ersüd^en T£ntf)t\i 
}u nehmen. 

9lte freut ein ebler 8)tenf4 1td|) bei bed 2Cnbern Setben; 

0r weint bei frembem Gd^merj unb freut f!c^ firembrr 

Sreuben. 
Um ec) aber ba^in in bringen, m&it i^c forgf^l- 
tig ftber euer ^er^ machen, haf e^ t)on ®toCg unb 
^od)mut() frei bleibe. Senn ein ^oc^mftt^igec 
!Otenfc^ bi(bet fi69 gemeiniglich ein, baß Tttte^ nm 
ffrr ihn erfd)affen fei, unb er fann beßwegen nicfct 
leiben, baf e0 anbern ü^enfcben ihm fo n>of)(, ober 
gar beffer, a(tf i()m, ge^e. 9leib unb «^oc^mut^ ftnb 
ba^er t^on jeber mit einanber Derbunben gen>efen. 
@in hod^mfit^iger ÜRenfc^ aber fann niemab(6 glficf- 
1x6) fein. 2>enn bo(b fte^t er Beute, n^elc^e SSorj&ge 
haben , bie er felbß nid)t ^at , unb ärgert ft(^ bar: 
fiber; balb fielet er Snbere, welche ebenbtefetben fßcx\ 
§&ge baben, bie er ^at, unb mirb Don mmn unju-- 



för Jtinber. 101 

rieben^ ba^ er ni^^t bec ßingige ifl, ber fte l^yat. 
9Bt€ f(^n>a4) ein folc^ec Wlen\ö) an äSerflanbe fein 
mfiffe, flc^t man and) bavani , bap er tt recf^t bor^ 
auf anlegt , feine 7lh\i6)t ju \>txfef)ltti. 6r toftnf^t 
n&miid), {td{) geehrt unb Aber aUe SRenfc^en erhoben 
SU fe^en. Hin rnetl er felbfl ^egen Sebermann ftcli 
ift, unb atte 2(nbere gegen ftd^ 9erad)tet, fo ^tati)* 
ten i(»n bepmegen atte 2(nbere toieber, unb ba< frinft 
t^n Unn gar fe^r. 9Bire er hingegen felbfl bef4)eis 
ben, f)hfii^ unb gcfdtttg gegen 3Cnbere, fo n)firben 
btefe {t({> mieber eben fo gegen i^n betragen, unb 
bann wftrbe er Sreube f)ahtn. 2)enn bte SRenfc^en 
finb burd^gdngig eben fo geneigt, Senjenigen, ber fte 
liebt, unb ibnen 3C(^tuttg erzeigt, n)ieber ^u lieben 
unb ^ocbpf(()äten, al6 fte geneigt ftnb, 2)enientgen 
SU f^affm unb ju \)erad)ten, ber i^nen felbfl auf eine 
ge^äfltge unb Deric^tlic^e SBeife begegnet. @6 ifl ha- 
t)cv febr tvabr, ma^ baß SipridS^wort fagt: 
«{>o(!binutb lommt bor bem Satte. 

3nbem id) aber t)om «f)0(bntutbe rebe, fo 
mA$t ibr eu(^ toobl in Hd^t nebmen, nicbt bie Q^Vf 
liebe bamit in ))ern)ecbfeln, melcbe fein l^afler, fom 
bernmelmebr eine nStbigeXugenb i% ^d) mitt feben, 
ob tc^ ben Unterfcbieb eucb begreiflieb ntacben (ann. 

Sie (S^tt, nacb n^elcber ber «^od^m&tbige fhebt, 



102 6tttenbfl(4Iein 

unb meldte and) bem (Sf^tiitbtnhtn xotttf) ifi, befielet 
in hex guten SRemung, n)e((^e anbete fOtenfd^n t>on 
ttn< ttnb t>on unferer 3(ttffA^rung ^aben ; fe tvie im 
Oegent^eiC bte 04a nbe in bem f<|^limmen Urtbeile 
Xnberer Aber uns unb unfere Xuff&btung befielt 
9hin siebtel eine ma^ceunb eine falfcbe &)u, fo 
wie ti a\x4) eine toa^ce unb eine falfd^e ®d)anbe 
giebt. 9Benn n&mlid^ baß ®ute ober \>ai ^bfe, totU 
6)^ß man und nad)fa^t, mirfticb etwa« ®ute« ober 
SSfed ifl/ unb »enn \>aß Urt^eil ber ajfenfdben, baf 
n>ic el an und^ ober burd(^ unfere «f)anbiungen be- 
gangen ^aben, wirfticb begrfinbet ifl, fo f)ahen wir 
wa^re Sl^re , ober tüai)u ®(banbe. !?obt ober ta^ 
bett man und hingegen,* o1)nt ba^ wir Sob ober 
Säbel t^erbienen, fo Cegt man und fa(f(be @^te obec 
fatfdj^e ®(^anbe bei, woburd^ wir in ber S^at weber 
gee()rt, nod^ gefc^idnbet werben* 

^er erfle Unterfd^ieb nun im\6)m einem e^ c(ie= 
benben unb einem ^o(()m&t^ ig en9Renf(benb«fle()t 
barin, bap jener bte gute SReinung 3(nberer t>on ffcb 
unb feiner 3(ufF&^rung burc^ toxttiid) gute @igen* 
f^aften unb «^anbtungen ju t)erbienen, biefetl()ins 
gegen auf äffe m5gli(^e SBeife, ed fei mit Slt^d)t ober 
mit Unrecht/ |te ^u erzwingen fud^t. S)er @^r: 
Itebenbe a(fo trachtet nur nac^ wahrer @^re, ober 



föc Äinber. 103 

\>\elmtf)t nad^ bem @uten, toohut(i)ttaf)veQf)tt er? 
iDOcben it)icb/ unb er wärbe btefe6 @nu (teben unb 
banac^i tcadi^ten , and) wenn e6 üon 3(Rbern nie ge- 
tobt/ unb er.t)on \f)mn he^m^m nie geehrt wfirbje. 
£iem .|)oclS}mät()tgen hingegen tfi e6 b(of bacum ^u 
tlS)ttn, geräumt unb gee()tt $u n^etben^ et mag etf 
t)ecbtenen ober nic^t. Sener n)trb ba^er ntema()l^ tU 
wa^ UnebU^ unternef)men , um fi6) ^ert)oriut^un/ 
biefem hingegen tfl t$ g(eid)t>te( , ob fein ^Betragen 
an ft(^ rd[)Sn ober l^i^lid^ ifi, n^enn er e^ nur fo ein» 
ti(i)Un fmn, bafi e^ t>on 3(nbern gelobt n)irb. 

6tn sn)eiter Unterfc()ieb jmifc^en SSeiben ifi ber, 
baf ber @brttebenbe gar n>o^( (eiben fann, baf an« 
bere 9ßenf(l[)en auc^ i^re ^or^&ge l^aben, bie t^nen 
£ob ermerben, ber«!^oc()mfttbige hingegen nidS^t. S)em 
ifi iebe gute 6tgenfd[>aft/ bie ein Ruberer beftgt/ ttnb 
tebe r&^mlic^e «^anbtung/ bie ein ^nberer begelS)t/ 
ein £)orn im ^uge, ber \^m empftnblicbe @<K^mers 
§en rnadi^t. @r fann balS)er nidf^t e^er ru^en no(^ 
caflen, bt6 er bie gute ÜKeinung, n^eld^e 2(nbere t)on 
einem SSenfdf^en f)aUn, t)erfc^(immert f)at 

^(it)tt fommt es benn auc^, ba$ ^o(f)mfit|)ige 
SRenfct^en gemeiniglid^ bem ^if ticken Saper ber SS er« 
(eumbung unb beräSerfUinerung ergebenftnb. 
Srfaf^ren fte namtic^ uon 3^manb ben geringflen Se^« 



104 eitttnbüÖ^ltin 

in, fo breiten fte i^n ibtvall an^, unb (ad^en unb 
freuen f!d{) barfiber, bai t^r 9lebenmettf<6 ftefe^lt 
^at. Qft, mnn f!e feine wirf li(|)e Se^Ur an3<ntanb 
bemerfen f innen, legen f?e ftcb aufs i&^tn, unb bic^ 
ten i^m %t1)Uv an, bte er nitmaf^l^ ^atte. SSemerf en 
1!e hingegen an t^m etn>a6 ®ute«, fo nehmen ffe ft(b 
mo^t in 7ld)t, babon su reben$ unb wirb in i^rer 
Qtegenoart t>on Xnbem baDon gefproc^^en , fo geben 
ffe ffd^ äffe mSgUdl^ SRfi^e, biefe^ ®ute ^u Derf (ei- 
nem, ober fo SU terbretien, baS etf bSfe ftbeinen 
mui. 9tun , ftinber , Toa$ bftnf et eud^ «on fo((ben 
itnunl 

%il ba« mfiffen ja ^dplidj^e SDtenfcben fein! am- 
morteten bie Jttnber. 

3a »Ol ^iSHdl^e fOtenfc^^en, fu^^r unfer Hiut 
fttt'j aUein anö^ recbt bumnte SRenftben, fo oet: 
fd^tagen ffe in anbern @t&(fen fein migen. 2>enn 
ffe machen, ba^ 3«bermann fte oerabfcbeuet, unb 
baf Jteiner mit i(^nen umgeben tviU, weil fein 
SRenfcb e6 gern ^at, baf man &be( 9on t(^m f|>ncbt 
unb i^n t>erd((^tlidl^ mac^t. &n t>er(eumberif<^ec 
IDIenfc^ ^at ba^er feinen oal^ren Sreunb , unb ^u 
feiner gemi^nlic^en (Sefettfcbaft ^at er nur fold^e 
Seute, mld)t ff^) gtetcbfaU6 ba€ Stacbreben ange^ 
toSl^nt ^aben. @o lange fotdbe Seute hei einanber 



fflrJttnber. 105 

finb , fletten fte ftdl^ , toer weif , wie freunbf^aftlt^^ 
gegen tinanhtt, nnb reben Sffe nur t^on Xbwefenben 
SBSf^d; faum aber ffnb fte auUinanUt gegangen, 
fo t^ecidflect Stner ben Snbecn , fo fel^r er tonn. 
S>ai finb tnd) rechte Steunbe; ntcf^t wa^r? 

£)ft ifl bal SSertangen, fär einen unter^altenben, 
wt|tgen SRenfc^en gehalten su werben, bte erfle SSer« 
f&t^rung sur SSerleumbung. ÜRan fu^t feine ©e- 
fettfcbaft burdf) ®|>ittereten aber gegenwärtige ober 
abwefenbe ^erfonen $um iad)en ju bewegen, unb 
tfl ßinent hai erfl einige S)la^(e gelungen , fo wirb 
bie SSegierbe, Vnbere lii^ttlid) unb t)eri4)t(t(t) ^u 
ntad)en, immer jTdrfer , bi^ man H)t am (Snbe gar 
nic^t mebr wiberfte^en fann. 

J^fttet eudS^ alfo, ibr hieben, oor ber Steigung 
lum Spotten unb t)or)eber3(rtt)on Sabelfu^cftt. 
®ewi()nt eu(^ ^ielme^yr an, t)on atten ÜKenfc^en, be« 
fonberd oon 3(bwefenben, ebne bringenbe 9lot(i, nic^t« 
al^ ®uted iu fagen ; unb wenn i^r etma^ S96fe6 oon 
Semanb wtf t, fo t)errcbweigt e6 , fo (ange eucb feine 
befonbere ^flicbt gum 9leben zwingt. Sieben anbere 
Seute in eurer ®egenwart Don einem 2(bwefenben 
ä96re^, fo nebmt eucb feiner an, unb bert^eibtgt 
ober entf(^u(bigt ibn , fo gut i^r f innt. )Dte^ wirb 
eud^ bei allen SSenfcben beliebt mad)m, unb TtlU 



106 @ittenbü4refii 

metbctt baburc^ geneigt werben ,. eucf) ebenbenfe(6en 
IDienfl ^tt erwetfen , n^enn t)on euc^ in eurer Hbm- 
Unf^xt aud^ etnma(^( fibel geri>ro(ben wirb. 

9t^f)mt tvn, toQ< r&^mltcb fcbetnt; 

3iäbtUi maä^t bix feinen Sreunb. 

IBo bu fannft, ba brcfe bu 

2>eine< 9l&(bftett Segler ^U/ 

Sßdr ber 9ld(bfie au4 bein Seinb 1 
tteber^att|>t, meine lieben Ainber, feib Derffc^ert, 
\>a9 bie meiflen SRenfc^en ftcb fc gegen eud^ t)ethaU 
ten werben, wie ibr eudl^ gegen ffe ))erbaUet. 9Benn 
i^r eucf^ gegen 2(nbere befcl^etben, bienfifertig unb 
freunb(i(^ beweifet, fo werben aud^ fte ftdl) eben fo 
gegen euc^ betragen. SSefonber« ifl bie Sreunb« 
licf^feit ein ftc^ere^ SRittel, \i^ beliebt {u tnad)tn, 
fo wie hingegen ein m&rifd)ed unb t>erbrief' 
liebet SBefen un6 bei ^ebermann Der^aft mad)t, 
Sinem freunbli(ben, (ieblid^en ©eftcbte fann fafl Xtu 
ner wiberfie()en. @6 gwingt un^, wir migen woften 
ober nicbt, iDenjentgen su (ieben^ an bem wir ed bt- 
merfen. @ben fo nnmi^ixd^ ifl t€ un«, einem fSten« 
fd^en gut, fein, ber immer t>erbrie$li(b unb mfits 
txfil) ifl. Jtein SRenfcb mag gern mit i^m umgeben, 
weil man in feiner ®efeafd)aft unm6glic^ t)ergnädt 
fein fann. Zwi) fc^eut man ftc^ ; i^m irgenb einen 



föc Atnber. 107 

S>ten{l 5U ermetfen , benn genteintgttc^ banf t er Qx^ 
nem mit einer fo fatiem SDliene, bap man nit weif, 
ob man ed x^tn avaü) ud)t gemact^t f)aU, ober ntc^t. 
@o((IE^e Seute ^aben ba^er feiten einen tüaf)vtn Sreunb/ 
unb feiten werben i^nen t>on 3(nbern ®efAUidfeifen 
erwiefen; benn eine freunblid^e SDtiene iß ja bo(^ 
bai SBenigfle^ tca^ man f&r feinen S)ienfl ertoar« 
un (ann. 

Solche mfirrifc^e 8eute ftnb gemeinigtidl^ audf^ 
5um Borne geneigt. ®te werben ndm(i4^ bei ber 
geringflen äSeleibigung , welche oft nur @d)tti ober 
ÜRigüerfiinbnip war, fogleic^ auf er ftd) gefe|t, unb 
fdl^tagen 51t, ober fc^etten unb fiuc^^en, a(d wenn man 
i^nen, xd^ weif nid^t wa^, ^u l^eibe get^an It^itte. 
2>a^ ifl eine gefi^rlid^e itranfl()ett ber ®eele, bie 
Senienigen, ber bamit behaftet ifl, gewif ungt&tfs 
(ic^ mad)t 2)enn ber 3orn ifl eine Hvt ton SRafe« 
rei, in ber wir taufenb Dinge begeben, bie wir nad^- 
^er SU bereuen Urfad^e ^aben. präget m^ bie6 burdl^ 
ben IDenffpruc^ ein : 

Unreddt sorntg su erwiebern, 
@)d^afft nur Ungläcf, ^temt md^t Arabern. 
^d) l)aht eud^ fcf^on einige traurige ®e\di)xd)Un ba« 
r>on er^i^lt, unb finnte, wennö nit()ig wdre, eudb 
nod^ t>iele anbere t)on ® otd^en ttiifyUn, bie im dorn 



108 6'ittcnbft4lein 

ZobtMtdgn würben, unb -unter @(^arfrt4^ter^ ^in: 
ben flerben muften. 3(ber wenn aud^ bte6 nicbt su 
beforgen toire, fo wftrbe untf ber 3orn an ft(^ fcbon 
elmb genug machen, «f^abt t^r fcbon jema^ti^ einen 
}omtgen SRenfcl^en gefe(^en, Jttnber? 

3(c^ \{i, lieber SSater! riefen bie Ainber; bte beU 
ben aXdnner, bte ft^ ba neultcb auf ber Strafe pru« 
geiten $ bte waren redbt jorntg ! 

9lun, (^abt i^r bemerft, wie btefe beiben unftunt^ 
gen teute au^fa^en? 9Bte t^re ®eft(bter t)er2errt 
waren, fote i^re 3(ugen §u brennen fcl^tenen, wte ber 
6<|aum x^rnn t>or bem SRunbe fianb , unb wte fte 
t)or 9But^ faum reben tonnten? Ainnt t^c eucb 
einbttben, baf t(^nen wobt babei gewefen fei? Unb 
fa^ man ed t^^nen nt(bt melmedr beutUcb genug an, 
baf fte innerlich gan) entfegUc^ letben muf ten? @e« 
wtf , ber 3orn muf eine fd|)mer)^afte Smpftnbung 
fein. 

^a^ü fontmt nocb ^iefed. SBeil etf fo unan^ 
genel()m unb fo gefd^rlicb '^Hf mit sornigen Seuten 
umjuge^ien , fo flieget 3ebermann i\)u ®efettf(baft, 
unb fte mfiffen ba^er auf aUt Sreuben ber @efeUig3 
(eit unb ber SreuubfcbaftSSer^tc^t t^un. ®ogat un^ 
befannte ituu fc^euen ftcb t>or if}mn, weil man e6 
t^rem ®eft(^te anfte^t, baf fte teidl^t w&t^enb werben 



für hinter. 109 

fitimn. !Ran ge^t il^nen ba^er aud btm 9Bege, 
wie dewtffen SE^teten , \>on mi^m man ffc^ nxö^ü 
(SuM Decfte^t; unb menn ffe bann etnma^I fcmiber 
<*^fi(fe benSt^tget ftnb , fo l^aben {7e feinen ^reunb, 
bec ft(^ il^rec annähme. ^ ber S^at ein fiigUd^er 
Supanb ! 

@6en fo etenb tt)erben anbere SRenfd^en burd^ ba^ 
2af!ec ber UnoerfS^nlid^feit. (S^ ^Uht nimü^ 
gewiffe, nicht blof bumme, fonbern auc^ SUgUic^ 
felf^r boshafte SRenfd^en, hU gar feinen S^^Ur an 
2(nbern, gar feine SSeUibigung «ergeben f jnnen, .unb 
menn i)erienige; ber fte beteibiget f)at, e6 audS^ ^^^ 
fo fe^r bereuet. 2)a^ ffnb aberma^I^ ehtn fo bumme, 
at« gef^btiic^e imu. 2)enn ba aud^ bie befien ÜRem 
f4)en febCen unb au^ Unmiffenbeit ober Uebereilung 
Semanb beteibigen f innen ; fo m\x^ Seber ftc^ fSrd^s 
ten, mit einem, unverfi^nlicben ÜRenfc^en @emeitt« 
fc^aft in ^aben. S)enn n>enn man'^ nur im gering» 
flen mit i^^m Derfte^t, fb wirb er gtetc^ unfer bepin« 
btger S^inb , ber nxöjt^ a(d Stacf^e fuc^t. 9Ber mag 
mit einem folcb^n ÜRenfc^en ju t^un ^aben? ttnb 
toa^ gewinnt er babei? 9Bad fann ed i^m n&^n, 
wenn ein anberer Sffenfd^ ung(A(f lic^ wirb ? SBid 
er Rubere babur(^ abfc^rctf en , baf fte i^ nU^t U» 
letbigen fotten, fof<i»reAer jugleid^ aud^ fetneSteunbe 



ab , baf fte t(^m nic^t Reifen , loetl jTe i^ti babet um 
üermut^et betetbigen finnten. fBlad)t fi^ alfo ein 
fcU^it flRtnf^ ntc^t iuf ecfi utidlfttfitc^ ! Denti tcU 
tann ein SReüfdl^ unglfitfUcf^ec fein, al^ »enn i^n 
9}iemanb liebt, 9liemanb mtt if^m umgeben, 9l\t: 
manb i^m ^e(fen n>iU, unb totnn fid^ Sebermann 
üoc i^m f&c4)tet? 

SBett Kftgec alfo ^anbeln bie oecfi^nliddett SDtem 
fcf^en, meldte bie il)ntn sudefügte ^eleibigung balb 
»ergeben unb ))etgeffen tinnen. 2)ie mad[^en ft(9 
nic(^t b(of SDenjentgen, gegen meieren fte fid) fo grof^ 
m&t^ig beseigen, fonbern aud^ aQe anbere 9Renf4^en, 
bie Smai babon ^iren , ^u gteunben. Dmn »it 
tinnen un^ unmigticb entf^aUen, £)enienigen su (ie^ 
ben, an bem mir &&u unb @rof mut^ maf^cne^men. 
Unb menn mir einen fol^^en SRenf^en auc^ nies 
ma^i^ gefe^en ^abcn , fo mftffen mir x^m boc^ gut 
fein, fobalb man un^ eine \old)t eb(e Z\)at Don x^m 
er)j(^(t. JBerfu(^t'6 einma^l, ob i^r einem gen)iffen 
3ofe|>^ gram fein finnt, beffen ®efdi)id|)te xt^ eud^ 
ie(t ersil^Un mia. 

Sor alten ^iun lebte ein SRann, ber ^ieß Sa- 
lob. jDiefer (latte jmilf ®6()ne, bie i()m alle lieb 
maren. 3(ber am liebf!en unter TiUtn ^atte er einen 
ber i&ngflen üon i^mn , OVamen^ Sofep^ , meil et 



föt jetnbet:. 111 

unter aUen bec artt^fle unb ge^orfamfie mar. £)ad 
oerbrof nun bie 2(iibern, unb if)t 9}eib unb if^re 
SBo^^ett gingen am 6nbe fo tcüt, baf ffe t(^n um^ 
bringen moUten. ®te marfen i^n nimlic^ ^ ba ffe 
mit t^m aUein in einem grofen SBalbe maren, in 
eine tiefe @rube; worin er Der^ungern foUte. 9hir 
6iner unter i^nen ^atte nodS^ einiget SRttUib mit 
i^m. Da biefer eben frembe Aaufleute Dorbei^ie^en 
faf), fo berebete er bie Znh^xn, baf fte if^ren SSruber 
lieber an^ ber ®rube berau^^Sgen, unb biefen Xanf» 
(euten a(^ einen Xm6)t t)er(nuften. Denn bama^(6 
f aufte unb oerfaufte man fStenfc^en , mie man je^t 
^a^ Siit^ in SRarfte bringt. Diefe Aaufleute nun 
f&brten ben armen 3ofepb meit meg^ in txn frembe« 
ganbi unb feine bo^b^ften SSrftber ma^Un ibrem 
aiun 93ater »eiß, baß ibn ein SBolf im !B3aIbe auf« 
gefreffen bäte. 

Dem armen Sofep^ ging e« in bem fremben 
£anbe anfangt {iemlicb gut. 2(ber ba bie ^rau fei» 
ne« ^errn ibm einma^l ettoa« 99ife« Sumut^ete, 
unb er e« nicbt t^un tooUte , fo Derteumbete fte i^n 
bei ibrem Spanne fo fe^r, baf er i()n in« ©efäng* 
niß tverfen lief. Jgm f)atu er ©eiegen^eit, einem 
oornebmen SD^anne, ben ber ASnig, i^ toeiß nic^t 
tvarum / in bat n Jmlictie ®ef ingnif f)atü fe|en laf» 



112 ©ittenbüd^Uin 

fen, einen ©imfl ^u Uijlen-, unb ba btefec wWec 
auf freien S&f en mar , fo erinnerte er ft(^ feinet bei 
einer guten ®e(egen^eit, unb empfat^l i^n bem S^i* 
nige. Der Äinig ließ i^n ju ft* f ommen , unb ba 
er fanb, baf er ein fe^r t)er(ianbiger unb reblic^er 
SRenfcb mar » fo gemann jener i^n lieb, unb ma^tt 
Hin am (Snbe gar ^u feinem erflen STOiniffer, ber 
ftber 3(ttee ^u 6efel[)Un i)atu. 

ginn fugte ed fttb nac^ einigen 3d()ren/ baf eint 
fe^^r t^eure 3«t einfiel, ©lödlicber SBeife ^atu 3o: 
fep^ ed t)orll)ergefe()en ^ unb fo t)iel Aorn aufgefauft; 
baf er nun ba^ ganje Sanb bamit t}erforgen fonnte. 
3n allen anbern ©egenben mar grof e «!^unger6not^, 
auci) ba, mo ber alte Safob mit feinen ®S^nen 
mo^ttte. 2)ied bemog ben alten !0?ann, feine ®i^m 
nact^ bemjenigen Sanbe $u f(^i(fen, in meldl^em Sofep^ 
(ben er fAr tobt f)\9it) nod) Aorn ju t^erfaufen f^attt, 
Aaum maren bie Ainber Safobd bafelbjl angefom^ 
men, fo mürben fte oon Sofep^ erfannt; fte felbß 
aber erfannten i^n ni(^t , meil er ftc^ fe^r Decdnbert 
f)atu. 

SBdre nun 3ofep() unt)erfS^nli(l^ unb rachgierig 
gemefen, wat f)itu er n\ö)t 2(lle6 mit feinen $8rii> 
bern t)omel^en fiitnen! (St brauchte i^nen nur 
fein (Setreibe ^u geben, fo l^itten fte ijerl^uttgern 



fftt: J^tnber. 113 

mAfTen. & f)itu jte s&d^ttgen, ind ©efängntf mt* 
fett, ja IS)mrtct^ten (äffen Cinnen, menn er getpoKt 
l^dtte. 2(udj» mar bte SBeUtbigung; bie fte t()m äuge« 
fägt Ratten, ntcbt geringe; unb er tpfirbe fte m^ 
aßen Steckten bafur ^aben beflrafen finnen. . SS3a6 
t^at er aber? 9{adl)bem er fte jam ®i&etn ein tioe* 
ntg bange gemacht f)atu , gab er ft(^ i^nen }u er« 
fennen; fagte, flatt aller 93orn>ärfe; metter nid)t^f 
ali: S6r geba^.tet eö bSfe mit mir ^u ma* 
ii)en, @ott aber ^at e^ gut gemac|^t! um* 
armte fte barauf ai6 S3rfiber, lief feinen aUen 9$a* 
ter ba^u l)oUn , befc^enf te ffe JCUe ret(()(ic^ ; uni gab 
i^nen bte \ö)in\tt ®egenb im Sanbc m, too ffe an HU 
Um einen Ueberßuß f)atun. dlun fagt; Ainber; Mnnt 
il)v eud^ mt^aiunf biefem 3ofep^ gut lu fein ? Unb 
gleiddmol ^abt i^r i^n nie gefe^en. 3u einer anUtn 
3eit »iU i(l(^ eu(l(^ feine ®efd|)icl^te toeitliuftger er^ j^(en. 
^cd) m\xf ic^ eudE^ Dor einer Untugenb marnen^ 
mi^ f4)on mand^em SDIenfd^en t>ie( ä^erbrief lic^fei« 
ten sugejogen ^at @^ giebt ndmlid^ imtt, totl^t 
gar ntd)t^ oerfdSimeigen f innen; unb burc^ &^t»ai* 
^af tigf eit ft(^ unb 2(nbern oft groSed Ung(äcE ^u« 
{ie^en. I>at ftnb aud) bumme Seute, bie ft<^ oft an 
4^rem eigenen ®(ucEe IS)tnbern. S>enn bixti) i^r SlaU 
\d)m entfielen aUer^anb 3^n{ereien unb Seinbfdf^af* 

^. ®tttenbttd)rettt. 8 



114 ®itten6ü4lein 

un, oft unter bm befien ^ceunben. 2)epmegen meibet 
ffe 3«becmann , unb 2)ieientgf n , mid)en fte Qtf^a- 
bet 1)ahtn, fSnnen ntc^t um^tn ; fte su j^affcn. 3(ffe 
fud^en fte au9 t^cein «^aufe unb r>on intern Unt^ 
gange au^^ufc^ltefem 3» einem t>ei;rci[^miegenen SRen« 
feigen hingegen })aUn aUe Seute SBertrauen, unb 
e^ fann ba^er nt(^t fe()ten ^ ba§ er auf eine ober 
bte anbere SBetfe fein @l&i madj^en muf. 3cl^ muf 
euc^ bod) ein S3eifptet bat)on er^i^Ien, melc^ed i^i 
irgenbmo etnma^l geUfen Ij^abe. 

Sinige r>on euc^ n)tffen fc^on, ba$ ed Dor Seiten 
ei» m^d^ttgeg 93o{! gab; tveldE^e^ man bie StSnter 
nannte. £)iefe0 SBolf ^atte baiumal()t feine Einige, 
fonbern et (ie$ ftcb t)on t)ieUn alten SRdnnern be? 
^errfd^eU; i9e(d[^e Stat^^^^^^^ Riefen. S>tefe 
Stat^^b^rren pflegten nun ju getoiffen Seiten gufam« 
men ju fommen, um ftc^ aber aUerlei n)id()tige 2>tnge 
mit einanber iu bereben, unb n^enn ha (Sma^ ty^t^ 
fiel, »ad nid^t aUe Seute n>iffen foUten, fo waren 
Tiüz fc^ulbig, et gel^eim ju galten. 3un>ei(en p^eg- 
ten bte SSAter aud^ n)o( i^re @$^ne mit In biefe 
Serfammtung $u nel^men , bamtt fte red£)t frfi^ mit 
ben 3(nge(egen^etten bed SSaterlanbed befannt n^erbe», 
baffelbe lieb getDinneU; unb mit beflo größerem ®* 
fer fi^ SU tftdS^tlgen gWannern bxlhen m5d[|ten. 



für ^fttbet. 115 

@o pflegte oft ein fungec Wttnfii, 9{amen6 $ a * 
pivxn^, mit feinem ^aUt tiefen 9{at^dt>erfamm« 
lungen bei^uwol^^nen. ©njf, ba er aud einer fold^en 
äSerfammtung $u .^aufe f am ; t>er(andte feine fBlnu 
ter in n)iffen , ma^ an bem Slage im 9lat()e t)orge> 
fallen fei? Siebe STOutter; anttDortete ber €5olS>n, 
tcl() motite end) gern 3(ae($ erjagten, aber ed ifi mir 
t>erboten n)orben. 2)ie unt)ernönfti9e SRutter »oUte 
iebod) biefe Sntfd^ulbigung nid^t gelten (äffen; fem 
bem bro^ete mit Strafen , tomn er il^r nidS)t 3(tte^ 
»ieber fage. ^er junge Wten\ö) , ber ffd^ in biefer 
93erlegenl)eit gar nidjt ju Reifen mu^te , fiel enblt(6 
auf ben ®ebanfen ; bte 9leugierbe feiner fDIutter {u 
befriebigen^ o^ne gleid^tpol bie ^ßö)t ber 9infd)tüU' 
genl()eit su bred^en. @r antwortete t^r alfo : man 
f)aU \i6) ^eute ^beratlj^f^löget , ob e« nidf^t gut fei, 
baß jeber üT^ann fiatt @iner imi grauen nel^me? 

Aaum ^atU bie t^itxd^u %va\x biefe^ ge^jrt, ald 
fte, tote mal^nftnnig, $u aUm tf)tm ^reunbinnen l^er* 
umlief, unb x^mn \>a^ @e^eimni$ mittl^eilte. 2)iefe 
würben' eben fo fe^r bar&ber aufgebrad^t, unb am 
folgenben Xage liefen Zllt in bie 9{at()^t)erfamm« 
lung ; unb fd^rien ben Snannern bie £)^ren fo \>oU, 
baf biefe auf Un ©ebanfen geriet^en, fie feien 
fammt unb fonberö tjerrfidEt geworben. Sa trat ber 

8* 



It6 &ittenh&d^Uin 

junge SRetif* f)troct, unb fagte, er mfiffe feinen ge^= 
(et nut gefielen , et ^aht 2)a«, »orfiber bie SBkiUt 
p* befdl^ettett, feiner SKuttet wei« gemalt, »eil 
et p* Dot t^ret Weugietbe nid^t anbetö ju fetten 
gewuft ^abe. Die giat()«^etren gaben il)m batauf 
jw«: einen Betwei«, hai et feinet 2»uttet nicbt 
e^terbtetig genug begegnet fei; aUt feinet Ätog^eit 
wib »etfc^ttiegenf)eit wegen gewannen fte xf)n bo* 
Xae tec^t fe^t lieb •, unb ob fte fd&on, auö JSefotgmp 
t>ot f^limmen golgen, bie @e»o]()n^eit, junge Änaben 
mit in ben JRat^ ju nehmen, abfdj^afften, fo etlaub-- 
un f!e borf) bem jungen ^apiriu«, ju feinet nic^t 
geringen e^re , biefe« »ortest« ; bie ganje 3eit fei-^ 
net Sugenb f)\n\)\xt(t), attein su geniefen, unb gaben 
il)m, j«m 2(nbenfen an jenen Vorgang, einen befom 
betn Sunamen, bet ft* auf feine 5Rad)fommen fort^ 
yffanjen, unb ein bejldnbige« Senfmaf)! feinet tfi^m' 
lieben »etf^wiegenbeit fein foUte. 

3* f)(ibt eucb biefe ©efc^id^te bloß beßwegen er^ 
jÄl)lt , »eil i^r barau« lernen f onnt , wie fe^t bie 
?Wenf(^en bie SSerfc^wiegen^eit ju fc^dften unb ju 
belohnen pflegen. £)enn fonfl war e« gar nid&t 
1)hb\d) I baf ber junge Kimer feiner STOuttet eine 
ttnwa^rlS)eit fagte ; fo xoxt e« audS) üon bet ÜÄutter 
febr ^«i* war; baj fte ^ixx^at gu wijfen t^etlangte, 



för i^ittbet. 117 

ba^ fte nxi)t^ anging, unb meld^eö.il^rem SSo^ne {u 
fagen t>er6oten tt)ar. 

•f)ötet tuö9 alfo, i^r (teben Ainber^ Stwft« au6« 
SU|)(aubern; »obon i^c bermut()en finmt, baf man 
ed ntc^t gern befannt gemadf^t tt)iffen moIKe. @onfl 
n>icb eud(^ Sfebermann , aii S^crrdt^er , {{teilen , unb 
t^c n)ecbet felbfl niema^td einen treuen Sreunb er» 
(angen, in beffen fiebern SSufen i^r eure @^f)eim* 
niffe nteberlegen finnet. 2)enn ein 93errdt^er n>irb 
t>on Sebermann gel()agt, felbfl Don Denen i welchen 
er baburd[^ ^ix btenen glaubt. 9lur bumme Seute 
alfO; mld}^ nic^t äSerjlanb genug ^aben, um einju« 
fe^en, baß fte felbfl am meifien fiä) hahutö) fc^abeU; 
fSnnen in biefeel Safler DerfaUen. Setragt i^r eucb 
ba^er f (figer , meine (ieben ^inber , unb merft eucft 
hierüber ben @|>rud): 

Sreu unb Derfc^mtegen fein ift eine fc^öne ¥fli4t; 

SOBo IXaubem fcbabcn tann, ha fcbmeig'/ unb rebe niä^t ! 
3Cm aOferbummfien aber unb am aUerbofefien ftnb 
bteUnbanfbaren; bieienigen Seute, fage id), mii)t 
empfangene 9SolS)(t^aten oergeffen, ober i^ren Wo^U 
t^itern »o( gar $u fc^aben fuct^en. ®olc()e izuu 
geben iffentlidl) ^u erfennen, baß fte !Riemanb et»ai$ 
&uu$ SU erroeifen int ®tanbe ftnb ; benn tooütn 
f!e nic^t einma^t 2)em @nM t^un, ber i^nen 



118 ®Utenbil4(ein 

»or^et fetbfl n^lget^an f)at, mte toecben ffe ed Zn- 
becn t^^uH; bie i^^nen nocf) feinen 2)tenfi emeifen 
tonnten ? )DecgIei(6en Seute ntad^en ftdft tt^t um 
glflcfUd^; benn n>enn ffe einma^l de^etgt ^aben, »te 
fcbltcbt ffe bie 2)ienfite belohnen , bie man i^nen (et- 
flet, fo toixh fein fKenfcl^ mebt bie getingfle ^tU 
gung bttben, i^^nen ferner bienen ^u moUen. 6tn 
ttnbanf barer mirb bal^er Don alKen SRenfc^en, atö 
ein Ungebeuer, ))or bem man ffcb in 2(c^t nehmen 
muf, r>erabrd^euet, unb man t)&Ut ftcb^ fo febr man 
fann, mit if)m in ©emeinfcbaft ^u geratl^en. 

8teb' unb »Danfbarfett gefdQt; 

ttnbanf ^aft hit ganae SOSelt! 
Sragt ). 99. einmal^( eucb felbfi; ob ibr tool eine» 
gen)ifren 3ttf (e, beffen @ef(bicbte icb eudd jebt er^ 
sdblen miU, s^ eurem S^^unbe i)abtn mScbtet? 

£)tefer 3nfte n)ar ein Kaufmann. 3n ber ^off^ 
ttung , Diel ®e(b su genoinnen ; ging er ^u ® d()tffe, 
unb reifete nacb einem £anbe; mi(i)tt man erfi f ur^' 
li(b entbetft ^atu. & f)tift 2Cmerifa. 2>a^8 
mal^l touxbt biefe^ Sanb nocb gtSf tentl^eil« t)on Wttxt* 
fcben bemof^nt^ bie man SStlbe nennt, weil ffe, bet^ 
nabe n>ie bie n>ilben St^wu, in ben SB3i(bertt (eb? 
ten. 2)te Steife ging gan$ gut Don Statten ; aber 
ba fte nabe bei bem £anbe angefommen n^areti , er» 



f&t hinter. 119 

^06 ftc^ ein entfegttc^ec ^tucmminb. S^u\n marf 
bn€ &i)xff segcn einen Reifen; baf e6 in ©täcfen 
jecftet. S>ieientgen Seute, meldte nxd)t fcl!)n)tmmen 
fonnten, mußten ertcinf en ; bie 3(nbecn aUt, mi6)t 
mit genauer 9lot() bai Ufec erreicl!)ten; n>urben t)on ben 
n^ttben fDtenfc^en umgebcacl[)t S>em einzigen 3nf(e 
nur gtudCte e^/ in einen SBalb ju entfliei^en, mo ec {t(^ 
{wifc^en äSäfd^en t>ec&ergen fonnte. <g)iec marf ec 
ftdS) gan} t)eriweiflung6t)oU auf bie @rbe^ ungemif, 06 
ber «junger, ober bie SBilben i^n tibun tt^firben. 

2(uf einma^l 1)itu er tm @eräufcl^. @tn toiU 
bed Wt&b6)zn fprang aud bem @e6üifc^ f)tnot, \af) 
if)n ba liegen unb flutte. 'Knflatt aber, bap fte xf)tn 
&mi ^itu 2u Seibe tl)\m foaen , blicf te fte i^n 
freunblidl) an, unb gab \f)m burc^ 3eid)en ju oerjte* 
i^en, baf er i^r folgen m5ge. @r tf)at e^. ®te 
f&^rte ibn in eine fleine J^&tU , fprac^ i^m burd^ 
iii^ün Wttxtf) ein ; fegt« i()ni allerlei Si^ii4)t^ ^or, 
um feinen <g)unger $u flillen , unb geigte i^m einen 
SBafT^rquell, aui bem er trinfen fonnte. S>a6ei be- 
wad^te fte i^n immer fo treu, unb war für fein 
SBo^lergel^en fo (tebreic^ betfimmert. 

Unb fo lebten fte nun eine si^ntlic|)e 3^it IE)ins 
burdS^, tDurben einanber immer lieber, unb er na\)m 
fte lu feiner Srau. ®ie erfanben aud^ balb eine 



120 @fltenbd4lein 

9iptai^tf mobarc^ f!e ftd^ einanbec t^ce ©ebanfcn 
mttt^eilen fon»ten. X>a er$i()(te nun 3nfle fetner 
®arifo (fo ^tef ba^ gute »Übe aRibd)ett) oft St* 
toa^ t)Oii feinet IBaterjfabt: n)te ed ba d<>it} anber^, 
a(4 in t(^(ec SBitbnif fei; wie man ba in gtofen 
«f^dufem mo^ne, in Jtutfdien fa^re, f(^6ne ^ftletber 
trage, unb n>a6 er 2CKed me^r fagte. Sßenn id) ha 
mit bir toire, fe^te er bann ^tnju, n)ie g{ftdlt4 
n^oUte i^ biö) machen ! 

2)a6 gute Ainb n>einte bann oft r>cv Sreuben, 
unb lief nad) Um Ufer l^in / um ju felE)en , ob m^ 
fein Sc^if vorbei fa^re, mli^tt fte mitnehmen f Snnte. 
(SnblidS^ erblidte fte eind, unb fam ei(enb6, tf^ren ^ 
tu bat)on )u 6enac{)ricK)ttgen. 2)ad ®(^tff , melc^e^ 
unterbef getanbet mar, na^m S3eibe auf, unb fe(te 
ba(b barauf feinen Sauf na(b einer gewiffen 3nfel 
fort ; auf mld^^v Wltn^m , toie bei un^ ba^ S^te^, 
}u S^arfte gebradf^t werben, ^ier fte( bem ^abfäc^- 
tigen SnfU ein, baf er auf feiner (angen Steife gar 
nid^t^ gewonnen \^cAtf unb baf er drmer wieber 
nadE) «^aufe fommen werbe , a(^ er bei feiner Tih 
reife gewefen fei. 2>a6 beunrul(»igte i^n fe^r. 

Snblidft fam er auf ben abfcbeulicften ©ebanfen, 
feine arme %t(ivi , bie gute glarifo, \>u i^m bad iu 
ben gerettet l^atu , al« @Hat)inn }u Derfaufen , um 



fdi; Jl^tnber. 121 

baburcf^ meitigflen^ ju Htoat ®e(be ju fommen. 
äSecgeben^ fiel bie UnglfiAlidl^e Doc i^m auf bte AnU, 
mxntz unb fle^ete-, titc^t^ fonnre ben Unmenfc^^en 
ertoeidben. @raufamec! rief fte enbtid^ au6i erinnere 
bid) f bafi td) fc^tvangec bin ; unb erbarme btc^ tot» 
ntgfien^ be^ Ainbe^, mi^it x^ bir geboren fott! 
Unb toat antiDortete ber S3ifen)i(^t? »^htt t^r^?« 
rief er bem Aaufmanne/ an ben er fte t)er^anbetn 
xotUtt, ju; »f!e tfl fc^manger; alfo nod^ iwanstg 
2:^a(er me()r für hat ittnb , n>elc^e^ fte jur SBeU 
bringen mirb ! < Der Kaufmann gab'^, unb ber Un^ 
menfc^ ging mit bem ®e(be bat)on. 

<g)ter ^icU ber aiu @()renret€|) ein, unb bie ^im 
ber , tt>e((^en bie gellen SM^^^ i>t ^^n 2(ugen flam 
b«n, (onnten eine d^tt (ang gar ntc^t reben, fo ge« 
tiä^it maren fte. (^nbUcf) fragte ber 2CUe: 9lun, 
Ainber^ mSc^tet i^r ben 3nf(e tt)o[ ju eurem ^i^eunbe 
^aben? 

SSetoa^re ber «^immel! antworteten bie ^tnber: 
ba« mu^U ja ein abfc^eulid^er fStenfc^ fein; »er 
moUte bamit (Sttva« su t()un ^aben? 

Sl^r ^abt Siecht, fu^r (S^renreic^ fort. 6ben 
fo Unhti anbere Seute aud|). deiner (ann einen 
unbanfbaren SRenfc^en au^fie^en. IBermeibet atfo, 
meine ^inber, oermeibet ja auf ba6 forgfäUigfie 



122 ^ittenhi^Uin 

biefe^ unb aüt bte anbecn iajitt, r>et tDeiö)m tc^ 
euc^ gemarnt ^abe. Denn euer gan^e^ @lfi(£ l^dngt 
babon ah, bap bte Seute, mit tt)elcben il^c Üben mfif« 
fet, eu(^ n>o^t tooUen unb eud^ lieben; unb ba^ Mts 
ben fte gemif , n)enn aud^ if)c t^nen zeiget ^ ba^ t(r 
(te liebt unb i^nen n)o^l5Uttiun bereit feib. 

S^ornebntltd^ aber fuc^t eu(^ b i e Seute ju ^reun« 
btn SU mad^en unb in behalten , bie mit euc^ unter 
Sinem Dad^e n^ol^nen. S^iefe f)aUn bie meifie &p 
legen^eit , eudb ju bienen unb ju IE)elfen , unb eucb 
ba$ £eben angenebm su machen. Sure 3(eUem 
ftnb fcbon wn felbfl geneigt ; eucb in lubm ; aber 
wenn i^r fte nid^t meb^t liebtet; unb xf)mn nid^t ge« 
^orfam »dret; fo fSnnten fte ani) anfangen; gleicb' 
d^Uig gegen mi) in »erben ; unb mnn 2tnbere \p 
()en'foUten; bafi i()r eure 3(eltern nicbt liebtet ; bie 
eu(6 fo Diel ©uteö getlg)an ^aben, fo tvfirben fte eud^, 
unb itcat mit Siedet ; für unbanfbar f)aitm ; unb 
bann wärbe eudE) fein 9)7enfdS) mebr lieben f5nnen. 
S>enn benft nur; mt fauer t^t euren 2Celtern getvor» 
ben feib ! (^ure SRutter mu^te euc^ mit ®cl[imerjen 
gebären; mufte, fo lange t^r flein maret; unbe« 
fd^reiblid^ üiel @fel unb Ungemacb um euretwillen 
etrtragen ; muf te ; fo wie euer äJater ; befldnbig f&r 
eud^ wachen; bamit il^r nicbt ju ®d^aben famet; unb 



fdc ^tnber. 123 

S3etbe mitfIten fiv eucb atUxtm, um Sttoat in er^ 
toerben , tt^o\>on fte eud^ fp^tfen, fleiben unb ergießen 
fSnnten. SBenn t()r nun ffir bai 7lU^^ f7e ntd^t Ue^ 
ben kPoOftet, n)ftrbe bad nid^^t bec ^cifte Unbant t)on 
bec SBeU fein? 

3(bec ntcbt b(of Unbanf , fonbecn aucb aupcror» 
bentlidS^e 2)umm()ett n)ire e^^ n)enn i^r eure TlüUtn 
ntc^t ced^t (^er^lic^ lieben unb i^nen folgen moUeet. 
®te ftnb fo t)iet älter, al$ t^r, ffe ^aben fo t>tel 6r« 
fa()t;ung, fte f innen eui) fo mandS^e^ ®ute lehren, 
fte ntad^en euer ®l&ä ^u bem t^nsen, unb »er fSnnte 
fte imn^m, bad 2C(le^ f&r eud^ ju t^un, »enn fte e^ 
ntc^t fretn)t(ltd unb aut Stebe t^iun"^ ®c^etnen fte 
tu6) ^umetlen ein tvenlg \)att lu feiU; inbem fte euc^ 
@twa6 unterfagen, ober eudb ftrafen, fo beulet im« 
mer, bap fte bad au6 tveifer Siebe t^un, unb baf fte 
euc^ 9ett)tß fein ÜRifoersnägen t)erurfad)en mfirben, 
menn fte nic^t überzeugt n)aren, baf e« su eurem 
S3efien ge^ire. ^^nn ed tfi unmiglid^, bap 2Celtern 
tbren Ainbern , ef)m Urfac^e ; @tn)ad jumiber t1)m, 
ober fte Raffen fodten ; unb mnn xd) ed t)or 2Cugen 
fi^e , fo glaubte id)^ ntc^t. @6 n)2re Am fo t)iel, 
al^ n)enn Siner ftc^ felbft ()affen »oUte. 

3Cu(IS^ eure Se^rer ^aben ein Dorifiglid^^e^ 9led^t 
auf eure £tebe unb auf eure golgfamfeit. S)enn fte 



124 ^itUnhü^Uin 

lieben euc^) felbfi eben fo aufrtcf^ttg^ a(^ eure TCHUtn, 
unb fttd)en auc^ eben fo febtr/ a(^ fte; eure »abre 
(Si&i\ti\QUit h\x befSrbern. 6d tofitbe bal^er febr 
unbanfbar Don eucb ge()anbett fem , menn i^r {te 
nic^t mieber (ieben; fonbern burc^ Ungel^orfam betrü- 
ben tpotttet. 3(udb mfirbe bai eucb felbfl am meißen 
}ttni @cbaben geretcben. S)enn n)enn ibr bad t>atec' 
liebe ÜBo^lmoUen eurer Sebrer verwirft bittet , fo 
warben fte eucb ntcbt mebr mit eben ber ^reubigteit, 
wie h\^f)n, unterricbten tonnen, unb bann mörbe 
tni) ba6 Semen, n>elcbe6 eudb ie|t äSergn&gen macbt, 
gar febr befdbwerticb faden. S3em{ib«t eudl> babec, 
fo Diel ibr finnt, euren Sebrern Steube ju machen, 
fo werben atx^ fit barauf bebacbt fein, euer eigene^ 
S^ergnögen i\x beforbern. 

3Cudb eure ©efcbmijler unb eure ®d)ViU 
f reunbe (5nnen mö;) \>Ui äSergn&gen unb t>iel SSif- 
Dergnögen macben, je nacbbem i^r t)on i^nen geliebt 
ober gebaut werbet, iieht 'if)t eudb unter etnanber, unb 
fucbt ibr @iner ben 3(nbern glutflicb $u macben, fo 
werbet i^r gern beifammen Uhtn ; liebt ibr euc^ aber 
nic^t; fo benfet felbf}, tt><i€ ba^ ffir ein elenbe^ Se< 
hm ifi ; wenn ibr notbwenbig eine lange 3ett mit 
aWenfcben nmQtf)m muffet, bit ibr nidS^t liebet, unb 
Don bzmn ibr felbjl nicbt geliebt werbet. Ueberbte« ijl 



föt Äinbcr. 125 

zin S3ruber, ober ein «^au^freunb, auc^ immer if)n 
im @tanbe , un^ ^u l)e(fen , al6 2Cnbere ; benn er 
fennt unfere Umfldnbe am beflen, unb unfer ®1&S 
tfi aud; il[)m nuglidj^er; al^ 2(nbern. @g muf un$ 
bal)er fe^r baran gelegen fein , uon i()m geliebt }u 
n)erben. 

€^etb liebreid^ unb t>ertraut, xi)t Sreunbe, @cf)we{!ern/ 

SSruber i 

)Dte @tntrad()t baut baö «^auS^ hie 3wuttaä)t reift ed 

nteber. 
^aht ii)t enb(icl[) ; mann i^r n)erbet groß gewor» 
ben fein, and) ©efinbe, fo laft fte oor aUen£)ins 
gen merfen, baf i^r i^nen gern n^o^tt^ut. S()r 
voiitf il)t f innt nid^t immer bei i^nen fein. äSerlaft 
i^r eu(^ b(of auf ben ici^n, ben ifyv i^nen gebt, fo 
werben fte aud) nur fo t>iel arbeiten, M notl()ig \\i, 
um }u t>er]()inbern ; baß \i)v fte nic^t abfc^afft. ®e^ 
^m fte i[)ingegen, baß t^r bittig, mitteibig, g&tig 
nnb toof)itl)&t\^ gegen fte feib, fo tt)erben fte Don 
fetbfl 2(tte^ tl^un, ma6 ju eurem S3cfien gereid^t. 
2)enn ba benfen fte geioif : tptrb unfer «^err ncd) 
reicher unb vergnügter, ali er jegt ifl, fo n^irb er un^ 
auc^ immer mt^x n>olg)(t^un| ba er fd^on jegt fo gut 
ifi. 3n eurem «t)audmefen mfiffet i^t alfo t)or atten 
iDingen eud^ fiberatt bur4^ 2)tenfifertigfeit/ ©iite, 



126 eitUnh&^ttin 

^e^t^iügfüt ttnb iDanf barfeit ^reunbe ju ma^tn, 
unb anö) auf er eurem «^aufe Sebermann gu gemm- 
nett fuc^en, bamtt ^ebermann euc^ mteber btene, 
wenn er fann. 

Se^onbte liebretc^ unb geregt 
)D{e Untergebnen, !0^agb unb Anecbt; 
Um bicb helieht gu febn, t^ix TCflen, 
Sßad Maig tfl, gern gu ©efaQen. 

ttnb glaubt ntd^t; baf b(of bie- 9letd^en unD 
®rofen eud^ n)teber n&ilid) merben (Snnen. 2)er 
ärmfte, bergeringfle JBettler fann eucfe oft ben 
aUern>t(^tidf7en S)tenf! retflen ; unb genieinig(id[) j^fit- 
gen arme iBeute mi erfenntticber unb btenfifertiger, 
aW bte Ketd&en, ju fein. 

£)a^ f)at mein SSetter, ber 3(mtmann gu 9leU' 
enborf, »o^l erfahren, ftet l^ier ber 5Wac^bar ®ut= 
tüxU ein. 2)er würbe jegt ein armer fBltann fein, 
wenn er nid^t einen SSettCer }um ^t^eunbe gehabt 
f)itU. SGSie fo? fragte ß^renreic^^. Sc^ Witt« eu* 
ttii^Utt, antwortete ber (Rac^bar. 

f5or einigen Sct^ren tarn oft ein armer Wtann 
in bae SDorf, wo mein SSetter 3fmtmann x\t, um 7iU 
mofen gu fuc^en. @eine unoerfd^ulbete ZvmutJ) unb 
feine gdnglid^e Unfi^tgfeit gur 3(rbeit bewogen mei« 
mn aSetter, t^m iebe^ma^l eine SBo^tt^iat gu vzid)m. 



für JCtnber. 127 

9Bet ^atu nun benfen foUen , ba^ bec arme fSfann 
Umaf)l^ in ®tanbe fein n)firbe, i^m mieber $u bte« 
nen? Unb 9leic^n)ot gefc^a^ ed t9trf(tcl[». SRetn SJet« 
ter l^atte einma^I einen großen SSeutel r>oü ®otb 
auf ber 9)ofl er{)aUen , wofür er ©etreibe auflaufen 
fottte, unb f)atu t^n in feinen ^d)tant gelegt. 68 
ffigte fic^, baß ic^^ eUn bei i^m war. Seö 2Cbenb«, 
ba wir txn^ ju SSette legen wollten, würbe nodj) ges 
pcd)t, unb bei ßriffhung ber Slj^fir fam ber arme 
SWann ganj aufer 2ft^em ^ereingejlficjt. 6r berid&* 
UU meinem SSetter, er ^abe t>or einigen @tunben ein 
paar ®ptgbuben im SSalbe belaufcl[»t, welcf^e ^d^ be- 
rebet ^iStten, i^m biefe ^ad)t bie ©dj^euer in Sranb 
SU flerfen, um al«bann unter bem 8ärmen fld^ in 
ba^ Jpau€ in fd[)leic^en , unb if)m fein ®elb ju rau» 
ben. Sener t)erfammelte in biefer !Rotl() alle feine 
Steunbe, unb Derfiecfte un6 Ui ber ®cl^euer. Aaum 
Ratten wir ba eine ®tunbe gewartet, fo famen bie 
2)iebe, unb wollten l)a9 ^euer wirflid^ anlegen. 9Btr 
ergriffen f?e aber, unb fte würben ber £)brigfeit }ur 
wol^lt)erbienten SSeflrafung übergeben» 

SSare mein S^etter nun gegen ben litmm nid^t fo 
mitleibig gewefen , fo f)litU ftd^ biefer üielleidE^t au8 
SSerjweiflung felbjl ju ben SRorbbrennem gefc^lagen, 
ober wäre wenigßen^ nic^t gefommen, ben 2Cmtmann 



128 ^itUnH^Uin 

iu tparnen, unb ber tpdre nun tool eben fo arm, a(9 
bec SBettler felbf!. 9Bte gut iji e« alfo , in aßen 
®tJnbcn Sreunbe ^u ^aben ! 

3a »Ol gut! üerfegte @l^cenreicl^. Saft6 eu<^ 
alfo genug fein, baf @mec ein üRenfc^ tfl, um t^ro 
iu f)elfen, wenn t^r finnr. SRerft eu(l() l)ter66ec bie 

S^erfibm&b' ben 2(nnen ni6^t, et fei att(^ nocb fo llml 
(Sv ifi ein SJ^enfcb/ wie bu; braucht er no(b me^r au fein? 
2af t if)t bie Firmen in ber ?llotf), fo werben fte balb 
au^ «junger unb SJerjtpeiflund genitl^iget werben, 
9ud) SU befle^len ; Hft if)t ibnen aber, fo f onnen fte 
eu(^ felbfl wieber auf taufenberlei 2(rten nfiien. 

Unb mnn if)t nun aud) nid!)t immer einen ftc^t* 
baren 9tu6en baDon ^dttet, wfirbe bie ^reube, einem 
Unglöcttid^en gei;)Olfen ^u iE)aben , nidg^t allein fc^cn 
83elol^nung genug für eudS^ fein ? Erinnert euc^ an 
bie @ef((;ic^te t)on bem armen ©reife '^), bie euc^ 
fo wolg)l gefallen ^at, unb fagtmir: mic^tet i^rttid)t 
eure liebflen @pielfa(^en barum geben , S)erje' 
nige $u fein, ber biefen alten armen Wiann noc^ 
fur^ Dor feinem 2!obe erquicfte? 

D ja , ja ! riefen bie Ätnber. — Sd^ wollte, 



*> ®<e*e ©flTcrt'« «fabem. 



f Ai; Einher. 129 

fagte Xatl, baf nn$ «Umial^l ein fMd^et @rei^ U» 
segnete ; id) tooKte t^m gern ben 6(anfen Sl^aler ge? 
6en, ben id^ Don meinem O^eim gefcf^enft gefnegt 
l^abe! Unb xd) meine rot^e @c^reibtafe(; rief Sa* 
f ob. Unb icl() mein ^egelfpiet, fagte ^ änderen. 

S^t f)ait Siedet, £inber, antwortete @^renteid^; 
fo ein SSergnfigen fann man nic^t (eic^t }u treuer 
bejalElten. Sie ebelfle Ztt t)on SBol^U^^tigfeit aber 
tfi; »enn man ft(^ t>on feinem eigenen 93ergni!tgen, 
ober gar t)on feiner 9lot^burft Qmai ab^ie^t/ um 
!Rotlg)Utbenbe bamit ju unterfingen , unb n^enn man 
ha$ im SSerborgenen t^ut, bamit man ft^er fei, 
e^ nxi^t avL^ ßitetfeit ober anbern felbflf&c^tigen 
3(bft^ten getl[)an i\x l^aben. 34 toiU eud^ bei biefer 
@e(egen^eit bie QSefc^ic^te t)on bem gut^ertigen 
SBil^elm eri5()ten. 

®eit ac^t Sagen fd^ien biefer Anabe einen ganj 
ttttgeto&^nlic^en «junger )u f)abm, ungeachtet er fonfi 
immet fe()r mdpig im @ffen gemefen »ar. SBenn 
btd SDIorgcn« bad Sr&^flüd au6getl^ei(t mürbe ; fo 
bat er {ebedma^I; ba^ man i^m bO(^ ein redS^t gro« 
fle^ {Butterbrot geben mochte i unb mnn er ed hi» 
(ommen ^atu, fo madbte er ftd^ immer ein @cmerbe> 
um bamit ^inau^jugej^en. 9ladE^ einer SSeile pflegt» 
ec bann toieberjutommen, unb ftd^ nod^ ein &t&S' 

9, &üUuhMtin, 9 



130 &itU4ihiä)Uin 

d)tn trotfenedS3rot aniivMtun, mit er, toit er fagte, 
ttoc^ gar }u ^ungertg fei. X>h SRutter fonnte m^t 
begreifen, wo^er ec auf mtna'^i eine fo flarf e 6f gier be« 
f ommen f)aU, nnb na\)m ftcb t)or; i^n gu beobachten. 

3(m folgenben SDtorgen; ba er fein ^Butterbrot 
erbalten batte, unb, »ie gcm6^n(icb/ mieber f^tnau^ 
ging , fab fte il^m burcb^ Senfier nadS^ ; unb ba bt: 
mecf te fte, baf er gang teife an ber SRauer f)infd)ü^, 
unb an ein Heined ^enfier in bed 91ac(^bard ^a\x\t 
ftopfte. liefet 5Rac^bar war ein armer ©d&ujler, 
ber feit t)ierie^n Sagen (ran( (ag, unb beffen fe<^^ 
{(eine ^inber unterbeg oft «junger Uibm mix^Un. 

Jtaum f)atu 9Bi(()e(m angeHopft, fo gudte ein 
Heiner Anabe mit bleichem ®eft(^te unb jerriffemn 
Kleibern gum Senfler ^erau^. Sem reichte SBt(^e(m 
fli((fd£)n^eigenb fein SSutterbcot f)im\xf, unb lief bann 
gefcbn^inb n)ieber gurfitf nac^ ^aufe. 

2>er SRutter, welche biefe^ fal^, roKte eine f&pe 
Sreubentlg)rdne iber bie 9Sange; aber fte befc^lof, 
bei btefer ©elegenl^eit gu t)erfu(ben/ toit meit i^t 
®o^n e^ im ®uten tool fdj^on gebracht l)abti ob 
er aud^ tiool fo tugenb^aft fei, gu ertragen, ba^ i^m 
um einer guten «f)anblung Witten Unrecbt gefcf^e^e. 

@^ md^rte nidl^t tange, fo trat er toieber int ^im? 
met, unb bat ffcb, n)ie getoii^nlic^ , nod^ ein @tfi(fs 



fät Jtinbev. 131 

6)m ttcdmt S3rot ant, » 93tfi bu bmn umxfitu 
(t((^?« frogte i^tt bte ÜTtutter, tinb fledte ft'ct^^ aU 
menn fte unfreunbüc^ bacfiber mite. 

»£); fei md£)t bSfe, lieber SRiitterd^en, « anttpor« 
tete 9Bt(l^e(m ; nur nod^ fo ein {(ein {lein &t&dd)tn 
troden SSrot!« 

n@eb;« fagte bie SDlutter; »bu mirfi ein äSiel* 
frag- werben ! ^öi) gebe bir nidb« me^r. « 

SBil^elm ging , ol^ne meiter ein äSort lu fagen, 
unb fegte ffc^ an b^n Zx{d) , um in einem S3ud[)e $tt 
lefen. iDa {onnte bie fBlntut ftc^ langer nid)t me^r 
(galten t)or Sreube unb Siebe; fte rig x^n l[)eftig in 
i\)H Hxmt, briicfte x^n fefl an i()ren SSufen, unb be« 
negte fein ©eftc^t mit Sl^rinen. SBil^etm mugte 
nic^t, wie i^m gefc^a^. »S)?ein ©olbfo^n! « rief ffe 
enbCic^ au^; »mein tl^eure^ £inb^ 3c& If^abe gefe^n, 
miii)tn ®ebrauc^ bu t)on beinern ^Butterbrote ge« 
mad^t ^afi, unb bin entiStft barfiber, einen ®o^n 
SU ^aben , ber ba€ Stenb feiner Qlebenmenfc^en f&^c 
Im tann, unb e6 gu (inbern fud^t. — 3(ber fage 
mir, guter 9Bi({)eim/ warum bu txn @e^eimmg bar^ 
aud mac()te{l?« 

9Sil()e(m antwortete: »SSeit bu mir immer ge* 
fagt l)a\t, baß man t>on fo Stwad nid^t t>tel fR^bm^ 
machen muffe.« 

9* 



152 eattnhHuin 

»@4on ud^t, mein £tnb,« ermieberte bte ^SJtuu 
tet; »aber mir l^dttefl bu ed bodb fagen f innen* 
jDann »firbe i6) bidf^ in ben @tanb gefeit f)aim, 
bet not^leibenben S<^mUte me^r, ali bein b{ofe6 
SSnttetbcot, }tt bcingen.« 

2)a er)i^(te 9Si(beIm feiner SButtet, »a^ er ton 
bet grof en 9}ot^ biefer armen Seute U)uf te ; unb ^uc 
{Belohnung feiner (Sut^ersigfeit n)urbe i^^m ertauit, 
mit bem SBebienten binjuge^en, unb i^nen einen gan- 
zen Aorb t)oU @peifen unb einige abgelegte ACeibung^s 
flfitfe SU bringen. @eine greube barfiber toat un6es 
\d)uibtii)f unb bie S)an!bar(eit, »elcbe ber arme 
®(^ujler unb feine Jtinber gegen ibren Keinen SBo^Is 
il^hut empfanben ; »urbe me^^r burc^ Z^x&mn , atö 
burd^ SBorte audgebrutft TiUz, mlijt ia\>on ^ip 
Un , gewannen ben gutJS^erjigen 9Si(^e(m lieb , unb 
fu(^ten ilS^m il^re greunbfcbaft ju erfennen ju geben. 
Sc war bie S^eube feiner 2(e(tern unb ba^ ^upt, 
mlijt^ aSe asiter unb Sßfitter i^ren Xinbem jur 
9ladS)a^mung empfablen. — 

9tvin, Jtinber , fubr hierauf Slg^renreid^ foct, mie 
gefSKt euc^ biefer äSil^m? 

Zifl aKertiebfl! liefen bie £inber, wel^e noc^ 
iant ger&^rt oon ber Sr^ij^lung waren. 

SBol^l! fagte 6()renreic^; fo fudbt t^m benn 



fflr i^tnber. 135 

li^niid} SU merben. TlUt (Stma^ muß tc^ eu(^ bod^ 
bei biefer @e(egen^eit juc £ef)re fagen. 9Ran fann 
ouc^ auf eme unt?eti!änbige SBeife milbt^itig fetn ; 
«nb bann ijt e« ferne Sugenb me^r, fonbern ctvoai 
Sabelndmärbige^. 3^!^ »tU eud^) faden, »aS ic^ ba* 
mit meine. 

^(S) fenne einen ÜRann, ber Diele Ainber unb 
eine mjfige Sinna^me f)at See ifl in ber ganzen 
®tabt bafär befannt^ baß et bie Si^eigebigfeit unb 
SBo^U^ittgfeit felbfl fei. SieCe STOenfc^en (oben i^n 
begn^egen fe^r; ic^ aber muf il^n tabeln. ^ixt, 
warum! 

@r begebt babei Un großen %t^it, baf et nie 
bebenft, ob Za9f tüa9 er ben 2(rmen giebt, oud^ n)irf« 
Uc(i i()m ge^Sre, unb ob er ed n^eggeben finne, o^ne 
einem Stritten Unrecht }u t()un. 6t f)atf mie gefagt, 
t)ie{e Ainber $ biefe ifl er ; alß SSater, fd^utbig, }u er* 
nil^ren, }u {(eiben unb ge^Srig untern}eiren §u laffen. 
SBeit er aber mannic()ma^l 2fUe6 meggiebt, »ad et 
][)at; fo fe^tt e6 biefen armen Jtfeinen batb an 2)ie^ 
fem, ba(b an 3enem. Dft ^aben ffe nic^t fatt ju ef» 
fen, oft gebric()t ed ibnen an ben nSt^igen JtUibungd« 
ft&äen, oft f innen fte me^re SRonate (ang ni^t in 
bie ®c^u(e ge^en, meil i^r SSater bad ®(bulge(b nic^t 
besa^jlen fann. 3d& fage Aifo : bie 5EBo^ItlSiätigfeit 



134 ®ittenbfi(({etn 

M SftannU tji utiüernfinfttg •, b^nn erfl muf 
man fein eisene^s^au^ t^erforgen, beDoc 
man ftetgebtd gegen 3(nbere fein barf. 

2)er ndmttd&e SRann tji t>te(en SRenfc^en fd^ul^ 
big; ^tec einem Sd^ufier^ bort einem ®d^netber, ha 
einem Jtaufmanne. 9lun fodte er btOfig ieben Z^a-- 
Ut, Un et er&brigen fann, ba)u aniDenben, biefe 
Seute (u befrtebigen, unb nid^t e^ec einen Pfennig 
»erfcf^enfen, 6i^ er be^al^It f)!itu, toai er fd^ulbig \% 
Hbn toai tf)ixt er? @o oft i^m tttoa^ @elb in- 
fliept^ unb e^ fttüt fid) gerabe @iner ein, ber entto^ 
ber tvtrntd^ ein mitletböiD&rbiger Hxmtt, ober au(6 
nur ein liebertid^er Sanbtdufer i\t, ber blof be^megen 
barbt, weit er nid^t arbeiten toiff: flugd i{i bie^anb 
be^ fc^^toad^ien ^anm^ in ber Xafdde , unb er gie6t 
weg , ma^ er f)at , olf^ne {u UbmUn , baf et fol^^ 
Himofm iDenjenigen flie^U, mli)^n er fd(^utbig ift. 
3ct^ fage a(fo aberma^I^ : feine SBo^ttbdtigfeit ifi fe^t 
unfiberUgt unb fe^r flrafbar sugleid^; benn erfl 
mup man geredet fein, 6et)or man fteige^ 
big unb grofmfit^ig fein barf. 

^etfe(6e SRann bef&mmert ftd() atxd^ nie barum, 
ob bie Seute, mid)m er fo reic^lic^ giebt/ ba^ ®es 
f(^enfte ge^irig antoenben, ober nidj^t; unb e^ fägt 
ftdb ba^er oft; baf ber Sanbl^ufer, bem er ben SSeutel 



fit J^inber. 135 

f&UU, ftdf^ in bie nic^fle @d^enfe fe|t, unb bad @e^ 
fd^en! in SS8eitt ober Srantwein becfduft. 3d& fage 
bef tvegen jum bcttten SDta^le : bap et auf eine un« 
t)et{tänbtde unb bumme SBeife mo^U^ätig ifl/ tveiC 
bur(^ feine SBo^tt^aten feiten etwa^ ©u« 
ted geftiftet mitb. SSern&nfttger mfirbe et f^an^ 
Mn, mnn et ben beuten ®e(eden()eit ^iU, \i6) butc^ 
SUif unb ®ef(^itf (ici;)feit 6ttoa6 ju t)etbienen ; n)enn 
et {tdS^ bepn)eden iebed 9){al[)( etfi genau etfunbigte, 
ipte il^nen, nid)t füt ben ^fugenbltcf ; fonbetn fut im^ 
ntet geholfen mtUn Unm ; obet wenn et enbttd^^ 
um ffdS^et ju fein, ba^ feine Tamofen immer gut 
angen)anbt wfitben, S)a$; wa^ et mxtii(i) äbcig 
f)&tUf in bte iffentUc^e ^Crmenfaffe gdbe, beten fßet» 
flehet bie ^flic^t f)aUn, ba^in ^u fe^en, bap nut 
S^iejenigen @tma^ etl^alten, bie t)on i^ten ÜSit« 
menfc^en untetflu^t ju metben t)etbienen. 

aSetft eucK) biefe^ tabetn^mörbige SSeifpiet, i^t 
Äinbet, unb fpenbet il^t ffinftig, »ann il^t etfl fe(6|l 
(Sttoat etmetben finnt, eute 2C(mofen auf eine bef^ 
fere unb t)etnänftigere SBeife au^ ; ha^ ^eifit : fibet' 
(egt etfl jebeg Wlaf)l, ob ^a^, tt>a^ if)v geben voeUt, 
aucl& »itttid) bag gütige fei, unb ob x^v e^ »egge* 
ben bfitft, o^ne 3emonb Untec^t ju t^un. @uc^t 
aud^ ^uu Steigung jut 9Bolg)U()ätigfeit nic^t bloß 



136 6itteii6A4(ein 

burd^ ®t\d^tnte, fontern Dtetme^t babm^ ju (efrieii« 
gen, baf 'tl^r ben 9}ot^Ieibenben rott Unterricht; Stat^ 
unb «&&(fe bergeflau unterflä^et, bap er in ben @tanb 
gefedt merbe ; ft(b feinen Unterhalt (Anf tig felbfi {u 
ertoerben. 2)ad ifl bie »eifejle unb befle 3Crt Mn 
üRilbt^atidteit. 

ttebrtgend, i(^r Sieben; muf e^ tn^ t>iaig gleicb* 
gfttttg fein, ob £)er; ber eurer *^&lfe bebarf; tuxti 
6tanbe€, euree S}o((6 nnb eure« ®lauben« fei, ober 
nid^t, SDer arme äS^uer b^t iUn fo gerechte Vm 
fMc^e an euren Ueberflup; al« ber arme ßbetmann; 
ber 3ttbe unb ber Surfe — »enn fonfl bie Um 
ftdnbe gleicb ftnb — eben fo U1)v, ald ber itrifl. 
^er Sine ifl fo gut ein SDIenfd) ; al9 ber }(nbere. 
3(Ue SRenfcben aber ftnb eure S3r&ber; unb cdi fotcbe 
^aben fie alle ein gteicbe« Siecht auf euer SSitleib 
unb auf eure ^fitfe. 

3a; aucb gegen euer S3ie^ m&it i^r mitlci^ 
big fein. S>tnn aucb bie SIbiere i^aitn @mpftnbung 
tK>n @d^mer) unb t)on SSergnfigen ; unb mer »oute 
oo( fo ttnbarmber}tg fein, {Te ol^ine dlotf) eUnb in mc^ 
(ben ! .^ieju fommt euer eigener 3>ortbei( ; behn loenn 
ibr euer^ferb fibertreibt, eurenOcbfen ^u \>\H arbei« 
len (äffet; ober ibnen nic^t ba6 nitbtge Butter gebt; 
fo macbt ibr fte nicbt aUein sur 2(rbeit untficbtig, unb 



ffis Atnbet;. 137 

fe^t euc^ In @efa(r , fie gu vertieren , fottbern trenn 
2(nbere fe^en, baf t^r gegen euer 93ie^ IS^art unb grau« 
fam feib, fo IE)offen fie aud^ immer weniger t)on euc^^ 
unb ftnb immer n^eniger eure ^reunbe, toeniger ge> 
neigt, eucl^ gu bienen. 2(ucl^ tverbet i^r ftnben, bdf 
bftd 93ie^ felbfl gemiffermaf en banfbar gegen und iji> 
»enn mir i^m bad £eben angenehm gu macfien fu« 
dEien. 6in .^unb, eine Aa^e, ein ajogel u. f. w. 
wifTen i^re äSo^U^ter red[^t gut t>on 2(nbem gu tin« 
terfc^ciben; unb fudi^en burd^^ Solgfamf eit unb ®d^mei< 
c^eteien i^nen mieber Sreube gu mact^en. Slon bet 
2)anlbarfeit eined 2on)en mirb eine fonberbare ®t» 
fc^id^te ergi(^(t; mofft i^r fte ()5ren, £inber? 

H^ \<k\ a^ \a\ riefen bie Ainber; unb S^ren* 
reid^^ ergi^lte: 

Sinem SlSmif^en ^mt^Mtt in 2(frita 
war ein @ßar>e, 9}amcn^ 3(nbrof(e^, entlaufen. 
S)iefer ^atte ft(^, um ntc^t entbetft gu werben / in 
einer «f>i^Ie im SSalbe t^erfled t. 2)a fam in bie* 
felbe ^oble ein grofer ihtot, ber gang entfe|Ii(|^ 
br&ate, unb ben einen ^uf in bie ^h\^z (^ob. 2Cn^ 
broHe^ glaubte anfangt ^ er woQe 'x^,n gerreifen, unb 
gitterte unb bebte, ^a aber ber Some xfyca nic^t6 
gu Seibe t^at , fonbern nur fortfujgir , gu bruUen unb 
ben Suf aufgu(ieben , fo mürbe er enblic^ breifi ge» 



138 ®{ttett6fl(|Uin 

ntxs, jtt unterfttd^en, toad bodf^ wc( bem Sintere ftt^ 
Im mh^Ul @r fanb, ec f)aU fi^ @ttoa« in bie 
JtCaue getreten , unb jog ed i^m ^etau^. S>arft6er 
war bet Sime fe^r ecfreut unb fo banfbar, baf er 
bem TlnhtotM nxd^t nur gar ntc^t^ gu Setbe t^at, fem 
bern t^m audS^ alle Sage t)on feinem Staube @t»a^ 
bra(f^te; um feinen «junger su {liUen. 

9ladb einiger Seit »urbe ber entlaufene UnhtO' 
tM mieber er^afdl^t^ unb foUte, n>ie ed bama^(6 ber 
graufame ©ebrauc^ »ar , jur Strafe feiner Sntlau« 
fung \>on tvtlben 2!^teren jerriffen »erben. IDlan 
^if)tu ibn f4^on auf Un ^lai, tvo btefe^ gefd^eben 
foKte, unb Ueß einen grimmigen Hmxt auf il^n (ol 
2)iefer f am br&ttenb il)m entgegen ; aber in bem 2Cugen^ 
blide, ha man erwartete, baf berfetbe i^n jerfletfcben 
toerbe, fa^ man auf einma()l bie munberbarfie SSer« 
änberung. ®tatt il^n ju jerreifen, mMU ber SSme 
mit bem Scbmeife^ unb blieb liebfofenb bei i^m 
flehen. ^Clle Snfc^auer erflaunten, unb truf ten nicbt, 
tt)ie bai juginge. 3(ber STubrof le^, ber ben Umn für 
ben erfannte , bem er etnf!ma^l6 bte. Alane geseilt 
^atu f er$i()lte i()nen bie ©efcbicbte. S)a f onnten 
diejenigen, \>k i^n {um Sobe t>erurt^eilt Ratten, 
f7c^ nid^t entl^alten, il^m \>(it Seben unb ben banfba^ 
ren ihmn \xkiM ju fdjenfen. 



för Xinhß-^ 139 




^m, XxnUv, Ui biefec (Srji^Iung tSnnt tl^c eud^ 
ted^t (eblfiaft erinnern, tvte gut e6 ifi, audS) gegen hü 
Z^int miKetbtg unb tvo^U^dttg {u ^anbeln. 

S)amit tjl nun aber gar ni^t gefagt, bap toit 
bte Spiere mc(;t baju gebraudS^en bfirfen, tvosu fte 
gut ftnb unb t90)tt ber (tebe @ott fte un6 gegeben 
l[)at! £> nein! gebrauchen bArfen tvir 2(lle6; nur 
bai n)ir e6 nid^t mtSbraudS^en. @6 ifl und alfo 
erlaubt , bie epbaren 2!^iere ju fcbtac^ten unb t)on 
i^rem %it\fi)t in UUn-j etlavAt unb redS^t, bie fi)&ht 
liefen Zl)ktavUn auszurotten, um ftc^er t>or i^nen 
iu fein; aber mv miiffen und babei ()öten, irgenb 
Qtwa^, \t>a^ itbm unb Smpftnbung ^at, ebne (Rot^ 
5U quiten, ober ibm gar um nidS^td unb n>teber nic^td 
\>ai iAm SU nehmen. 93eibed mdre graufam .unb 
{Irafbar; mit ed obne aOfen ))erni*mftigen 3tvecf, 
unb nur a\xi unmenfcblicber Sufl, §u qudlen unb ju 
morben, gefd^d^e. — gofgenber ©enffprudj) warne 
euc^ t&nftig t?or ieber ttnbarm^erjigteit gegen Sl[|iere: 

SOIenfcb! qudle nie ein armed Z^kt 5um ^d^erj; 
@6 b^t ®efäbl/ n)ie bu, fdr Sreuben unb fdr ©d^mer^. 
9iimm au(b bem ÜeinflenSBurm mutbtDiUig nie fein Seben; 
@r ^at eö ntd^t oon bir, ©Ott ^at eö i^m gegeben. 

SSenn ibr nun bad 2(Ued tbut , n>a6 tcb euc^ ge« 
lebtt babe, fo werbet i^r gewiß ein glöcf(i(^ed Seben 



140 &itt€nhti^Uin 

f&^ren. ^toat werbet t^r mani)maf)i TCnhttn Stern 
fle ober @efiUigf etten ettoeifen , o^ne einen ftc^tba' 
ten 9lu6en bat>on ju ()aben^ n^etC ntcf^t ade 9Ren- 
fc^m gut unb nug genug ftnb, um banfbar nnb 
btenflfertig {U fein; aUt (aft eucb bad ja nic^t a6« 
fd^recfen, immer fortzufahren, gut ^u fein unb @ute^ 
|tt t^un , unb »erbet ja nidl^t gUid^ ^art unb um 
freuttbltc^ , wenn aui^ je jun^eUen euc^ Siner mit 
Unbant (olfinen foUte. S3efdet boc^ ber Sanbrnann 
fein Selb immer wieber, wenn au(^ einma^t SRif« 
toai)^ eingefaUen ifl. — 2(ucf) baö muf ich euc^ «oo 
f^erfagen , bc\{l tbr auf biefem 9Bege ber Sugenb «nb 
bet fllec^tfd^affen^eit gwar immer ru^ig unb jufrit* 
ben, aber bod^ tiiöjt immer frei Don SSibermirtigfei? 
ten unb Seiben bleiben werbet. S>iefe ftnb oom 
menfc^lic^en itUn nun einma^t uniertrennUd^. Suer 
Suflanb wirb aber bocl(^ im Sanken immer glSdtic^ 
fein. Sin Unglficf, haß o^ne eure ®c^ulb eud^ S^ 
fti^t, wirb Ml (eicbter )u ertragen fein, M baß, voaß 
t^r eucb felbf]^ sugejogen ^ait Sebermann wirb eu(^ 
bann beffagen, unb bereit fein, eud) $u b^^fen. ®eib 
Ibr aber felbjl ®c^u(b baran , fo tjerad^tet unb t)ers 
fpottet eud) ber grSpfe Sbeil ; deiner b^t SDlitleib 
mit euc^; bie SQBentgflen werben euc^ beifle^en, 
unb i^r werbet aucb euer Unglficf tieö) fetbjl burc^ 



fär Atttber. 141 

bie rddmerilid^flen unb btttecflm SSomArfe r>tts 
grofern. 

Wlit tiefen SBorten flanb er auf; nnh mil t9 
\<i)on fpdt mar; fo begaben fid) ZUt jur Stu^e. 



SSierte§-3Cbenb8efj)rdc(), 



S3on bcm ©etoiffen unb bei; ©ottfeligfett ober SSeligion. 

Uttseae^tet G^tenceic^ ein fo ud^m^mt mm 
xoatf ha^ er, wo er nur fonnte, aUen fDJenfd^n 
greube ^u machen fucbte, fo febUe e6 bocb nxd)t an 
bSfen Seuten, meldte x^n in6 Ung(ä({ }u flär^en trac^« 
teten. 6tner berfelben , ber auf feinen Sob ^of te, 
um aldbann fein 3(mt in ttl)aiun, fonnte bie Bett 
nic^t erwarten, ba t()m ber gute ®rei^ ^la^ mai^tn 
n>firbe, unb ^\x6)U xf)m ba^er bie Ungnabe be^ S&r^ 
fien iusu^ie^en, bamit er feined UmM entfe^t toerbe. 
lERit 9BalE)r^ett fonnte er i^m nxi)t^ S35fed nadj^fa» 
gen ; et muf te ffd^ alfo auf6 Sägen legen. 6d ge« 
lang t^m aud^, ben S&^ft^n tu bereben, baf S^ren^ 
cei^ bei ber SSermaltung feinet TlmM t^n oft bet 



142 ^itttnhid^Uin 

trosen, unb {!(^ felbfl habmd) berei^ett ^abe ; unh 
ber S&tfi, ber bar&ber aufgebrad^t würbe, moKte 
fc^on S3efe^( ert^eiten , baf man ben unfc^utbtgen 
SRann tnd (Sefängnif »erfen foUe. ZUt mil rr 
fottfl ei» weifer unh gerechter ^m\(i)^t toat, fo 
touiu er ft(^ noc^ gur rechten 3^tt ju mdf igeti; unb 
na^m fiel) »or, bie ©ac&e, wie e« ftdj^ gebfi^rt, erfl 
9e()6ri9 unterfud&en unb bann nac^ ben ©efejen 
barfiber rid^ten iix (äffen. 

Snbep t)erbreitete ftc^ fci)on baS ©erficht, baj 
(S^renreic^, a(^ ein S3etr&ger, abgefegt tinb in^ 
©efdngnifl geworfen werben fotte. (Sine Sfiad)ti(iit 
oon fold^er @r^ebli4)feit tonnte i^tn felbjl ni^^t lange 
»erborgen bleiben. @r ^Srte fte, aber olj^ne in feiner 
®tm&t})ituf)i ani) nur im geringfien baburd^ geflort 
5u werben, unb fanb ftc^ gegen 2Cbenb^ al6 wenn 
nic^td t^orgefatten wdre, mit feiner gewS^nlte^en 
J^eiterteit wieber bei ber Sinbe ein. ®utwiU war 
swar audf^ i^erbeigefommen, abzt in ber S3ermutlS)ung^ 
feinen ung(fi(f{i(^en ^a^bav mtmhtt gar nid!)t, 
ober bocl(^ wenigfiend fe^r niebergefc^lagen unb be$ 
f&mmert ju ftnben. SBie mufte er fiö^ wunbern, 
ha er ben (ieben Ziun cbtn fo Reiter unb t)ergnägt 
erblitfte, al^ er x^n immer ^u fehlen gewo()nt war! 
9l\xn, bii meiner Streue! S^adj^bar, fagte er, 



für hinter. 143 

bad begreife id) \>oi^ in ber %^at nic^t, wie i^r 
^eute ein fo t^ergnfigted ©eftc^t machen fSnnt ! Sn 
fo(dS)er ®efa()r, unb boc^ fo rul()ig ju fein ! 2>a4 tji 
mir }u ^odE». 

9Sie fO/ lieber ©uttDtU, ertDteberte ber TUu-, 
^aiUt t^r mii^ benn etma auc^ f&r f(^ulbig? 

£)b idf^ euc^ bafür l^alte? S3ei ®ott! ii) weif, 
baf il()r fo unfcbutbig feit, al9 ein Ainb im üRutter» 
leibe. 2(ber wenn ber Surji tu^ nun ffir fc^ulbig 
^iU? wenn i^r abgefegt; in« @efangnif geworfen 
werbet? unb eure armen kleinen ^ier — 

2)ie ^^ümn flfirjten il^m an^ hm 2(ugen. 

®uter; mitleibiger SRann! erwieberte a^tm^ 
reidb , unb brfid te i()m liebreich bie ^anb. Unfer 
gflrfl ifi fein Sirann, er ifl gerecht , er weif; waö er 
ben ©efegen fcl(^ulbig ifi; unb wirb ba^er gewif nic^t 
burd!) einen !D{a(^tfpruc^ entfc^eiben wollen. @d 
wirb ba^er aud^ feine ^otl) t)aUn. Unb w2r'6 nun 
au^, baf bie S&ge ftegte, unb ber %{itft wittf Al^rlic^ 
^anbeln wollte: bflnft« ttxd) benn ein fo erfdl^recfli^ 
c^eö Ungl&d ivt fein , unfc^ulbiger SBeife einma(^t 
ein wenig Unred^^t 5U leiben? greunb; wenn« ^ier 
nur richtig ifl (tnbem er auf bie IBru|l geigte) fo 
^at« feine ^et^, fo Idft fii) Züti ertragen. 

Siebe .Rinber ! ^i^ier wanbte er 1t(( ju ben J^leinen) 



144 &itteni>HXt\n 

aber gebt 3(c(^t , id) mM euö^ et&dren. 34^ mü 
tuö) fagen, warum t()c mic^ ^eute fo ru^tg fel)t, um 
geachtet icl(^ t>on einer großen ^ibermjrttgfett bebro- 
^tt toerbe ; bamtt tbr ed auc^ fein tinnt, toenn euc^ 
in eurem £eben etnma()( ettoa^ 2(el^nlidEied begegnen 
foOte. 

3^r babt ge()5rt, ba$ 2(Ue0, wa6 ibr t^uti foUt, 
eu(^ blof befmegen befo^^ien mtrb, mit t()t baburc^ 
eu(6 felbfl gtficfltc^ macbt; unb t(^ f)aU eud^ SberaH 
gegeigt, wie ibr euc^ baburcb gl&cHtcb mocbt. ^Tbec 
t>on Siner 3(rt t)on ®(udfe(igfeit, bte i^r eucb er-- 
Werben fonnt, wenn ibr aUen meinen ^ma^nun^ 
gen folgt, ^aU tcb euc^ nod^ nicbt^ gefagt j ttnb biefe 
ift gerabe biejenige, bie tc^ fe(b|l empftnbe, unb hit 
ttiii) bei ber ®efabr, welche micb jegt bebro^t, wie tbc 
fe^t, fo unerfcbroden unb fo rubig erbalt. 

2)a9 ifl ein gute« ®ewiffen ober ba« SSe» 
wuftfein unferer UnfdEittIb. @tn fißlicber 6cba$, 
ify: Ainber ! @o lange wir ben beft^en, fonnen wie 
nic^t wtrKt(^ ungtäcfitc^ fein, e6 mag und aud^ ge> 
f^m, wie e6 wolle, ^aben wir i^n aber einmal^l oer> 
ictm, bann fangen wir an, wa^r^aft elenb ju fein. 

S)er ©ebanfe ndmlid^, baf wir S>a6ienige, m$ 
wir (eiben , und bttr(^ unfere eigene lSid)ul\> iugejoi 



ffir Jttnbec. 145 

gen ^ahm, tfi weit quaUnber, aU TiU^, toad tcit 
mttli^ leiben. S)a9 SSemuf tfein hingegen, bap totr 
unfece SBiberto^rtigfeiten nic^t fe(6ß «erfc^ulbet ^a^ 
Un, mat^t und ru^ig unb getrofl, fo n)ie ifir e6 ie|t 
an mir fe^t. 

3cl^ erinnere mid) nod) immer mit SSergnügen 
an mm ÜRann, burcf) beffen SSeifpiel id^ ^uerfi 
(ernte, n)a6 für eine unfcl(^dgbare ®ac^e ein gute^ 
@ett)i(]en ifl. @6 toat ein 9f<t<^<^^<^/ ^^i^ nun f^on 
lange tobt ifl, unb beffen Unterrid)te td^ e6 größten- 
t^eil6 ju Derbanfen ^abe, baf idb f4)on al6 3&ng» 
ting bie Sugenb lieb gewann. @tn recbtfc^dffener 
SBann, unb gemiß fo flug unb gut M Siner ! S^te- 
fer f)am einma()l ba^ Unglfitf , auf ber Aanjel \>om 
®(^lage gerfi^rt ^u werben. @r fam stvar wiebec 
ju ^t^, aber er blieb gelälS^mt/ fo lange er lebte. 3ä) 
befuc^te i^n täglich, unb tc^ geflel^e e^, ic^ fonnte 
mic^ ber S^rdnen nic^t enthalten, fo oft id^ ben 
red^tfdSiaffenen 9Rann ba liegen \af). Hin mnn er 
anfing px reben, fo war in Um 3(ugenbli(f alle 
meine Sraurigfeit ba^in. @r fpradj) \?on feinem Un< 
gl&de mit fo t)ieler @ela{fen^eit; er erinnerte fic^ 
mit fo t)ieler $ttu\>t an jebe gute ^anblung feinet 
itUn^'y er war fo Dergnfigt, wenn er fa^, wie s^rt- 
li(^ feine grau, feine fiinber, feine ^reunbe txm i^n 



146 ©itten&ft^Iein 

beforgt tcaxm, baf man tbn unmidßc^ für ungtöcf« 
ti(b b^^It^n f onnte, unb baf man, f!att tbn ju trijien, 
Don ib^n felbjl getcoflet »urbe. 9Bad meinet i^t ? 
fagte er mit ber l()etterflen ÜRiene ; i^r n)ipt ja , baf 
icb biefe« Unglö* mir nicbt felbjl jugejogen ^abe ; e« 
n>irb baCb t>orfi6ergel^en , tDemgjien^ mirb e6 mtcb 
nie ganj banieberfcblagen, nie aller @(&(f feligf eit bt^ 
tauben. @eine Sreubtgfeit bauerte bid an ben U^ 
ten «^aucb feinet Seben^. 

Snbem S^renreicb fo rebete, tarn ein S3ebienfer 
be^ SArflen, unb brachte i^m einen SSrief. 6c er- 
bracb ib» mit \?te(er ©elaffenbeit/ unb (a^: 

»fDJetn lieber Q^tmniö), icb l^abe eu(|^ beleih 

biget/ inbem ic^ einem niebertrdc^tigen S^erleum« 

ber einen 2(ugenbli(f ®lauben beimaf. 2)er SSo- 

femidS^t iji tntiatn , unb eure Unfcbulb gerettet 

93ergebet eurem, feine UebereiCung bereuenben unb 

eu(^ aufrichtig fcbagenben Särjien. « 

9lun, 9lac^bar, rief hierauf Sl^renreic^ au^, fagte 

idb nicbt, baf unfer ^firfl ein gerechter «^err fei, unb 

baf e6 fo (eicbt feine ^otfy mit mir ^aUn merbe? 

Unb gefegt , e9 tvdre il^m nicbt gelungen , bie SSo^ 

^eit meinet äSerleumber^ ^u entbecfen, unfr er b^tte 

bann aix^ Seibenfcbaft ftcb fo n)eit t)erge(fen , burcb 

einen unbefugten S^ad^tfpruc^ aber micb unb mein 



ffic ^inber. 147 

®ö)i4fal ju «ntfcl()ctben , fo »fitbe ic^ t^n unb Un 
SSerleumbec jugUic^ bebauert Ifiaben ; i^n wegen fei« 
weg 3rrtl()umg unb wegen feiner UebereiCung, biefen 
*»«dett feiner So6^eit; mic^ felbjl aber würbe tcfj, 
öud^ im ©efangniffe unb in SSanben, för gtfitflic^er, 
at^ SSeibe, gehalten Ifiaben. ©e^t, Äinber, fo t>iel ifi 
^in gute« ©emiffen wertf) ! 5Ser ee ^at, ber beforgt 
nicl^t reid^t tttoa^ Sofe« ; unb ttoiberfd^rt il^m ben* 
ttod() etwad Unangenehme^/ nun, fo weif er e6 mit 
®«laffen^eit ju ertragen. SDBfinfd^t i^r eudj) nun 
rten biefe ®emfitl[)gt)erfajfung, fo bemüht t\xä), Im* 
wer fo gejTnnt ju fein, unb fo ju leben, wie iä) mi) 
gelehrt ^abe. 

3Cbec, Äinber — id^ muß e« euc^ aufridj^ttg ge* 
flehen — fo freubig unb gtficflic^, aH mein greunb, 
ber Pfarrer, mitten unter feinen Seiben war, unb a(6 
t^r biefen 2(benb mic^ felbfl gefeiten f)ait, (onnt i^r 
bennod) nicf)t werben, wenn i^r nxd^t nod!^ mel^r 
wiffet, unb mel)r t()ut, a(6 wa^ ic^ eud^ bi^^er ge* 
le^rt ^ait. ^Ö) f)aht euc^ nur geteert, wie i^r e« 
anfangen mfiffet, um euc^ nic^t felbji ungtfidlid) ju 
machen. 3(ber e^ giebt fo Diele %iUt, bie i^r nicf^t 
t)orau6fe&en, fo wi ßlenb, ha^ xf)t burc^ eure Äräfte 
ttic^t abwenben f onnt ; unb Ungrö* ifl immer Un« 
&i&i. ^tcat ein unt^erfc^ulbete« Ungtöcf ifl, wie td^ 

10* 



148 ®tttenbft(^letn 

en(^ \d)ün geflem fagte, mit mentger fd)mttilx69, 
unb ml Uid^Ut $u ertragen, a(6 badjentge, wad »ir 
Utt^ felbfi sugejogen t^aUrt ; aber fd^merslid^ tfl unb 
bleibt boc^ aud) biefe^ immer. 

Unb md)t allein fc^merjtic^, menn e6 ba iflP, fonbem 
au(^ bann fc^on, wenn man e^ blof befürchtet, blof 
atö migtic^ benft. 9Benn @iner feinen ®arten be- 
jleUt, unb benft: wer weiß, ob ber g(uß \f)n ni^t 
morgen fiberf^^wemmen wirb? — wenn Siner fftf^ 
M Zb^nH 5u S3ette (egt, unb benft: wer weif, 06 id) 
bte Stacht nic()t t)te(leid)t t)on StMern werbe fiberfaU 
Un unb ermorbet werben? ober wer weip, ob nt<^t 
btefe ^ad)t mein ^auö unb ade^ ba6 üßeinige in 
geuer oufge^en werben? — bann, Äinber! wirb 
t^m Weber fein ©arten, nodS) fein «^au6 me^r greube 
machen- f innen. Unb wo ift ein SRenfc^, ber i^m 
baf&r bürgen fann, baf er biefe^, ober ein &^ntx^t$ 
Unglficf nie erleben werbe? Unb wenn \>a^ au^ Si> 
ner fSnnte , wie ffircbterßcb m&^U i^m bodS^ immer 
bie Erwartung M Sobed fein? ^d) iam meinen 
@arten t^iedetcbt f&r 3(nbere! ^i) muf biefe dlad^t 
oiedeidl^t mein .^au^ t?er(affen, mid) t)on meinen 
Settern, t)on meinen greunben, }>on 'Kiltm, toai 
mir lieh x% getrennt fe^en! Unb wie wirb ed bann 
mit mir werben? — SBeobac^tet ZUt^, wa« id) euc^ 



fftr Atnbtr. 149 

bildet fagte, noi^ fo ^mavn tiefe Surdjit mtbtt V^ 
bodS^ nie baburc^ t?ertrei6en finnen. 

2C6er freuet euc^, e^ Qitit m WxtUi, toabunl^ 
il^r fte \?ertrei6en fSnnt! ^ttoa^ bat)on ^abt t^^ 
balb ^ter, balb ia, fc^on ge^5rt$ aber e^ t|i nit^ig, 
bai i^ e6 cec^t »tft ; benn nunmehr fetb i^c in eis 
mm Titttv, ha i^r e6 f((^on faffen fSn^t. 

SSerne^mt a(fo mit 2Cufmerffatitfeit tmb Srettbe: 
— e« ijl ein ®ott — ein grofed^ ein m&d^tigei 
unb (iebet^oded SSefen, ha^ uni unb UM, toaS ba« 
ifl, erfc^affen ^cit unb er^dU; ba6 7lüt9 meiß «nb 
3((Ied fte^t, wai toxv benfen unb t^un; ba6 und nie 
unglficflic^ merben ii^t, n>enn n)ir und nur nic^t 
felbfl ung(&(f UdS) mac()en! S)ad ifl ber ®ott, bet bit 
fc^Sne ®enne gemad^t f)atf bte unfere 6tbe fo lieb« 
(id!) erleudl)tet unb ermdrmet; ber im SrA()(inge bad 
®rad, bie SSldtter unb bte S3(umen tt>a(i)\m (d$t| 
im Sommer ade bie ^errlid^en S^&c^te unb @u 
w&^fi, bie und ernil^ren unb htxxö^ 9Bc^(gefc()macE 
erfreuen; ber ben jif)an, ben Siegen unb ben SBinb 
ent^e^en li^t, o^ne n>e(d£^e nic^td mad^fen, ni^t^ ge? 
beil^en würbe; bad ber @ott, ber bie @rbe fAr und; 
unb bie anbern ®i\^hpft {u einem fo angenehmen 
2(ufent^a(te gemacht 1)at, auf beffen SSefelf)! bie 93i« 
gel fo lieb(i(|^ fingen, bie iClueffen rauf4;en,bie S3(umen 



150 eaUnhHUia 

bttftetii «nb (et fdbmfiUr ^x^e bie (ft^lettben SSinbe 
uni erfrtfc(^en mfiffett; bad bet ®ott, ber unfern 
Seib unb feine ®(teber fo munberbar gebtlbet , unb 
unferet Seele ba^ SSermigen, gu empftnben, ju bem 
fen nnb ^i) ju freuen, gegeben ^atl — 

Sin (Sott, ber un^ fo mtl &txM gtebt, foUte ber 
vat€ Raffen , un6 unglfidlid^ machen tonnen ? ^m, 
Sinhtt, nimmermehr ! 3^m a(fo r>tttva\xt, unb fSrc^ 
tet nic^td. Stiebte gefc^ie^t o()ne feinen aUmic^tigen 
SBiUen, unb fein SSitte ifl, baf i^r gl&tfUd^ fern 
foflt, menn t^r euc^ nic^t felb|i ungl&tf(i<^ roa^t 
9lun (innen n>tr; mnn wir gute SRenfc^en finb, 
befiinbig ru^ig fein ; (innen o^ne Surc^^t unb olS^ne 
Gorgen und jeben 2C6enb ru^ig fcblafen legen, »eil 
ein fo micf^tiged unb gfitiged SBefen. f&r und ma^t 
unb nn^ bef4)fi|et. 

3(ber, lieber SBater, fragte »^indc^en, mo t^ 
benn @ott? 

6t ifl i^iet, mein Ainb, antwortete (S^un* 
reid^, ^ier unb an allen jOrten, ungeachtet wie i^n 
nic^t fe^en (innen. Sad mac^t, er ifl ein unfid^tbas 
red SBefen , toeld^ed (einen folc^en Seib i^at, att wir 
^abeu; ben man anfcbauen unb betojlen tann. 

SBie weif man benn aber, fragte 3a(ob, baf 
er ^ter i% wenn man i^n ni(||t fe|^en f ann ? 



ffttJtinbet. 151 

^{re, mein ®o^n, antmottete 6^rentei(|»; 
f^aft btt iemal()l6 meine ®eele gefeiten ? 

SRcitt ! 

TiUt d(aubfl bu xix^t, baf id^ »icftic^ eine @eeU 
^abe, unb ba@ fte l^iei; zugegen fei? 

£) \a, bad glaube td^^. 

Unb warum glaubß bu bad? 

Safob befann ft((» eisten 3(ugenb(i(f , bann fagtt 
er : meil ic^ eu(^ reben ^5re. 

98ei( bu mic^ reben ^ireji? 3(ber bad Sieben 
Derri^tet \a eigentlich nic^^t meine @eele , fonbem 
mein SRunb unb meine 3unge, toelc^e Sl()ei(e mei< 
ne6 Setbed ftnb. — IBielIeid!)t , n^eil bu mic^i Der« 
n&nftig reben ^Srefi? 9Bei( bu ^irft, baf i^ nii^t 
btof Sine au^fpre^e, fonbem fo(4)e Sine, »oburd^ 
@ebanfen angezeigt merben? SReinfl bu nic^t 

Sa, aber icf) fonnte ed nur nic^t fo fagen. 

9lun gut ; bu glaubfl a(fa, baß meine ®eele l^ier 
iugegen fei, bef wegen, meiC fte IS^ier (Stwad tf)ut0 
(&ttoa9 mai)t, ndmtic^ bie @ebanfen, welche r>on 
meinem SRunbe au^gefpro(^en werben. SEBenn bu 
nun erfu^refl, baf auc^ ®ott ^ter unb an äffen iDr« 
ten in ber 98e(t 6twa6 t^ue, Stwatf mad^e; m&r» 
befl bu aue ebenbemfelben @rnnbe nid^t äberjeugt 



152 eitttn%Hl^ln 

fein mftffen , baf aut^ er ^iet unb an aKen £)rten 
jugegen fei ? 

Sa, ba« mfifte ic^, anttoortete 3afob; benn 
tote finnte (Sitter att etttem jDrte Qttoa^ t^un , VO0 
er tttc^t iugegeti tfl? 

Bu ^afl 9lecf)t, titeiti Sieber! ^nn, fo (aß uni 
bettti fe(ieit, ob ®ott ^ier um unb neben und toirfs 
K4 6t»a< t^ut, StwaS oerric^tet? — ®ie^e eim 
ma^t ^ier biefe grofe Sinbe an, bte i^re 3fe|ie unb 
3n>et9e Aber nn€ nai} aütn ®eiten »eit audfireA. 
9Ber ^at^bte too( gemacht? 

% bte tji \a au9 ber Srbe getoadfifen. 

Sretlic^ ifl fte bad ; aber bte @rbe muf bod^ toül 
eine fonberbare Jtraft f)aUn, baf fte au€ einem Rei» 
nen ®amenfim(^n einen fo großen 83aum ^tts 
oortreiben fann? Unb mer giebt nun toot bet Srbe 
biefe Jtraft, ®ta^, Arduter, (Sejirduc^ unb SSiume 
aud ibrem ®cboofe ^ert>or)Utretben? Zu^ eigenem 
SBermigen tann ffe bad bod^ ntc^t t^. S)enn fte 
ifl ja tobt, unb tbr n^tpt; baf ein tobte«, (eblofetf 
Ding gar nicbttf mac^^en fann. 

SRit @unfl! lieber 9lac^bar, ftel ^ter ber el^rti^e 
@utn>ifr i^m ind 9Boct ; bad tfl bod^» ml nid)t fo 
gan^ ricbtig. ®ebt einma^l IJ^ter biefe Safc^enu^r 
an ; bit ifl boc^ auc^ m Uhlofeß S>tng. Unb fann 



füt Äinber. 153 

fie nic^t bennod) ©twcrt mad&en? 25rel&t jte ntc^t 
felbfi ben Seigcc ^eruni; bec bie ©tunbcn anzeigt? 

2)a6 t^ut (te , guter greunb , emieberte ß^wn« 
wt<^ ; aber »firbe fie ba« iemal)W Don felbjl gelernt 
^aUn, wenn fein U^rmad&er gewefen wäre, ber fte 
fo eingerichtet ^atte? 3m ©runbe alfo ifl e« nid&t 
bie Uf)r fetbfl, fonbcrn \)ielme()r bec U^rmac^er, ber 
ben äeiger ()erumbre()et, ungeachtet er bie ^anb tticl[)t 
meftr baran &at. Unb wie lange würbe eure tt^c 
gelten, wenn Sliemanb ba wäre, ber pe t)on 3«t jtt 
3eit wteber auftjge? SSier unb jwanjig ober brei« 
f ig @tunben, bann flinbe ber S^id^r {litt. 

eben fo , i^c lieben Äinber , ijl e« mit unreret 
ßrbe befc^affen. !Rie w&rbe ffe t}on felbfi bie Araft 
gel()abt ^aben, (Stwa« Ifierborjubringen, wenn nid^t 
@ott btefe Araf t In fte gelegt ^ätte ; unb w&rbe mi)t 
biefe Äraft augenblitflic^ wieber aufboren, wenn bec 
«nftd^tbare @ott jie i^v nid^t er()ielte? 3m SBintec 
ijl fte gleicf^fant tobt , ifl fte, wie ein abgelaufene^ 
U^rwerf , welc^ed flitt flehet ; aber mit jebem neuen 
Sru^linge ^ie^t ber unenblic^ weife unb mächtige 
@^ipfn berfelben ba^ U^rwerf gletd!)fam wiebee 
auf, bap ed i9on neuen ge^e, ))on mmn @twad wie« 
ber (hervorbringe. Dann bred^en 85ldtter unb Äno«^ 
ptn ^^ert)or; bann iffnet ft<^ ber @<feoof ber 6rbe, 



154 eutcnhHltln 

baf 9va€f Xt&uUt unb Slumen in unenbKd^ec SDtam 
tti(|^faUigfett ^ect^orrproffen ; bann f!e^t runb um^et 
bie 9{atuc in i^rer ganjen ttngefc^mäc^ten 2!ugcnb« 
fcaft wicber ha, al^ tomn fie eben erjl au6 ben 
«^jnben i^red ®c(^5pferd gefommen n^are. 

2(6er nic^t allein S)ied , fonbern aud^ \>a9 b(of 
fortbauecnbe 2)afein ber iDinge, fibergeugt mic^ i^on 
be( ununterbrochenen fDtitwirfung be^jenigen SSe« 
fen^, mld^t^ üüt^ l^erDorgebra^it 1)at ^itU tiefet 
SBefen einma^t auf, aüt biefe S)inge im 2>afein ju 
ermatten, fo mürben fte in bemfelben 2(ugenb(ide 
n^ieber in i^r 9Iic^t€ surfttffinfen, ober auf^Sren, ha* 
iufein. ®ott mirft a(fo in iebem 3(ugenblitfe auf 
ein jegtic^e^ 2)tng in ber 9Be{t ; folglich rauf er au^ 
bei einer jeben ®a(fee zugegen fein. 

greuet m^ aifo, i^t ^inber, unb beforget, menn 
tl^r recbt ge^anbett f^abt, niema^Id etn>a6 S35fed, 
benn ®ott ifl bei uni, wir ni5gen fein, n>o toir totU 
Un, mir m5gen fdj^lafen ober madS^en. Unb biefer 
@ott mitt um gern gtfidlicb machen, l^ter unb in 
einem anbern Seben nacb bemSobe; moDon id^ euc^ 
ba(b ein SSe^red fagen merbe. 6r fobert baf&r ni(^t6 
me^r, ai^ baß i^r aUe^ Sa« t^ut, mad ic^ euc^ bi^^er 
gele()rt l^abe;unb ba$ i^r habet t>Saig auf i^n vertraut, 
unb in aßen euren 2(ng«tegett()eiten }u i^m eure 3^' 



für Ainber. 155 

flnä)t ttel^met. S)tefe^, t^r lieben Atnber, l^at mein 
greunb , ber red^tfdS^affene ^favttv, getj^an, ber, »ie 
i^ md) \)ot\)in ergal^Ue, bei ber größten Aranf^eit, 
bi6 an bai @nbe feinet itUn$ fo freubig unb fo 
glfiifüc^ n)ar. 

©r fagte mir oft : 3cl& würbe in hieinem G(enbe 
»ergangen fein, menn ic^ ni^t in meinem ®ott ein 
t)o(red SSertrauen ge()abt l^atte ; aber, fegte er l^inju, 
tt)ann id^ betrübt merben ttoUu, fo rief id^ (Sott an, 
fo nagte ic|^ i^m inge^eim meine Seiben, unb i(^ 
n>eiß fe(bfl ni(i)t, n^ie ed fam, id^ n^urbe nad^^ jebem 
®zUU fo rul^ig, fo t^ergnügt, ai$ n^enn mir nid^t^ 
me^t fel^lte. 

@o fagte mein Si^eunb, unb, Atnber, er ^atte 
wa^rtidS^ 9{e(()t. ®(aubet einem alten SRanne, bet 
e0 aud^ erfa()ren "^at: bad ®ebet be6 Sted^tfdS^affenen, 
ber t)on ®ott 2(Ued ermartet, i^m aUein t)ertraut, 
bad @ebet ifl nie unerbirt geblieben. SBenn un6 
@ott aud^ fc^on nic^t immer £a6 giebt, um tcai 
mt xf)n. bitten, fo giebt er und gemiß ettvaS S3effered 
— nimlid^ Sttx^z bed ©emüt^d, gufrieben^eit mit 
unferm SSdE^id fale , unb hxz fic^erjle «Hoffnung, baf 
wir fünftig noc^ tveit glficC(id(|er fein werben. 

9Bie finnte er aud^ txn^ gerabe 2)ad geben, t9a9 
»ir bitten? 9Bir bitten oft U^t unoemfinftig um 



156 euttniü^Uin 

S^inge, bie un^ iupecfi elenb macben »ficben. (S$ 
toat mmaJ)i ein SSauer in hixn nid)\tm S)orfe, ber 
glaubte/ ti fei nic^tö beffer, q{^ Stetc^t^um ttnb 
Dielet ®e[b. SSecmut^Itc^ f)at er ®ott auc^ oft genug 
barum gebeten. )Dem mag nun aber fein, n)ie t^m 
tüoUt, genug, er erbte einmal[)( eine ®umme @eU 
be6 t)on etlichen taufenb X()a[ern. ®obalb er bad 
®e(b ^atte, t)erfaufte er feinen SJatttr^of, unb ^og 
in unfere ®tabt. 6r arbeitete nun nid^t me^r; feine 
Srau auc^ n\i)t ; bie ^tnber würben (ieberlid^ ; bie 
Ziten tranfen unb fpielten ben ganzen Sag, Saum 
»aren etliche 3o^re Dorbei, fo fingen feine lieberli« 
(^en ®o^ne an, erfl \f)n, banad) 2(nbere ^u befle^):: 
(en; ber Sine n)urbe ermifc^t unb aufge()angt; ber 
2(nbere lief bat)on, unb irrt nun in ber ^elt untrer; 
bie üTlutter tarn n^egen allerlei ^(udfcbmeifungen unb 
Sieberlid^feiten in^ Bud^t^aud, unb ber SSater jlarb 
enblid^ in ber iuflerßen 2lrniut^. 38a^ n&iU biefem 
nun fein ®elb? Um mie t?iel gl&c!lic^er mfirbe er 
nic^t gemefen fein, n^enn er in feinem Dorigen (Btarts 
be geblieben m^re? @e^t, Ainber, fo menig n^iffen 
wir oft, tfoa^ mir »finfcf^en ! 

©Ott allein n>ei$, n>a6 un^ glficflicib machen (ann, 
unb ben 9ted)tfd)affenen unb ®uten mad;t er gemif 
gl&tflid^. 3d) warfran!; ba riefte^: ®ott, erbarm 
me bic^ meiner; unb ®ott fidrfte midE), baf icb 
meine ®d()mersen ertragen fonnte; e^ geftet aud^ 
feiner loeifen ®ute, midb wieber gefunb gu ma^tn. 
34^ war arm; ba fiel id) nieber unb UUU, unb ®ott 
^aif mir. 6r fcbenfte mir Araft unb ®elegen^eit, 
mxd) bmä) meine 2(rbeit i^on bem ÜT^angel ju be^ 
freien, unb td;^ arbeitete unb banfte i^m, unb würbe 



für ^inbec. 157 

getrijlet unb beru^iiget. @o gütig, XinUt, fo 
barm^crjtd ifl unfet: @ott; fo (ie6 f)at er un«! Unb 
f)itu tt bamal)i^, ba tc^ xf)n anrief; mic^ aud[^ nid^t 
Don meiner £ranf()eit unb t>on ber ^(rmutl^ be- 
freiet, fo »ürbe id) U^m^ett an feiner ®&u bod^ 
md)t ge^meifelt ^abem ^ö) »Arbe barau^ 9efcl()(of5 
fen ^abtn, baf e^ mir gut fein muffe, nod!^ (dlnger 
f ranf, noc^ langer arm in fein ; unb biefer @ebanfe 
würbe mxd) beruhigt ^aben. 

Senn oft, \f)v Cieben Ainber, tfl e6 un^ tüaf)t^afs 
tig gut, mt 3eit (ang ungtücflid) ^u fein. SBie fStan» 
<i)tt tvive ein SSSfemic^t geworben, menn^ i^xn im- 
mer gut gegangen w^re! ^a^ @l&d mad}t leicht übet^ 
mfit^ig; aber bie dlot^ bringt un^ »ieber ^um 9?ad^ 
benfen über un6 unb unfere ^flic^ten. ^d) felbf?, 
meine ikbm, würbe gewif ^ie( fdf^limmer geworben 
fein, al^ x6) hin, wenn^ mir, befonberd in meinen 
jungem ^a^ren, nic^t zuweilen übet gegangen wäre. 
3(6er weit id^ fa^, ba^ mir gemeiniglidj^ etwa6 @c^(im« 
med begegnete, fo oft id!^ nid}t U(i)t ge^anbelt l^atte, 
fo ba^te 169: foUfl bod) ixnma\)l Mm, ob bir6 bef« 
fer ge^en wirb , mnn bu ntc(^td atd @ute6 }u tl^un 
fuc^ef}. Unb t)on ber 3eit an bin id^ nie wieber 
wirflid^ unglücClid^ gewefen. 

3war f)aht x6) nad)^tv aucb wo( manche SBtber« 
w jrtigfeit erlebt, aber biefe würbe mir Diel (etdiiter $u 
ertragen, al^ Dor()er, unb td^ merfte and) halb, baf 
Dergleichen Unfdde, bie xö) mir nxd)t felbfl jugejogen 
f)atu, am @nbe ^u meinem wahren Slortbeite oud« 
fcfttugen. ^d) 1)atu 5. 85. einmal^)! ®eUgenl{>eit, mit 
einem Domebmen Jp^ttn befannt ^u werben, ber 
Aber @ee reifen wolfte. 2>iefer f)atu mid) fo Heb ge« 

CF. (Sittenbäd;((m. H 



158 &itttn1>Hiiin 

»ontien, baf et mir \>tt^pxa^, mtcf^ ^u einem reichen 
tttib angefe^enen Wtanm ju machen, menn tc(^ mt((^ 
entfc^liefen thnm, x1)n auf biefer Steife $u begleiten. 
8Be( n>ar beretttvittigec ba}U , aie id) ? ®cbon mur« 
ben aUe 2(nflaUen juc Steife gemacht , alö icb plifis 
U(|^ in eine (angwierige Jtranfbeit t>erfie(. £)ad festen 
mir nun ein grofe^ Ung(&(f ^u fein, unb ed febtte 
»enig , baf icb in meinem Unt)ecf}anbe nicbt wiber 
0ott murrte. 2)enn ber t>ornebme ^err , bec ntc^t 
Idttger warten tonnte, reifete nun obne micb ab, unb 
aOe «^Öffnungen; bte er mir gemalt b^tte, marm 
baf^in. 3cb war untriflbar. 2(6er ma^ erfubr icb nacb 
einiger Seit ? S)af bad ®cbiff , auf weldS^em idS^ mit 
fortreifen foUte, t>on Seeräubern angefallen unb 
weggenommen worben fei , unb baf man bie ganje 
barauf beftnblic^e ©cbiffdgefeUfcbaft in bie SHatje* 
ux gef&b^t f)aht. 2)a erfannte i^^ bie ®&U ber g5t(^ 
Itcben S3Drfe()ung unb meine eigene Zf)oi^zit, baf icb 
biefe ®&te ^atte in 3ti>eifel sieben f 5nnen. ®eit ber 
Seit bin icb immer mit meinen @cbi(f fa(en suftieben 
gewefen, mnn icb and) nid)t aOfegeit begreifen fonnte, 
wo)u mir iDiefed ober 3ene^ gut fein mScbte. 

& würbe aucb in ber S^at febr r?erme(fen fein, 
wenn man bied in jebem Satte ju begreifen «erlangen 
woDte. 2)a mfif ten wir ja, wie ber aUwiffenbe ®ott, 
in bie Sufunft feben f innen, um su wiffen, wad au§ 
jDiefem ober 3^nem, welcbed \xn$ begegnet, l&nftig 
einma^l folgen werbe. Unb ha^ ^at ber gute ®ott, 
au6 febr weifen Urfacben, \>ov uni t)erborgen. 

t>a icb in meinen i&ngern S^lE^i^en aud^ einmabt 
ein ttngtftif erlebte, t)on bem idb nid^t begreifen 
f^nntt , wogu e^ mir nif^n würbe, fud^e mtd^ ein 



für Jtfnbir. 159 

frommet unb meifer fDtann, bcr me^r Stfa^tuns f)au 
U al$ x6), aufrieben gu fprec^en. 6r er)i()(te mir un< 
ter anbem einen 2raimi / ben xd^ nie oergeffen wtu 
bt, unb an ben xti) nai)l)tt immer backte, fo oft mir 
ttxoa^ ÜBibriged begegnete. 

»jDb t4^ gUid(),« fagte btefer mein e^rwüirbtger Sreunb, 
»nid^tS eifriger fucf^te, ai$ mic^ hnvti) 9iecl^tf((^affen(^eit 
g(&(f li(|^ SU mad^en unb @ott su gefallen , fo fliefl 
mir bod^ aud!^ einma^I ein Ungl&cf ^u, ba6 midft aur 
f erorbentlid^ fd^merite. 3n meiner S3etrfibnif ftng id) 
an in ^meifetn, ob ®ott aud^^ wirRic^ f&r bte ^em 
fcf^en forge, unb fte Qi&dixd) mad)tn mode? iDiefer 
Bweifel prefte mir bte bitterf!en ^f)vimn ani, unb 
mit S^^rdnen im 2(uge fdS)(ief idft txn. « 

» 2>a f am ti mir im Sraume i^or, aU ob id^^ auf 
einem SBege toitt , too id^ mid^ Derirrt ^itte. 34^ 
flanb einige 3ett, of)ne $u »iffen, n)o tdb ^in foUte. 
2)a fam ein SRann in mir, ber mir ben 93eg ^u itU 
gen unb mit mir su ge^en terfprac^. 34^ folgte i()m. 
@r f&]E)rte mic^ in ba^ «^aud eine^ fSfanned, ber un6 
fe^r too^I emp^ng, unb ber befle 3Vann t)on ber 9BeU 
Itx fein fd^ien. 2((^ wir weggingen, fa^ td), gu meinem 
Srflaunen, wie mein SSegUiter einen fd^5nen ftlbernen 
SSecber, ber auf bem Sifc^e flanb, mit wegnahm.« 

»tKm ^weiten Sage fe^rten wir bei einem bSfen 
SRenfd^en ein , ber uni faum eine (Sit in feinem 
J^aufe sum dbbad!^ (äffen wo Ute, unb ber nidfttd tl^at, 
aU flutten unb ^anfen — furj, ber ein rec^t gottlo« 
fer iSJlann war. S3ei bem lief mein Sfi^rer ben SSe^ 
4»er flehen, ben er bem guten fSfanne entwebet ^atte. 
•Um brieten Sage trafen wir wieber einen guten, 
frommen ^ann an, ber und aOe migli((^e ®efSQigfet« 

11* 



160 ^ittenH^Uin 

Un ertötet ; htm fietf te mein SSegUitet bdö «^(iu6 an. 
9Rtd) f^auberte t)6t: ber SBo^^ett. 2(({em meit ic^ 
ben 9Seg tiidbt aQeitt ftnben (onnte, mufte idb meU 
nem SBegtveifet; folgen. « 

»Z)tefer föl[)rte mid^ n)iebec p einem t>ortreffli((ett 
Spanne, bet bie ©fittgfeit fetbfl mar. SRetn SSegUiter 
gab t)or, er mifTe ben 9Seg ntc^t red^t, unb unfer 
SSirt^ WdU feinen eigenen ®of)n mit un^, bamit 
wir ja n\(i)t irre ge()en mScl(^ten. Xaum aber n)arett 
mir auf eine SSrfl^e gefommen^ fo f!ief er ben ®o^n 
unfern gfitigen SBobUb^ter^ in Un @trom 1)xmh, 
bap er ertranf. S3ei biefer abfd^eulicben Zf)at geriet^ 
id) auf er mir. £) bu Ungeheuer ! rief id), lieber mU 
id) gan^ aUein umherirren, ald Mnger an betner Sei- 
te aber einen (Srbboben geben , ber hxd) ade 3(ugem 
Mitfe iVL t)erf(blingen brobt. — Da xd) nocb rebete, 
umleuc^tete mid^ ein ©(an^, unb mein %&f)ttv nabm 
eine Abermenft^licbe @ef}aU unb 9Bärbe an. Sdj^ fte( 
iu SSoben. @r aber ricbtete micb auf, unb fpra^: 
Seme bie SBege ber äJorfe^^ung, beren t>xtmv xd) bin. 
!Der S3ec(^er; ben ic^ t>or t)ier Sagen nabm, mar t>er« 
giftet; barum entmanbte icb xl)n bem @uten,unbgab 
tbn htm S35fen aur @trafe. Unter ber 2(fcbe be6 ^aix- 
U^, bad i(b in S3ranb flecfte, liegt ein &d)ai, ben 
ber mob^b^tige STOanU; ber un^ fo gütig aufnahm, 
ftnben, unb momit er t>te( ®uteö füften mirb. I)er 
iunge Sßenfc^ aber, meieren xd) in ben ®trom 
flörite, märbe in furzen feinen 93ater ermorbet f)a^ 
bm, unh burcb feine Safler bie £lua( feiner SRutter 
gemorben fein, SSerebre @ott, unb &ber(af bxd) x^m 
aUm ; aber ^&u bicb , bie SBege feiner S^orfe^ung 
beurtbetCen su motten l « 



fäc Ainber. 161 

®o er}ä()Ue mir mein Sceunb feinen Xraum. 
Unb tvenn t()i* etnma^t ein menig me()r Srfa^rung 
befommt; fo metbet i^r an euc^ unb an 2Cnbern tau- 
fenb SSeifpieU fe^en, wie ein anfcl^einenbe^ ©l&d oft 
ein toa\)tt^ Ungl&cF ifl , unb hingegen biete Ungtfiif^' 
fdUe bie ^err(id)fien SBo^Ittiaten ®otteg ftnb. 

®oUte aber au(^ nic(^td al$ Unglfiif aber euc|) 
t)er^jngt fein; foUtet i()r im @Unbe tlerben muffen: 
fq n)trb eud), feib i^r nur o^ne eure ©dS^uIb ungtitct 
(tcf^, nodb immer ber Xrofl &brig bleiben, ben ntd)t^ 
zwi) rauben fann; unb biefen miU tc^ euc^ nun be» 
fannt madf^en. 

^inber, iDir ftnb unflerbHc^; mir berge* 
^en niema^U! 2wat biefer Seib r?on Steife^ unb 
kno^m, ber mirb etnmabl flerben unb beriefen ; aber 
n>ir felbft, hit mir biefe Seiber bemo^neU; merben ali» 
bann in tin anbered £eben fiberge^en , mo mir gan^ 
g(&(f (ic^/ o()ne ^ranfl^ett, o^m ^c^mergen, olE^neS^am 
gel — emig (eben merben. S>a^ f)at und ®ott ber« 
fprec^en (äffen, menn mir bier 2CKe6 tbun, ma^ mir fon> 
nen, um rec^t gute 9Renfd)en ^u merben. diejenigen, 
meiere ba^ nic^t t()un, merben ^mar aud^ emig (eben, 
aber ed mirb i^nen nidl^t mob( ge^en, fonbern fte mer- 
ben ba, mo fte al^bann ^infommen, fitr i()re Untu^ 
genben (eiben mäffen, um burc^ Seiben beffer ^u merben. 

3u einer anbern 3eit, xf)v Sieben, miU id) eud^ fa* 
gen, meiner id^ Siefe^ met§. S3id ba^in g(aubet mir 
auf mein SBort, ober febt \)xtimtf)t auö meinem 
ganzen Setragen, ba^ id) boUfommen babon berfts 
d)ttt fein muffe, ^d) bin nunme()r ein a(ter SWann, 
unb mein £eib mirb halb fterben muffen. 3Cc^, 
^tnber ! m&^te ic|) nun n\i)t , bai mein eigentlidj^ed 



462 eitttnhHUin 

3db/ mein« ®eele, unflerbltd^ tft; t»&iu t(^ nltfit, 
baf ber gute ®ott , ber e^ mir fd)on ^m in btefct 
SBett ^at fo tt»ol()( ergel^en (äffen ; auc^ naö^ meinet 
£ei6e6 2obe ftd^ meiner annefimen, mir Reifen, mi(^ 
^lidü^ madben tvirb: tvie elenb tpötbe i^ b^nn 
fein ? — Zbn \d) mei^ e^ , fo gewiß weiß i(^ e^^ 
M id^ jene ®teme am 1)cf)m «^immet funfetn fe^e! 
Sdft »erbe (eben, unb unenblid^ glätflic^er Uben,a(6 aSe 
Jtinige ber @rbe mid) ^m )u mad^en in fStanbe ftnb. 

Htxd^ i^r, mrtne Jtinber, aui) i^r werbet einmal! 
mir in fene^ beffere, ewige Eeben nadE^fotgen, wenn 
i^t m(fy bim&f)t, gute, redj)tfd^affene SRenfd^en (u 
werben. )Dann werben wir un^ wieber feigen, m^ 
wieber lieben , unb bie ^reube ftber un^ , Aber unfer 
Sl&d unb aber ben (ieben guten ®ott, ber un^ mt- 
ber Dereinigte, wirb t?on unenbtic^er 2)auer fein. 

fRetne (ieben Jtinber! Saft mic^, o laft mi(b 
bitfen Srofi mit in mein @rab nebmen, ben Zto% 
baß i^r eurem aluh SBater, eurem ^reunbe, ber eu<b 
fo treu, fo ^er$(tdb liebte, in aOten &tiim gel^ord^, 
unb euc^ baburci) berienigen ®(ä(ffe[igfeit wärbig 
mad)tn woUt, su ber id^ nun balb t^orangeben werbe. 
®agt, il^r t()euern Siebtinge meinet «l^erien«, fagt, 
fann ic^ micb barauf t?er(affen ? 

Sie Ainber flArjten webmiit(^ig in feine 2(rme, 
unb brucften ibr SSecfpredf^en burc^ j!umme Z^ti- 
nen au^. S>a fagte @^renreidb biefe merfwfirbtgen 
SBorte: 9Ben ®ott t)or§äg(idb fegnen will, 
bem giebt er fromme unb geborfame £in$ 
ber; unb bie Jpttitn 2(tter jerfloffen in fpracf^fofer 
ffmpftnbung.